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Eröffnung Forschungszentrum Spanien am Institut für Romanistik

 -Es gilt das gesprochene Wort- 

Rede von Bürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich der Eröffnung des Forschungszentrums Spanien am Institut für Romanistik der Universität Regensburg am 24. Juni 2009, 18 Uhr, Altes Rathaus, Historischer Reichssaal


Anrede

„Das kommt mir spanisch vor“ – das sagen wir, wenn uns etwas merkwürdig oder fremd vorkommt, wenn wir etwas nicht verstehen können.

Die Gründung des Forschungszentrums Spanien am Institut für Romanistik der Universität Regensburg Ende des Jahres 2007 leistet – da bin ich mir sicher - einen wichtigen Beitrag dazu, dass die Bande zwischen Deutschland und Spanien noch enger werden und dass die Redensart, die ich eben zitiert habe, immer mehr an konkreter Grundlage verliert.

Die Redensart stammt wohl aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, einer Zeit, als spanische Sitten stärker im deutschen Raum verbreitet wurden und damals noch sehr fremdartig anmuteten. Auch ins 16. Jahrhundert fällt die Geschichte eines „spanischen Regensburgers“, dessen Statue noch heute am Zieroldsplatz zu bewundern ist, die das Leben und Wirken des Don Juan d`Austria.

Ein besonders sonniges Gemüt kann dem - unehelichen - Sohn der Regensburger Bürgerstochter Barbara Blomberg und des Kaisers Karl des VI aus heutiger Sicht wohl nicht attestiert werden, denn die berühmte Seeschlacht von Lepanto war nicht die einzige Schlacht im Leben des Don Juan. Doch seine letzte Ruhestätte fand dieser kriegerische Sohn Regensburgs in El Escorial in bester Gesellschaft der spanischen Könige. Soweit die Historie.

Mittlerweile ist Europa näher zusammengewachsen, nicht zuletzt natürlich auch wegen der verkehrstechnischen Errungenschaften, die es uns möglich machen, in wenigen Stunden jedes Ziel innerhalb Europas mit dem Flugzeug zu erreichen.

Zudem locken uns natürlich Küche, Klima und Lebensart in dieses Land, das so reich ist an voll Kunstschätzen, Kulturangeboten, faszinierender Geschichte und Lebensfreude.

Dieser Tatsache ist es sicherlich auch zu verdanken, dass Spanien das beliebteste Urlaubsziel der Deutschen ist. Rund elf Millionen Deutsche reisten im Jahr 2008 auf die Iberische Halbinsel einschließlich der Balearen und der Kanarischen Inseln. Die Deutschen stehen damit nach den Briten und noch vor den benachbarten Franzosen an zweiter Stelle.
Nach Frankreich ist Deutschland der zweitgrößte Handelspartner Spaniens. Über 1 100 deutsche Unternehmen sind – so das Auswärtige Amt – mit Tochterfirmen und Beteiligungen in Spanien vertreten. Auch bei industriellen Direktinvestitionen nimmt die Bundesrepublik eine führende Position ein.

Und der kulturelle und wissenschaftliche Austausch zwischen den beiden Staaten hat sich in den letzten Jahren ebenfalls sichtlich belebt. Dies ist nicht zuletzt auch Verdienst des interdisziplinären Studien- und Forschungszentrums der Universität Regensburg, das im Jahr 2007 mit dem Forschungsschwerpunkt Spanien begründet wurde und das wir heute feierlich eröffnen.

Im Namen der Stadt Regensburg danke ich Ihnen, Herr Prof. Dr. Mecke, stellvertretend für Ihre Kollegen in Regensburg und Madrid, ganz herzlich, dafür, dass Sie damit einen entscheidenden Beitrag zur Völkerverständigung geleistet haben!

Ich freue mich sehr, dass wir dieses Ereignis hier im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses begehen können, wo die historische Dimension unserer 2000-jährigen Stadtgeschichte besonders deutlich wird.

In der Zeit, als Regensburg Freie Reichsstadt war, zwischen 1663 und 1806, also rund 150 Jhre lang, tagte hier der Immerwährende Reichstag, der durchaus als einer der Vorläufer des Europäischen Parlamentes angesehen werden kann.

Hier wurde Geschichte geschrieben, denken Sie nur an den 1803 gefassten Reichsdeputatioshauptschluss, und natürlich auch Geschichten produziert. Noch heute benutzen wir Redensarten, die auf die damalige Zeit zurückgehen. So beispielsweise „Eine Entscheidung am grünen Tisch fällen“, „Etwas auf die lange Bank schieben“ oder „Geld aus dem Fenster werfen“ – was übrigens genau aus diesem Fenster hier geschah.

