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Architekturpreis 2009

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Herrn Oberbürgermeister Hans Schaidinger zur Preisverleihung „Architekturpreis 2009“ am Freitag, 30. Oktober 2009, 19 Uhr, im Casino der REWAG

Anrede

ich heiße Sie alle sehr herzlich zur ersten Verleihung des Regensburger Architekturpreises hier im Casino der REWAG willkommen.

Ich freue mich sehr, dass wir den Architekturpreis in diesem Rahmen verleihen können. Mein besonderer Dank geht daher an Herrn Breidenbach, der uns seine Räumlichkeiten zu Verfügung gestellt hat. Dank auch seinem Team, das diese Veranstaltung ausrichtet. 

Der Architekturpreis, den die Stadt Regensburg künftig alle drei Jahre verleihen wird, geht an Architekten, die planerisch Hervorragendes geleistet und das Regensburger Stadtbild in besonderer Weise aufgewertet haben.

Es hat uns sehr gefreut, dass wir aus einer ganzen Reihe wirklich qualitätsvoller Arbeiten auswählen konnten. Schon die Anzahl der eingereichten Beiträge, insgesamt 45 Arbeiten, zeigt, dass das baukulturelle Interesse in Regensburg sehr hoch ist.

Regensburg ist heute eine Stadt mit hoher Lebensqualität. Als Wissenschafts- und prosperierender Wirtschaftsstandort hat die Stadt weit über ihre Grenzen hinaus einen hervorragenden Ruf. Dazu leistet ein attraktives Stadtbild einen entscheidenden Beitrag.

Damit dieser Standard weiter verbessert wird und gleichzeitig die Stadt als Arbeits- und Wohnort konkurrenzfähig und lebenswert bleibt, ist ein aktives Qualitätsmanagement in Architektur, Städtebau und Freiraumgestaltung von immenser Bedeutung.

Doch lassen Sie mich einen Blick auf die Anfänge der Entwicklung hin zur Qualitätssicherung zurückwerfen:

Anfang der 70er Jahre erwachte Regensburg buchstäblich aus einem Dornröschenschlaf. Erste Anstrengungen wurden unternommen, um das Stadtbild attraktiver zu gestalten. Allerdings beschränkten sich diese Bemühungen weitestgehend auf den Altstadtbereich.

Auch wenn die Altstadt während des zweiten Weltkrieges nahezu unzerstört blieb, war die Stadt ein schwerer Sanierungsfall. Für Bauherren und Planer stellte dies - vor allem in der Anfangsphase - eine ganz besondere Herausforderung dar. In enger Zusammenarbeit mit der Stadt begann in den Folgejahren eine intensive Sanierungstätigkeit im Stadtkern.

Um dieses besondere Engagement von Architekten und Bauherren auszuzeichnen, wurde ab Ende der 70er Jahre regelmäßig ein Fassadenwettbewerb durchgeführt. Dieser Wettbewerb, der letztmalig im Jahr 2007 ausgelobt wurde, erfreute sich stets größter Beliebtheit und ich hoffe, dass man dies in 30 Jahren vom Architekturpreis auch noch sagen wird.

Für die besonderen Leistungen wurden alle, die aktiv bei der Sanierung und Gestaltung des Regensburger Altstadtensembles mitgewirkt haben, im Jahr 2006 mit der Verleihung des Titels „Welterbe“ belohnt.

Nachdem wichtige Sanierungsaufgaben für die Altstadt weitestgehend abgeschlossen waren, forderte in den 90er Jahren die Architektenschaft, größeres Augenmerk auf die Qualität von Architektur und Städtebau außerhalb des Altstadtensembles zu legen.

Die Stadt Regensburg sollte sich nicht allein über das historische Erbe der Altstadt definieren, sondern sich als städtebaulicher Gesamtorganismus präsentieren.

In diesem Zusammenhang wurde auf Anregung des Architekturkreises im Jahr 1998 der Regensburger Gestaltungsbeirat gegründet. Dieser setzte sich in den vergangenen zehn Jahren maßgeblich für ein neues Qualitätsbewusstsein ein. Es geht nämlich nicht um schnelles und billiges Bauen, sondern um Nachhaltigkeit und Qualität. Auch sogenannte Zweckbauten, wie Parkhäuser, Verbrauchermärkte oder Fast-Food-Ketten, wurden auf Anraten des Gestaltungsbeirates individuell und auf den Ort bezogen entworfen. Sicher werden viele dieser Objekte nicht für einen Architekturpreis vorgeschlagen, dennoch leisten auch diese Beispiele einen entscheidenden Beitrag dazu, ein Stadtbild unverwechselbar zu machen.

