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Jahrestagung der "Freunde der Universität Regensburg e.V."

-Es gilt das gesprochene Wort-

Festvortrag von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich der öffentlichen Jahrestagung der „Freunde der Universität Regensburg e.V.“ am Dienstag, 13. Juli 2010, 17.00 Uhr


Sehr geehrter Herr Dr. Helmes,

Sehr geehrter Herr Ministerialdirigent Küspert,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

der Verein der Freunde der Universität Regensburg wurde 1948, im Jahr der Währungsreform, mithin noch vor Gründung der Bundesrepublik aus der Mitte unserer Stadtgesellschaft heraus begründet. Lange also bevor die Bayerische Staatsregierung in den frühen 60er Jahren die Errichtung einer Universität, der damals 4. Landesuniversität des Freistaates, in Regensburg beschloss.

Die Mitglieder hatten seinerzeit ein klares Ziel vor Augen, nämlich in unserer Stadt eine Universität ins Leben zu rufen, die sich in ihren wissenschaftlichen Arbeiten nicht zuletzt auch der näheren und weiteren Region widmet.

Dass Universitäten oder Institutionen der Wissenschaft eine wichtige Rolle als Motoren im sozio-ökonomischen Strukturwandel auf stadtregionaler Ebene wahrnehmen könnten, war seinerzeit eine noch relativ junge Erkenntnis. Mit den Universitätsgründungen nicht nur hier in Regensburg, sondern etwa auch im Ruhrgebiet Ende der 1960er Jahre, fand eine solche regionale Wissenschaftspolitik ihren sichtbarsten Ausdruck.

Charakteristisch für diese Phase des Universitätsneu- und -ausbaus in Deutschland war auch ein spezifisches Verhältnis zwischen Universität und Stadt: die akademischen Infrastrukturen verließen damals in zunehmendem Maße die Stadtzentren - große geschlossene Einheiten entstanden an den Rändern der Städte. Diese Veränderung betraf im Übrigen nicht nur Neugründungen, sondern auch viele Erweiterungen insbesondere in den kleineren Zentren wie beispielsweise Heidelberg, Tübingen und Marburg, Universitätsstädte also, die im Unterschied zu Regensburg bereits damals auf Jahrhunderte alte Traditionen ihrer Hochschulen zurückblicken konnten.

Die Antriebsfunktion von Universitäten hat sich mit dem Aufkommen einer wissens- und kulturbasierten Wirtschaft gleichzeitig verschärft und verschoben. Wissen wird einerseits zur zentralen Ressource ökonomischen Handelns; Wissen generierende und transformierende Institutionen damit zu den entscheidenden „Infrastrukturen der Wissensökonomie“. Auf der anderen Seite verändert sich jedoch zugleich das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft: vom eher linearen Modell des Wissenstransfers über die Generierung von Kompetenz in der Hochschule und der Anwendung in der Praxis zu ei-nem Prozess, der von wechselseitigem und Fächer übergreifendem Austausch, also von Interdisziplinarität geprägt ist.

Hieraus folgen zwei Tendenzen, die die heutige Beziehung von Universität und Stadt maßgeblich bestimmen:

  • Universitäten werden zum einen stärker zu Mitteln städtischer Profilierung;
  • zum anderen wird die Verbindung zwischen Universität und Stadtgesellschaft zwangsläufig enger und vielschichtiger.

Beide Tendenzen befördern eine Rückkehr der Universität in die Stadt und legen gleichzeitig eine stärkere Verzahnung von Wissenschafts- und Stadtentwicklungspolitik nahe.

Ich möchte heute über die Chancen sprechen, die sich aus dieser vielschichtigen Beziehung zwischen Wissenschaft und Stadtentwicklung für uns alle ergeben, die Politik, die Wirtschaft, nicht zuletzt aber auch für die Stadt und ihre Gesellschaft selbst. Schließlich muss es unser Ziel sein, die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen auf dem Weg in die Zukunft unserer Stadt.

In Zeiten, da angesichts immer knapperer Kassen der Öffentlichen Hand die Notwendigkeit von Investitionen in Bildung und Ausbildung gerade nicht infrage gestellt wird, bildet der Aufbau der Universität Regensburg ein gelungenes Beispiel dafür, dass derlei Ausgaben in höchstem Maße von Nachhaltigkeit geprägt sind, insbesondere mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Es lässt sich in praktisch keiner anderen Region unseres Landes ein besserer Nachweis als in Regensburg erbringen, wie seit der Eröffnung der Universität ein eher unterdurchschnittliches Wachstum in ein überdurchschnittliches umgeschlagen ist.

