Navigation und Service

58. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Amerikastudien

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Bürgermeister Gerhard Weber anlässlich der 58. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Amerikastudien am 16. Juni 2011 um 17 Uhr im Historischen Reichssaal


Anrede

ich freue mich sehr, Sie hier zu Ihrer 58. Jahrestagung im Historischen Reichssaal der Stadt Regensburg begrüßen zu dürfen.

Ihre 57. Jahrestagung hat vor fast genau einem Jahr in Berlin stattgefunden. Nun ist es schon sehr schwer, als Gastgeber mit der Bundeshauptstadt in Konkurrenz zu treten. Wenn es gar um die Kontakte zu Amerika geht, dann scheint solch ein Versuch von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Kann doch keine andere deutsche Stadt auf solch intensive, historische und menschlich anrührende Beziehungen zu den Vereinigten Staaten zurückblicken wie Berlin.

Aber Regensburg ist eben nicht Berlin und Amerika sind auch nicht ausschließlich die Vereinigten Staaten. Deshalb ist es auch gar nicht unser Ziel, mit der Bundeshauptstadt zu konkurrieren. Wir hier in der Metropole der Oberpfalz sind stolz darauf, dass wir unsere ganz eigene Geschichte haben, in der es ebenfalls viele Verflechtungen mit dem Kontinent jenseits des großen Teiches gibt. Und wir sind vor allem stolz darauf, dass diese Verflechtungen bei weiten nicht nur Historie sind, sondern tagtäglich gelebte Gegenwart.

Dennoch kann in einer Stadt wie Regensburg, die 2006 mit dem Titel „UNESCO-Welterbe“ geadelt wurde, die Geschichte nicht ganz hintangestellt werden.

Denn unser Regensburg, wie Sie es heute erleben, das gäbe es nicht ohne seine wechselvolle und durchaus weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bedeutungsvolle Geschichte, die an jeder Hausecke ihre Spuren hinterlassen hat.

Ich hoffe sehr, dass die dichtgedrängte Tagesordnung es Ihnen erlaubt, diesen Spuren auch persönlich nachzugehen, damit Sie sich auf ein kleines Rendezvous mit unserer mittelalterlichen Schönheit einlassen können.

Aber selbst wenn Sie keine Zeit zu einem ausgedehnten Stadtbummel finden, dann können Sie auch hier im Historischen Reichssaal den Atem der Transnationalität spüren, bezogen schwerpunktmäßig freilich auf Europa, aber zumindest peripher auch auf das damalige Amerika. Immerhin trat hier auch Kaiser Karl V. als wichtiger Akteur auf. In dessen Reich konnte ja bekanntlich die Sonne nicht untergehen. Und das war eben nur mit den spanischen Besitzungen in der Neuen Welt möglich. Als Carlos Primero war der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation ja bekanntlich auch König von Spanien.

Im Herzen Europas gelegen, bewahrte sich Regensburg seine Strahlkraft über die Jahrhunderte hinweg, natürlich wegen der Donau als Handels- und Transportweg nicht zuletzt in Richtung Osten.

An die transatlantischen Verbindungen konnte allerdings erst mit dem Ende des 2. Weltkriegs, als die Stadt kampflos an US-amerikanische Truppen übergeben worden war, wieder angeknüpft werden.

Die von den Deutschen zunächst eher skeptisch betrachteten, aber bald durchaus meist liebevoll „Amis“ genannten amerikanischen Soldaten, brachten den in jeder Beziehung ausgehungerten Regensburgern die heiß begehrte Schokolade mit, den American Jazz und die vor allem bei der Damenwelt gefragten Nylonstrümpfe. Sie führten den Nescafé ein und sorgten mit der Gründung des Deutsch-Amerikanischen-Instituts über ein halbes Jahrhundert dafür, dass Regensburg eine internationale Plattform für Kontakte mit US-amerikanischer Kultur, Politik und Geschichte bekam, und damit einen unverzichtbaren Lernort für Demokratie!

