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Einweihung Neubau Von-Müller-Gymnasium

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich der Einweihung des Neubaus des Städtischen Von-Müller-Gymnasiums am 22. April 2010

Anrede,

die Einweihung eines neuen Schulgebäudes, zu der ich Sie ebenfalls herzlich willkommen heiße, ist auch für mich kein alltägliches Ereignis, obwohl insbesondere in den letzten 10 Jahren eine ganze Reihe von Schulen mit erheblichem finanziellen Aufwand saniert, umgebaut oder erweitert wurden.

Aus diesem Grund sind auch die Investitionen in diesem Bereich sukzessive von rund sechs Millionen Euro (1996) auf über 15 Millionen Euro (2009) gestiegen.
Und auf diesem Niveau werden sie wohl noch eine Weile bleiben müssen, wenn wir „Altlasten“ abbauen und den künftigen Herausforderungen im Bildungsbereich gerecht werden wollen.
Da Bildungspolitik in Regensburg aber schon immer ein wesentlicher Teil der Stadtpolitik war, haben wir die jeweiligen Herausforderungen stets angenommen und versucht, sie im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten umzusetzen.

Dieser Neubau liefert dafür einen eindrucksvollen Beweis, haben wir damit doch ein Ganztagsgymnasium geschaffen, das dieser Bezeichnung auch tatsächlich gerecht wird und das es in öffentlicher Form nach meinem Wissen in Ostbayern bisher noch nicht gibt.

Auch wenn von den allerersten Überlegungen bis heute insgesamt rund sieben Jahre verstrichen sind, so ist es den städtischen Ämtern und den Verantwortlichen des VMG auf - wie ich meine - hervorragende Weise gelungen, das Konzept für eine innovative und vor allem zukunftsfähige Beschulungsform umzusetzen.
Die zwischenzeitliche Einführung des G8 und der Beschluss des Schulausschusses vom Oktober 2004, das Von-Müller-Gymnasium künftig in Ganztagsform zu führen, hatten dabei so gravierende Auswirkungen auf das Raumprogramm, dass die ursprünglichen Überlegungen und Planungen verworfen und einer völlig neuen Konzeption weichen mussten.

Wenn es aber zutrifft, dass sich die Vorstellung, die eine Gesellschaft von „Schule“ hat, in ihrer Schularchitektur verdichtet, dann könnte dieses Gebäude wegweisend dafür sein, wie ein modernes Ganztagsgymnasium  beschaffen sein sollte.

Anrede,

als wir vor fast genau drei Jahren, am 25. Mai 2007, den Grundstein für dieses neue Gebäude gelegt haben, habe ich an den Namensgeber dieser Schule, den Geheimen Rat Georg Friedrich von Müller, erinnert und ihn als jemand bezeichnet, der die Zeichen seiner Zeit erkannt und nicht bloß geredet, sondern gehandelt hat.

Auch die Stadt Regensburg hat die Zeichen der Zeit richtig gedeutet und  gehandelt.
Heute können wir uns nun vom Ergebnis ein eigenes Bild machen und ich bin fest davon überzeugt, dass es allen gefallen wird.

Lassen Sie mich Ihnen an dieser Stelle deshalb nun kurz die wichtigsten baulichen Details beschreiben:

Der Neubau wurde in vier Stockwerken entlang der Erzbischof-Buch-berger-Allee errichtetet.

Bereits bei der Planung hat man - soweit irgendwie möglich - versucht, den alten Baumbestand zu erhalten, ohne die zur Verfügung stehende Fläche zu sehr einzuschränken.  (Leider konnten trotzdem nicht alle Wünsche erfüllt werden.)

Das Raumprogramm umfasst 24 Klassenzimmer für die Jahrgangsstufen 5 mit 10 und acht Räume für die Oberstufe.
Selbstverständlich wurden auch die notwendigen Fachräume für Naturwissenschaften, Informatik, Kunst, Musik sowie ein ausreichend großer Verwaltungsbereich berücksichtigt.

