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Empfang für Künstler und Kulturschaffende

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich des Empfangs für Künstler und Kulturschaffende der Stadt Regensburg am 4. November 2010 um 19.30 Uhr im „Leeren Beutel“


Liebe Künstler, Kulturschaffende aller Sparten, liebe Sponsoren, liebe Galeristen und Kulturvermittler, liebe Gästeführer, sehr geehrte Vertreter der Medien, verehrte Mitglieder des Stadtrats,

„Wie mischen Sie eigentlich Ihre Farben?" wurde einst ein berühmter Maler gefragt. „Mit dem Kopf", war die Antwort.

Sie, die heute hier versammelt sind, sind künstlerische, kulturell engagierte und kreative Köpfe in unserer Stadt.

Ich begrüße Sie alle sehr herzlich zum jährlichen Empfang für Künstler und Kulturschaffende und freue mich, dass Sie meiner Einladung so zahlreich gefolgt sind.

Ihnen allen möchte ich für Ihren Einsatz, mit dem Sie zur kulturellen Vielfalt in Regensburg beitragen, danken. Ihr aktives Engagement für die Kultur unserer Stadt ist eine unverzichtbare Grundlage für das kulturelle Leben von Regensburg. Ihr künstlerisches Wirken prägt die Identität und das Image unserer Stadt und unserer Region. Und jeder von Ihnen bringt sich individuell in das Stadtgeschehen ein. Und das ist gut so, denn Kultur braucht Kommunikation, um gedeihen zu können.

Um uns auszutauschen sind wir heute hier in einem unserer schönen Stadel in Regensburg zusammengekommen.

Im November 1980, also genau vor dreißig Jahren, nahm die Städtische Galerie im Leeren Beutel ihren Ausstellungsbetrieb auf. In den darauffolgenden Jahren entstand im Leeren Beutel ein stark frequentiertes Kulturzentrum. Dieses Wochenende wird nun auch das 30jährige Jubiläum mit einer Ausstellung der Lieblingskunst der Regensburger, einem Kinderprogramm, Vorträgen, Konzerten und einer Drum'n Bass Party gefeiert.

Aber lassen Sie uns noch einen Schritt zurück in die Vergangenheit gehen. Das aus dem späten Mittelalter stammende Gebäude ist vermutlich zur Getreidelagerung genutzt worden. Für den Namen „Leerer Beutel“ - den wir ohne nachzudenken verwenden, der aber bei Gästen unserer Stadt oft für Belustigung sorgt - gibt es mehrere Deutungen: Er könnte vom manchmal leeren Getreidemagazin stammen, aber auch von den sich leerenden Kassen der Reichsstadt, wenn das Magazin gefüllt wurde.

Vielleicht lässt er sich aber auf die ursprüngliche Schreibweise ‘laerenpaeutel’ zurückführen, was so viel wie ‘Leere den Beutel!’ bedeutet. Diese Interpretation bezieht sich wohl auf die Fuhrwerke der Bauern, die beim Füllen des Speichers geleert werden mussten.

Nach einem Entwurf des Regensburger Architekten Ludwig Meier saniert, dient der Leere Beutel heute unter anderem als Veranstaltungsort für Ausstellungen, Jazzkonzerte und Tagungen, als städtisches Galeriegebäude für moderne Kunst und als Programmkino. Der Leere Beutel ist eine gelungene Symbiose aus Alt und Neu.

Eine gelungene Symbiose aus Alt und Neu, aus Tradition und Moderne bot auch das kulturelle Jahr 2010. Es stand unter dem Motto „..10 Aufbruch“ - Erinnerung, Orientierung, Zukunft.

Die ersten 10 Jahre eines Jahrhunderts stellen oft einen Neubeginn dar - eine Aufbruchstimmung macht sich breit. Auch historisch betrachtet waren die Anfangsjahre eines Jahrhunderts nicht selten zukunftsweisend. In Regensburg war dies ebenfalls der Fall: So brach zum Beispiel 1810 für unsere Stadt ein neues Zeitalter an - der Übergang an das Königreich Bayern. 1910 eröffnete der Luitpold-Hafen und Regensburg begann sich als Wirtschaftsstandort zu positionieren.

Mit dem kulturellen Jahresthema der Stadt „..10 Aufbruch“ wollten wir zum einen die historischen Ereignisse der vergangenen „10er“ Jahre in Erinnerung rufen. Dies gelang zum Beispiel mit der Ausstellung: „Tradition und Aufbruch – die Oberpfälzische Kreisausstellung 1910“ im Historischen Museum. Das Großereignis von vor 100 Jahren wurde im Historischen Museum gefeiert und neu interpretiert.

