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Verleihung Aumüller-Schulpreis

-Es gilt das gesprochene Wort-

Grußwort des Schulreferenten der Stadt Regensburg, Herrn Bürgermeister Gerhard Weber, anlässlich der Verleihung des Aumüller-Schulpreises am 26. Juli 2010

Anrede,

es gibt ihn tatsächlich!

Und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich bis zur Vorbereitung auf die heutige Veranstaltung keine Ahnung davon hatte, dass am 5. Oktober eines jeden Jahres der „Weltlehrertag“ begangen wird.

Dank „Wikipedia“ weiß ich aber jetzt, dass der Weltlehrertag bereits 1994 eingeführt wurde, im Gedenken an die "Charta zum Status der Lehrerinnen und Lehrer", die ihrerseits schon 1964 von der UNESCO und der Internationalen Arbeitsorganisation angenommen worden ist.

Damals ist es zum ersten Mal gelungen, in einem internationalen Konsens den Status des Lehrerberufs in der Gesellschaft und die Verantwortung der Politik zur Sicherung notwendiger Arbeitsbedingungen für Lehrerinnen und Lehrer zu fixieren.

Am 5. Oktober, unmittelbar nach dem Welttierschutztag am 4. Oktober, wird also in über 100 Ländern der Lehrerinnen und Lehrer gedacht, jener Menschen, die, wie ein Schüler einmal gemeint hat, „ihr Leben lang zur Schule gehen“.

Ich hielte es für eine überlegenswerte Idee - vorausgesetzt die Fa. Aumüller ist damit einverstanden - die Verleihung des Aumüller-Schulpreises künftig jeweils am 5. Oktober vorzunehmen. Damit würde nicht nur der „Weltlehrertag“ eine gesteigerte Aufmerksamkeit erfahren, sondern auch der Aumüller-Schulpreis könnte - noch mehr als bisher - in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt werden.

Dieser Termin wäre insofern eine besonders gute Gelegenheit, um auf die Leistungen, aber auch auf die Probleme der Lehrkräfte aufmerksam zu machen.

„Bildung“, so hat der letzte Bundespräsident Horst Köh-ler in seiner Berliner Rede an der Kepler-Oberschule in Berlin-Neukölln am 21.09.2006 gesagt, „braucht Anerkennung! Wer jungen Menschen Bildung vermittelt, hat Achtung und Unterstützung verdient. Und wer mit Freude lernt und sich mit Eifer neues Wissen aneignet, hat Anspruch auf Wertschätzung und Respekt.“

Besondere Leistungen - von Lehrkräften und Schülern - haben deshalb auch eine besondere Anerkennung verdient, denn „Anerkennung“, so hat Horst Köhler in der eben zitierten Rede auch gesagt, ist immer noch der „stärkste Motivationsfaktor“. Ich meine, je motivierter und stabiler Lehrerinnen und Lehrer sind, umso besser ihre Zusammenarbeit mit den Schülerinnen und Schülern und umso effektiver ihr Unterricht.

Anrede,

„In allen Schultypen gibt es viele engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die auf hervorragende Weise Wissen und Können vermitteln und umfangreiche pädagogische Aufgaben wahrnehmen. Dieses Engagement wird in der Öffentlichkeit bisher kaum gewürdigt.“

Mit diesen Worten hat die Fa. Aumüller Druck KG Regensburg im Jahr 2003 die Stiftung des Aumüller-Schulpreises und des Aumüller-Berufsschulpreises begründet.

Weil ich diese Ansicht nach wie vor uneingeschränkt teile, freue ich mich sehr, auch heuer wieder bei Ihnen zu sein und den diesjährigen Preisträgern im Namen der Stadt Regensburg, aber auch ganz persönlich, zu ihrem Erfolg und der besonderen Anerkennung ihres Engagements gratulieren zu dürfen.

