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Eröffnung "Porta Hungarica"

-Es gilt das gesprochene Wort-

 

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger zur Eröffnung der „Porta Hungarica“ am 16. Oktober 2009, um 20 Uhr, Altes Rathaus, Reichssaal

Anrede

Regensburg hat seit Jahrhunderten eine intensive Beziehung zu Ungarn. Nicht nur die Donau, dieser zweitgrößte europäische Strom, der durch so viele europäische Länder fließt, verbindet Regensburg mit Ungarn.

Die vor einigen Jahren geschlossene Städtepartnerschaft mit Budavar besiegelt die guten Beziehungen untereinander. Die beiden Städte verbindet viel. Nicht nur die geografische Lage an der Donau – beide Städte entstanden zudem aus römischen Legionslagern – sondern zahlreiche historische Bezüge verknüpfen die beiden Orte miteinander.

Die Donau ist seit jeher eine Achse des Reisens wie auch des Handels, eine Route für die Könige und die Kaufleute, und spielt nicht zuletzt deshalb eine wichtige Rolle in den politischen Beziehungen der beiden Länder, deren wirtschaftliche wie auch kulturelle Entwicklung und Bedeutung in ganz entscheidendem Maße von der geographischen Lage an diesem Fluss geprägt wurden.

Dies wird eindrucksvoll belegt durch den Regensburger Goldschatz, der im August 1996 in der Altstadt von Regensburg, am Neupfarrplatz, nicht weit von hier, geborgen wurde: der größte Teil dieses sensationellen spätmittelalterlichen Münzfundes sind ungarische Münzen: von den insgesamt 624 Münzen kommen 543 Münzen aus Ungarn, die restlichen aus Böhmen, Polen und Venedig. Die Tatsache, dass der größte Teil dieses Schatzes ungarische Münzen sind, ist ein Indiz nicht nur für die engen wirtschaftlichen Beziehungen, sondern auch für die Güte des ungarischen Geldes.

Es gibt jedoch noch eine ganz konkrete, an einer historischen Persönlichkeit festzumachende Verbindung: Die bayerische Prinzessin Gisela, Schwester des späteren Königs und Kaisers Heinrich II., deren Eltern in Regensburg begraben liegen, heiratete 995 König Stephan I. von Ungarn und ist als ungarische Königin Gisela von Bayern und Ungarn gleichermaßen verehrt worden. Stefan I. ließ weite Teile des europäischen Donauraums christianisieren. Königin Gisela stiftete an das Grab ihrer Mutter im Niedermünster von Regensburg eine Inkunabel mittelalterlicher Goldschmiedearbeit Europas: das Giselakreuz.

Es ist auch kein Zufall, sondern gehört in die große Tradition der Beziehungen, dass im Porträtbuch des Hansgerichts aus dem Jahre 1610 das ungarische Wappen auftaucht:
Der Doppeladler mit nimbierten Köpfen, das Symbol des heiligen römischen Reiches, dessen „Parlament“ in diesem Teil des Regensburger Rathauses tagte, wurde von der Reichsstadt Regensburg als kaiserliches Wappen mit verschiedenen Ausschmückungen in offiziellen Handschriften benutzt. Im eben erwähnten Porträtbuch aus dem Jahr 1610 ist dieser Adler umringt von den Wappen der kaiserlichen Stammlande, darunter auch das ungarische Wappen.

Wirtschaft, Politik, Kirche und Kultur sind die vier Säulen, die seit alters her die Beziehungen zu Ungarn prägen. Dass es sich dabei nicht um irgendwelche lokale oder regionale Ereignisse, sondern um Episoden europäischer Dimension handelt, haben meine kurzen Ausführungen gerade gezeigt.

Es liegt auf der Hand, dass die historischen Zentren alter Donaustädte gemeinsam an einem wieder zusammenwachsenden Europa arbeiten.

Und in diesem Zusammenhang spielt Ungarn eine entscheidende Rolle: hätte es vor 20 Jahren nicht die Grenze geöffnet, sähe die politische Lage in Europa heute anders aus.

Ungarn setzte sich nachdrücklich für ein zusammenwachsendes Europa ein, indem es sich mit der auferzwungenen, Europa spaltenden Diktatur nicht zufrieden gegeben hat. Denn mit dem Ausbruch der ungarischen Revolution, dem Volksaufstand vor mehr als 50 Jahren, am 23. Oktober 1956, hat Ungarn für sich eine neue weltpolitische Situation geschaffen, die weit über diesen Tag selbst hinausreicht. Das „Erbe“ des 23. Oktobers 1956 ist Freiheit und Gerechtigkeit. Die Ungarn hatten damals genug vom sozialistischen System, das 1956 seine moralische Glaubwürdigkeit, seine moralischen Grundlagen verloren hatte.

Die Geschichte begann sich ab 1956 allmählich zu drehen. Allein der Zusammenbruch der sozialistischen Weltordnung und die Vereinigung der voneinander getrennten Völker Europas sollte noch Jahrzehnte auf sich warten lassen.

30 Jahre später öffnete Ungarn die Grenzen und ermöglichte so die Wiedervereinigung. Diese mutige Tat hatte weit reichende Folgen, Ungarn sei großer Dank dafür ausgesprochen!

Zum Gedenken an die Grenzöffnung Ungarn – Österreich – Deutschland vor 20 Jahren veranstaltet die Stadt Regensburg an diesem Wochenende zusammen mit der Stiftung CulturElle aus Budapest und mit Unterstützung der Bayerischen Staatskanzlei und des Ungarischen Instituts ein ungarisches Kulturwochenende mit hochkarätigen Künstlern und Persönlichkeiten aus Ungarn und Deutschland.

Ich freue mich, dass der Botschafter der Republik Ungarn S.E. Sandor Peisch heute hier im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses das ungarische Kulturwochenende „Porta Hungarica“ eröffnen wird.

Und ich freue mich auf das Jazzkonzert im Anschluss an diesen Empfang beim Jazzclub im Leeren Beutel, auf den literarischen Abend mit György Konrad und Reiner Kunze, auf die Lesung mit Ivan Sandor, auf die Matinee mit den Ungarischen und den Oberpfälzer Märchen und nicht zuletzt auf die Podiumsdiskussion mit ungarischen und deutschen Wissenschaftlern, die die Ereignisse der Grenzöffnung und den Fall des Eisernen Vorhangs aus unterschiedlichen Gesichtspunkten beleuchten werden.

Ich darf Sie alle zu den Veranstaltungen herzlich einladen und wünsche Ihnen dazu viel bereichernde Erkenntnisse.