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20 Jahre Städtepartnerschaft Odessa - Regensburg

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich des Besuchs der Regensburger Delegation in Odessa zum 20-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft Odessa-Regensburg


Anrede

Es freut mich sehr, dass wir zwei Jubiläen begehen können: den 216. Jahrestag der Gründung Ihrer schönen Stadt Odessa und die 20-jährige Partnerschaft Odessas mit Regensburg.

Vor der großen Weltgeschichte sind 20 Jahre kaum mehr als ein flüchtiger Wimpernschlag. Und doch gehören die vergangenen zwei Jahrzehnte zu den aufregendsten und spannendsten, die Europa erlebt hat. Sie waren aufregend, weil aus zwei politischen Blöcken, die sich Jahrzehnte lang mit größtem Misstrauen belauert haben, inzwischen Partner und sogar Freunde geworden sind. Und spannend sind sie bis heute, weil dieser Prozess noch immer große politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Anstrengungen erfordert. Vor 20 Jahren konnte noch niemand verlässlich vorhersagen, ob der Wandel in Europa glücken und wie er ausgehen würde.

Es brauchte überall entschlossene Menschen, um die große historische Chance zu nutzen, ein zusammenwachsendes Europa auf den Weg zu bringen.

Die Partnerschaft, die Odessa und Regensburg vor nun 20 Jahren geschlossen haben, ist im großen europäischen Mosaik zwar nur ein kleines Stück – aber ein äußerst wichtiges, wie ich finde. Und auch diese Partnerschaft kann nur mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern gelingen.

Selbst in der großen Politik funktioniert es nur gelegentlich, wenn von oben herab etwas bestimmt wird. Bei Städtepartnerschaften aber funktioniert so etwas überhaupt nicht. Partnerschaften wie die zwischen Regensburg und Odessa können nur dann wirklich gelingen, wenn die Bürgerinnen und Bürger in den jeweiligen Städten mit Leben erfüllen, was wir, die Politiker, auf den Weg gebracht haben.

Das Wachsen von Freundschaften ist dabei eine ganz wichtige Voraussetzung. Zur Bedeutung von Freundschaften habe ich in einem Bericht, den eine Studentin aus Regensburg über ihren Aufenthalt in Odessa geschrieben hat, ein recht anschauliches kleines Stück Lyrik gefunden.

Es stammt von dem Literaten Murat Basojev, einem ehemaligen Seemann mit der Liebe zum Meer und einer noch größeren zu den Gedichten. In einem davon heißt es also:

„Wenn du einen Tag lang glücklich sein willst, betrinke dich mit kachetischem Wein.
Wenn du ein Jahr lang glücklich sein willst, heirate eine schöne Frau.
Wenn du aber dein ganzes Leben lang glücklich sein willst, finde einen Freund.“

Ich bin sehr glücklich darüber, dass unsere nun schon 20 Jahre dauernde Partnerschaft auf vielen Freundschaften aufbauen kann. Zahlreiche Einwohner von Odessa und Regensburg haben zu einem sehr intensiven Kontakt und Austausch gefunden.

Und zur Freundschaft gehört selbstverständlich, dass man einen Freund unterstützt. Die gesamte Ukraine ist noch immer einem grundlegenden Anpassungsprozess an eine neue wirtschaftliche und gesellschaftliche Ordnung unterworfen. Dies bringt mitunter schwierige Situationen mit sich, in denen wir als Partner und Freunde gerne zur Seite stehen.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben unzählige Regensburger Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Organisationen und Institutionen tatkräftige Hilfe für Odessa geleistet. Es wurden Gegenstände des täglichen Bedarfs und wissenschaftliche Bücher gesammelt, aber auch viele technische Geräte und Ausstattungen insbesondere für die medizinische Versorgung.

