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100 Jahre Ökumenische Bahnhofsmission

 -Es gilt das gesprochene Wort- 

Grußwort von Bürgermeister Joachim Wolbergs zu  „Grenzen überwinden – 100 Jahre Ökumenische Bahnhofsmission“ anlässlich der Feierstunde am 6. Mai 2010 um 10.30 Uhr in der Halle des Hauptbahnhofs Regensburg


Anrede

„Es kommt nicht nur darauf an, was wir äußerlich in der Welt leisten, sondern was wir menschlich geben, in allen Lagen.“

Diese Worte stammen von Albert Schweitzer. Er hat sie nur wenige Jahre nach dem Entstehen der ersten ökumenischen Bahnhofsmissionen formuliert.

Menschlichkeit schaffen – und das in einer Atmosphäre, in der Anonymität und Unpersönlichkeit vorherrschen: Das war immer schon Ziel und Anliegen der Bahnhofsmissionen. Denn gerade an Bahnhöfen, wo Menschen nur kurz verweilen, um auf Ankommende oder die Abfahrt eines Zuges zu warten, war seit jeher wenig Zeit für menschliches Miteinander.

In unserer heutigen hochtechnisierten Gesellschaft, in der auch die wenigen zwischenmenschlichen Beziehungen, die an Fahrkartenschaltern und Auskunftstheken aufgebaut werden konnten, von Automaten ersetzt worden sind, ist Menschlichkeit immer weiter in den Hintergrund gedrängt worden.

Umso wichtiger ist es, dass es gerade dort, an Bahnhöfen, Anlaufstellen gibt für all diejenigen, die ein Problem haben und die Hilfe benötigen. Denn sie alle, die in einer Bahnhofsmission Rat suchen, reisen mit Gepäck. Vielleicht tatsächlich mit Koffern und Taschen, die sie selbst nicht weit tragen können. Vielleicht aber auch mit seelischen Lasten, die ihnen zu schwer geworden sind.

„Einer trage des anderen Last“, schreibt der Apostel Paulus in seinem Brief an die Galater. Die Bahnhofsmissionen in Deutschland haben sich dies wortwörtlich zur Aufgabe gemacht. In nur wenigen Bereichen unserer Gesellschaft wird Ökumene so wenig bürokratisch gelebt wie hier. Menschen, die in Bahnhofsmissionen wie hier am Regensburger Hauptbahnhof kommen, können ihre Last im wahrsten Sinn des Wortes abladen, und zwar ganz gleich, ob es sich dabei um reales Gepäck oder um seelisch, gesundheitlich, beruflich oder familiär Belastendes handelt. Sie finden Ansprechpartner, die sich ihnen zuwenden, auf ihre Probleme eingehen, die sie als Menschen wahrnehmen und ihnen spontan Wärme und Geborgenheit vermitteln können.

Aber nicht nur die spontane Hilfe spielt bei den Bahnhofsmissionen eine wichtige Rolle. Sie sind auch eine niederschwellige Anlaufstelle für alle, die Probleme haben, die nicht sofort gelöst werden können. Deshalb vermitteln Sie kompetent und sachkundig weiter an andere Hilfsdienste.

Dabei kommt Ihnen die lange Tradition, die Bahnhofsmissionen in Deutschland haben, zugute. Den meisten Menschen ist die Bahnhofsmission ein Begriff. Sie wissen, dass sie sich mit Problemen an die Bahnhofsmission wenden können, und sie wissen, wo die Bahnhofsmission zu finden ist. Es ist auch viel leichter, sich nach dem Bahnhof zu erkundigen, als nach einer Beratungsstelle für Probleme jedweder Art.

So können Grenzen und Schranken im wahrsten Sinn des Wortes überwunden werden. So wurden viele Grenzen bereits überwunden und völlig zu Recht hat sich das 100-jährige Jubiläum der ökumenischen Bahnhofsmission dieses Motto zu Eigen gemacht.

Für das, was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Regensburger Bahnhofsmission seit vielen Jahren leisten, danke ich ihnen von Herzen im Namen unserer Stadt.

Ich wünsche allen, die sich hier engagieren: Bleiben sie weiterhin so nah am Menschen, so lebenspraktisch und so barrierefrei im eigentlichen Wortsinn! Dann leisten Sie einen wichtigen Beitrag zu einer gleichmäßigeren Lastenverteilung in unserer Gesellschaft und zu mehr Menschlichkeit!

Vielen Dank für die Arbeit, die Sie tun.

Sie leisten einen Riesen-Dienst an der Gesellschaft.