Gleichzeitig gilt mein ausdrücklicher Dank wieder der Firma Aumüller, die mit ihrer Initiative ein deutliches und auch finanziell großzügiges Zeichen dafür setzt, dass das engagierte Wirken vieler Lehrkräfte Respekt und Anerkennung verdient und deshalb auch in der Öffentlichkeit deutlich herausgestellt werden sollte.

Allerdings sieht die Realität vielfach anders aus.
"Lehrer“ so fasste einmal der Vorsitzende eines Lehrerverbandes "Volkes Meinung" über Lehrer ironisch zusammen - „werden gerne als wehleidige Jammerlappen gesehen, die trotz viel zu vieler Ferientage und eines gut honorierten Halbtagsjobs mit dem bisschen Unterrichten und Erziehen der im Prinzip bildungshungrigen Schüler heillos überfordert sind und völlig ausgebrannt schon in jungen Jahren ihre Frühpensionierung herbeisehnen."

Obwohl man, meine sehr geehrten Damen und Herren, der Schule bekanntermaßen die Lösung aller Probleme unserer Gesellschaft aufhalsen möchte, traut man den Lehrkräften selber nicht allzu viel zu.

Während Juristen, Ärzte und Ingenieure stolz auf ihren Beruf sind, behält so mancher Pädagoge ihn lieber für sich. Insbesondere Haupt- und Förderschullehrern fehlt die gesellschaftliche Anerkennung, obwohl sie mit einer Engelsgeduld, der „Ausdauer eines Marathonläufers“ und mit dem unerschütterlichen „Zweckoptimismus eines Wunderheilers“ täglich Kärrnerarbeit verrichten.

In Spielfilmen und TV-Serien sind Lehrer entweder einfältige, bisweilen bösartige Zeitgenossen oder pädagogische Supermänner und Alleskönner. Lehrkräfte, das wissen Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren, am besten, sind aber keine Entertainer und Animateure; sie versuchen jedoch, kompetente Lernbegleiter, verlässliche Erzieher und auch möglichst gute Vorbilder zu sein.

Lassen Sie sich, sehr geehrte Lehrkräfte, deshalb nicht durch “Volkes Meinung” entmutigen, denn es hat wohl keine Zeit gegeben, in der die Repräsentanten unseres Bildungssystems, und das sind in erster Linie Sie, nicht auf die eine oder andere Weise in der Kritik gestanden hätten.

Sicherlich braucht es zur Weiterentwicklung unserer Schulen auch „Anstöße“ von außen. Und sicherlich gilt auch für unser Bildungswesen der Satz: „Wer aufhört, besser werden zu wollen, hört auf, gut zu sein.“ Konstruktive Kritik erfordert aber in erster Linie auch ein gesamtgesellschaftliches Bewusstsein für die grundsätzliche Bedeutung und den Wert von Bildung und die Anerkennung derjenigen, die sich um die Bildung junger Menschen „von Berufs wegen“ bemühen.

Ich freue mich, meine sehr geehrten Damen und Herren, deshalb sehr, dass mit dem Aumüller-Schulpreis ein öffentlichkeitswirksamer Beweis für das deutlich über ihre Aufgaben hinausgehende Engagement von Lehrkräften angetreten wird.

Positive Rückmeldungen - wie dieser Preis - sind deshalb im Hinblick auf das eigene Selbstverständnis und die Zufriedenheit im Beruf von nicht zu unterschätzender Bedeutung und zwar sowohl für die einzelne Lehrkraft als auch für die betreffende Schule.

Ich beglückwünsche die Preisträgerinnen und Preisträger darum nochmals zu der verdienten Auszeichnung, danke aber ebenso allen anderen Teilnehmern für ihr vorbildliches Engagement. Gleichzeitig möchte ich auch heuer wieder alle heute nicht vertretenen Schulen ermuntern, ihr Licht nicht „unter den Scheffel“ zu stellen, denn ich bin davon überzeugt, dass es noch genügend Ideen und an jeder Regensburger Schule motivierte Lehrkräfte gibt, die diesen Preis ebenfalls verdienen.