Nicht wenige Regensburgerinnen und Regensburger wurden noch vor der Gründung der Universität über das Deutsch-Amerikanische Institut zu einem Studienaufenthalt in den USA ermuntert. Und noch heute ist die umfangreiche Bibliothek des DAI ein wichtiger Bestandteil unserer Stadtbücherei.

Auch wenn sich die Universität, die zum Wintersemester 1967/68 ihren Betrieb aufnahm, bedingt durch die geografische Lage Regensburgs, verstärkt der Kontakte zu Osteuropa annahm, waren von Beginn an die Beziehungen zu Amerika ein wichtiger Bestandteil von Forschung und Lehre.

Welche Bedeutung die Beziehungen zu Amerika für die Regensburgerinnen und Regensburger haben, unterstreicht die Tatsache, dass unsere Stadt bereits im Jahr 1978 den Schritt zu einer Städtepartnerschaft über den Atlantik hinüber wagte. Tempe, direkt in der Wüste gelegen und die siebtgrößte Stadt im Bundesstaat Arizona, bildet einen Gegensatz zu Regensburg, wie er größer nicht sein könnte. Mit der Arizona-State-University, an der mehr als 51 000 Studierende eingeschrieben sind, besitzt Tempe die zweitgrößte Universität der Vereingten Staaten.

Durch die Ansiedlung international tätiger Unternehmen wie General Electric, Conti oder BMW zieht es auch viele Ingenieure, Software-Entwickler, Ärzte, Dozenten oder Facharbeiter vom transatlantischen Kontinent zu uns an die Donau. Andere gehen von Regensburg weg, um in den Staaten zu arbeiten, sei es für ein paar Monate oder für ein ganzes Leben.

Diese internationalen Verflechtungen schaffen Arbeitsplätze, fördern den interkulturellen Austausch und haben Regensburg zu einer Stadt gemacht, die den internationalen Vergleich nicht scheuen muss. So steht unsere Stadt als Wirtschaftsstandort bereits seit mehreren Jahren deutschlandweit in der Spitzengruppe. Der Zukunftsatlas 2010 der Prognos AG attestiert Regensburg beste Zukunftschancen.

Auch was den Arbeitsplatzbesatz angeht, nimmt Regensburg bereits seit Jahren eine Spitzenposition ein und rangiert dabei dicht hinter großen Metropolen wie Frankfurt am Main. Dieser Tatsache konnte auch die 2009 weltweit einbrechende Wirtschaftskrise nicht viel anhaben, was sicherlich auch darauf zurückzuführen ist, dass unsere Stadt frühzeitig auf einen gesunden Branchenmix und auf neue und zukunftsweisende Technologien, wie Biotechnologie, Sensorik oder IT-Sicherheit gesetzt hat.

Einen wichtigen Anteil an der Stabilität des Standorts Regensburg haben natürlich auch die überaus attraktiven Lebensbedingungen, die unsere Stadt zu bieten hat. Und genau diese Lebensbedingungen ziehen nicht nur Studierende und Arbeitskräfte aus aller Welt zu uns in die Hauptstadt der Oberpfalz.

Sie wirken auch als Tourismusmagnet. Das mittelalterliche Wunder an der Donau mit seinen Geschlechtertürmen, und der historischen Steinernen Brücke einmal gesehen zu haben, gehört mittlerweile fast schon zum Pflichtprogramm eines Europareisenden aus Übersee. Nicht zuletzt deshalb werden Sie auf Schritt und Tritt Touristen aus den USA oder aus Japan treffen, die mit einem der großen Donau-Flusskreuzfahrtschiffe in Regensburg Halt machen.

Ich habe Ihnen, meine Damen und Herren, eingangs gesagt, dass es nicht meine Absicht ist, mit der Bundeshauptstadt zu konkurrieren. Ich hoffe jetzt, dass ich Sie davon überzeugen konnte, dass wir in Regensburg das auch gar nicht nötig haben. Nicht nur, aber durchaus auch, was die Beziehungen zu Amerika angeht, können wir Regensburger von uns auf gut Bayrisch behaupten: „Mir san mir!“

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Verlauf Ihrer Tagung und einen genussreichen Aufenthalt in unserer Stadt!