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Sportlerehrung 2009

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich der Sportlerehrung 2009 am 24. November 2009, 19.30 Uhr, im Historischen Reichssaal

Anrede

Dieser Saal hat in früheren Zeiten, bei den Sitzungen des Immerwährenden Reichstags, so manches heftige politische Ringen erlebt. Allerdings ist es sehr fraglich, ob stets der Sportsgeist das Handeln der damals Mächtigen bestimmt hat.

Das organisierte und friedliche Messen der Kräfte ist - so sagen historische Quellen - etwa 1500 vor Christus in der kretisch-mykenischen Epoche erfunden worden. Schon während der Zeit, als hier im Reichssaal große europäische Politik gemacht wurde, vor allem aber im 20. Jahrhundert, hatte der Sport - damals wurde er noch Leibeserziehung genannt - seinen Siegeszug bereits begonnen. Die Gymnastik als Training von Körper und Geist griff immer mehr um sich und wurde schließlich fester Bestandteil des Bildungssystems.

Nach 1900 wurde der Sport in Deutschland zur Massenbewegung. Inzwischen hat er eine Verbreitung gefunden wie wohl noch nie zuvor in der Geschichte.

Denn die vielfachen Erscheinungsformen körperlicher Betätigung faszinieren aktive Sportler genauso wie Menschen, für die der Sport Unterhaltung und Freude am Zusehen bedeutet. Welche zentrale Rolle dem Sport in unserer modernen Gesellschaft zukommt, kann man allein schon an den Medien erkennen: Fernseh- und Radiosender geben den besonders populären Sportarten reichlich Raum zu den besten Sendezeiten.

Immer wieder erstaunlich sind die Summen, die beispielsweise für den Transfer von Spielern und für Übertragungsrechte bezahlt werden - und schon von nahezu nationaler Bedeutung ist die Frage, welche Sender beim Finanzpoker um diese Übertragungsrechte zum Zug kommen.

Es gibt unzählige Sportfreunde, die es als grobe Zumutung empfinden, sie während der Sportschau zu stören. Und in nicht wenigen Familien und Partnerschaften herrscht an jedem Montagmorgen wegen der intensiven Lektüre der Sportseiten in der Zeitung andächtige Stille. Ganz zu schweigen von jenen eisernen Fans, die alles andere strikt hintan stellen, um im Stadion nur ja kein Spiel ihres Lieblingsvereins zu verpassen.

Vom Sport lebt ein nicht unwesentlicher Teil unserer Wirtschaft: Allein der deutsche Sportfachhandel hat im Jahr 2008 - trotz der bereits heraufziehenden Krise - ein Plus von 3 Prozent erwirtschaftet und einen Gesamtumsatz von 7,1 Milliarden Euro erzielt. Das schafft auch in unserer Stadt Arbeitsplätze und Steuereinnahmen.

All dies gibt aber keine Antwort auf eine zentrale Frage: Was ist der wahre, der tiefere Sinn des Sports?
Die Aphorismensammlungen sind voll mit Deutungsversuchen, die sich meist sehr zustimmend, dann aber auch wieder reichlich ironisch mit dem Sport auseinandersetzen.

Am Ende bleiben jedoch die Gedanken eines Mannes im Gedächtnis haften, der dem Sport eine überaus versöhnende und damit wichtige soziale Funktion zuschreibt. Pierre Baron de Coubertin, der Begründer der modernen olympischen Bewegung, erklärt den Sinn von Sport und Wettkampf so:

„Charaktereigenschaften anderer Völker schätzen und bewerten. Sich gegenseitig messen, übertreffen – das ist das Ziel. Ein Wettstreit mit dem Frieden.“

Eine weitere Erkenntnis Coubertins ist inzwischen zum geflügelten Wort geworden: „Teilnehmen ist wichtiger als siegen.“ Und Coubertin, der ja Pädagoge war, ergänzte: „Das Wesentliche ist nicht, gesiegt, sondern sich wacker geschlagen zu haben.“

Daraus lässt sich der Schluss ziehen:

Sport ist schön. Durch einen errungenen Sieg wird er noch schöner. Am schönsten aber ist Sport dann, wenn er den Menschen tiefe Erfüllung gibt – mit oder ohne Pokale und Medaillen.

Sportlich sein – das bedeutet nicht nur, seinen Körper fit zu halten oder für hohe und höchste Leistungen zu trainieren. Dazu gehört insbesondere auch sportliches Verhalten: Teamgeist, Fairness, die Beachtung von Regeln, Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft - all das zeichnet den wirklich guten Sportler aus.