Es steht ganz außer Frage: die Qualität seiner Ausbildungsstätten - damit meine ich insbesondere, aber nicht nur unsere Hochschulen - bildeten eine wichtige Rahmenbedingung für den Ausbau und die weitere Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Regensburg. Heute gehört der Wirtschaftsraum Regensburg zu den wachstumsstärksten in ganz Deutschland und braucht nicht einmal den internationalen Vergleich zu scheuen.

Folgt man den Prognosen und Studien renommierter Wirtschaftsforschungsinstitute, wird Regensburg auch in den kommenden Jahren prosperieren und von allen bayerischen Regionen die höchste Zunahme bei den Arbeitsplätzen aufweisen. Mit 745 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf 1.000 Einwohner (Stand: 2008) weist die Stadt im bundesweiten Vergleich schon heute die zweithöchste Quote auf, lediglich übertroffen vom Automobilstandort Wolfsburg. Unter den bayerischen Großstädten verzeichnet Regensburg darüber hinaus mit ca. 70.605 EUR (Stand: 2007, neuere Zahlen noch nicht verfügbar) die höchste Wirtschaftskraft pro Einwohner (zum Vergleich: das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner in München liegt bei rund 56.306 EUR).

Die Hochschulen haben, und daran besteht kein Zweifel, zu dieser überaus erfreulichen Entwicklung in ganz erheblichem Maße beigetragen. Vielleicht, oder sollte ich sagen, auch gerade deshalb, weil sich, als die Universität ins Leben gerufen wurde, aus den damaligen wirtschaftlichen Gegebenheiten der Region kaum direkte Studieninhalte und Ausbildungsziele ableiten ließen. Denn auf diese Weise war die Universität gezwungen, bei den Grundlagen anzusetzen. Das Ergebnis war, dass diese grundlagen-orientiert und allgemein ausgebildeten Absolventen genau die Richtigen waren, um die sich abzeichnende Dynamik des Wirtschaftsstandortes Regensburg aufzunehmen und fortzuführen. Genau hierin liegt nämlich die Stärke der Regensburger Universität, dass auf der Basis eines grundlagen-orientierten Studiums anwendungs-orientierte Perspektiven vermittelt werden. Ein Umstand, der ganz unmittelbar an der wachsenden Zahl von Diplomarbeiten abgelesen werden kann, die in Kooperation von Universität, externen Forschungseinrichtungen und der Industrie entstehen.

Die Regensburger Universität war prädestiniert, die Hochschule Ostbayerns zu werden (die Universität Passau wurde erst 1978 eröffnet). Endlich bot sich Studierwilligen aus der Region die Möglichkeit, ihre akademischen Weihen in der Region zu erwerben und zum Nutzen ihrer Region auch in den heimischen Betrieben zur Anwendung zu bringen. Mehr als die Hälfte aller Studierenden stammt bis heute aus dem ostbayerischen Raum (lt. aktueller Studentenstatistik für das SS 2010 kommen von 15.322 deutschen Studierenden sogar 13.971 aus den bayerischen Landkreisen bzw. haben dort ihren Hauptwohnsitz, davon wiederum allein 3.780 aus Stadt und Landkreis Regensburg). Hierdurch musste der Effekt für die Region rasch spürbar werden.

Als besonders bedeutsam für den Standort Regensburg und seine wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung sollte sich erweisen, dass die Universität gerade in jenen Bereichen stark war, die besonders praxisnah ausbildeten bzw. deren Absolventen am Arbeitsmarkt entsprechend nachgefragt wurden. Aus einer Ende der 90er Jahre angefertigten Studie geht hervor, dass man für die große Mehrheit der Absolventen einen nahezu nahtlosen Übergang in die Arbeitswelt feststellen kann.

