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Begrüßung von Regensburger Ruderern und von Mitgliedern früherer Rudernationalmannschaften

 -Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Bürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich der Begrüßung von Regensburger Ruderern und von Mitgliedern früherer Rudernationalmannschaften am Samstag, 21. August 2010, 9.30 Uhr, im Historischen Reichssaal

Anrede,

wenn es Ihnen gegenüber, liebe Gäste, nicht despektierlich und für den altehrwürdigen Reichsaal nicht unangemessen wäre, möchte ich fast ausrufen:

Welch ein Glanz in unserer Hütte!

Der imposante Reichssaal, über Jahrhunderte Versammlungsort der Mächtigen und Einflussreichen des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, ist in seiner Geschichte schon oft erstrahlt in Gold und Silber der Kaiser und Könige, der Fürsten und Bischöfe. Orden und Ehrenzeichen waren hier viele zu sehen.

Doch so viele Gold- und Silbermedaillengewinner Olympischer Spiele: Das ist eine Premiere für den Reichssaal. Zumal man auch nicht vergessen darf: Gold und Silber, aber auch Bronze waren der Lohn für Ihre Leistungen.

Das kann man von den Herrschaften der Feudalzeit, die sich mit Gold und Silber geschmückt haben, sicher nicht durchwegs behaupten. Die meisten von ihnen wurden ja mit dem sprichwörtlichen Goldenen Löffel im Mund geboren.

Dass Sie als sportliche Leistungsträger heute hier zusammenkommen, dass Sie die Hauptpersonen sind, meine Damen und Herren, das darf ruhig als Zeichen gewertet werden, dass es doch gesellschaftliche Entwicklungsprozesse zum Positiven gibt. Dass Demokratie bei uns nicht nur gewagt, sondern auch ganz selbstverständlich gelebt wird.

Dabei dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass der Reichstag durchaus als Vorläuferinstitution eines deutschen, ja europäischen Parlaments angesehen werden kann. Nur mit dem entscheidenden Unterschied:

Das Volk als Souverän war noch nicht in die deutsche Geschichte eingetreten.

Die Stadt Regensburg und dieser Reichssaal sind bis zum Ende des Immerwährenden Reichstags 1806 oft genug Bühne für glanzvolle, aber auch dunkle geschichtliche Ereignisse gewesen.

Der Reichstag bestand hier ab 1663 als Gesandtenkongress. Er tagte bis zum Ende des alten Reiches sozusagen in Permanenz, nominell unter dem Vorsitz des Kaisers – das symbolisiert hier der Stuhl unter dem Baldachin.

In der Regel war der Herrscher aber von seinem Prinzipalkommissar vertreten. In dieser Funktion kam übrigens das Fürstenhaus Thurn und Taxis im 18. Jahrhundert nach Regensburg.

Zwei geflügelte Redensarten künden davon, dass die Politik des Verhandelns und der langwierigen Kompromisse am Regensburger Reichstag bei den Zeitgenossen nicht gerade im besten Ruf stand.

Etwas auf die lange Bank schieben

oder am grünen Tisch beschließen.

Diese Sprüche über die Gepflogenheiten des Reichstags sind uns bis heute geläufig.

Auf die lange Bank schieben deshalb, weil die Bänke im Reichssaal lang sind. Am grünen Tisch entscheiden, weil die Tische des kleinen erlauchten Kreises der Kurfürsten mit grünem Tuch bespannt waren.

Toleranz erforderte das Beratungs- und Entscheidungsreglement beim Reichstag hier in diesem Saal und den umliegenden Konferenzräumen.

Kurfürstenkollegium, Reichsfürstenrat und Reichsstädtekollegium tagten getrennt. Für ein Reichsgesetz aber waren übereinstimmende Beschlüsse notwendig.

Sie können sich vorstellen, dass es bei den oft widerstreitenden Interessen Zeit und viel Geduld gekostet hat, bis ein Reichsgesetz über Steuern, Heerzüge oder territoriale Abgrenzungen unter Dach und Fach war.

Daran sollten wir uns heute manches Mal erinnern, wenn uns die Entscheidungsprozesse unserer Volksvertreter im Bundestag und den Länderparlamenten zu lange dauern.

Wenn in der Politik viel geredet und auch gestritten wird.

Unsere Gesellschaftsform lebt von dem oft mühsamen gefundenen, am Ende aber doch meist tragbarem Kompromiss.

Meine Damen und Herren,

Sie sind aber nicht hierher gekommen, um einer Geschichtsstunde beizuwohnen.

38 Jahre nach den Olympischen Spielen 1972, so ein Treffen alle fünf Jahre hat hohen symbolischen Wert – weit über das Erinnern an große sportliche Leistungen hinaus.

