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Goethe-Gymnasium

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger, anlässlich der Übergabe und Segnung des Neubaus der Dreifachsporthalle und der Aula sowie der neuen Räumlichkeiten für das G8 und die Ganztagsbetreuung am Goethe-Gymnasium am Montag, 4. Mai 2009

Anrede,

zur feierlichen Übergabe der neuen Räumlichkeiten an das Goethe-Gymnasium darf auch ich Sie alle zunächst herzlich willkommen heißen.

Es ist noch nicht ganz sechs Jahre her, als am 6. November 2003 der damalige Bayerische Ministerpräsident, Dr. Edmund Stoiber, in seiner Regierungserklärung die Verkürzung der gymnasialen Schulzeit um ein Jahr angekündigt hat. Er begründete die Umstellung auf das „G8“ mit folgenden Worten:
"Unsere Jugendlichen sollen die bestmögliche Ausgangsposition für ihren Start in das Leben haben. Sie sollen hervorragend ausgebildet werden. Aber sie sollen auch mit Jugendlichen aus anderen Ländern mithalten können, die früher in das Berufsleben einsteigen und damit in unserer globalen Welt bessere Chancen haben."

Schon im darauf folgenden Schuljahr 2004/2005 wurden auch die Regensburger Gymnasien auf „G8 Betrieb“ umgestellt. Diese Umstellung blieb natürlich nicht ohne Konsequenzen für die Betroffenen, zu denen u.a. auch die Kommunen als Schul- oder Schulaufwandsträger gehören. Die Stadt Regensburg hat trotz der damit verbundenen und vorher nicht planbaren finanziellen Belastung im Interesse der Schulen rasch und - wie ich meine - vorbildlich auf diese Neuerung reagiert.

So konnten bereits zwei Jahre später, im Juli bzw. im November 2007, an drei der fünf öffentlichen Gymnasien, für die Regensburg Schulaufwandsträger ist, zusätzliche Räume für das G8 und eine damit verbundene „Ganztagsbetreuung“ (einschließlich Versorgungsküche und Speisesaal) übergeben werden.

Bereits am 5. März desselben Jahres hatten wir den 1. Spatenstich für die Maßnahmen hier am Gothe-Gymnasium und am 25. Mai 2007 die Grundsteinlegung für den Neubau des Städtischen Von-Müller-Gymnasiums vorgenommen.

Für die damals (im Jahr 2007) bereits abgeschlossenen Baumaßnahmen mussten insgesamt rd. 8 Mio. Euro aufgewendet werden, von denen die Stadt selbst (trotz IZBB!) noch 3 Mio. zu tragen hatte. Dabei haben sich - wenn man es genau betrachtet - der Umfang und damit auch der finanzielle Aufwand von Maßnahme zu Maßnahme gesteigert.

Waren es beim Albrecht-Altdorfer-Gymnasium ausschließlich die durch das G8 und ein Ganztagsangebot bedingten Räume, die neu geschaffen wurden, so kamen beim Albertus-Magnus-Gymnasium bereits die Verlegung und Erweiterung der Pausenhalle und beim Werner-von-Siemens-Gymnasium eine neue Sporthalle hinzu.

Heute sollen nun dem Goethe- Gymnasium die u.a. für ein G8 erforderlichen Räume übergeben werden. Dabei erfährt die „Dramaturgie“ eine erneute Steigerung, denn diese Schule erhält nicht nur neue Räumlichkeiten für das G8 und ein Ganztagsangebot, sondern auch eine (neue) Dreifachsporthalle und eine völlig neue Aula.

Die Stadt Regensburg bekennt sich mit den eben aufgezählten Schulbaumaßnahmen ausdrücklich zu ihrer Verantwortung gegenüber den nachfolgenden Generationen und sie macht mit jeder einzelnen deutlich, dass sie einem optimalen Zustand und einer bestmöglichen Ausstattung „ihrer“ Schulen hohe Priorität einräumt.

Dass die Baumaßnahme am Goethe-Gymnasium etwas ganz „Großes“ ist, wie ich beim 1. Spatenstich bereits gesagt habe, wird schon daran deutlich, dass sie mit insgesamt rund 26 Mio. Euro eine der teuersten in der bisherigen Regensburger Schulgeschichte überhaupt darstellt.

Allerdings trägt zu diesen Kosten das G8 nur in geringerem Umfang bei, sondern wir wollten die Gelegenheit nutzen, nun auch die schon seit längerem bekannten, altersbedingten baulichen und funktionalen Mängel und Schäden durch eine Generalsanierung des gesamten Schulkomplexes zu beheben.