1997 befanden sich nur weniger als 3% der Absolventen noch ein Jahr nach Abschluss des Studiums noch auf der Suche nach einem Arbeitsplatz. Auch wenn die zitierte Studie bereits etwas in die Jahre gekommen ist, so möchte ich doch nicht unerwähnt lassen, dass seinerzeit 43,6% der Absolventen ihr Erwerbsleben in einem Umkreis von max. 75 km um die Stadt Regensburg begannen. Dieser Sachverhalt macht einmal mehr deutlich, in welch hohem Maße sich offenbar schon damals Angebot und Bedarf an qualifiziertem Personal in unserer Region in Deckung bringen ließen. Die dynamische Entwicklung der Wirtschaftsregion Oberpfalz im allgemeinen, der Stadt Regensburg im besonderen wäre ohne die Impulse, die von der Universität und ihren Absolventen ausgingen und -gehen, wohl so nicht denkbar gewesen.

Dass Regensburgs alma mater nicht nur als Studienstätte, sondern Stadt und Umgebung auch als Arbeitsort attraktiv sind, ist für den Standort, für die Unternehmen, die Verwaltung, für unsere Schulen, ja und auch für die kulturelle Szene der Stadt eine echter Glücksfall: Die Universität stellt ein Innovationspotential ersten Ranges zur Verfügung. Hoch motivierte und fachlich hervorragend qualifizierte Studienabgänger suchen gezielt nach Arbeitsplätzen in unserer Stadt und ihrer Umgebung.

Arbeiten, wo andere Urlaub machen, ist ein vielleicht schon etwas abgegriffener, aber auf unsere Region alles in allem doch sehr zutreffender Slogan.

Die emotionale Bindung vieler Studierender an die Stadt ist ein Potential, das die hier ansässigen Unternehmen zusehends als Chance für die Gewinnung tüchtiger Mitarbeiter begreifen. Ich erwähne als Beispiel die seit einigen Jahren mit zunehmendem Erfolg durchgeführte Firmenkontaktmesse „Karriere - Kontakte“. Der wachsende Zuspruch zu dieser Veranstaltung aus der regionalen Wirtschaft macht deutlich, dass die Betriebe ihren Nachwuchs gern vor Ort rekrutieren, und zwar nicht allein deshalb, weil das Ausbildungsniveau unserer Hochschulen ausgezeichnet, sondern weil auch die Bindung vieler jungen Menschen an ihre Heimat ausgesprochen hoch ist. Warum also in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nahe liegt. Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität organisiert zudem regelmäßig ein Kontaktforum Wirtschaft, bei welchem sich jeweils ein Unternehmen pro Veranstaltungsabend exklusiv einer Anzahl interessierter und gut ausgebildeter Studierender als potentieller Arbeitgeber präsentiert. Die Anzahl vergleichbarer Angebote hat in den vergangenen Jahren einen spürbaren Aufschwung erlebt.

Und wenn ich an das Verhältnis von Wirtschaft und Universität denke, dann, meine sehr verehrten Damen und Herren, darf ich Ihren Blick noch auf einen anderen, für viele Unternehmen unserer Region nicht minder bedeutsamen Aspekt lenken: die Uni-versität stellt mit ihren Lehrstühlen und Instituten ein Innovationspotential ersten Ranges zur Verfügung. Gewiss, eine Universität dient primär der Grundlagenforschung. Ihre Forschungsthemen entwickeln sich aus dem Fortschritt der Wissenschaft heraus; doch sie berücksichtigen dabei auch praktische Bedürfnisse des Gemeinwesens und sind damit geeignet, die Interessen von Universität und Berufswelt zusammenzuführen.

Zahlreiche private Stiftungen haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Universität und ihre Forschung zu fördern, ihr Mittel an die Hand zu geben, um innovative Vorhaben in die Tat umsetzen zu können. Die große Zahl der engagierten Mäzene mit zumeist unternehmerischem Hintergrund und der etwa mit ihrer Hilfe eingerichteten Stiftungsprofessuren sind ein guter Indikator für die überaus lebendigen Wechselwirkungen zwischen Universität und Wirtschaft und damit zugleich ein Beweis für die Aufgeschlossenheit und Zukunftsfähigkeit unserer Region.

