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Verabschiedung Prof. Alf Zimmer

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich der Verabschiedung des Rektors der Universität, Prof. Alf Zimmer, am Montag, 23.3.2009, 16.15 Uhr, Altes Rathaus, Reichssaal

Anrede,

Verabschiedung veranlasst zum Blick zurück.

Was verbindet uns?

Was haben wir gemeinsam erlebt?

Was ist auf der Erfolgsseite zu verbuchen?

Die Universität Regensburg teilt mit der Stadt Regensburg mehr als eine über 40-jährige gemeinsame Geschichte. Diese Hochschule ist – und wir sagen das mit Stolz – eine Bürgeruniversität. Sie wurde vom Bürgerwillen erkämpft.

Ihre Gründung ist der große – wohl der größte – Zugewinn dieser Stadt, dieser Region im 20. Jahrhundert. Sie ist – und das war ja das Ziel aller Bemühungen – der entscheidende Leistungs- und Entwicklungsgarant für die Zukunft.

Mit ihrer Forschung, aber auch ganz wichtig mit ihrer Lehre garantiert sie Regensburg und Ostbayern ein Entwicklungspotenzial, das wir auf anderen Wegen nie erreicht hätten.

Sie, verehrter Herr Professor Zimmer, haben in Ihrer Argumentation als Rektor einmal vorgerechnet, dass die Investition in akademische Bildung eine volkswirtschaftliche Rendite von zehn Prozent erbringt. Solche Gewinne kann man auf dem Aktienmarkt nur noch in hochspekulativen, risikoreichen Geschäften erzielen.

Die Entwicklung Regensburgs durch und mit der Universität, selbstverständlich soll hier auch die Hochschule für angewandte Wissenschaften nicht vergessen werden, ist Beweis für Ihre These, sehr geehrter Herr Zimmer.
Geld für Bildung, für „unsere“ Universität, ist keine konsumtive Ausgabe, sondern im besten Sinn eine Zukunftsinvestition.

Bleiben wir noch einen Moment beim Blick zurück: Sie, Herr Rektor, haben ja eine viel längere lebensgeschichtliche Verbindung zu Regensburg und zu dieser Universität, als dies nur in ihrer Tätigkeit als Hochschullehrer für allgemeine und angewandte Psychologie ab dem Jahr 1984 und der Übernahme des Rektorenamtes seit 2001 zum Ausdruck kommt.

Sie sind dieser Universität und damit auch unserer Stadt schon seit 1973 verbunden, damals noch als wissenschaftlicher Assistent. Sie dürfen sich also mit Fug und Recht zu den Vertretern der Gründerjahre zählen.

In dieser Zeit haben sich zum ersten Mal unsere Wege gekreuzt und zwar im Senat: Sie waren Vertreter des Mittelbaus und ich Vertreter der Studierenden. Wir beide hatten damit die Ehre, mit Professor Dr. Joseph Ratzinger – dem heutigen Papst Benedikt XVI. – zusammen dem Senat anzugehören. Es waren heiße und oft genug quälend lange Debatten, die seinerzeit geführt wurden.

Wenn ich, verehrter Herr Zimmer, mitbekommen habe, dass Sie während Ihrer Amtszeit wieder einmal gegen den Stachel der Politik gelöckt und klare Wort gefunden haben, wenn es galt, die Autonomie und die finanzielle sowie personelle Handlungsfähigkeit der Universität zu verteidigen, dann habe ich mich an diese Zeit erinnert.

Als Reaktion auf die turbulente Gremien-Universität folgte damals die verordnete Bürokratisierung der Hochschulen an der kurzen Leine des staatlichen Misstrauens. Danach wurden die Universitäten kopfüber in die Sparwelle geworfen. Und um das Maß voll zu machen, hat man ihnen Exzellenz-Initiativen verordnet.

Im Grunde wäre das ja nichts Schlechtes, ganz im Gegenteil. Doch es ist geradezu klassisch die Quadratur des Kreises, wenn man Qualitätssteigerung verlangt, aber gleichzeitig Mittel kürzt. Der neueste Trend heißt ja Universität als Dienstleistungsunternehmen mit implantiertem inneren und äußeren Wettbewerb.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich erwähne diese Problemstellungen, weil wir in der Stadt den Rektor Alf Zimmer – sie erlauben mir dieses Bild – als Kapitän des Großtankers Universität auf hoher, stürmischer bildungspolitischer See erlebt haben.