Mit dem Thema „Generalsanierung des Goethe-Gymnasiums“ war der Schulausschuss des Stadtrats schon erstmals Anfang der 1990iger befasst. Immer wieder war sie Gegenstand von Beratungen und Sitzungen und wurde - auch immer wieder - aus Kosten- oder anderen gewichtigen Gründen verschoben.

Auf Grund der permanent gestiegenen Schülerzahlen und der Einführung des achtjährigen Gymnasiums musste sich der Schulausschuss am 12. Oktober 2004 erneut damit befassen und sich zusätzlich mit dem Neubau einer dringend notwendigen Dreifach-sporthalle auseinandersetzen. Die Entscheidung für dieses umfangreiche und kostenintensive Projekt fiel dann nach den gründlichen Vorarbeiten der Verwaltung schließlich in der Sitzung des Stadtrats am 30. März 2006.

Der einstimmig gefasste Beschluss lautete damals „Für das Goethe-Gymnasium werden eine Dreifachsporthalle mit Betriebsräumen, eine Pausenhalle mit Pausenverkauf und Stuhllager sowie die notwendigen Unterrichtsräume für Musik neu geschaffen. Die bestehende Doppelstocksporthalle wird entsprechend dem Bericht der Verwaltung umgebaut. Anschließend erfolgen die schrittweise Generalsanierung und der bedarfsgerechte Umbau der beiden Schulgebäude. Abschließend werden die Außen- und Freisportanlagen neu angelegt bzw. gestaltet.“

Der erste Teil dieses Beschlusses, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist nun umgesetzt und heute können wir das gelungene Ergebnis der Arbeit des beauftragten Architekturbüros und der den Bau ausführenden Firmen in Augenschein nehmen. Dem genehmigten Raumprogramm entsprechend wurde die vorher bestehende Doppelstocksporthalle zu einem Versorgungs- und Aufenthaltsbereich umgebaut, den die Einführung des G8 notwendig gemacht hat.

Dabei ist es - wie ich meine - gut gelungen, die ehemaligen Stilelemente und -ornamente im neu geschaffenen Speisesaal sowie dem Aufenthaltsraum zu erhalten. In der ehemaligen unteren Sporthalle können nun bis zu 90 Essensteilnehmer gleichzeitig verköstigt werden und der daran anschließende Aufenthaltsbereich steht für ein Förder- und Betreuungsangebot zur Verfügung. Zusätzliche „Rückzugsecken“ sind auf der ehemaligen Zwischenebene der unteren Sporthalle entstanden.

Die obere Sporthalle wurde zu Räumen für die Lehrkräfte und die Schulbibliothek umgebaut. Hier sind nun das Lehrerzimmer - mit einer kleinen Teeküche - ein Silentium- und Arbeitsraum sowie die Bibliothek für Lehrkräfte und Schüler untergebracht und ebenfalls durch eine kleine „Galerie“ ergänzt.
Als Ersatz für die weggefallenen zwei Halleneinheiten wurde eine dem langfristigen Bedarf entsprechende Dreifachsporthalle mit Betriebsräumen neu errichtet und zwischen dieser neuen Sporthalle und dem Stammgebäude eine bisher fehlende Pausenhalle mit Pausenverkauf und Stuhllager als Verbindungsglied eingefügt.

Im unmittelbaren Anschluss an diese Aula hat man auch die Unterrichtsräume für Musik neu geschaffen. Bei der Dreifachsporthalle wurde zudem ein Aufzug vorgesehen, um eine behindertengerechte Erschließung sicherzustellen. Die neue Pausenhalle ist mit einer Fläche von rund 520 m² für bis zu 1.200 Schülerinnen und Schüler ausgelegt.

Hier befindet sich auch der neue Haupteingang zum Schulgebäude, der den Schülerinnen und Schülern, die in St. Fidelis untergebracht sind, einen kurzen Weg zum „Mutterhaus“, den Sporthallen sowie der Pausenhalle ermöglicht. Mit dieser Pausenhalle, die - wie ich finde - ein sehr einladendes „Entree“ darstellt, verfügt die Schule nun zudem über einen ausreichend großen und ansprechenden Raum für schulische Veranstaltungen, die bisher nur in einer der beiden „altehrwürdigen“ Turnhallen stattfinden konnten.

Noch aber ist das Ziel nicht erreicht. Noch stehen die Generalsanierung und der bedarfsgerechte Umbau der beiden Schulgebäude sowie die abschließende Neuanlage bzw. Neugestaltung der Außen- und der Freisportanlagen aus.

Schulleitung, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, alle hier Beschäftigten, aber auch die Nachbarn, werden deshalb weiterhin Geduld aufbringen und mit den für Baumaßnahmen unerlässlichen Beeinträchtigungen und Störungen leben müssen, denn „ein Ende“ ist wohl nicht vor dem Jahr 2013 abzusehen.