Dr. Hans Vielberth, Initiator und Stifter der Regensburger Universitätsstiftung, hat hierzu auf der Homepage seiner Stiftung sehr treffend formuliert: „Als Bürger sind wir unmittelbar davon betroffen, was um uns herum in Gesellschaft und Wirtschaft geschieht und was sich entwickelt. Unser Leben ist vielschichtig. Um in Wirtschaft, Kultur und Wissenschaften weiterzukommen, sind viele Beiträge nötig. Mit staatlichen Mitteln kann ein Teil der wünschenswerten Aktivitäten finanziert werden, doch es bleibt ein weites Feld, das nur bestellt wird, wenn Bürger Initiativen ergreifen. Eine solche Initiative ist eine Stiftung. Die Gründung der Universität war für unsere Region ein Aufbruch, war von außerordentlicher Bedeutung und ist für viele Entwicklungen bestimmend geworden. Die Universität hat weitere Potenziale, die genutzt werden können, wenn Mittel zur Verfügung stehen. Dazu will die Regensburger Universitätsstiftung ihren Beitrag leisten.“ (Zitat Ende)

Unter dem Dach der Regensburger Universitätsstiftung haben sich mittlerweile zahlreiche private Initiativen diesem ehrenhaften Anliegen verschrieben. Aus meiner Sicht gibt es keinen unmittelbareren Ausdruck dafür, dass die Bürger dieser Stadt die Regensburger alma mater als ihre Hochschule begreifen und annehmen.

Allerdings dürfen wir nicht verkennen, dass in den vergangenen Jahren auch die Sparzwänge der Öffentlichen Hand ihren Teil dazu beigetragen haben, dass die Hochschulen in verstärktem Maße die Einwerbung von sog. Drittmitteln und damit zugleich auch die Kooperation mit der Wirtschaft vorangetrieben haben. Viele Lehrstühle der Universität haben sich für die Anliegen der Wirtschaft geöffnet. Nicht wenige Unternehmen finanzieren heute auch Diplomarbeiten zu unternehmensbezogenen Themen und eröffnen dem studentischen Nachwuchs hierdurch nicht nur instruktive Einblicke in die praktische Arbeit ihres Hauses, sondern häufig auch konkrete Aussichten auf einen attraktiven Job nach erfolgreichem Abschluss des Studiums.

Der Transfer von Forschungsleistungen der Wissenschaft an der Universität in konkrete Produkte und Dienstleistungen ist im Übrigen ein Anliegen, dem sich nicht nur die Universität selbst, sondern auch wir, die Stadt Regensburg, bereits seit längerem verschrieben haben. Wir betreiben damit ganz bewusst aktive Standortpolitik und suchen dabei ebenso gezielt die Kooperation sowohl mit der Universität als auch mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften.

Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang kurz eingehen auf die biomedizinische und biotechnologische Forschung an der Universität Regensburg, die geradezu ein Paradebeispiel für diese Form der Synergie zwischen Stadt und Hochschule liefert.

Die biowissenschaftliche Forschung hatte an der Universität von Anfang an eine beträchtliche Ausstrahlung. Bereits 1978 wurde der Universität Regensburg von der Deutschen Forschungsgemeinschaft ein erster biologischer Sonderforschungsbereich bewilligt, ein zweiter folgte bald. Mit Hilfe dieser auf 12 bis 15 Jahre angelegten finanziellen Förderung wurden seinerzeit nicht nur viel beachtete wissenschaftliche Ergebnisse erzielt, sondern im Nachgang auch ein Projekt angestoßen, das dem Wirtschaftsstandort bis heute spürbare Impulse verleiht.

Ich spreche von der nicht zuletzt auch durch die Stadt Regensburg angeregten und unterstützten Teilnahme am BioRegio-Wettbewerb der Bundesregierung im Jahre 1996. Regensburg musste sich im Wettbewerb zwar der Landeshauptstadt München geschlagen geben, doch hatte man im Zuge der Wettbewerbsbeteiligung die einmalige Chance erkannt, die in der Stadt vorhandene Kompetenz zur Entwicklung eines anwendungsoffenen Biotechnologiezentrums zu nutzen. Nachdem auch der Freistaat Bayern mit seiner Zukunftsoffensive beträchtliche Fördermöglichkeiten eröffnete, konnte als städtische Tochtergesellschaft eine BioPark GmbH gegründet werden. Die Nähe zur Forschung war unabdingbare Voraussetzung für die Standortwahl, die daher nicht zufällig auf den Uni-Campus fiel. Mittlerweile entsteht der dritte Bauabschnitt des BioParks, eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht.

