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Bund Katholischer Unternehmer

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger zur Begrüßung des Bundes Katholischer Unternehmer anlässlich der Bundestagung am Freitag, 9. Oktober 2009, 19 Uhr, Historischer Reichssaal

 

Anrede

 

Es freut mich sehr, dass Sie für die Jubiläums-Bundestagung zum 60jährigen Bestehen des Bundes Katholischer Unternehmer gerade Regensburg gewählt habe.

  • Hier trifft Tradition auf Moderne.
  • Hier zeigt eine mittelalterliche Stadt, die sogar von der UNESCO in die Liste der Welterbestätte aufgenommen wurde, dass Geschichtsbewusstsein und Zukunftsorientierung nicht im Widerspruch stehen.

Und Regensburg ist zudem eine Stadt mit einer Jahrhunderte zurückreichenden großen Tagungstradition.

Von Kaiser Karl dem Großen, der sich schon im Jahre 788 erstmals in Regensburg aufhielt und Gesandte sowie Delegationen aus ganz Europa empfing, bis hin zum Immerwährenden Reichstag und den großen wissenschaftreichen Kongressen unserer vergleichsweise jungen Universität: Regensburg bietet den richtigen Rahmen und das richtige Ambiente für Tagungen, die ja nicht nur fachlich weiterbringen sollen, sondern auch das Umfeld für neue Kontakte darstellen.

Die Gesandten, die ihre Landesherren aus dem gesamten Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation hier beim Reichstag vertraten, tagten damals hier in diesem Saal.

Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren, führen Ihre Tagung nicht in diesem Saal durch. Ein Glück vielleicht!?

Denn daher besteht weniger die Gefahr, dass Sie Ihre Entscheidungen „auf die lange Bank schieben“ oder am sprichwörtlichen „Grünen Tisch“ fällen.

Beides könnten Sie nämlich hier finden. Die legendäre lange Bank sehen Sie hier neben mir. Hier sollen die Akten abgelegt worden sein, die in den Stapeln wohl so manches Mal in Vergessenheit gerieten.

Entschieden wurde in einem anderen Raum, gleich nebenan. Bis heute ist dieser Tisch mit grünem Stoff bespannt. Dass die Herren, die dort Entscheidungen trafen, wohl manchmal den Praxisbezug verloren hatten, lässt die bis heute erhaltene Redewendung vermuten „etwas am grünen Tisch entscheiden“.

Die zentrale Fragestellung Ihrer Tagung, nämlich wie die Soziale Marktwirtschaft zukunftsfähig gemacht werden kann, verbindet Theorie und Praxis. Ich wünsche Ihnen, dass das gelingt.

Sehr geehrte Damen und Herren,

auf Ihrem Weg vom Tagungsort, dem Kolpinghaus St. Erhard, hierher zum Alten Rathaus, sind Sie schon - bewusst oder auch unbewusst - an Denkmälern der verschiedenen Epochen der bewegten Regensburger Stadtgeschichte vorbeigegangen.

Da war das römische Stadttor, die Porta Praetoria, die das 179 n.Chr. gegründete Legionslager Castra Regina nach Norden hin zugänglich machte. Diese Jahreszahl ist – in Stein gemeißelt – belegt. Regensburg besitzt sozusagen eine steinerne Gründungsurkunde.

Direkt angebaut an das römische Portal zeigt sich der mittelalterliche Bischofshof, die Residenz der Fürstbischöfe, und der gotische Dom St. Peter – großartiges Zeugen christlichen Glaubens. Bereits um das Jahr 400 bezeugte erstmals ein Grabstein die christliche Lehre in unserer Stadt. Im Jahr 739 schließlich gründete der Heilige Bonifatius das Bistum Regensburg.

Nur wenige Schritte sind es vom Dom zur Steinernen Brücke, die bei ihrer Fertigstellung im Jahre 1146 als das achte Weltwunder gepriesen wurde. Über Jahrhunderte hin war sie die einzige Möglichkeit zwischen Ulm und Wien, die Donau zu überqueren, um so von Norden nach Süden zu kommen. Was das für die wirtschaftliche Entwicklung Regensburgs bedeutete, muss ich Ihnen als Experten nicht sagen.

Hier kreuzten sich die großen Handelsstraßen. Regensburger Kaufleute pflegten geschäftliche Kontakte bis hin nach Byzanz, Kiew und Italien. Sie kamen zu Reichtum und Wohlstand und dokumentieren diesen auch, indem sie Lebensart und Architektur ihrer italienischen Handelspartner übernahmen.

Den einen oder anderen der Wohntürme konnten Sie auf dem Weg hierher sehen. Sie prägen bis heute unser Stadtbild. Nicht nur deswegen, sondern auch aufgrund der Lebensart der Menschen, wird Regensburg oft als die nördlichste Stadt Italiens bezeichnet.

