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50 Jahre Kindernothilfe

 -Es gilt das gesprochene Wort- 

Rede von Bürgermeister Joachim Wolbergs zum Jubiläum 50 Jahre Kindernothilfe am „Internationalen Tag gegen Kinderarbeit“ am Freitag, 12. Juni 2009, 19 Uhr, Historischer Reichssaal


Anrede

50 Jahre Kindernothilfe –
„Wenn es sie nicht mehr geben müsste, das wäre ein Grund zu feiern!“

Wenn wir uns nun heute doch hier zu einem Festakt im Historischen Reichssaal zusammenfinden, dann deshalb, um ein großes Dankeschön zu sagen:

Ein Dankeschön den vielen Spendern und Paten, ein Dankeschön aber auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ob hauptamtlich oder ehrenamtlich. Ich sage Ihnen danke für Ihr großes Engagement. 50 Jahre Kindernothilfe Deutschland, das ist ein Grund, zurückzublicken. Ihre Erfolge im Kampf für Kinder und deren Rechte, denn Kinderrechte sind Menschenrechte, wie Sie es mit Ihrem Jahresthema 2009 auf den Punkt bringen.

Aber wir wollen auch motiviert nach vorne schauen auf die vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen, denen sich die Kindernothilfe auch in Zukunft stellen will und wird.

Sie haben das Jubiläum „50 Jahre Kindernothilfe“ unter das Leitmotto gestellt: „Ich verändere die Welt". Ein Außenstehender wird vielleicht sagen: Wie kann denn ein einzelner die Welt verändern? Ist das nicht eine schöne Illusion? Was kann ein Einzelner denn schon Großartiges bewegen?

Wer Ihr Motto laut ausspricht, der läuft in Gefahr, als Spinner oder Träumer abgestempelt zu werden. Aber blicken wir doch auf die Anfänge der Kindernothilfe vor genau 50 Jahren zurück.

Es waren damals auch nur zwei Menschen, nämlich Karl Bornmann und der Missionar Adolf Kölle, die 1959 in Duisburg eine Patenschaftsaktion für notleidende Kinder in Südindien ins Leben riefen.

Die beiden hatten selbst die Entbehrungen des Zweiten Weltkrieges erlebt. Die Hungerkatastrophe in Indien Ende der 50er Jahre, bei der mehrere tausend Opfer zu beklagen waren, war für die beiden der unüberhörbare Aufruf zum Handeln. Sie machten keine großen Worte, sondern zeigten sofort Initiative, Ihre große Motivation war ihr christlicher Glaube.

Vielleicht haben sich beide auch damals schon, im Jahre 1959, gesagt oder gedacht:
„Ich verändere die Welt - verändern wir die Welt!" Das wissen wir heute nicht, wir wissen aber, dass sie ihre Hilfsaktion mit einer monatlichen Patenschaft von 30 Mark starteten. In Zeiten, wo manche Familien nur über ein monatliches Einkommen von 100 Mark verfügten, war das ein großes Opfer.

Dass das engagierte Handeln von Karl Bornmann, Adolf Kölle und deren ersten Mitstreitern damals 1959 wirklich etwas verändert hat, zeigt ein Blick auf die Bilanz der Arbeit der Kindernothilfe in den nachfolgenden fünf Jahrzehnten. Über 560.000 Mädchen und Jungen in fast 30 Ländern der Erde, in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa, konnte in mehr als 1.000 Projekten geholfen werden.

„Ich verändere die Welt", das Motto des Jubiläumsjahrs, ist also keine Illusion, kein frommer Traum, keine Spinnerei, sondern Realität.

Die Verwirklichung dieses Mottos schafft seit 50 Jahren ein weltweites Netzwerk der Solidarität! Dass Vernetzung ein wichtiges Instrument bei effizienter Hilfsarbeit ist, zeigt sich auch in der Art und Weise, wie das Jubiläum gefeiert wird.

Der zentrale Festakt am Gründungsort der Kindernothilfe in Duisburg am 27. März 2009 mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, vielen hundert Gästen und auch drei jungen Menschen, die einmal durch die Kindernothilfe unterstützt wurden und davon berichteten, war sozusagen der Auftakt.

Vom heutigen „Internationalen Tag gegen Kinderarbeit“ an, spannt sich dann ein Informationsnetz über die Arbeit der Kindernothilfe über ganz Deutschland.

„Tue Gutes und rede darüber“.
Das ist nicht Eitelkeit, sondern notwendige Kommunikationsarbeit, um Mitstreiter zu gewinnen, um ein Netz von Helfern zu knüpfen.