Ähnliche Synergien zwischen Stadt und Universität, aber auch der Hochschule für angewandte Wissenschaften ergaben sich in den Hochtechnologiesegmenten Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Sensorik. Strategische Partnerschaften vereinen Hochschulen, Unternehmen und die Öffentliche Hand mit dem Ziel, gemeinsam zum Wohle des Wirtschaftsstandortes Regensburg zu wirken, Ergebnisse der Wissenschaft in marktfähige Produkte zu transferieren, und dies mit beachtlichem Erfolg, wie ich in dieser Runde wahrscheinlich nicht eigens zu betonen bedarf.

In einer Region mit einer verhältnismäßig hohen Zahl an technologieorientierten Unternehmen ist eine enge Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft, und zwar nicht nur in den eben genannten Bereichen, schlicht und ergreifend unerlässlich. Auf diese Weise stellt sich sowohl den Hochschulen als auch der Stadt die grundlegende und langfristige Aufgabe, Kompetenzaufbau und Innovationsförderung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu betreiben und für die Zukunft abzusichern. Aufgabe der Politik ist es, verlässliche Rahmenbedingungen insbesondere für innovations- und technologieorientierte Unternehmensgründungen aus der Universität heraus zu schaffen.

Geld spielt dabei eine zweifellos zentrale Rolle. Gerade junge Gründer haben es häufig schwer, für ihre Geschäftsideen geeignete Geldgeber zu finden. Mit dem „Regensburger Startkapital“ haben deshalb Stadt und Landkreis Regensburg in enger Kooperation mit der Sparkasse und dem Hans-Lindner-Institut ein Darlehensprogramm zur Förderung von Existenzgründungen mit einem Investitionsbedarf von bis zu 100.000 EUR aufgelegt. Der große Vorteil gegenüber herkömmlichen Darlehen besteht darin, dass der Gründer von Sicherheitsleistungen weitgehend entbunden werden kann. Das Programm erfreut sich großen Zuspruchs und hat schon so mancher Geschäftsidee auf die Beine geholfen, die sonst vermutlich keine Chance auf Realisierung gehabt hätte.

Als eine glückliche Fügung würde ich es bezeichnen wollen, dass die Hochschule für angewandte Wissenschaften in enger räumlicher Nachbarschaft zur Universität angesiedelt ist. Die Felder, auf denen Kooperationen möglich sind oder bereits existieren, sind zahlreich. Beide Einrichtungen sind bemüht, Studienleistungen wechselseitig anzuerkennen, den Aufbau gemeinsamer Kompetenzzentren anzugehen und auch auf dem Gebiet der Weiterbildung Synergien zu nutzen. Der Austausch kommt beiden Hochschulen und in letzter Konsequenz natürlich auch dem Standort Regensburg zugute, weshalb wir die Zusammenarbeit gern und nachhaltig unterstützen.

Wir sind uns natürlich auf der anderen Seite darüber im Klaren, dass die verfügbaren räumlichen Kapazitäten für die Gründung von Spin-offs aus den Hochschulen auf mittlere und längere Sicht nicht mehr den Bedarf zu decken vermögen. Um einer Abwanderung dieser Ideenschmieden entgegenzuwirken, planen wir die Errichtung eines Technologieparks in unmittelbarer Nähe zum Campus. Besonders an Wirtschaftsstandorten mit einem so ausgeprägt technologischen Profil wie Regensburg gehen von derlei Technologiezentren entscheidende Impulse zur Profilierung des Standortes, zur Förderung der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft sowie letztlich zur Schaffung hochwertiger neuer Arbeitsplätze aus. Auf dem Gelände der ehemaligen Nibelungenkaserne, ganz in der Nähe der Universität also, könnte der Technologiepark entstehen. Wir stehen jedenfalls in Verhandlungen mit der Immobilienverwaltung des Bundes. Es wäre ein Meilenstein für die Hochschulen, die Wirtschaft in der Region und natürlich die Stadt Regensburg.

In jüngster Zeit ging eine Meldung durch die Presse, wonach der Freistaat Bayern die Einrichtung einer zweiten technischen Universität plant. Regensburg hat sich unverzüglich, und zwar in engem Einvernehmen mit unseren Hochschulen, als möglicher Standort ins Gespräch gebracht. Schließlich begreifen wir den Ausbau der Hochschullandschaft in unserer Stadt als Bereicherung der bestehenden Kapazitäten. Wir werden die weitere Entwicklung in dieser Angelegenheit jedenfalls sehr aufmerksam verfolgen und aktiv zu gestalten versuchen.