Regensburg war von etwa 500 bis 788 Bayerns erste Hauptstadt unter dem Herzogsgeschlecht der Agilolfinger. Damals war – erlauben Sie mir diese Bemerkung - die heutige bayerische Landeshauptstadt München kaum mehr als eine „Sandbank in der Isar“. Mit der Erlangung der Rechte als Freie Reichsstadt im Jahre 1245 und den Reichstagen wuchs mit der politischen Bedeutung Regensburgs auch die wirtschaftliche.

Die nach Osten gerichteten Missionsbestrebungen der Regensburger Bischöfe - so wurde das Erzbistum Prag von hier aus gegründet - waren auch eine gute Voraussetzung für die Entstehung eines Handelsplatzes von kontinentaler Bedeutung.

Das wirtschaftliche Leben erhielt also auch durch die Katholische Kirche wegweisende Impulse

Die zahlreichen Zeugen dieser bewegten Geschichte werden Sie neben Ihrer Tagung ja auch noch morgen Nachmittag kennenlernen.

Bei einer Stadt wie Regensburg könnte man über der Faszination ihrer Geschichte fast den eigentlichen Grund Ihres Hierseins vergessen.

Die „Soziale Marktwirtschaft vor globalen Herausforderungen“, das ist nicht nur das Leitmotiv des BKU für das Jahr 2009, das ist auch das Thema, mit dem Sie sich in diesen Tagen in Vorträgen hochkarätiger Referenten aus Wirtschaft und Politik intensiv auseinandersetzen.

Den globalen Herausforderungen kann sich unsere Wirtschaft nur dann stellen, wenn sie die entsprechenden Grundlagen auf nationaler Ebene gelegt hat. Wir in Regensburg dürfen durchaus mit Stolz sagen, dass wir daran mit Erfolg mitgewirkt haben.

Unsere Wirtschaftsförderung trägt Früchte. Im PROGNOS Zukunftsatlas nimmt Regensburg unter 439 Städten und Kreise in Deutschland Platz 5 ein.

Wie wichtig für einen langfristigen wirtschaftlichen Erfolg auch ein entsprechender Werte-Hintergrund ist, haben uns die Ereignisse in der jüngsten Vergangenheit deutlich gemacht. Mit Ihrer Arbeit zeigen Sie auf, wie die Aussagen der katholischen Soziallehre für den betrieblichen Alltag konkrete Handlungsorientierungen geben können.

Dabei dient Ihnen das christliche Menschenbild als Orientierungshilfe in einer bisweilen orientierungslosen Gesellschaft.

Wirtschaftsförderung ist die beste Sozialpolitik!

Wie eng soziale Strukturen und Wirtschaft miteinander verknüpft sind, ist Laien schwer verständlich zu machen.

Nur eine prosperierende Wirtschaft schafft Arbeitsplätze und verschafft Bund, Ländern und Gemeinden die finanziellen Grundlagen für eine sozial ausgerichtete Politik. Sie ermöglicht den Kommunen

  • die Investitionen für Schule, Bildung oder Familien,
  • hält das Netzwerk aufrecht, das soziale Härtefälle abfedert. 

Die positive Entwicklung, die Regensburg in den letzten Jahren genommen hat, bestätigt die aktive Wirtschaftsförderung und Imagepflege der Stadt.

Investitionen in harte und weiche Standortfaktoren haben sich gelohnt. Regensburg ist für qualifizierte Arbeitnehmer und damit auch für Unternehmen ein attraktiver Standort. Auch in Zeiten der Krise ist es uns gelungen, Unternehmen am Standort zu halten. Wir haben nie gejammert, wenn wir Arbeitsplätze verloren haben; wir haben den Saldo durch Neuansiedlungen ausgeglichen.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise beutelt auch uns. Aber im Vergleich mit anderen Kommunen stehen wir weiterhin gut da. Gerade im Bereich der Hochtechnologie, im Bereich Biotechnologie, Sensorik oder Informationstechnologie sind wir nicht nur bayernweit, sonder deutschlandweit unter die Top-Standorte aufgerückt.

Die Regensburgerinnen und Regensburger kennen nur zum geringen Teil die Sorge um den Arbeitsplatz. Sicherheit des Arbeitsplatzes ist ein ganz elementarer Faktor sozialer Politik.

So wünsche ich Ihnen, als katholische Unternehmer, dass es Ihnen gelingen möge, den richtigen Weg zu finden zwischen unternehmerischem Erfolgsstreben und der Wahrnehmung sozialer gesellschaftlicher Verantwortung.

Für Ihre Tagung wünsche ich einen

  • reibungslosen Verlauf
  • richtungsweisende Erkenntnisse
  • nachhaltige Motivation
  • und viele schöne Eindrücke

in und von unserer alten Reichsstadt, der jungen Welterbestadt und dem erfolgreichen Wirtschaftsstandort Regensburg.