Tricks und Finten, Tarnen und Täuschen - diese negativen Verhaltensmerkmale, die im menschlichen Miteinander immer mehr um sich greifen, haben im Sport nichts verloren. Da zählen Ehrlichkeit, Geradlinigkeit, Verlässlichkeit und Anstand. Sport hat also eine wichtige gesellschaftliche Funktion: Er trägt dazu bei, das Gute im menschlichen Charakter nachhaltig zu festigen. Mich freut es immer ganz besonders, wenn sich nach einem mit aller Anstrengung und Ehrgeiz geführten Wettkampf die gegeneinander angetretenen Sportler die Hände reichen. Ein wesentlicher Grundzug des sportlich fairen Umgangs ist es, den Sieger ehrlich zu seiner Leistung zu beglückwünschen - und auch die Leistung des Verlierers anzuerkennen. Schließlich geht es bei den immer neuen Rekorden, die aufgestellt werden, ja oft nur um Bruchteile einer Sekunde, um den entscheidenden Zentimeter weiter oder höher. Da genügt ein Windhauch, eine kurze Konzentrationsschwäche, eine winzige Unsicherheit, eine plötzlich wieder aufflackernde alte Verletzung - und schon ist das angestrebte Ziel trotz mühsamen Trainings verfehlt.

Vergebens sind all die Anstrengungen freilich keineswegs: Auch wenn Sportler nicht auf das ersehnte Siegertreppchen steigen dürfen, verdient ihre beharrliche Selbstüberwindung unser aller Respekt und Anerkennung. Dies erst recht, wenn in der öffentlichen Wahrnehmung ein verpasster Sieg als Niederlage missverstanden wird.

Siegerehrungen, Pokale und Medaillen sind nur die sichtbaren Zeichen des Erfolgs. Dabei ist Erfolg im Sport ja relativ: Für viele Sporttreibende liegt ihr ganz persönlicher Sieg bereits darin, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit auszuloten und nicht damit zu hadern, wenn sich diese Grenzen nicht weiter ausdehnen lassen. Die Freude über die eigenen Stärken, aber auch das Eingestehen der Schwächen gehört zu einer reifen Persönlichkeit.

Und wenn vielen Sportreibenden - im übertragenen Sinne - der Weg als Ziel genügt, dann ist das in Ordnung. Es muss nicht gleich jeder, der Spaß am Sport hat, sämtliche Rekorde brechen wollen. Sport bedeutet eben nicht nur, Hochleistung zu zeigen, Siege zu erringen und dafür zahllose Entbehrungen auf sich zu nehmen.  Sport hat auch eine unspektakuläre, aber trotzdem sehr wichtige Seite: Die eigene Gesundheit. Wer sich nur eine halbe Stunde am Tag bewegt - beim Laufen, beim Schwimmen, beim Rad- oder Skifahren - erfüllt bereits die Empfehlungen von Sportmedizinern.

Und auch die heilsame Wirkung auf die Psyche ist nicht zu unterschätzen: Privat oder beruflich angestauter Ärger und Frust verlieren durch ausreichende Bewegung an Dramatik, der Kopf wird wieder frei. Und wer weiß, wie viele Entscheidungen bei ein paar Joggingrunden entlang der Donau grundlegend überdacht wurden!

Sport hat vorbeugenden Charakter - das wird gerade bei Kindern und Jugendlichen deutlich. Ihren Kräfteüberschuss werden sie in der Schule und vor dem Computer nicht los, wohl aber beim Eishockey, beim Schwimmtraining oder in der Leichtathletik. Und Sport beugt auch der Gefahr vor, dass junge Menschen sich in die virtuelle Welt des Internet und der Computerspiele zurückzuziehen.

Dabei kommt den 130 Sportvereinen und den 38 Schützenvereinen in Regensburg eine bedeutende Rolle zu: Sie betreuen knapp 11000 Kinder und Jugendliche - damit stellen diese jungen Altersgruppen ein Viertel der insgesamt etwa 46000 Mitglieder der Regensburger Sportvereine. Für unsere Stadt mit ihren knapp 150000 Einwohnern eine beachtliche Zahl.