So ist es gelungen, in all den Jahren unserer Städtepartnerschaft mehr als 300 mit Spenden voll beladene Lastwagen von Regensburg aus nach Odessa zu schicken. Und die vielen freudigen Reaktionen in Odessa zeigen uns, dass diese Güter hier zu einer stetigen Verbesserung der Lebensumstände beitragen.

Wir freuen uns nicht nur darüber, dass wir bei der weiteren Entwicklung unserer Partnerstadt helfen können, sondern auch über die freundliche, herzliche und vor allem tatkräftige Unterstützung, die wir immer wieder durch die Kolleginnen und Kollegen in der Odessiter Stadtverwaltung erfahren. Und wir arbeiten ständig daran, dass die ohnehin schon gute Zusammenarbeit noch weiter verbessert werden kann.

Ich möchte betonen, dass diese Unterstützung und Hilfe durchaus zum beiderseitigen Nutzen ist.

Wenn es gelingt, das Leben der Menschen in Odessa zu erleichtern, dann dient dies der guten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklung der gesamten Ukraine. Und dies wiederum liegt nicht nur im Interesse Ihres Landes, sondern auch im Interesse aller Länder Europas.

Schließlich wollen die vielen Nationalitäten und Kulturen auf unserem so vielschichtigen Kontinent immer weiter zusammenwachsen und ein friedliches, freundschaftliches und solidarisches Europa schaffen. Unsere beiden Städte leisten mit ihrer Partnerschaft einen vergleichsweise zwar kleinen, aber doch sehr bedeutenden Beitrag dazu.

Und dabei kommt der Bildung und der Kultur größte Bedeutung zu. Schon seit vielen Jahren pflegen die Universitäten in Regensburg und Odessa einen regen Austausch. Studierende aus Regensburg können das Studiensystem in Odessa kennenlernen. Im Gegenzug dürfen wir immer wieder Studierende aus Odessa an der Universität in unserer Stadt willkommen heißen.

Der Nutzen dieses Austausches kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Durch die engen persönlichen Kontakte werden gemeinsame Lehr- und Forschungsprojekte ermöglicht. Studierende, Dozenten und Professoren aus beiden Städten lernen sich kennen und verstehen – und dies im eigentlichen Wortsinn, schließlich sind ausführliche Sprachkurse wichtige Bestandteile dieser Austauschprogramme.

Das gegenseitige Verstehen: Darum geht es auch auf den anderen Ebenen unserer Partnerschaft: Bei den gegenseitigen Besuchen von Schülern, von Orchestern und Chören etwa. All diese und noch weitere Kontakte wollen wir weiter stärken und intensivieren. So hat beispielsweise unser Theater großes Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem Opernhaus und der Musikhochschule hier in Odessa.

Diese Bemühungen, unsere Städtepartnerschaft so vielfältig, lebendig und ergebnisreich wie nur möglich zu gestalten, werden allerdings nur dann auf Dauer erfolgreich sein, wenn sich immer wieder Menschen finden,

  • die sich für diese Partnerschaft stark machen,
  • die sich Mitstreiter in der befreundeten Stadt suchen,
  • sich Projekte ausdenken, die Initiative ergreifen
  • und solange arbeiten, bis sie am Ziel sind.

Ohne das Engagement dieser Menschen kann eine Städtepartnerschaft sehr schnell erlahmen.

Und deswegen setze ich mich gerne gemeinsam mit meinem Amtskollegen, Herrn Oberbürgermeister Eduard Hurwiz, dafür ein, diese vielen Freunde der Partnerschaft Odessa-Regensburg nach besten Kräften zu unterstützen. Ob es dabei um die Verteilung von Spenden geht oder um eine Zusammenarbeit unserer Wissenschaftler und Künstler – wir Politiker dürfen nicht aus den Augen verlieren, dass eine Partnerschaft wie die unsere nicht allein von offiziellen den Unterschriften lebt, sondern noch viel mehr von allen Menschen in unseren beiden Städten, die guten Willens sind. Sie brauchen unsere Unterstützung. Ohne sie bleibt eine Partnerschaft nur ein Wort.