Die Klassen- und Oberstufenräume sind aus Lärmschutzgründen und zur besseren Belichtung nach Süden in Richtung Grünanlage orientiert, die Neben- und die nach Funktionszusammenhängen gruppierten Fachräume liegen nach Norden zur Erzbischof-Buchberger-Allee hin.

Um den Anforderungen des G8 und dem Ganztagsbetrieb zu entsprechen, wurden eine Versorgungsküche mit allen zugehörigen Nebenräumen, ein der Pausenhalle zuschaltbarer Speise- und Veranstaltungsraum und ein zusätzlicher Aufenthaltsbereich geschaffen.

Darüber hinaus sind zwei eigene Räume für Intensivierungsstunden vorgesehen und es wurden sechs Gruppen- bzw. Ausweichräume, die zusammen mit jeweils vier Klassenzimmern „Unterrichtsmodule“ für die einzelnen Jahrgangsstufen bilden, eingerichtet.

Ein multifunktional nutzbarer Arbeits- und Betreuungsraum, der sog. Studiersaal für bis zu 90 Schüler, schafft außerdem die räumlichen Voraussetzungen für zeitgemäße Lern- und Unterrichtsmethoden.

Das Gebäude selbst ist als Stahlbetonkonstruktion errichtet und der gesamte Erdgeschossbereich als Glasfassade ausgebildet, die im Süden eine „offene Grenze“  zwischen der Pausenstraße und dem Pausenhof darstellt.

Wie die Erfahrung zeigt, ist ein helles, freundliches Gebäude, in dem die Schülerinnen und Schüler nicht nur Freiräume haben, sondern auch mit dafür verantwortlich sind, ein nicht zu unterschätzendes Mittel gegen Vandalismus und Gewalt.

In den Klassenzimmern und im Flurbereich wurden die tragenden Innenwände als lasierte Sichtbetonflächen erstellt.
Wände in Trockenbauweise wurden gestrichen. bzw. in den sanitären Anlagen gefliest.

Als Bodenbelag in den Klassenzimmern und Fachräumen dient Parkett bzw. Linoleum, in den Flurbereichen und der Eingangshalle Naturstein bzw. oberflächenvergüteter Estrich.

Die WC-Anlagen und Nebenräume haben einen Steinzeugbelag erhalten.

Als Abschluss der gesamten Maßnahme werden auch noch die Außenflächen, insbesondere der Pausenhof, neu angelegt und gestaltet.

Einrichtung und Ausstattung orientieren sich - soweit es auch die Kosten zugelassen haben - an den zeitgemäßen pädagogischen Anforderungen für eine Schule dieser Ausprägung.

Ich bitte dabei allerdings erneut um Verständnis, wenn trotz der städtischen Innovationsbereitschaft nicht jeder Wunsch erfüllt werden konnte.

Anrede,

nach den bisher vorliegenden Berechnungen werden sich die Gesamtkosten für diese Baumaßnahme auf rd. 21 Mio. Millionen belaufen haben.

Davon entfallen 18,5 Millionen Euro auf den Neubau, 1,2 Millionen auf Außen- und Freisportanlagen und rd. 1,5 Millionen auf Einrichtung und Ausstattung.

Abzüglich der staatlichen Zuschüsse und der finanziellen Beteiligung des Landkreises verbleiben bei der Stadt selbst noch rd. 13 Millionen Euro.
Angesichts dieser Summen möchte ich einen Spruch zitieren, der im Berliner Rathaus zu finden ist, der aber auch sehr gut in jedes andere Rathaus und besonders ins Bayerische Finanzministerium passen würde.
Er lautet:
"Das Geld, in Schulen angelegt die allerhöchsten Zinsen trägt...“

Ein Spruch unserer „Vorväter“, der bis heute nichts von seiner Sinnhaftigkeit verloren hat.