50 Jahre fruchtbare Arbeit - dafür sind in 50 deutschen Städten in den nächsten Wochen und Monaten zahlreiche Informationsveranstaltungen geplant. Dann heißt es

  • Kindernothilfe vor Ort,
  • Mitarbeiter der Partner aus dem Ausland und der Duisburger Geschäftsstelle stehen Rede und Antwort, 
  • neue Spender und Paten sollen gewonnen werden.

In sechs Städten der Republik, in Niedersachsen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern wird gleich an ganzen Aktionstagen in besonderer Weise auf die Arbeit der Kindernothilfe aufmerksam gemacht. Eine dieser sechs Städte in Deutschland ist Regensburg. Am heutigen „Internationalen Tag gegen Kinderarbeit“ konnten Sie auf dem Regensburger Neupfarrplatz auf die weltweit verbreitete ausbeuterische Kinderarbeit und deren verehrende Folgen für Mädchen und Jungen aufmerksam machen.

Dabei sieht die Kindernothilfe ihre Aufgabe nicht nur darin, das Unrecht der Kinderarbeit anzuprangern, sondern auch tatkräftig daran mitzuwirken, dass langfristige und nachhaltige Hilfe geleistet wird.

Auch hier waren wieder, wie in den vergangenen 50 Jahren, viele ehrenamtliche Helfer am Werk. Das Thema „Schuldknechtschaft in Pakistan“ stand dabei im Mittelpunkt der Information der Bürgerinnen und Bürger in Regensburg.

Bei der bundesweiten Aktion "Action!Kidz - Kinder gegen Kinderarbeit" waren auch Kinder und Jugendliche aus Regensburg im Einsatz, und engagierten sich für ihre Altersgenossen in Afrika, Asien und Lateinamerika.

Gerne hat unser Oberbürgermeister Hans Schaidinger, von dem ich Sie alle recht herzlich grüßen soll, die Schirmherrschaft über diesen Aktionstag übernommen. Und genauso gerne werde ich heute, nicht nur als Bürgermeister sondern vor allem auch als zweifacher Vater eine Patenschaft übernehmen.

Von meinem Patenkind, dem sechsjährigen Buben Rajesh Shivram aus Pakistan konnte ich mir ja schon durch erste Informationen ein Bild machen. Auch über seine Familie, seine Lieblingsfächer in der Schule, seines Hobbys und vieles von dem, was einen sechsjährigen Buben in Pakistan so bewegt.

Eine Patenschaft bei der Kindernothilfe, auch das habe ich heute schon gelernt, ist nicht nur Hilfe für ein einzelnes Kind, sondern im Rahmen eines sogenannten Gemeinwesenprojekts für die ganze Familie oder für das ganze Dorf. Eben Hilfe zur Selbsthilfe.

Es freut mich auch, das Dietmar Roller, der Auslandsvorstand der Kindernothilfe, uns gleich noch etwas über das Projekt, seinen Träger sowie die Ziele und Aktivitäten berichten wird, in dem auch mein Patenkind Rajesh eine menschenwürdige Zukunft bekommen wird.

Dass der Stadt Regensburg

  • die Arbeit der Kindernothilfe in den vergangenen 50 Jahren, 
  • der Einsatz der vielen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer,
  • die Großzügigkeit der zahlreichen Spender und Paten,
  • aber vor allem die Kinder in aller Welt und die Wahrung ihrer Rechte

ein Herzensanliegen ist, das haben wir auch dadurch zum Ausdruck gebracht, dass wir Sie hierher, in den Historischen Reichssaal eingeladen haben. Der Historische Reichssaal und auch die benachbarten Räumlichkeiten waren über Jahrhunderte Schauplätze von politischen Tagungen, Reichstage genannt.

Vom Jahre 1663 bis 1803 tagte hier die Gesandtenkonferenz, die als Immerwährender Reichstag in die Geschichte eingehen sollte und in gewisser Weise ein Vorläufer unseres heutigen Europaparlaments gewesen ist. Prominenz ging hier ein und aus, schrieb große europäische Geschichte.

Wenn nun die „alte Reichsstadt“ und die „neue Welterbestadt“ Regensburg in diese repräsentativen, geschichtsträchtigen Räume einlädt, dann ist der Anlass stets von besonderem Gewicht – so, wie heute.

Auch die Kindernothilfe hat Geschichte geschrieben, eine Geschichte der Solidarität und des Engagements für die Schwächsten der Erde, für die Kinder. Und wie früher hier vom Historischen Reichssaal Impulse nach ganz Europa und in die Welt ausgingen, so sollen auch in Zukunft die helfenden Hände der Kindernothilfe in die ganze Welt hinauswirken.

„Ich verändere die Welt", tragen wir alle dazu bei!