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Verleihung Umweltpreis 2010

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger zur Verleihung des Umweltpreises der Stadt Regensburg 2010 am Donnerstag, 29. Juli 2010, um 14.00 Uhr

 

Sehr geehrte Preisträger,
sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte und Damen und Herren der Verwaltung,

zu den Aufgaben, die ich mit besonderer Freude erfülle gehört es, alle zwei Jahre Regensburger Bürgerinnen und Bürger, Gewerbebetriebe und Schulen für besondere Leistungen auf dem Gebiet des Umweltschutzes auszuzeichnen.

Umweltschutz betrifft unsere gesamte Gesellschaft. Es handelt sich um eine Aufgabe, der wir uns alle stellen müssen, Behörden, Landes- und Bundesregierungen, das Europäische Parlament genauso wie Handwerk, Gewerbe und Industrie.

Gerade die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko macht derzeitig deutlich, dass Umweltschutz eine Aufgabe ist, der sich alle stellen müssen und die nicht durch Kostenminimierungen und Stellenabbau leiden darf. Die Firma BP hatte aufgrund einer Wirtschaftlichkeitsanalyse externer Berater in den letzten zehn Jahren das eigene Fachpersonal, Ingenieure und Geologen, ausgestellt, um im Bedarfsfall solche Leistungen einzukaufen. Bei den erforderlichen Ausschreibungen erhält dann das preisgünstigste Angebot den Vorzug. Preisgünstig ist aber nicht immer gut, wie wir an der Katastrophe jetzt sehen. Der Einbau falscher Sicherungssysteme, das Versagen der Aufsichtsbehörden und die Ratlosigkeit bei der Bewältigung der Katastrophe zeigen nur zu deutlich, dass Umweltschutz eben eine präventive Aufgabe ist, die man im Vorfeld erledigen muss. Es wäre wesentlich wirtschaftlicher gewesen, mit vermehrten Kosten ein sicheres Bohrsystem zu bauen, als jetzt mit Milliarden zu versuchen, den Schaden einzudämmen. Hoffen wir alle, dass dies gelingt, denn wenn die Ölquelle unvermindert weitersprudelt, werden wir noch nach Jahrzehnten die Auswirkungen der Katastrophe spüren.

Deshalb komme ich zurück auf meinen Eingangssatz, dass Umweltschutz ein gesamtgesellschaftliches Thema ist. Jeder Einzelne hat es in der Hand, durch seine Lebensgestaltung, Lebensgewohnheiten und Verbraucherverhalten die Umwelt zu be- oder zu entlasten. Seitdem der Klimawandel weltweit spürbar wird, verbinden wir mit dem Gedanken an Umweltschutz regelmäßig die vorrangige Aufgabe des Klimaschutzes. So hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Regierungserklärung vom 10.11.2009 eindringlich den Klimaschutz als eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts und als „Menschheitsaufgabe“ bezeichnet.

Klimaschutz ist eine Aufgabe, der sich die Stadt Regensburg schon seit zwei Jahrzehnten intensiv widmet. Bereits in den 80er Jahren hat die Stadt Regensburg in ihren Bebauungsplänen Vorgaben für den Einsatz von Brennstoffen zur Verbesserung der Luftqualität in Regensburg getätigt. Nicht umsonst ist die Stadt Regensburg in der Solar-Bundesliga führend und wurde von der Deutschen Umwelthilfe für vorbildliche Leistungen auf dem Gebiet des Klimaschutzes mit dem Ehrentitel „Klimakommune“ ausgezeichnet.

Wir haben uns seit neuestem als Stadt Regensburg in einer referatsübergreifenden Zusammenarbeit einer ganz neuen Aufgabe gewidmet, die sich mit der Sicherung der Zukunft beschäftigt. Neben dem aktiven Klimaschutz entwickelt die Stadt Regensburg in einem Modellprojekt, das durch die Bundesregierung gefördert wird, Strategien für eine Stadtentwicklung unter dem langfristigen Aspekt der Anpassung an den Klimawandel. Die Stadt Regensburg stellt sich heute der Frage, wie wir Stadtentwicklung gestalten müssen, um Strategien zur Anpassung an den Klimawandel erfolgreich zu gestalten.

In einem urbanen Verdichtungsraum, wie es gerade in Regensburg der Fall ist, kann ein Temperaturanstieg bedeuten, dass es gerade in der Innenstadt langfristig trockener und heißer wird, Starkregenereignisse können bedeuten, dass die heutige Kanalisation künftig möglicherweise nicht leistungsfähig genug ist, es können Frischluftschneisen zur Durchlüftung der Altstadt von besonderer Bedeutung werden, es müssen aber auch gerade in der Altstadt Möglichkeiten gefunden werden, durch individuelles Engagement sich einem ändernden Klima anzupassen.

Dies kann durch neue energetische Konzepte der Wärmelieferung an Haushalte genauso geschehen wie durch natürliche oder künstliche Beschattungselemente auf Südfassaden. All dies bedarf einer umfassenden wissenschaftlich erarbeiteten Strategie, damit ein Puzzleteil in ein anderes greifen kann und es insgesamt zu einem Gesamtkonzept kommt, mit dem der Lebenswert einer Stadt erhalten bleiben kann.