Als Trägerin des Schulaufwands von rd. 40 öffentlichen Schulen hat sich auch Regensburg seiner Verantwortung gestellt und mit dem Neubau dieser Schule, deren Gastschüleranteil fast 50 Prozent beträgt, einmal mehr deutlich gemacht, dass ihr die Bildung und Erziehung und damit eine gute Zukunft unserer Jugend ein echtes Anliegen ist.

Für das Gelingen dieses Projekts aber waren viele Köpfe und noch mehr Hände notwendig, denen ich heute Dank und Anerkennung sagen möchte für ihr vorausschauendes und zielgerichtetes Handeln.

Dank zunächst dem Stadtrat, der trotz der hohen Kosten die Maßnahme beschlossen hat und die notwendigen Mittel bereitstellt.

Dank dem Freistaat Bayern und der Regierung der Oberfalz für die finanzielle Unterstützung und die erforderlichen Genehmigungen.
Dank auch dem Landkreis Regensburg für seine finanzielle Beteiligung und die gute Zusammenarbeit mit Blick auf eine bedarfsgerechte Versorgung des Raumes Regensburg mit den erforderlichen Unterrichtsräumen an den öffentlichen Gymnasien und Realschulen.

Dank und Anerkennung auch dem Schulleiter, Herrn OStD Pfoser, der das pädagogische Konzept für eine „Schule der Zukunft“ entwickelt und die gewiss nicht einfache Aufgabe gemeistert hat, sein Lehrerkollegium von dieser „Innovation“ zu überzeugen.

Dank den städtischen Dienststellen für die Vorarbeiten und die weitere Begleitung dieses Projekts.

Dank auch den Lehrkräften und den Schülerinnen und Schülern, die in den letzten Jahren als „Nicht-Aus-gelagerte“ mit manchen Störungen und Beeinträchtigungen zurechtkommen mussten.

Dank nicht zuletzt aber auch den Nachbarn im Macheinerweg, die auf die eine oder andere Weise von dieser Großbaustelle betroffen waren.

Die Zeit der zusätzlichen Belastungen ist nun weitgehend vorbei und ich bin sicher, dass in dem nun vollendeten Bauwerk Schulleitung, Lehrkräfte, Schülerschaft, Verwaltungs- und Hauspersonal die Bedingungen vorfinden, die sie sich zu Beginn der Maßnahme erhofft haben.

Dank schließlich auch den Geistlichen beider Konfessionen, die nachher den Segen Gottes für dieses neue Schulgebäude und seine Benutzer erbitten werden.

Anrede,

wenn im kommenden Schuljahr die ersten Ganztagsklassen ihren Unterricht aufnehmen, wird dies nicht ohne deutliche Auswirkungen auf das Leben in dieser Schule insgesamt bleiben.
Dem Anspruch des Gymnasiums, eine ganzheitliche Bildung, d.h. ein breites kulturelles, ethisch-religiöses und ökonomisches Wissens- und Wertefundament zu vermitteln und ästhetische Maßstäbe bewusst zu machen, kann und muss eine Ganztagsschule in besonderer Weise entsprechen.

Sie bietet hervorragende Möglichkeiten für eine Verbesserung der Lern-angebote und die Gewähr für ein ins-titutionell zeitlich länger abgesicher-tes Lernen.

Aber auch in einem Ganztagsgymnasium mit seinen vielfältigen Angeboten gilt:
Bildung will erarbeitet werden.

Deshalb ist ein wesentlicher Faktor für den schulischen Erfolg - wie für jeden anderen Erfolg auch - die Fähigkeit, sich selbst etwas abzuverlangen.

Darum ist auch nicht der ein Gebildeter, der viele „Bildungsgüter“ verschlungen, sondern der, der sie gründlich aufgenommen hat;
nicht der, der sich im Vorübergehen Wissen aneignet, sondern der, der sich intensiv damit auseinandersetzt.

Der römische Staatsmann, Schriftsteller und Philosoph Seneca hat dies so ausgedrückt:
"Bei bestimmten Geistern musst du verweilen und dich von ihnen durchdringen lassen, wenn du etwas gewinnen willst, was in der Seele zuverlässig Platz finden soll. ...
Nirgends ist, wer überall ist."