Er hat auf der Leitungsbrücke der Universität Kurs gehalten, ja er hat im Verein mit dem gesamten Leitungsgremium, mit dem neuen Hochschulrat und dem neu konstituierten Senat den Kurs auch in eine handlungsfähige Zukunft mitbestimmt.

So ein Riesenschiff, wie es nun einmal die Universität ist, reagiert aufgrund seiner Schwerkraft naturgemäß mit Zeitverzögerungen. Die Kursfestlegungen, an denen Sie, Herr Zimmer, maßgeblich beteiligt waren – übrigens nicht nur an der Regensburger Universität, sondern auch überregional – werden ihre ganzen Auswirkungen erst mit der Zeit ganz entfalten.

Ich wünsche Ihnen, dass man sich dann auch an den Rektor erinnert, der beim Navigieren in eine zukunftsträchtige Richtung maßgeblich beteiligt war, der hier weitblickend Initiativen entfaltet hat.

Um nur einige Aspekte zu nennen, die besonders herausstechen:

Die gemeinsame Biotechnologie-Initiative von Universität und Stadt ist so erfolgreich, dass wir mit tatkräftiger Unterstützung des Freistaats Bayern demnächst das dritte Gebäude in Angriff nehmen werden.

Dank der gemeinsamen Anstrengungen von Universität und Universitätsstiftung Dr. Vielberth ist Regensburg heute ein europaweit führender Standort in der Immobilienwirtschaft.

Worum beide, Stadt und Universität, lange gekämpft haben, scheint zu einem Erfolg werden zu können: Mit Fraunhofer-Arbeitsgruppen gibt es einen hoffnungsvollen Einstieg in den Aufbau außeruniversitärer und zugleich universitätsnaher Forschungseinrichtungen.

Stadt und Universität setzen auf Osteuropakompetenz. Mit der Umsiedlung der Forschungsinstitute von München nach Regensburg, ebenso wie mit Bayhost sind in den letzten Jahren bemerkenswerte Fortschritte gelungen.

An den Initiativen, die zu diesen Entscheidungen geführt haben, ebenso wie an ihrer erfolgreichen Umsetzung, hatten Sie, Herr Professor Zimmer entscheidenden Anteil.

Lassen Sie mich aber, meine verehrten Damen und Herren, an dieser Stelle auch eine Sorge äußern. Es ist eine Sorge, von der ich weiß, dass ich Sie mit Ihnen, Herr Zimmer, teile.

Als Sie Ihre erste Periode als Rektor antraten, haben Sie als eines Ihrer wichtigsten Ziele den Ausbau der internationalen Beziehungen genannt. Sie forderten, mehr ausländische Studierende und Lehrende nach Regensburg zu holen, sie für diese Universität, für diese Stadt zu begeistern.

Weit über 200 Hochschulpartnerschaften unterschiedlichster Intensität beweisen, dass Regensburg international wahrgenommen und geschätzt wird.

Ich erinnere zusätzlich an das Europaeum mit seiner Bindungs- und Strahlkraft in den mittel- und osteuropäischen Raum hinein, an das Bohemicum, das die Nachbarschaft mit der Tschechischen Republik festigt und ausbaut.

In allen Fächern sind Dozenten, Gastprofessoren und fest angestellte Hochschullehrer aus dem Ausland bemüht, dass der wissenschaftliche Horizont der Studierenden international erweitert wird. Auch absolvieren Studierende aus Regensburg einen Teil der Studienleistungen im Ausland.

Es ist gleichermaßen wichtig für Regensburg und die Region, dass die Absolventen mit diesen Erfahrungen ins Berufsleben einsteigen. Wir sind immer mehr auf Auslandskontakte, auf das Gelingen weltweiter Kommunikation angewiesen.

In Ihrer Amtszeit, Herr Rektor Zimmer, hat sich der Anteil der ausländischen Studierenden an der Regensburger Universität kontinuierlich positiv entwickelt. Doch ab dem Jahr 2007 ist ein deutlicher Knick nach unten zu registrieren.