Zum anderen wollten wir nach vorne blicken. Denn das Jahresthema sollte nicht nur erinnern, sondern auch ein Aufbruch in moderne und innovative Kunst und Kultur sein. 2010 widmeten wir uns der zeitgenössischen Musik, der modernen Dichtkunst, neuen Bildwelten und innovativem Grafikdesign.

Mit dem Musikfest „überBrücken“ feierten wir ein Fest neuer Musikimpulse. Ein anderes Musikfest, „Die Tage alter Musik“ findet seit vielen Jahren in Regensburg statt und etablierte sich zu einem Highlight im kulturellen Kalender. Mit „überBrücken“ gab es nun erstmals „Tage neuer Musik“ in unserer Stadt. Über 30 Konzerte, Vorträge, Schülerproduktionen und Workshops bot das Programm – bei freiem Eintritt.

Mit dem Bayernslam 2010 fanden in Regensburg die ersten bayerischen Poetry Slam Meisterschaften statt. Die besten jungen Autoren vereinten sich zu einem modernen Wettkampf in der Kunst des Dichtens.

Neue Bildwelten eröffnete uns der Fotograf Patrick Reinig. Im Rahmen der Kulturtage im Künstlerhaus Andreas-Stadel stellte Patrick Reinig seine modernen Panorama-Fotografien aus, die Regensburg auf eine völlig neue, untypische Weise zeigen.

Einer kompromisslos eigenen Bildsprache bediente sich Willi Ulfig. Die Ausstellungen anlässlich seines 100. Geburtstags im Donau-Einkaufszentrum, hier im Leeren Beutel und im Kunstkontor Westnerwacht widmen sich dem Werk des Malers, das geprägt ist von der Auseinandersetzung mit den grundlegenden Entwicklungen der Moderne.

Mit modernen Bildtechniken beschäftigt sich eine weitere Veranstaltung im Jahresprogramm. Die Grafikdesignschau Regensburg »dere:10« wird morgen Abend eröffnet. In der Ausstellung sehen wir unter anderem ausgewählte Arbeiten von Stefan Sagmeister, der zu den einflussreichsten Grafikdesignern weltweit zählt. Sein Vortrag hier im Leeren Beutel an diesem Samstagabend ist bereits restlos ausverkauft.

Ob die Veranstaltung traditionell, modern oder sogar innovativ war: Was das kulturelle Jahr 2010 auszeichnet ist nicht nur die Bandbreite, die Fülle von Veranstaltungen, die ich hier nur exemplarisch aufzählen konnte. Besonders schön ist, wie viele Kulturschaffende das Jahresthema „..10 Aufbruch“ inspirierend fanden. Alle, die sich mit in das Thema einbrachten, erweiterten damit das kulturelle Programm. 2010 wird sicherlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Veranstaltungen innerhalb des Jahresthemas und die kulturellen Veranstaltungen im Jahresverlauf mit Größen wie dem Bayerischen Jazzweekend, der donumenta, der Kurzfilmwoche und so vielem mehr ergeben ein reiches Kulturprogramm, das seinesgleichen sucht.

Zum Abschluss des Jahres 2010 brechen wir auf, einen bis dato fast gänzlich unbekannten Regensburger kennenzulernen. Die Kunstausstellung „Berthold Furtmeyr: Meisterwerke der Buchmalerei. Aufbruch zur Renaissance in Regensburg“ würdigt einen berühmten Sohn unserer Stadt, der leider fast in Vergessenheit geraten ist. Am Übergang von der Gotik zur Renaissance schuf Furtmeyr Buchmalereien von unglaublicher Farbenpracht und Schönheit. Am 29.11.2010 wird die Ausstellung im Historischen Museum eröffnet. Nur für kurze Zeit werden die wertvollen Schätze der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, bevor sie wieder an die nationalen wie internationalen Leihgeber zurückgehen.

Auch das ist ein Aufbruch: wir entdecken einen Regensburger Künstler wieder. Altes wird mit der Furtmeyr-Ausstellung zu Neuem, Überraschendem. Wir lernen etwas über unsere Stadt, was wir bisher noch nicht wussten. Unsere Stadt, alt und neu zugleich, bietet so viel Altes, Wiederzuentdeckendes und Neues.

Regensburg inspiriert uns alle. Das Ergebnis ist eine äußerst lebendige Kulturszene. Und sie alle sind an dieser mitbeteiligt. Unsere Kulturszene ist einer der Gründe, weshalb unsere Stadt so eine hohe Lebensqualität besitzt. Denn Kultur ist ein wichtiger Faktor für die Lebensqualität. Wir leben in einer lebens- und liebenswerten Stadt.

Eine lebendige Kulturszene ist mir ein großes Anliegen. Der britische Schriftsteller Aldous Huxley sagte: „Eine Kultur ist das Treibhaus, das es den menschlichen Fähigkeiten erlaubt, sich zu entwickeln, und zugleich das Gefängnis, das sie einengt“. Mir liegt nichts ferner, als Kultur nach Regeln durchzusetzen.