Unabhängig von medialem Interesse hat sich die Stadt Regensburg dieser Zukunftsaufgabe gestellt, von der nachfolgende Generationen Nutzen ziehen werden und die anderen Kommunen in Deutschland und Europa helfen sollen, Klimaanpassungsfragen zu lösen. Ich bin stolz darauf, mit Fug und Recht sagen zu können, die Stadt Regensburg ist eine Modellgroßstadt zur Sicherung unserer zukünftigen Lebensbedingungen.

Dieses Forschungsprojekt der Klimaanpassung hat zwei Facetten: einmal sollen Strategien für eine Stadtentwicklung im Rahmen einer Flächennutzungsplanung untersucht und gefunden werden, zum andern soll es aufzeigen, welche Möglichkeiten und Notwendigkeiten bestehen, in einer dicht besiedelten Altstadt mit bestehenden Stadt- und Freiraumstrukturen und dem Gebot, Substanz und Erscheinungsbild des Weltkulturerbes zu erhalten, Lebensqualitäten langfristig innovativ zu erhalten.

Mit einer Integration einer Klimaanpassungsstrategie in den Welterbe-Managementplan leisten wir hier für alle Städte mit historischem Erbe Pionierarbeit. Unser Pilotprojekt startete im Dezember 2009, die Auftaktkonferenz dazu fand am 07. und 08. Juni 2010 in Berlin statt, die Laufzeit des Projekts ist bis März 2012 festgelegt. Mein Wunsch ist es, dass ich Ihnen noch häufig von den Erfolgen dieses Projektes berichten kann.

Heute habe ich jedoch erst einmal über herausragende Leistungen der Preisträgerinnen und Preisträger zu sprechen und diese zu würdigen. In der Kategorie Einzelpersonen hat der Ausschuss für Stadtplanung, Verkehr, Umwelt- und Wohnungsfragen in seiner nichtöffentlichen Sitzung vom 08.06.2010 zwei Umweltpreise vergeben:

Zunächst erhält Frau Belinda Haas den Umweltpreis der Stadt Regensburg. Frau Belinda Haas führt seit dem Jahr 2010 naturkundliche Führungen in der Stadt Regensburg durch. Neben Führungen im Botanischen Garten an der Universität, am Brandlberg und im Stadtwesten werden auch Führungen im engeren Stadtbereich zwischen Nibelungenbrücke, Grießer Steg und Steinerner Brücke bis hin zum Wehr veranstaltet. Aus diesen Führungen ist das Buch von Frau Haas entstanden „Regensburg grün – Ein naturkundlicher Spaziergang mitten in der Stadt“.

Das Buch fasst anschaulich die kleinen Naturschönheiten der Stadt zusammen und weckt das Interesse für Kräuter und Pflanzen. So wird die Artenkenntnis der Leser und Teilnehmer gefördert und das Naturgefühl gestärkt. Das Buch ist mit großem Interesse und Engagement erstellt. Die Autorin wohnt und wirkt in Regensburg und erhält nach meiner Überzeugung zu vollem Recht für ihr ehrenamtliches Engagement den Umweltpreis der Stadt Regensburg.

Ich bitte Frau Haas zur Übergabe des Preises nach vorne.

Die Autorinnen Judy Bauer, Elisabeth Schinner, Monika Seywald und Renate Wienbreyer haben als Team zwei Ausflugs- und Freizeitführer mit den Titeln „Mit Kindern unterwegs in Regensburg“ und „Mit Kindern unterwegs rund um Regensburg“ verfasst. Regensburg sowie das Umland erleben und zwar garantiert ohne Auto war das Ziel der Autorinnen.

Die beiden familiengerecht gestalteten Ausflugs- und Freizeitführer verzichten bewusst auf das Auto und setzen stattdessen auf Entdeckungsfreude, Flexibilität und Kreativität der gesamten Familie. So vermitteln die Autorinnen ein Bewusstsein für Schutz und Bewahrung von Natur und Umwelt. Auch diese Initiative ist ein Beispiel, wie es Privatpersonen gelingen kann, zu einer Umweltverbesserung und Umweltfrüherziehung beizutragen.

Ich darf nun die Autorinnen Frau Judy Bauer, Frau Elisabeth Schinner, Frau Monika Seywald und Frau Renate Wienbreyer zu mir bitten und den Preis stellvertretend für das Autorenteam an Frau Monika Seywald übergeben.

In der Kategorie Schulen/Initiativen fiel die Entscheidung für einen Umweltpreis diesmal auf das Umweltzentrum Regensburg.

Das Umweltzentrum Regensburg hat sich zum Ziel gesetzt, ein Bewusstsein für eine nachhaltige Lebensführung speziell bei Schülerinnen und Schülern zu entwickeln. Dazu werden auch Pädagogen ausgebildet, um als Multiplikatoren zu dienen. Ziel ist es, dass die Teilnehmer motiviert werden, sich eigenständig mit dem Thema Klimaschutz, Einsatz regenerativer Energien sowie Ressourcenschonung zu befassen und auf dieser Basis eigene Initiativen zu entwickeln.