Ich meine, wir, die Universität und die Stadt, aber auch die Wirtschaft, sollten gemeinsam Überlegungen anstellen, wie wir die Attraktivität Regensburgs für Studenten aus dem Ausland erhalten und festigen können. Es sollte doch möglich sein, dass wir Mittel und Wege finden, wie wir gerade den Studierenden aus den ehemaligen Ostblockländern, die von der Wirtschaftskrise besonders stark betroffen sind, helfen, kostengünstig in Regensburg studieren und leben zu können. Regensburg und die Universität müssen ihre Attraktivität für junge Menschen aus dem Ausland nicht nur behalten, sondern gezielt ausbauen. Die Stadt hat sich in den letzten Jahren anerkannter Weise erfolgreich bemüht, gerade auch den ausländischen Studierenden einen bürgerfreundlichen Service durch unser Bürgerzentrum zu bieten.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, die gesamte Hochschullandschaft - und damit auch die Universität - hat sich in den letzten Jahren – in Ihrer Amtszeit, Herr Zimmer - rapide verändert. Dieser Wandel hat sich ebenso in der Wirtschaft der Stadt und der Region vollzogen.

Doch eines ist gleich geblieben und hat sich sogar noch verstärkt: Wir benötigen einen gut ausgebildeten, zu Innovationen fähigen Nachwuchs und die permanente Weiterbildung derer, die jetzt schon im Berufsleben stehen.

Und wir benötigen einen Spinover zumindest eines Teils der universitären Forschung auf unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft.

Wir in der Stadt haben es deshalb mit Genugtuung zur Kenntnis genommen, dass im neuen Leitbild der Universität der Forschungstransfer, die enge Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Gesellschaft explizit als Aufgabe verankert ist. Das ist die Kursbestimmung, die wir brauchen.

Wenn ich mir den Katalog der Verpflichtungen in Ihrem Leitbild ansehe, dann sind hier genau die Qualifikationen angestrebt, die wir zur wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit, aber auch zur Weiterentwicklung unserer Gesellschaft dringend benötigen.

Es sind Schlüsselqualifikationen wie Durchschauen und Erkennen komplexer Probleme, kritischer Umgang mit bewährten und neuen Erkenntnissen, die Fähigkeit zum lebenslangen Lernen, verantwortliches Handeln in der Gesellschaft, Mut zum Neuen, Leistungsbereitschaft und Belastbarkeit, Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit sowie interkulturelle Kompetenz.

Wir, die Stadt Regensburg und ihre Bürgerinnen und Bürger, sind dabei die natürlichen Partner dieser Universität. Aus partnerschaftlicher Verbundenheit nennen wir sie unsere Universität.

Ich möchte bei dieser Gelegenheit nicht versäumen, Dank zu sagen: Ihnen Herr Rektor Zimmer und damit allen, die an der Universität wirken: als Lehrende und als Studierende, ebenso denen, die in Verwaltung und Technik diese große Einrichtung funktionsfähig halten.

Herr Professor Zimmer, wir hatten in Ihnen einen kritischen, aber stets kooperativen Partner. Sie haben uns in Haltung und Tat bewiesen, dass sich diese Universität der Stadt und der Region Regensburg verpflichtet sieht.
Sie und die Gremien der Universität haben mit der Reform der Grundordnung die Weichen für eine gute Zukunft gestellt. Mit der neuen Struktur und dem soliden, immer wieder bestätigten wissenschaftlichen Fundament kann sich die Universität Regensburg den Herausforderungen, auch denen der kommenden Generationen stellen. Die nächste Zukunft wird ja von einem prognostizierten Wachstumsschub gekennzeichnet sein und von der Verpflichtung, Forschungsleistungen auch noch zu steigern.

Wenn die Stadt Regensburg in den letzten Jahren im deutschlandweiten Vergleich gute, ja beste Platzierungen erreichen konnte, so geht diese Entwicklung erstaunlich parallel einher mit den Erfolgen der Universität bei allen einschlägigen Rankings.

Wir, Stadt und Region einerseits und die Hochschulen Regensburgs andererseits sind ein starkes Team. Wir sind stolz auf unseren Partner Universität.

Und Sie Herr Professor Zimmer, dürfen stolz darauf sein, Rektor dieser Universität in zu Reformen verpflichtenden Jahren gewesen zu sein. Sie haben an entscheidender Stelle die Partnerschaft mit der Stadt mitbestimmt und gefördert.

Sie haben sich um die Entwicklung unserer Universität und unserer Stadt verdient gemacht. An dem, was die Universität als Bildungs- und Forschungseinrichtung, aber auch wirtschaftlich, gesellschaftlich und nicht zu vergessen kulturell für Regensburg geleistet hat, daran haben Sie, Herr Zimmer, einen respektablen Anteil.
Im Namen der Bürgerinnen und Bürger Regensburgs danke ich Ihnen aufrichtig für ihr Wirken und ihre Verbundenheit zur Stadt.