Die im Dezember 2009 vom Kulturausschuss beschlossene Aufstellung eines Kulturentwicklungsplans soll die Kultur nicht reglementieren. Wir wollen lediglich die Rahmenbedingungen festlegen, anhand derer die kulturellen Ressourcen Regensburgs weiterentwickelt werden können. Der Kulturentwicklungsplan soll Ihrer aller Projekt sein, nicht das von Politik und Verwaltung. Noch befinden wir uns in der ersten Phase der Erstellung des Kulturentwicklungsplans. Die Arbeitsgruppenstruktur wurde aber bereits von der Lenkungsgruppe festgelegt. Bis zum 23. November kann sich jeder Regensburger Kulturschaffende für die Arbeitsgruppen bewerben. Ich möchte Sie alle aufrufen, sich für eine der Arbeitsgruppen zu bewerben und Ihre Leidenschaft und Energie aktiv für den Kulturentwicklungsplan einzubringen. Nur gemeinsam mit Ihnen kann er verwirklicht werden. Die Ziele im Kulturentwicklungsplan sollen nicht nur gemeinsam entwickelt, sondern auch von allen getragen werden. In dieser gemeinsamen Arbeit sehe ich auch die große Chance, die uns der Kulturentwicklungsplan bietet.

Der jährliche Empfang der Künstler und Kulturschaffenden wurde aufgrund des Wunsches vieler Kulturschaffender unterschiedlichsten Metiers initiiert, innerhalb der Kunst- und Kulturszene mehr miteinander in Kontakt zu kommen. Dieselbe Möglichkeit bietet auch der Prozess der Erarbeitung des Kulturentwicklungsplans. Wir alle kommen zusammen, um über Kultur zu sprechen. Kontaktpflege, der Austausch mit anderen Kulturschaffenden, Kommunikation mit Gleichgesinnten und Andersdenkenden: das machen die Arbeitsgruppen und Diskussionsforen möglich. Es ist bei einem solchen Prozess auch der Weg wichtig, nicht nur das Ziel. Kommen sie mit auf diesen Weg und bringen sie sich ein.

Auch das vom Kulturreferat geplante Motto des Jahres 2011 „Im Zeichen des Ehrenamts“ ist ohne die Mitwirkung vieler der hier anwesenden Kulturschaffenden nicht möglich. „Ohne die vielen Frauen und Männer, die in Deutschland ein Ehrenamt ausüben wäre unser Land um vieles ärmer und unser Gemeinwesen so nicht denkbar“. Helmut Kohl sprach mit diesen Worten aus, welche Bedeutung das Ehrenamt für unsere Gesellschaft hat. Das Motto orientiert sich am Thema der EU-Kommission, die das Jahr 2011 zum Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit ausgerufen hat.

Ohne das Engagement der ehrenamtlich tätigen Regensburger könnte unsere vielfältige Kulturlandschaft nicht gewährleistet werden. Gerade deshalb ist es auch so wichtig, die ehrenamtliche Arbeit hervorzuheben und zu würdigen. Wie Johann Nepomuk Nestroy sagte, „Kultur beginnt im Herzen jedes einzelnen“. Ich möchte allen, die sich in ihrer Freizeit der Kulturarbeit aus Interesse und Leidenschaft widmen, aus vollem Herzen danken.

Ehrenamtlich engagiert haben sich über lange Zeit auch die ehemaligen Mitglieder des Kulturbeirats. Diesen möchte ich heute für ihren Einsatz im Kulturbeirat der Stadt Regensburg meinen Dank aussprechen. Die ehemaligen Mitglieder des Kulturbeirats haben sich nicht nur jährlich bei der Auswahl der Kulturförderpreisträger eingebracht, sondern waren im Kulturbeirat eine Bereicherung für die Kulturarbeit der Stadt durch ihre Beiträge, Anregungen und ihre wertvolle Kritik.

Danken möchte ich auch allen Institutionen, Persönlichkeiten, ehrenamtlich Tätigen, Sponsoren und Vereinen, die das umfangreiche Jahresthema 2010 möglich gemacht haben. So viele Menschen waren eingebunden in unseren Aufbruch 2010. Sie haben zusammen Konzepte erarbeitet, Veranstaltungen geplant, vorbereitet, durchgeführt und unser kulturelles Jahr zum Erfolg geführt. Lassen Sie uns so unsere kulturelle Arbeit fortführen, im Austausch und im Kontakt miteinander.

Für einen gemeinsamen Austausch ist der heutige Abend der richtige Zeitpunkt. Lassen Sie uns miteinander in Kontakt kommen. Ich wünsche Ihnen einen unterhaltsamen Abend mit anregenden Gesprächen.