Natürlich erinnern wir uns gern an diese Zeiten. Schließlich entstand damals die größte zusammenhängende mittelalterliche Innenstadt Deutschlands. Und schon damals war es der rege geistige Austausch, der das Klima in der Stadt prägte. 1245 war Regensburg übrigens nach Köln die einwohnerreichste Stadt in Deutschland und damit ein natürlicher Anziehungspunkt für Wissenschaftler, Gelehrte und Forscher – ein bedeutendes Zentrum der Wissenschaft also.

Große Namen können mit unserer Stadt in Verbindung gebracht werden. Namen wie der des Theologen und Naturwissenschaftlers, Albertus Magnus, der vier Jahre lang als Bischof in Regensburg wirkte, oder im 17. Jahrhundert der des Astronomen und Mathematikers, Johannes Kepler.

Dieser Blütezeit im Mittelalter und dem Glück, dass unsere Altstadt von den Bombardements des Zweiten Weltkrieges weitgehend verschont geblieben ist, verdanken wir auch das Welterbe-Prädikat der UNESCO, das Regensburg im Jahr 2006 verliehen wurde.

Den fruchtbarsten Nährboden für Wissenschaft, Forschung und Lehre lieferten seinerzeit – und das bis ins späte 18. Jahrhundert hinein – die mächtigen und einflussreichen Klöster und Stifte.

Kaum bekannt ist, dass im Jahr 1478 Herzog Albrecht IV. von Bayern, gemeinsam mit dem Rat der Stadt Regensburg, eine Petition beim Papst einbrachte, mit der die Gründung einer Universität in Regensburg erwirkt werden sollte. Der Papst stimmte diesen Gründungsplänen zwar zu, gab allerdings das für diesen Zweck vorgesehene Schottenkloster zunächst nicht frei. Letztlich scheiterte das Vorhaben dann aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse.

Im Lauf des Dreißigjährigen Krieges wurde der Gedanke einer Universitätsgründung wieder aufgegriffen, allerdings sollte es diesmal eine evangelische Hochschule sein. Aber auch diese Pläne scheiterten. Anfang des 19. Jahrhunderts machte die Stadt dann einen erneuten Anlauf. Diesmal machte uns allerdings der Bayerische König einen Strich durch die Rechnung.

Die Universität Regensburg, wie sie heute besteht, wurde erst im Jahr 1965 gegründet und ist seither aus unserer Stadt nicht mehr wegzudenken. Aufgrund des breiten Angebots von Universität, Universitätsklinikum, Fachhochschule und der Hochschule für Katholische Kirchenmusik leben inzwischen mehr als 20 000 Studenten in Regensburg. Durch sie weht ein frischer Wind durch die Gassen unserer Altstadt. Bis tief in die Nacht hinein sind die Straßen und Plätze, die Cafés und Kneipen bevölkert und belebt und lassen erkennen, dass sich Jung und Alt in unserer Stadt sichtlich wohl fühlt

Gerade diese Mischung aus Alt und Neu, aus Jung und Alt ist es, die die Stadt Regensburg so attraktiv macht, dass sie sich zu den wenigen deutschen Großstädten zählen darf, die auch heute noch weiter wachsen.

Und eines kann sicherlich jeder feststellen, der in Regensburg lebt: Das Zusammenspiel zwischen einem breiten Spektrum an Bildungsangeboten, Arbeitsplätzen und lebenswertem Ambiente ist nur in wenigen deutschen Städten so harmonisch wie in der Donaumetropole.

Das Forschungszentrum Spanien leistet einen wichtigen Beitrag dazu, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Dafür danke ich Ihnen, meine Damen und Herren!

Durch die Osterweiterung steht Regensburg bereits heute im Mittelpunkt Europas. In einer Zeit, in der immer mehr Grenzen auch in den Köpfen der Menschen fallen, in der Europa Schritt für Schritt zusammenwächst, ist es von unschätzbarem Wert, wenn sich Institutionen etablieren, die sich genau dieses Zusammenwachsens annehmen und kulturelle Unterschiede als Bereicherung vermitteln.

Ich wünsche Ihnen und dem Forschungszentrum Spanien eine fruchtbare und gedeihliche Zusammenarbeit. Ich wünsche mir aber auch, dass die wissenschaftliche Arbeit, Menschen zusammenführt und dazu beiträgt, das Verständnis füreinander zu verbessern.