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40 Jahre Städtepartnerschaft Clermont-Ferrand und Regensburg

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger zum Festakt „40 Jahre Städtepartnerschaft Clermont-Ferrand und Regensburg“ am Samstag, 16. Mai 2009, 11 Uhr, Altes Rathaus, Reichssaal

Anrede

Meine verehrten Damen und Herren, liebe Freunde, chers amis,

vor gut einem Jahr wurde die deutsch-französische Freundschaft auf eine ganz besondere Weise erneut bekräftigt: Am 1. Mai 2008 bekam Bundeskanzlerin Angela Merkel den Karlspreis verliehen. Dieser Preis würdigt ihre besonderen Verdienste um Europa. Die Laudatio auf die Bundeskanzlerin wurde vom französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy gehalten. Er unterstrich in seiner Rede, ich zitiere: „Deutschland und Frankreich sind heute Freunde, Freunde für immer.“
Als Freunde begrüße auch ich Sie hier im Historischen Reichssaal sehr herzlich.

Sehr verehrte Damen und Herren, es ist mir eine große Ehre, dass ich heute stellvertretend für alle Regensburgerinnen und Regensburger die Glückwünsche zur 40-Jahr-Feier der Städtepartnerschaft Clermont-Ferrand und Regensburg aussprechen darf.

Städtepartnerschaften sind Kinder der jüngsten Geschichte. Annäherung, Aussöhnung und Verständigung waren und sind immer noch die Beweggründe, sich zu verbinden und zu „verschwistern“.

Seit Ende der vierziger Jahre nahm eine segensreiche Entwicklung ihren Anfang und spätestens mit dem Freundschaftsvertrag von 1963, den die beiden großen Staatsmänner Charles de Gaulle und Konrad Adenauer unterzeichnet haben, wurden zahlreiche deutsch-französische Städtepartnerschaften gegründet - Partnerschaften, die eine besondere politische Stellung nicht nur für die einzelnen Länder, sondern für ganz Europa einnahmen.

Und heute? Nun meine sehr geehrten Damen und Herren, in einer Zeit, in der die Welt durch neue Technologien immer kleiner wird, sind kommunale Partnerschaften mehr denn je ein unverzichtbares Instrument der Zusammenarbeit in Europa, aber auch weltweit. Städtepartnerschaften sind ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie Bürgerinnen und Bürger die Integration Europas auf lokaler Ebene vorantreiben und gestalten können.

Gerade heute sind der Blick über die Grenzen und der interkulturelle Austausch für die gemeinsame Weiterentwicklung enorm wichtig. Gerade heute sind Freundschaften und persönliche Beziehungen, die durch Städtepartnerschaften entstanden sind und entstehen, gute Grundlagen für einen dauerhaften Frieden. Denn Städtepartnerschaften bieten als Mischform offizieller und persönlicher Beziehungen einen direkten Zugang zum Anderen, einen Zugang, der an Intensität nicht mit touristischen Begegnungen vergleichbar ist.

Der internationale Erfahrungsaustausch, Netzwerkbildung und die Kultur des Dialogs zwischen den Städten bilden das Fundament, um ein immer größer werdendes Haus in Europa und der Welt stabil zu halten.

Sicherlich stellt die so genannte große Politik die Weichen und setzt den Rahmen der Beziehungen zwischen den Völkern. Aber ob dieser Rahmen mit Leben erfüllt ist, hängt doch im Wesentlichen davon ab, ob Menschen sich tatsächlich begegnen und kennen lernen, ob neben den offiziellen Kontakten auch freundschaftliche Berührungspunkte zwischen den Bürgerinnen und Bürgern entstehen.

Und genau da setzen die Städtepartnerschaften an und bringen sich in die Globalisierung ein. Sie verkörpern sozusagen eine „kommunale Außenpolitik“. Auch Regensburg betreibt diese „kommunale Außenpolitik“ sehr intensiv: Mittlerweile pflegen wir Kontakt zu sieben Partnerstädten.

Schön, dass es dabei auch eine besondere „Dreierbeziehung“ gibt.
Wir beide, Clermont-Ferrand und Regensburg, pflegen langjährige partnerschaftliche Kontakte zum schottischen Aberdeen.

Als wir unsere Beziehung aufgebaut haben, war das in einer Zeit, vor
40 Jahren, in der Freundschaften zwischen Deutschland und Frankreich auch kritisch beäugt wurden. Aus der anfänglich förmlich begleiteten Städtepartnerschaft wurde jedoch schnell eine echte, warmherzige Freundschaft.

Das wird dadurch deutlich, dass sich die Beziehungen bei weitem nicht mehr auf Begegnungen der Stadtverwaltungen beschränken. Nein, es hat sich eine wahre Freundschaft zwischen den Bürgerinnen und Bürger entwickelt. In den vergangenen 40 Jahren sind unzählige Kontakte entstanden. Heute treffen sich Schulen und Vereine aus Sport oder Kultur - vom Radsport bis zum Volksmusikverein.

Besonders in sportlicher Hinsicht gibt es viele Gemeinsamkeiten. So machte erst im Mai 2008 der Sportreferent der französischen Partnerstadt, Pierre Robin, in Regensburg Halt auf seiner Radtour zu den Olympischen Spielen in Peking. Im Jahr 2010 ist dann ein großes Internationales Fußballturnier geplant, zu dem sicherlich auch Jugendteams aus Clermont-Ferrand kommen werden.

