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25. Jubiläum der Unterzeichnung des Schengenabkommens

 -Es gilt das gesprochene Wort- 

Rede von Bürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich des 25. Jubiläums der Unterzeichnung des Schengenabkommens auf dem Fahrgastschiff „Regensburg“ am 26. Juni 2010 um 18 Uhr an der Schiffsanlegestelle am Donaumarkt


Anrede

Regensburg ist ja nun wirklich nicht gerade arm an Schauplätzen von historischer Bedeutung. Dass aber einer dieser Schauplätze jahrelang unerkannt die Donau auf und ab fuhr, das hat es in der wahrlich bewegten Geschichte unserer Stadt auch noch nicht gegeben.

Und in der vergleichsweise jungen Geschichte des vereinigten Europas dürfte es ebenfalls noch nicht vorgekommen sein, dass ein historischer Schauplatz auf einmal verschollen ist und nach zwei Namensänderungen – also fast schon geheimdienstmäßig – mit einer neuen, völlig harmlos erscheinenden Identität wieder auftaucht.

Frau Völkl, die Geschäftsführerin des Personenschifffahrtsunternehmens Klinger, hat vor gut fünf Jahren ja auch nur durch einen Zufall davon erfahren, dass der in der Anonymität verschwundene historische Schauplatz in ihren Diensten steht. Durch einen Anruf des Bürgermeisters von Schengen hat sich dann aber das ganze Rätsel gelöst.

Nun wissen wir also, dass an Bord dieses Fahrgastschiffes, das jetzt Regensburg heißt, vor 25 Jahren das erste Schengenabkommen unterzeichnet wurde - ein Abkommen, das das Reisen in Europa dramatisch erleichtert hat. Auf diesem Schiff wurde die staatsrechtliche Grundlage dafür besiegelt, dass wir heute ungehindert und unkontrolliert über die Grenzen aller jener europäischen Staaten fahren können, die dem Schengenabkommen beigetreten sind.

An jenem historischen 14. Juni 1985 war das hübsche Schiff noch auf den Namen „Princesse Marie-Astrid“ getauft. In die neuzeitliche europäische Geschichte ging es allerdings nicht sofort ein, weil der Schengenvertrag zunächst nicht an die ganz große mediale Glocke gehängt wurde und erst zehn Jahre später wirklich in Kraft trat.

Eine der Folgen davon ist, dass man bis heute mit der Frage, wo dieses Schengen überhaupt liegt, die Teilnehmer von Quizsendungen um den sehnlich erhofften Millionengewinn bringen kann. Ich darfs hier zur Sicherheit noch einmal verraten: Schengen ist ein 500 Einwohner zählender Ort in Luxemburg, und er liegt an der Mosel, dort, wo die Grenzen von Deutschland, Frankreich und Luxemburg aneinander stoßen.

Doch zurück zur hübschen „Princesse Marie-Astrid“: Sie schipperte nach der Unterzeichnung des Schengenvertrags noch eine Weile unter ihrem Geburtsnamen auf der schönen Mosel herum. Dann wechselte sie hinüber auf den Rhein und hörte fortan auf den Namen „Sankt Nikolaus“. Vor sieben Jahren kam dieses Schiff schließlich dorthin, wo jedes Fahrgastschiff gerne sein will - nach Regensburg. Das Unternehmen Klinger erkannte sofort, dass der Name „Sankt Nikolaus“ nur schwerlich einen Bezug zu unserer Stadt hat. Folgerichtig wurde die „Regensburg“ daraus – und so befuhr sie friedlich und unerkannt mit Einheimischen und Touristen an Bord unsere Donau – bis sich vor gut fünf Jahren der Schengener Bürgermeister bei Frau Völkl nach dem Verbleib des Schauplatzes der Schengen-Vertragsunterzeichnung erkundigte und sich das Rätsel endlich löste.

Weil wir Regensburger und auch ihre Schiffe nun mal nicht zur Prahlerei neigen, erzählt unten, im Salon dieses Schiffes, lediglich ein Foto von der Schengen-Vetragsunterzeichnung, von der Abermillionen von Europäern profitieren.

Wenn wir uns also mal wieder daran erinnern, dass noch vor 25 Jahren die Fahrt in den Urlaub durch ein ständiges Bereithalten der Pässe aufgehalten wurde und womöglich sogar noch durch eine Zollkontrolle, dann sollten wir an unsere „Regensburg“ denken. Und an das wirklich historische Abkommen, das auf ihr geschlossen wurde.

Und vielleicht ergeht es Ihnen dabei ja so wie mir: Für ein Schiff, das am freien Reisen durch Europa beteiligt ist, gibt es meiner Meinung nach kaum einen besseren Heimathafen als Regensburg. Schließlich wurde in unserer Stadt mit dem Immerwährenden Reichstag eine lästige Kleinstaaterei überwunden. Hier wurde eine der wichtigen Grundlagen für den modernen Parlamentarismus gelegt. Und der wiederum hat das in Frieden vereinigte Europa ermöglicht.

Überhaupt war Regensburg schon immer eine europäische Stadt: Beim Immerwährenden Reichstag waren Botschafter aus allen wichtigen europäischen Ländern akkreditiert. Und schon lange zuvor, im Mittelalter, war Regensburg eines der wichtigen zentraleuropäischen Zentren für Handel und Wissenschaft.

Und zudem ist die Lage Regensburgs auch eng mit der Geschichte der Binnenschifffahrt verbunden. Die Donau war schon immer eine wichtige Verkehrsader besonders in den europäischen Osten.

Und schon allein aus Genussgründen sollte man es nicht versäumen, unsere Welterbestadt von Bord eines Schiffes aus zu betrachten. Die Donau, die einmalige Altstadtsilhouette, eine Schiffstour zur Walhalla oder zum Main-Donau-Kanal gehören zur Fülle der unvergesslichen Eindrücke, die wir zu bieten haben.

Wenn Sie also an Bord der Regensburg mal über unseren nicht nur sprichwörtlichen Strudel fahren, wenn Sie einen unvergesslichen Theaterabend, eine Familienfeier oder auch mal eine Partyfahrt auf diesem Schiff genießen - dann denken Sie vielleicht daran, dass Sie mit einem Schauplatz der neuen europäischen Geschichte unterwegs sind. Und dass dieser wirklich seltene Schauplatz dringend etwas braucht, was an anderen historischen Orten eher schwer störend wirken würde - nämlich immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel.

Der „Regensburg“, ihren Eignern, ihren Passagieren und ihrer Besatzung wünsche ich allzeit gute Fahrt - und auch, dass dieses ganz besondere Schiff seinen Liegeplatz immer in unserer Stadt haben möge.