Gerade in Zeiten zunehmender Einheitsarchitektur und gleich aussehender Zweckbauten, die landauf landab austauschbar sind, ist es wichtig, dem gesamten Stadtbild ein besonderes Gesicht zu verleihen. Wer allerdings meint, dass ein Gestaltungsbeirat Garant für Baukultur in einer Stadt ist, liegt verkehrt. Ein Gestaltungsbeirat kann bestmöglich beraten, die Politik kann die Empfehlungen des Beirates ernst nehmen und die Verwaltung kann sich für die Umsetzung der Empfehlungen einsetzen.

Doch das allein genügt nicht! Die entscheidende Komponente dabei ist das Team von Bauherr und Architekt. Nur wenn der Architekt verantwortungsvoll entwirft und beide, Bauherr und Architekt, bereit sind, über die Qualität ihres Projektes zu reden, kann ein Gestaltungsbeirat effizient funktionieren. Dieses Team von Architekt und Bauherrn wollen wir heute mit dem Architekturpreis 2009 prämieren.

Als die Jury die drei Preisträger des Architekturpreises bestimmt hatte, stellte sich heraus, dass alle Objekte aus Wettbewerben oder wettbewerbsähnlichen Verfahren hervorgegangen sind. Das macht deutlich, wie wichtig eine gute Wettbewerbskultur für eine Stadt ist. In diesem Punkt müssen wir sicher noch mehr Überzeugungsarbeit bei Bauherren und Investoren leisten, denn gerade sie profitieren von einer überzeugenden Planung, die zügig verwirklicht werden kann und sich schlussendlich auch besser vermarkten lässt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, die Arbeiten, die wir während der Jurysitzung gesehen haben, zeigen, dass Regensburg in punkto Qualität in Architektur und Städtebau eine gute Basis hat. Die Projekte der Preisträger halten einem deutschlandweiten Vergleich leicht stand. Mit der Verleihung des Architekturpreises wollen wir einerseits das Engagement zum qualitätsvollen Bauen auszeichnen und andererseits Anreize für Architekten geben, ihren Focus wieder verstärkt auf die Entwurfsarbeit zu legen. Gleiches gilt für die Bauherren, ohne die ambitionierte Projekte nicht umzusetzen sind.

Wie ich bereits gesagt habe, konnte die Jury aus einer Reihe guter Arbeiten auswählen. Deshalb haben wir uns entschieden, zusätzlich zu den Architekturpreisen noch Urkunden für Anerkennungen und Arbeiten aus der engeren Wahl zu verleihen. In diesem Zusammenhang möchte ich nicht versäumen, Sie auf die Ausstellung aller eingereichten Arbeiten hinzuweisen. Ab kommenden Mittwoch sind die Projekte für zwei Wochen in der Stadtbücherei im Thon Dittmer Palais ausgestellt.

Bevor wir zur Preisverleihung kommen, noch kurz etwas zu unserem „Architektur-Oskar“:

Der Architekturpreis soll ein deutliches Zeichen für die Baukultur in Regensburg setzen. Daher haben wir lange überlegt, wie dieser „Architektur-Oskar“ der Stadt Regensburg aussehen könnte. Einen engen Bezug zur Stadt sollte die Skulptur auf jeden Fall haben. Die Wahl fiel auf das Bruckmandl. Noch heute blickt das Bruckmandl von der Steinernen Brücke in Richtung Dom und beobachtet die immerwährenden Sanierungsarbeiten. So wie das „echte“ Bruckmandl soll auch die Skulptur, die ich heute überreichen darf, daran erinnern, ein besonderes Augenmerk auf die Baukultur in Regensburg zu legen.

Entworfen wurde der „Architektur-Oskar“ vom Künstler Gert Meier, einem Wahl-Regensburger, der heute ebenfalls anwesend ist und den ich in diesem Zusammenhang recht herzlich begrüßen möchte. Gert Meier studierte nach einer Lehre als Holzbildhauer an der Akademie der bildenden Künste in Dresden. Nach einer freiberuflichen Tätigkeit als akademischer Bildhauer und einer Lehrtätigkeit an der Akademie der bildenden Künste in Dresden, siedelte Herr Meier 1985 in die Bundesrepublik über. Im März 1986 wurde er in den Berufsverband bildender Künstler Niederbayern / Oberpfalz aufgenommen. Herr Meier ist Dozent an der Volkshochschule in Regensburg. Er lebt und arbeitet in Regensburg.

Bevor ich nun das Wort an die Planungs- und Baureferentin, Frau Schimpfermann, übergebe, die ebenfalls Jurymitglied beim diesjährigen Architekturpreis war, möchte ich mich noch einmal herzlich bei allen Teilnehmern bedanken. Die Stadt Regensburg weiß Ihr Engagement um die Aufwertung des Stadtbildes sehr zu schätzen.

Wir sind hier auf einem sehr guten Weg, machen Sie weiter so!