Wenn nichts Unvorhersehbares mehr dazwischen kommt, dann wird das Goethe-Gymnasium in jedem Fall aber noch rechtzeitig vor dem „100. Geburtstag“ seines Stammgebäudes - am 1. September 2014 - in neuem Glanz erstrahlen.

Obwohl bis dahin noch reichlich Zeit ist, hat die Schule - wie ich meine - schon heute guten Grund, das bisher erreichte Zwischenziel zu feiern und auch die Stadt Regensburg freut sich über diesen gelungenen ersten Bauabschnitt, steht er doch neben anderen Maßnahmen für die permanente Weiterentwicklung unserer Schullandschaft insgesamt.

Sehr geehrte Damen und Herren, 
die bisherigen Baumaßnahmen sind erfolgreich und - soweit ich weiß - auch unfallfrei abgeschlossen worden und auch der Alltag ist schon weitgehend in die neuen Räumlichkeiten eingekehrt.

Der Zeitplan war zwar aus verschiedenen Gründen nicht ganz so einzuhalten, wie ursprünglich vorgesehen; dennoch können Schülerinnen und Schüler, Schulleitung und Lehrkräfte und ebenso die Eltern, die mit Recht ihre Kinder gut untergebracht und versorgt wissen wollen, aus meiner Sicht sehr zufrieden sein.

Wie bei allen anderen haben wir uns auch bei diesem Projekt an den Bedürfnissen und Erwartungen vor Ort orientiert und sind - so denke ich - den an uns gestellten Anforderungen in jeder Hinsicht gerecht geworden.

Als Trägerin des Schulaufwands kann die Stadt Regensburg zwar immer nur die äußeren Rahmenbedingungen gestalten, es sind aber nicht zuletzt auch diese „Äußerlichkeiten“, die eine Schule des 21. Jahrhunderts von einer „Lehranstalt“ früherer Tage unterscheiden.

Natürlich hängt die Qualität einer Schule nicht allein vom „Ambiente“ ab.Und ich weiß, dass auch „am alten Goethe“ hervorragende Arbeit geleistet wurde. Es ist inzwischen aber unbestritten, dass Geist und Ökonomie einer Epoche sich insbesondere in Architektur und Funktionalität der Schulgebäude zeigen. Und so sind Schulen und die Gebäude, in denen sie untergebracht sind, letztlich auch ein Spiegelbild der jeweiligen Gesellschaft insgesamt und ihrer Wertschätzung und Ausrichtung von Bildung und Erziehung im Allgemeinen.

Galten zur Entstehungszeit des Goethe-Gymnasiums noch Gehorsam, Fleiß und Disziplin als oberste Erziehungsziele, was auch in eher spartanischen Zweckbauten (einschließlich Karzer!) zum Ausdruck kam, so soll Schule heute als Lebensraum begriffen werden, in dem nicht nur gelernt wird, sondern wo auch Sport und Spiel, Kultur und Begegnungen, Gespräche und Feste stattfinden sollen (und können). Dass dieser Verständniswandel nicht spurlos an den Gebäuden vorübergehen kann, versteht sich von selbst.

In diesem Zusammenhang macht auch das Wort vom „dritten Lehrer“ häufig die Runde. Es bezieht sich auf eine schwedische Schulweisheit und meint, dass zum schulischen Erfolg der Kinder neben den Mitschülern und Lehrern auch das Schulhaus mit seinen Räumen einen wichtigen Beitrag leistet. Doch während in den nordischen Schulen jedem Schüler durchschnittlich 4,5 qm zur Verfügung stehen, sind es in bayerischen gerade einmal zwei (qm). Hier gibt es also vor allem für den zuständigen Gesetzgeber durchaus noch Handlungsbedarf, will man Schule wirklich zu einem „Lebensraum“ werden lassen, der diese Bezeichnung auch verdient.

Wenn deshalb auch bei dieser Maßnahme nicht alle Wünsche erfüllt werden konnten, so ist das heutige Ergebnis nicht nur wieder ein gelungenes Beispiel für die gute Zusammenarbeit zwischen dem Bauträger, den Planern, den ausführenden Firmen und der Schule, sondern auch ein Ergebnis, das den Einsatz der bisherigen Mittel ganz gewiss rechtfertigt.