Mit verschiedenen Aktionen und Projekten haben wir das gemeinsam geschafft und zum gegenseitigen Verständnis beigetragen.

Das Zitat „Freundschaft ist nicht nur ein köstliches Geschenk, sondern auch eine dauernde Aufgabe“ von Ernst Zacharias, ein zeitgenössischer Musiker und Ingenieur, macht deutlich, dass Freundschaft nicht selbstverständlich hingenommen werden darf, sondern gepflegt werden muss.

Dass uns das trotz der Entfernung bestens gelingt, ist ein gutes Zeichen dafür, dass unsere Beziehung eng und vertrauensvoll verwurzelt ist. Der jungen Generation ist jedoch oft nicht bewusst, dass es einst nicht Freundschaft, sondern Feindschaft zwischen unseren Völkern gab. Und auch heute gibt es laut Umfragen immer noch Vorurteile und Vorbehalte – auch unter Jugendlichen.

Gerade deshalb ist unsere deutsch-französische Städtepartnerschaft von großer Bedeutung. Inhalte und Schwerpunkte mögen sich ändern, die Ziele bleiben.

Verehrte Damen und Herren, liebe Freunde,
was in den vierzig Jahren, seit der Unterzeichnung unseres Partnerschaftsvertrages gemeinsam auf die Beine gestellt wurde, ist eine Erfolgsgeschichte.

Hier nur ein paar Beispiele:

Wie viele junge Menschen der unterschiedlichsten Schulzweige, der verschiedensten Ausbildungsberufe miteinander in Kontakt kamen, ist gar nicht mehr festzustellen.

Nicht zu vergessen ist die gut funktionierende Partnerschaft des Studentenwerks Niederbayern/Oberpfalz mit dem C.R.O.U.S. Clermont-Ferrand.

Ebenfalls seit den siebziger Jahren gibt es die Jugendbegegnungen, die von den Mitarbeitern unserer städtischen Jugendämter mit großem Einsatz organisiert und durchgeführt werden.
Seither finden zwischen Clermont-Ferrand und Regensburg jedes Jahr Begegnungen statt - denn Freunde sollten sich nicht nur verständigen, sondern sich wirklich verstehen.

Das ist auch das Ziel der gemeinsamen Unternehmungen. In diesem Sommer werden Jugendliche ans französische Mittelmeer, nach Paris und nach Berlin fahren. Und dass die Fahrten schon jetzt ausgebucht sind, zeigt, dass unsere deutsch-französische Freundschaft lebt und das Engagement der Veranstalter bei der Jugend ankommt!

Es gibt jedoch noch viele weitere Exempel, die zeigen, was partnerschaftlich alles auf die Beine gestellt werden kann:

  • Eine langjährige und intensive Zusammenarbeit verbindet die Kurzfilmfestivals der beiden Partnerstädte. Die Regensburger Kurzfilmwoche gäbe es nicht ohne das Festival International du Court Métrage Clermont-Ferrand. Das weltweit bedeutendste Kurzfilmfestival war für den Arbeitskreis Film Regensburg e.V. die Quelle der Idee, auch an der Donau ein Festival für den kurzen Film auszurichten – was seit 1994 geschieht.
  • Eine Gruppe aus Clermont-Ferrand beteiligte sich im Jahr 2007 an der Spielstadt Mini-Regensburg. Auch heuer werden wieder französische Kinder bei Mini-Regensburg dabei sein und sogar eine eigene Botschaft einrichten.
  • Und die Universitätsorchester der Partnerstädte haben erst vor kurzem ein eindrucksvolles Konzert im Auditorium Maximum der Universität anlässlich des Jubiläums gegeben.

Auch nicht fehlen dürfen an dieser Stelle die zahlreichen Aktivitäten der Deutsch-Französischen Gesellschaft hier in Regensburg. Auch sie intensiviert die Kooperation zwischen den beiden Städten und macht durch ihr abwechslungsreiches Programm die deutsch-französische Freundschaft vor Ort für Alt und Jung erlebbar.

Sie sehen: Wir können auf vielfältige und intensive Beziehungen blicken.
Die Leitidee der Freundschaft ist sehr lebendig  - ja vielleicht sogar lebendiger als zu Beginn.

Wie wird jedoch die Zukunft unserer Partnerschaft aussehen?
Auch wenn die Städtepartnerschaft zwischen Regensburg und Clermont-Ferrand sehr gut läuft und vor 40 Jahren ein festes Fundament gelegt wurde, sind partnerschaftliche Kontakte gleichwohl ausbaufähig.

Ein unverändertes Anliegen ist auch, die Städtepartnerschaft auf eine noch breitere Basis zu stellen, noch mehr Bürgerinnen und Bürger aktiv einzubinden und zu motivieren. In diesem Sinne müssen wir unsere Anstrengungen fortsetzen.

Ich wünsche jedem, der auf der nationalen, regionalen oder kommunalen Ebene die deutsch-französische Beziehungen begleitet und fördert, Ideenreichtum, einen ungestillten Tatendrang und alles Gute.

Und uns allen, den Bürgerinnen und Bürgern der Partnerstädte, wünsche ich von Herzen, dass wir „Freunde, Freunde für immer“ bleiben