Hier wird der olympische Gedanke ein Stück lebendig. Das Ringen um Leistung bedeutet nicht Gegnerschaft. Es verbindet, macht zu Partnern – oft für ein ganzes Leben.

Das drückt sich sehr deutlich und bewundernswert kameradschaftlich in der Teilnahme der Ruder-Olympioniken der damaligen DDR bei Ihrem Zusammenkommen aus.

Sport in unserer Gesellschaft: Ich als Bürgermeister, der in Regensburg für soziale Belange zuständig ist, kann Ihnen mit der Kraft meiner beruflichen Erfahrung versichern, wie notwendig, wie hilfreich und auch wie zuverlässig

der Gedanke des Sports, aber vor allem auch seine praktische Ausübung für uns alle, für eine gesunde, lebendige, befriedete und auch mit tätigem Optimismus in die Zukunft blickende Stadtgemeinschaft ist.

Wir haben in Regensburg, einer Stadt mit rund 150 000 Einwohnern, über 120 Sportvereine. Darauf sind wir mit Recht stolz. Zählt man alle Sportstätten zusammen, die städtischen, die der Vereine und der Schulen, so kommen wir auf die stattliche Zahl von 46.

In der großen, bunten Kette der mannigfaltigen Möglichkeiten sportlicher Betätigung in Regensburg sind der Ruderklub und der Ruderverein zwei besonders kostbare Perlen.

Und das nicht nur, weil sie ein ehrwürdiges Alter haben. Der Klub wurde ja 1890 und der Verein acht Jahre später gegründet. Beide künden damit vom Selbstbewusstsein des aufstrebenden Bürgertums im ausgehenden 19. Jahrhundert.

Über viele Jahrzehnte waren Ruder-Klub und Ruderverein auch wichtige gesellschaftliche, auch kulturelle Faktoren in unserer Stadt. Diese Bedeutung hat in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zwar abgenommen. Mir scheint es aber, dass diese Funktion mit den guten alten Bürgertugenden in letzter Zeit wieder an Bedeutung gewinnt. Die Menschen wollen sich nicht nur sportlich ausagieren. Das können sie in Fitness-Studios auch. Sie wollen Gemeinschaft mit Werthaltungen und persönlicher Begegnung. Spaßgesellschaft allein ist ihnen zu wenig.

Auch das sehe ich als positives Zeichen: Ruder-Klub und Ruderverein entfalten im Regensburger Ruderzentrum ihre umfangreichen Aktivitäten im konstruktiven Miteinander. Beide Vereine sind fast an der nördlichsten Stelle gelegen, die von der Donau auf ihrem 2845 Kilometer langen Weg vom Schwarzwald ins Schwarze Meer erreicht wird. Damit ist die Donau bekanntlich der zweitlängste Strom Europas nach der Wolga. Ein Eldorado für den Rudersport also.

Wie ideal gerade der Rudersport für die Menschen ist, muss ich Ihnen ja nicht erst erzählen: Wettkämpfe mit Leistungsansporn bei den Regatten, sinnvolle Freizeitgestaltung, und Förderung der Gesundheit, weil beim Rudern in der frischen Luft bekanntlich nahezu alle Muskelpartien beansprucht werden. Das ist nur der eine Teil der Vorzüge dieser Sportart. Aber es geht ja noch weiter:

Rudern kann man auf unterschiedlichstem Niveau von der Jugend bis ins hohe Alter betreiben. Leistungsgedanke und Teamgeist werden gleichermaßen gefördert.

Besonders erfreulich ist, dass die Rudervereine eigentlich keine Nachwuchssorgen haben. Sie sind attraktiv für Mädchen und Jungen gleichermaßen.

Wie die Jugendarbeit von Ruder-Klub und Ruderverein in Regensburg mit seinen zahlreichen Angeboten nur als vorbildlich bezeichnet werden kann, so ist es sicher auch in allen 500 Rudervereinen, die wir in Deutschland haben. Besonders hervorzuheben sind in Regensburg, die Angebote, die für die Schulen unserer Stadt gemacht werden.

Meine Damen und Herren,

ich möchte die Gelegenheit bei dieser Zusammenkunft in unserem Reichssaal nutzen, um Ihnen allen zu danken für Ihr sportliches und gesellschaftliches Engagement. Sie übernehmen Verantwortung in unserer Gesellschaft.

Nehmen Sie auf diesem Weg möglichst viele junge Menschen mit.

Geben Sie Senioren ein Stück Heimat.

Der Rudersport ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil unseres Gemeinschaftslebens. Sie bringen sich aktiv ein. Sie zeigen, was verantwortungsbewusste Bürgerinnen und Bürger sind. Darauf können Sie stolz sein.