Lassen Sie mich deshalb nun an dieser Stelle auch all jenen danken, die dieses Projekt überhaupt ermöglicht haben:

  • dem Stadtrat für den Beschluss der Maßnahme und die Bereitstellung der Mittel,
  • der Regierung der Oberpfalz bzw. dem Freistaat Bayern, für die
    erforderlichen Genehmigungen und die finanzielle Unterstützung,
  • dem Architekturbüro Dömges Architekten AG, Regensburg, für die gelungene Planung sowie
  • allen Bau ausführenden Firmen und allen beteiligten städtischen Ämtern für ihr Engagement und das ausgezeichnete Resultat.

Danken möchte ich aber besonders auch der Schulleitung, dem Lehrerkollegium und den Schülerinnen und Schülern sowie den von dieser Baumaßnahme unmittelbar oder mittelbar betroffenen Nachbarn, dass sie die unumgänglichen Beeinträchtigungen während der Bauzeit ohne Klagen in Kauf genommen haben.

Danken darf ich schließlich auch den Geistlichen beider Konfessionen für die Segnung der neuen Räume und Ihnen, sehr geehrter Herr OStD Feldmeier, für die Organisation der heutigen Veranstaltung.

Auch wenn ich Ihnen heute kein völlig neues Schulhaus übergeben kann, so braucht sich in wenigen Jahren - nach Abschluss sämtlicher Maßnahmen - das ehrwürdige „Goethe“ ganz gewiss nicht vor anderen, „moderneren“ Schulbauten zu verstecken.

Sehr geehrte Damen und Herren,
in einer Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 30.04.2004 heißt es u.a.: „Aufgrund der Veränderungen in Gesellschaft und Arbeitswelt, die zu einem tiefgreifenden Wandel der Familienstrukturen geführt haben, und angesichts wachsender Anforderungen an Bildung und Erziehung kommt dem Ausbau der außerunterrichtlichen Betreuungs- und Förderangebote für Schüler eine zunehmende Bedeutung zu.“

Diesen Veränderungen trägt die Stadt Regensburg schon seit Jahren und mit vielfältigen Maßnahmen Rechnung. Ich nenne hier nur die Horte oder auch die städtischen Ferienangebote für Schulkinder.

Weil aber die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für viele nicht selten von existenzieller Bedeutung ist, beschloss der Schulausschuss des Stadtrats darüber hinaus schon im Jahr 2002, dass die Stadt Regensburg „Betreuungsangebote für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 10 in gleichem Umfang fördert wie der Freistaat Bayern“. Allein dafür wurden seitdem im jährlichen Durchschnitt etwa 200.000 Euro aufgewendet und rd. 300 Betreuungsplätze gefördert.

Von diesen Angeboten haben nach meinem Wissen auch Schülerinnen und Schüler des Goethe-Gymnaiums Gebrauch gemacht, wenn auch zunächst notgedrungen „außerhäusig", da keine geeigneten Räume im Schulgebäude selbst zur Verfügung standen.

Da das G8 aber verstärkt Nachmittagsunterricht bedingt, der wiederum mit einer längeren „Verweildauer“ der Schülerinnen und Schüler im Schulgebäude verbunden ist, haben wir auch am Goethe-Gymnasium - wie bisher schon am Albrecht-Altdorfer-, am Albertus-Magnus- und am Werner-von-Siemens-Gymnasium - die hierfür notwendigen räumlichen Voraussetzungen geschaffen, die nun selbstverständlich auch für Ganztagsangebote genutzt werden können.

Vielleicht wird das Goethe-Gymnasium in naher Zukunft ja sogar einen „gebundenen“ Ganztagszug aufbauen, denn nach dem Willen der Bayerischen Staatsregierung soll dies nicht nur an Haupt- und Grundschulen verstärkt in Angriff genommen werden. Ob die baulichen Voraussetzungen, die wir bis dahin geschaffen haben, dafür allerdings ausreichen oder ob wir dann eventuell (schon wieder) „nachbessern“ müssen, kann angesichts der schillernden Facetten bayerischer Schulpolitik mit Gewissheit heute noch niemand sagen. Warten wir also ab und lassen wir uns (wieder einmal) überraschen.

Zum Schluss, meine sehr geehrten Damen und Herren, möchte ich Johann Wolfgang von Goethe zitieren, der einmal gesagt hat:
„Mit einer erwachsenen Generation ist nie viel zu machen, in körperlichen Dingen wie in geistigen, in Dingen des Geschmacks wie des Charakters. Seid aber klug und fanget in den Schulen an, und es wird gehen.“

Für heute und für diese Maßnahme bleibt mir deshalb nur zu hoffen und zu wünschen, dass im Sinne einer ganzheitlichen Erziehung, die ja bereits Goethe mit den eben zitierten Worten gefordert hat, die neuen Räume möglichst intensiv genutzt werden, damit die Bemühungen aller Beteiligten auch die Anerkennung finden, die sie verdienen.