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Spatenstich neues Elternhaus des VKKK

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidiger zum Spatenstich des neuen Elternhauses des VKKK in der Ringstraße am 7. Mai 2009 um 16 Uhr

 

Anrede,

heute ist ein Tag, den Sie und viele Regensburgerinnen und Regensburger mit Vorfreude und Spannung erwartet haben. Heute ist der Spatenstich zum neuen Elternhaus des Vereins zur Förderung krebskranker und körperbehinderter Kinder.

Der Verein hat bereits ein Elternhaus, das „Otto-Haus“. Seit 1996 bietet es Eltern, Geschwistern und anderen Bezugspersonen mit insgesamt acht Zimmern ein „Zuhause“ auf Zeit. Ein Zuhause, das die Familien in der Ausnahmesituation „Krebserkrankung“ dringend brauchen und das die Familien auch bei der Organisation des Alltags entlastet.

Während eines Klinikaufenthalts des Kindes kann den Eltern schon damit geholfen werden, dass die Wege zum Kind kurz sind und lange Anfahrten wegfallen. Im Otto-Haus wird deswegen nicht nur eine kostenfreie Übernachtungsmöglichkeit angeboten, dort finden die Familien auch ein Stück Geborgenheit, Gelegenheit zum Austausch und ein wenig Ruhe.

Weil durch das große Engagement für die Vollversorgung von Kindern in Ostbayern nun die KinderUniKlinik realisiert werden kann, stehen Sie vor neuen Herausforderungen. Denn sobald die Kinder-Uni-Klinik Regensburg ihren Betrieb aufnimmt, wird auch die Onkologie aus der Hedwigsklinik dort angesiedelt werden.

Ein Neubau dieses Elternhauses, dessen Grundstein wir heute legen ist also dringend nötig, schließlich hat das Elternhaus nur Sinn, wenn es dort ist, wo die kranken Kinder versorgt werden. Mit 2,5 Millionen Euro veranschlagen Sie den Neubau – Mittel die Sie selbst bereits durch Benefizaktionen, Projekte und Spenden aufgebracht haben und aufbringen werden.

Meine sehr geehrten Damen und Herren. Vor kurzem hatte ich die letzte Ausgabe Ihres Monatsmagazins in der Hand. Was mich besonders beeindruckt hat, waren die vielen Seiten, die Sie mit dem Dank an Unterstützer und Spender füllen können. Für mich ist die große Anzahl derer, denen dort Dank gesagt wird ein deutliches Zeichen dafür, dass der VKKK und seine Projekte den Regensburgern eine Herzensangelegenheit geworden ist.
Zu Recht, wie ich finde.

Ihr Verein wurde in diesem Jahr 20 Jahre alt und hat seit seiner Gründung viel bewegt. Aus anfänglich neun Vereinsmitgliedern wurden mehr als eintausend, die unter dem Motto „Sie für uns – wir für Kinder“ und mit dauerhaftem und überzeugendem Engagement zu einer Verbesserung der Situation krebskranker und körperbehinderter Kinder und deren Familien beitragen. In mehrfacher Hinsicht, denn eine Krebserkrankung bei Kindern und Jugendlichen ist nicht nur für die Patienten eine einschneidende und prägende Erfahrung, sondern auch eine große Belastung für die Angehörigen.

Wichtig ist es also auch, wegen der medizinischen Aspekte der Erkrankung die psychischen Faktoren nicht zu vergessen. Deswegen hilft der VKKK in allen Phasen der Erkrankung.

In der Klinik unterstützen Sie die Familien und Kinder durch psychosoziale Betreuung und übermitteln bei Bedarf auch finanzielle Hilfe. Sie begleiten die Betroffenen mit Musiktherapie und tragen zu einer Optimierung der Ausstattung in der onkologischen Station bei, indem Sie Personal und Geräte beschaffen.
Sie engagieren sich aber nicht nur während der akuten Phase der Erkrankung. Auch danach oder während der Genesungsphase helfen Sie den Betroffenen dabei, das Leben, das lange Zeit ausschließlich von der Krankheit bestimmt wurde, wieder aktiv zu gestalten.