Zu diesem Zweck hat das Umweltzentrum Regensburg z. B. Forscherkisten mit Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs zusammengestellt. Auch diese Initiative ist dazu da, im Rahmen der pädagogischen Erziehung möglichst frühzeitig Bewusstsein für Klima- und Umweltschutz zu vermitteln und dient damit der gesamten Gesellschaft.

Zur Übergabe des Preises darf ich Herrn Dr. Bernhard Starosta zu mir bitten.

In der Kategorie Firmen haben wir einen gemeinsamen Umweltpreis für das Haus der Zukunft vergeben.

Dieses Haus wurde im Baugebiet „An den Klostergründen“ errichtet. Wesentlich waren zwei Firmen an der Konzeption des Gebäudes beteiligt. Einmal die Sonnenkraft GmbH als Bauherrin und zum zweiten die fabi architekten als Entwurfsplaner.

Der gesamte Energiebedarf (Strom, Heiz- und Brauchwasser) des Einfamilienhauses wird vor Ort erzeugt. Das Gebäude verfügt über Wärmedämmung nach dem fortschrittlichsten Stand der Technik sowie eine kontrollierte Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung. Rechnerisch erfüllt das Gebäude den sog. „Nullenergiehaus-Standard“. Fossile Brennstoffe werden nicht benötigt. Mit der Konzeption und der Planung dieses Hauses haben die Preisträger Maßstäbe für hohe Anforderungen an Energiesparmaßnahmen in Regensburg gesetzt.

Es handelt sich um ein Projekt, das seine Wurzeln in Regensburg hat, aber von überregionaler Bedeutung ist.

tellvertretend für fabi architekten nimmt Herr Stephan Fabi, sowie für die Firma General Solar Systems Deutschland Herr Markus Staudigl, den Preis entgegen.

Ein weiterer Preisträger ist die Infineon Technologies AG, die sich seit Jahrzehnten intensiv mit Fragen des Umweltschutzes auseinandersetzt und auch hier im Alten Rathaus bereits mehrfach prämiert wurde.

Der Stadtrat hat die Firma wegen mehrerer Projekte gewürdigt, die insgesamt belegen, wie der Bereich Umwelt- und Klimaschutz bei der Firma allumfassend behandelt wird.

Es sind die Projekte

  • Eigenverantwortung und Energieeinsparung am Arbeitsplatz
  • Energiesparende Beleuchtung
  • Optimierung und Verringerung der benötigten Stickstoffmengen bei Luftzerlegeanlagen
  • Intensivierung des Benchmarks im Fertigungsverbund

Durch die gesamten Energiesparmaßnahmen kann die Firma etwa 4.500 MWh/a Strom pro Jahr sparen.

Bemerkenswert ist bei der Fa. Infineon Technologies AG insbesondere, dass sie alle zwei Jahre mit völlig neuen Ideen weitere Maßnahmen zum Umwelt- und Klimaschutz entwickelt und jeweils überaus erfolgreich und beispielgebend einsetzt.

Ich darf Herrn Dr. Hermann Jacobs zu mir nach vorne bitten.

In der Kategorie Anerkennungsurkunden hat der Stadtrat einen Verein und einen Gewerbebetrieb ausgezeichnet.

Der Waldvogel- und Exotenverein Regensburg III Vogelschutz e. V. wird für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement gewürdigt.

Neben der ehrenamtlichen Pflege hält der Verein in diversen Bildungsstätten Vorträge zur heimischen Vogelwelt. Das Fachwissen der Vereinsmitglieder ist beispielgebend. Dieses langjährige Engagement soll mit einer Anerkennung gewürdigt werden.

Ich überreiche die Urkunde Herrn Michael Frank stellvertretend für den Waldvogel- und Exotenverein Regensburg III.

Die Firma Aumüller Druck GmbH & Co. KG zeichnet sich über Jahre hinweg durch einen nachhaltigen und engagierten Einsatz im Bereich des Umweltschutzes aus.

Laufend entwickelt die Firma neue Projekte zur Verringerung des Einsatzes schadstoffhaltiger Produktionsmittel genauso wie zur Wärmedämmung oder zur Verminderung des Energieverbrauchs. Die Firma geht dabei weit über gesetzliche Vorgaben hinaus. Mit diesem beispielgebenden langjährigen Versuch, nach den besten Möglichkeiten umweltschonend zu produzieren, hat die Firma zu Recht eine Anerkennung verdient. Die Urkunde darf ich nun Herrn Christian Aumüller aushändigen.

Allen Preisträgern darf ich nochmals im Namen des Stadtrates, der gesamten Bürgerschaft und von mir persönlich ganz herzlich gratulieren, mich für das Engagement bedanken und hoffe, dass wir auch in zwei Jahren gleich engagierte Initiativen, Betriebe und Einzelpersonen in diesem Raum auszeichnen können.