Wenn man deshalb auf die Frage „wer ist denn überhaupt ein gebildeter Mensch?“ eine Antwort sucht, dann könnte sie so oder so ähnlich lauten:

Ein gebildeter Mensch ist

  • ein Mensch, der über ein gut fundiertes, vertieftes und genügend breites Wissen verfügt,
  • ein Mensch, der für geistige Probleme und Werte offen ist,
  • ein Mensch, der sich der Grenzen menschlicher Erkenntnis und Bildung bewusst ist und daher eine kontinuierliche Weiterbildung anstrebt, 
  • ein Mensch, dessen Urteilsvermögen auf selbstständiger Beobachtung beruht und unabhängig vom jeweiligen Zeitgeist ist,
  • ein Mensch, der die Leistungen anderer neidlos anerkennt und der ehrliche statt verletzende Kritik übt,
  • ein Mensch, der bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, sich sozial zu engagieren und für seine Überzeugungen einzutreten, 
  • ein Mensch, für den Selbstbeherrschung, Toleranz und Rücksicht keine Fremdwörter sind

und schließlich 

  • ein Mensch, der den Glauben an den Sinn des Lebens und an die Zukunft nicht verloren gibt.


Ein solcher Mensch, meine sehr geehrten Damen und Herren, wäre allerdings wohl der Inbegriff von Vollkommenheit.

Aber ist es nicht von ganz entscheidender Bedeutung, sich hohe Ziele zu setzen, die vielleicht auch erst am Ende eines langen Weges stehen?

Auch wir haben uns mit dem ersten öffentlichen und kostenfreien Ganztagsgymnasium in Ostbayern ein hohes Ziel gesetzt und bis zum Erreichen dieses Ziels hat es ja durchaus eine Weile gedauert.

Nun aber ist das Werk erfolgreich und - soweit ich weiß - ohne größere oder gar schwerwiegende Unfälle vollendet und ich darf es heute offiziell seiner Bestimmung übergeben.

Trotz einer bedauerlichen Verzögerung ist diese Baumaßnahme insgesamt nicht nur ein weiteres gelungenes Beispiel für die gute Zusammenarbeit zwischen der Stadt Regensburg als Bauträger und den Projektanten und den ausführenden Firmen und Unternehmen, sondern vor allen Dingen eine optimale Lösung für die Schülerinnen und Schüler, die hier unterrichtet und betreut werden sollen.

Anrede,

selbstverständlich nimmt auch ein noch so ansprechendes und gut ausgestattetes Schulgebäude niemandem die verantwortungsvolle Aufgabe des Lehrens und die Mühe des Lernens ab.

Unstrittig aber ist, dass die Räume, in denen Menschen arbeiten und lernen, die Qualität und die Leistungen, die dort erbracht werden, beeinflussen und dass eine angenehme und freundliche Lernumgebung positiven Einfluss auf die Lernprozesse und den Lernerfolg hat.

Und so wünsche ich nun zum Schluss ganz besonders den Schülerinnen und Schülern, aber natürlich auch der Schulleitung und ihren Lehrkräften, dem Verwaltungs- und Hauspersonal, dass sie sich in ihrer „neuen“ Schule nicht nur wohl fühlen;
ich wünsche ihnen, dass Freude und Geborgenheit das Leben in diesem neuen Schulgebäude bestimmen.

Ich wünsche ihnen engagierte Eltern und ein wohlwollendes und verständnisvolles Umfeld, denn Schule - und dies gilt selbstverständlich auch für das neue Von-Müller-Gymnasium - ist letztlich immer das, was alle Beteiligten daraus machen.

Uns allen aber wünsche ich, dass dieses neue Schulgebäude auch als nachhaltiges Zeichen für soziale Verantwortung und solidarischen Gemeinsinn in der Stadt Regensburg anerkannt wird.