Unternehmungen mit Kindern und Eltern, Familienwochenenden mit psychologischer Begleitung, Erfüllung von „Herzenswünschen“ von Kindern und Jugendlichen – das alles gibt Mut und Kraft und trägt dazu bei, dass in den Familien und für die Familien Lebensfreude wieder spürbar wird.

Liebe Mitglieder des Vereins, liebe Gäste, liebe Förderer,
der VKKK ist auch in anderer Hinsicht ein besonderer Verein, denn er wurde vor 20 Jahren von betroffenen Familien gegründet. Diese Erfahrung fließt in ihre tägliche Arbeit ein. Ein großer Teil von Ihnen

  • weiß, wie es ist, als Elternteil um die Gesundheit und um das Leben des Sohnes oder der Tochter zu bangen
  • weiß, wie viel Kraft es kostet, mit anzusehen, dass das eigene Kind aufreibenden Therapien, Operationen und Untersuchungen ausgesetzt ist.
  • weiß, wie notwendig es für die Angehörigen ist, selbst getröstet zu werden, damit sie Trost und Zuversicht an ihr Kind weitergeben können.
  • weiß, dass die Angst vor dem endgültigen Verlust des Sohnes oder der Tochter in manchen Momenten übermächtig zu werden scheint.

Hilfe und Zuspruch in diesen besonders schweren Stunden sind von unschätzbarem Wert. So stellt sich der Verein auch der Aufgabe der Begleitung in der letzten Lebensphase. Das Pilotprojekt Pädiatrische-Palliativversorgung ermöglicht ein Sterben in der vertrauten, häuslichen Umgebung und macht so einen Abschied in Geborgenheit möglich. Ebenso begleitet der Verein die Angehörigen beim Übergang in die Trauerphase. Wer möchte, findet im Arbeitskreis trauernder Familien Unterstützung und Zuspruch.

Doch im Zentrum Ihrer Arbeit steht immer die Heilung, die Hoffnung und ein - trotz Krankheit - erfülltes Leben. Sie geben den Familien die Möglichkeit, mit der Krebserkrankung der Kinder als Familie umzugehen und suchen hier individuelle Wege. Allein dieses Maß an Selbstbestimmung in einer Zeit, die von Terminen, Untersuchungen und Besuchszeiten fast vollständig „fremdbestimmt“ ist, ist ein Segen für die Betroffenen. Die wichtigste Säule dieser Selbstbestimmung ist das Elternhaus, dessen Grundstock wir heute legen.

Wenn wir heute mit Ihnen diesen Spatenstich als Erfolg für die medizinische Versorgung von krebskranken Kindern in Ostbayern werten, sollen auch diejenigen nicht vergessen werden, die sowohl die Arbeit des VKKK, als auch das KUNO-Projekt tatkräftig unterstützt haben: Den Menschen, die mit Geld, Zeit oder Sachspenden die Arbeit erleichtert oder auch erst ermöglicht haben, möchte ich heute herzlich danken. Die Spenden sind bei Ihnen in guten Händen.

Ich möchte dem Verein meinen Dank noch in anderer Sache aussprechen:  Sie und andere Vereine machen durch Ihre Erfolge Werbung für bürgerschaftliches Engagement. Wer heute sieht, was Sie in den vergangenen 20 Jahren erreicht haben, kann sich der positiven Kraft von bürgerschaftlichem Engagement nicht mehr leicht entziehen. Deswegen hoffe ich, dass sich noch viele Regensburgerinnen und Regensburg von Ihrem Verein, Ihrem Enthusiasmus und Ihrer Kreativität anstecken lassen.

Sie für uns - Wir für Kinder, unter diesem Motto arbeiten Sie. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, Kraft und gutes Gelingen bei der Errichtung des neuen Elternhauses. Möge es ein Haus werden, in dem das Leben und die Zuversicht Angst und Krankheit besiegen.

Meine besten Wünsche begleiten Sie.