Und lassen Sie mich, meine sehr verehrten Damen und Herren, zu guter Letzt noch auf einen weiteren Aspekt hinweisen, in dem sich die Interessen der Universität und der Stadt Regensburg auf mannigfaltige Weise kreuzen. Die geographische Lage un-serer Stadt im Zentrum Mitteleuropas hat schon lange vor dem Fall des Eisernen Vorhangs dazu geführt, dass die Länder Ost-, Mittelost- und Südosteuropas in den Fokus der internationalen Zusammenarbeit unserer Universität geraten waren.

Im November 1967, anlässlich der Gründungsfeierlichkeiten, hatte Bayerns Ministerpräsident Goppel unserer Universität zum Start des Lehrbetriebes eine Aufgabe - ja ich kann ohne Übertreibung sagen - ein Vermächtnis für die Zukunft mitgegeben, nämlich wissenschaftliche und auch kulturelle Kontakte mit den Völkern Mittel- und Osteuropas zu knüpfen und diesen aus damaliger Sicht durchaus schwierigen Weg auch konsequent zu verfolgen. Es ging dabei keineswegs um gesellschaftlich-ideologische Missionierung, sondern um Kontinuität im großen europäischen Dialog der Völker.

Als sich 1989 die politische Wende in den betreffenden Ländern abzeichnete, bestand zwischen der Universität und den Hochschulen in den betreffenden Ländern bereits ein dichtes Beziehungsgeflecht - heute würde man sagen „Netzwerk“ -, an das nun unter neuen Vorzeichen beinahe nahtlos angeknüpft werden konnte.

Im Nachgang zu diesem Aufbruch entstanden an der Universität Institutionen wie beispielsweise das Europaeum, dessen 10jähriges Bestehen wir gerade feierlich begehen konnten. Europaeum, Bohemicum, Slovakicum haben den Ruf unserer Alma mater als international anerkannte Drehscheibe in der wissenschaftlichen Begegnung zwischen Ost und West nachhaltig gefestigt.

Unsere Universität hat sich diesem Anspruch als in jeder Hinsicht würdig und gewachsen erwiesen. Kaum ein Standort in Mitteleuropa vereint heute so viel Kompetenz in Lehre und Forschung zum östlichen Europa wie Regensburg.

Eindrucksvolle Bestätigung erfuhr diese zukunftsweisende Schwerpunktsetzung durch den Beschluss der Bayerischen Staatsregierung, das Osteuropa-Institut, das Südost-Institut sowie das Institut für Ostrecht aus München an die Donau zu verlagern. Die im Wissenschaftszentrum Ost- und Südosteuropa Regensburg vereinten Institute leisten heute einen erheblichen Beitrag zur Stärkung Regensburgs als Bayerns zentralem Kompetenzzentrum für die Länder Mitteleuropas, Ost- und Südosteuropas. Auch in dieser Beziehung ziehen Universität und Stadt an einem Strang.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich habe in meinem Vortrag einen Bogen zu spannen versucht, der die vielfältigen Aktivitäten der Universität in Relation zu den Zielen der Stadt gesetzt hat. Eine auch nur annähernde Vollständigkeit meiner Ausführungen wäre ein vermessener Anspruch gewesen. Fakt ist, dass Stadt und Universität Regensburg auf vielen Gebieten ein sehr lebendiges Miteinander pflegen und die Synergieeffekte zum Wohle beider Früchte tragen. Darüber bin ich hoch erfreut. Lassen Sie mich ein aktuelles Beispiel nennen: Die große Furtmeyr-Ausstellung im Historischen Museum zur Buchmalerei der Renaissance in Regensburg am Jahresende entsteht in enger Kooperation mit dem Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Universität Regensburg - Professor Christoph Wagner.

Wenn ich am Schluss noch einen Wunsch äußern dürfte, dann wäre es jener nach der Ansiedlung eines außeruniversitären Forschungsinstitutes in unserer Stadt. Die neu entstandenen Fraunhofer-Arbeitsgruppen sind ein viel versprechender Auftakt. Vielleicht entwickelt sich aus diesen zarten Pflänzchen eine dauerhafte Einrichtung. Das täte nicht nur Regensburg, sondern auch ganz Ostbayern gut. Letztlich brächte uns eine solche Einrichtung dem bereits früher einmal formulierten Ziel näher, den Wissenschaftsstandort und den Wirtschaftsstandort Regensburg aus einem Guss zu formen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!