Regensburg ist eine Sportstadt mit einem riesigen Angebot: 60 verschiedene Sportarten werden bei uns betrieben, zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Viele Vereine verfügen über eigene Sportstätten, um deren Erhalt und Ausbau sie sich mit Erfolg bemühen. Und auch wir, Stadtrat und Verwaltung, setzen alles daran, das Regensburger Sportleben so vielfältig und so attraktiv wie nur möglich zu gestalten:

2 Millionen Euro Sportförderung gehen 2009 allein schon an die Sportvereine.

Die Stadt betreibt, um nur die wichtigsten Einrichtungen zu nennen, ein Fußball- und ein Eisstadion, dazu 44 eigene Sporthallen und Übungsräume, eine Vielzahl von Sportplätzen und etliche Schwimmanlagen.

Ich hoffe sehr, dass wir bei der städtischen Sportförderung trotz der angespannten Haushaltslage, die sich leider immer deutlicher abzeichnet, ohne große Abstriche auskommen.

Das Engagement der Vereinsmitglieder und die ideelle und materielle Förderung durch die Stadt haben entscheidend dazu beigetragen, dass Regensburg in der Öffentlichkeit nicht ausschließlich als eine der schönsten Städte in Deutschland und als Welterbe wahrgenommen wird, sondern auch als eine Stadt, die nicht zuletzt deswegen als liebens- und lebenswert geschätzt wird, weil sie im wahrsten Sinn des Wortes in Bewegung ist.

Zu den herausragendsten Veranstaltungen zählten in diesem Jahr die Vorrundenspiele zur Baseball-Weltmeisterschaft: Bei uns waren die Mannschaften aus China, den USA, Venezuela und Deutschland zu Gast. Regensburg war in dieser Vorrunde auf Ballhöhe mit den weiteren Austragungsstädten Barcelona, Moskau, Prag und Stockholm.

Wesentlich für die Entscheidung zugunsten Regensburgs als Austragungsort war die überaus engagierte Vorarbeit unseres örtlichen Baseball-Vereins, den Buchbinder-Legionären, und natürlich der Umstand, dass es hier das vom Verein betriebene Baseball-Stadion gibt. Die Stadt ist allen, die daran beteiligt waren, zu großem Dank und Anerkennung verpflichtet, schließlich war der Imagegewinn durch die internationale Berichterstattung immens.

Im August des kommenden Jahres findet ein weiterer sportlicher Höhepunkt in Regensburg statt: Der berühmte IronMan-Triathlon, zu dem sich schon jetzt mehr als 1200 Teilnehmer aus 40 Nationen angemeldet haben. Sie werden 3,8 Kilometer weit durch den Guggenberger See schwimmen, eine 180 Kilometer lange Radstrecke in den nahen Naturpark Bayerischer Wald bewältigen und schließlich einen Marathonlauf absolvieren, der durch die Altstadt führt und dessen Zieleinlauf vor einer immer wieder beeindruckenden Kulisse errichtet wird - der Steinernen Brücke.

Stadt, Landkreis und unsere Nachbarstadt Neutraubling haben bei der Bewerbung vorbildlich kooperiert und deshalb freuen wir uns umso mehr, dass die Wahl der Veranstalter auf Regensburg und sein attraktives Umland gefallen ist. Den teilnehmenden Sportlern, ihren Betreuern, den sicher abertausenden Zuschauern aus aller Welt und den zahlreichen Medienvertretern werden wir gute Gastgeber sein.

Dass Regensburg nun immer öfter Sportveranstaltungen von internationalem Rang anzieht, haben wir sehr wesentlich unseren örtlichen Sportvereinen zu verdanken, durch die unsere Stadt überregional regelmäßig im Rampenlicht steht - und deshalb auch für internationale Großveranstaltungen immer interessanter wird.

Stellvertretend für die vielen örtlichen Sportveranstaltungen möchte ich den mit seinen 25 Jahren inzwischen legendär gewordenen Arber-Rad-Marathon nennen, den Regensburg-Marathon, der immerhin auch schon zum 20. Mal stattfindet und die Leichtathletik-Gala im Uni-Stadion.

All das wäre nicht denkbar ohne Sie: die Sportler, die Vereinsvorstände, die aktiven und fördernden Vereinsmitglieder, Abteilungsleiter, Übungsleiter, Betreuer, Kampfrichter, Platzwarte und ungezählten Helferinnen und Helfer. Sie alle halten den unschätzbaren Wert des ehrenamtlichen Engagements hoch und leisten damit einen wertvollen Beitrag für unsere Stadtgesellschaft.

Ihnen allen, die aus Spaß, Leidenschaft und Überzeugung für den Sport in Regensburg tätig sind, sage ich im Namen der Stadt einen herzlichen Dank.