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800 Jahre Deutschordenskommende St. Ägid zu Regensburg

 -Es gilt das gesprochene Wort- 

Begrüßung von Bürgermeister Joachim Wolbergs zur Festakademie 800 Jahre Deutschordenskommende St. Ägid zu Regensburg, Freitag, 9. Juli 2010, 15.30 Uhr, Historischer Reichssaal


Anrede

Als Bürgermeister der Stadt Regensburg ist es mir eine große Freude und Ehre, Sie heute hier im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses willkommen zu heißen.

Wenn die „alte Reichsstadt“ und die „neue Welterbestadt“ Regensburg in den Historischen Reichssaal lädt, dann ist der Anlass stets ein ganz besonderer. So auch heute, wenn wir mit einer Festakademie und einer großen Anzahl an Gästen feierlich die 800. Wiederkehr der Errichtung einer Kommende des Deutschen Ordens hier in Regensburg begehen.

In der „Familie der katholischen Ritterorden“ in Regensburg kann der Deutsche Orden auf die längste Geschichte in unserer Stadt zurückblicken. Bereits im Jahre 1210, also nur 20 Jahre nach der Gründung Ihrer Gemeinschaft als Hospitalbruderschaft durch Lübecker und Bremer Kaufleute vor Akkon, schenkte Herzog Ludwig I. von Bayern - auch bekannt als der Kelheimer - dem Deutschen Orden in Regensburg die Kirche St. Ägid mit dazugehörenden Gebäuden und Grundbesitz.

Diese Schenkung ist somit die Geburtsstunde der Kommende St. Ägid. Sie sollte eine der bedeutendsten in der ganzen Ballei Franken werden und bis zum Jahre 1809 bestehen. Seit dem Jahre 2001 gibt es hier in Regensburg nun wieder eine Komturei des Deutschen Ordens, nämlich die Familiaren- Komturei „An der Donau“.

Ich darf hier an einen meiner Amtsvorgänger erinnern, Bürgermeister Dr. Sigmund Silbereisen, der ja auch als Familiare dem Deutschen Orden angehörte. Er sei stellvertretend für die vielen Familiaren aus der Stadt Regensburg genannt.

Auch der Johanniter-Orden, dessen katholischer Zweig sich später nach seinem Sitz Malta, Malteser-Orden nennen sollte, war sehr früh in Regensburg beheimatet.

Im Jahre 1276 wird bereits ein Johanniter-Komtur zu St. Leonhard in Regensburg urkundlich erwähnt, die Komturei wird bis zur Säkularisation bestehen.

Das St. Leonhard-Kirchlein ist nicht nur aus kunsthistorischer Sicht ein lebendiger Zeuge für das Wirken dieses Ordens in Regensburg.

Unter dem Regensburger Bischof Dr. Rudolf Graber, der sowohl Ehrenritter des Deutschen Ordens als auch Mitglied des Malteser-Ritterordens und der Grabesritter war, wurde dann am 3. Mai 1975 in Regensburg die Grabesritter-„Komturei St. Wolfgang“ gegründet.

Das geschwisterliche Miteinander dieser drei geistlichen Ritterorden dokumentiert sich in Bayern und Deutschland und auch darüber hinaus nicht nur am Fronleichnamstag, wenn Vertreter aller drei Orden an der Prozession teilnehmen, sondern auch in gegenseitigen Besuchen, bei festlichen Anlässen, wie dem heutigen.

Aber nicht nur das Deutschordens-Jubiläum und die vielfältigen ordensritterlichen Traditionen in der Stadt Regensburg prädestinieren diese zum Ort der Begegnung für eine geschichtsreiche, religiöse Gemeinschaft wie der Ihren. Regensburg kann auch auf eine bald zweitausendjährige christliche Glaubenstradition zurückblicken.

Bereits im Jahre 179 nach Christus von Kaiser Marc Aurel als römisches Legionslager Castra Regina gegründet, kam die christliche Lehre mit römischen Soldaten und Zivilisten nach Regensburg. Um das Jahr 400 wird das Christentum erstmals in Regensburg durch einen Grabstein bezeugt. Viele namhafte Glaubenszeugen wirkten in und um Regensburg, wie die Bischöfe Emmeram, Erhard und Rupert, der Hl. Emmeram bezeugte seinen Glauben sogar mit seinem Leben.

Auch die bajuwarischen Herzöge aus dem Hause der Agilolfinger, die vom 6. Jahrhundert bis zum Jahre 788 hier residierten, und Regensburg damit zur ersten bayerischen Hauptstadt machten, bekannten sich weitgehend zum Christentum.

Im Jahre 739 wurde Regensburg auf Initiative des Heiligen Bonifatius, des Apostels der Deutschen, Bischofssitz. Einer der bedeutendsten Bischöfe im Mittelalter war der Heilige Wolfgang, einer der Patrone des Bistums. Der große Kirchenlehrer Albertus Magnus wurde vor 750 Jahren zum Regensburger Bischof geweiht.

Von Regensburg ging im Jahre 1189 auch der 3. Kreuzzug aus, in dessen Folge der Deutsche Orden gegründet werden sollte. Bischof Konrad III. von Regensburg, Teilnehmer dieses Kreuzzuges, zählte 1198 auch zu jenen 14 deutschen Fürsten und Prälaten, die die Umwandlung der Hospitalbruderschaft in einen Ritterorden beschlossen.

Regensburg war über 800 Jahre Austragungsort von Reichstagen, der letzte ging wegen seiner langen Dauer als „Immerwährender Reichstag“ in die Geschichte ein. Wenn er auch nicht immer währte, so doch rund 140 Jahre. Er tagte übrigens hier im Historischen Reichssaal, in dem ich Sie heute willkommen heißen darf.

Regensburg war Handelszentrum in dem sich die für die damalige Zeit bedeutendsten europäischen Fernhandelswege kreuzten. Diese internationalen Einflüsse boten auch den besten Nährboden für geistige Errungenschaften, die verschiedenen Wissenschaften blühten in Regensburg.

Dieses geistig umtriebige Klima ließ auch die Reformation in Regensburg schnell fußfassen und die Stadt deshalb bald zum Schauplatz heftiger Konfessionsstreitigkeiten werden.

Nicht nur das Mittelalter kannte große Bischofsgestalten, man denke im 19. Jahrhundert nur an den Weihbischof Georg Michael Wittmann, der wegen seiner heroischen Nächstenliebe im Rufe der Heiligkeit verstarb und dessen Seligsprechungsprozeß läuft.

Für die Gläubigen in der ganzen Diözese war der Besuch von Papst Benedikt XVI. in dessen bayerischer Heimat im Jahre 2006 ein großes Ereignis. Es ließ nicht nur die katholische Welt nach Regensburg blicken, sondern erfüllte auch die Regensburgerinnen und Regensburger mit Freude und auch mit einem gewissen Stolz. Auch hier waren die Familiaren des Deutschen Ordens bei der großen Messe auf dem Islinger Feld zugegen und bekannten damit ihre Verbundenheit mit Papst Benedikt.

Die Verbindungen der Stadt Regensburg mit dem Deutschen Orden sind vielfältig. In den heute gefeierten 800 Jahren - auch das sei hier erwähnt - nicht immer ganz ohne Konflikte. So stellte der Ägidienplatz in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder Grund zur Auseinandersetzung dar. Mal wollte die Stadt dort einen Schweine- und Roßmarkt veranstalten, mal einen Ballsaal erbauen, was in beiden Fällen der Deutschordens-Kommende St. Ägid missfiel, mit der sich das benachbarte Dominikaner-Kloster solidarisch erklärte.

Das alles aber ist Geschichte und ich möchte gerne in die Gegenwart blicken auf Ihre Solidarität mit den Bürgerinnen und Bürgern in Regensburg. Ich möchte Ihnen meine Hochachtung aussprechen, für Ihr großes caritatives und soziales Engagement.

In Regensburg ist ein Förderverein von Familiaren - was mich als Bürgermeister mit Zuständigkeit für die Seniorenarbeit besonders freut - Träger zweier Einrichtungen für ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger: Das wäre zum einen seit 1978 das Alten- und Pflegeheim St. Joseph am historischen Ägidienplatz sowie seit 2006 das neuerbaute Seniorenstift Albertinum in der Clermont-Ferrand-Allee. Damit ermöglichen Sie nicht nur diesen Menschen in Ihren Einrichtungen einen würdigen Lebensabend, Sie geben auch ein gutes Vorbild für die Menschen in unserer Gesellschaft. Sie machen deutlich, wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen und die Welt mit zu gestalten.

Nun wünsche ich Ihnen, dass Sie

  • die Erkenntnisse und Einsichten, die Sie im Festvortrag heute Nachmittag gewinnen werden und
  • die geistlichen Impulse, die Sie gleich in der Pontifikal-Vesper und morgen im Investitur-Gottesdienst noch bekommen werden, mit nach Hause nehmen,
  • unsere Stadt Regensburg in guter Erinnerung behalten
  • und für Ihren Auftrag im Orden und in der Gesellschaft gestärkt sind!

Getreu Ihres Ordensmottos: "Helfen, Heilen, Wehren".

Nochmals, herzlich willkommen in Regensburg!