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40-jähriges Vereinsjubiläum der Diplom-Interessen-Gruppe

 -Es gilt das gesprochene Wort- 

Begrüßungsansprache von Bürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich der Feier zum 40-jährigen Vereinsjubiläum der Diplom-Interessen-Gruppe am 12. Juni 2009 um 11 Uhr im Kurfürstenzimmer des Alten Rathauses


Anrede

„Dass wir miteinander reden können, macht uns zu Menschen.“

Diese Worte stammen von dem deutschen Philosophen Karl Jaspers. Die Fähigkeit der Menschen zur Kommunikation, meine Damen und Herren, hat unsere Welt erst zu dem gemacht, was sie heute ist. Ohne Kommunikation hätte es weder technischen Fortschritt, noch wissenschaftliche Erkenntnisse gegeben. Ohne Kommunikation gäbe es aber auch kein soziales Miteinander.

Das Bedürfnis, Kontakte zu anderen Menschen herzustellen und dabei die Errungenschaften der Technik zu nutzen, war Ende des 19. Jahrhunderts die Antriebsfeder für die Entstehung der drahtlosen Funktechnik. Und das Bedürfnis nach Kommunikation ist auch für Sie alle, die Sie nach Regensburg gekommen sind, um das 40-jährige Bestehen der Diplom-Interessen-Gruppe zu feiern, ein ganz wesentliches.

Sie haben als Ort für Ihre Jubiläumsfeier Regensburg gewählt und ich bin der Ansicht, dass Sie eine gute Wahl getroffen haben. Denn Kommunikation hat in Regensburg seit jeher eine große Rolle gespielt. Hier im Historischen Reichssaal fand über Jahrhunderte hinweg die Kommunikation statt, die die Geschicke ganz Europas beeinflusste.

Der Historische Reichssaal, der größte und bedeutendste Profanbau in Regensburg, der uns aus dem Mittelalter erhalten geblieben ist, diente anfänglich der Vergnügung und damit natürlich auch eher der Unterhaltung denn der ernsthaften Kommunikation, war er doch der städtische Fest- und Tanzsaal. Später wurde er dann Tagungsstätte für verschiedene Reichstage, die damals noch an unterschiedlichen Orten im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation stattfanden.

Im Jahre 1594 entschied sich der Kaiser, die Reichstage, die nach dem 30-jährigen Krieg zu einer ständigen Einrichtung wurden, nur noch in Regensburg einzuberufen. Vom Jahre 1663 bis 1803 tagte die Gesandtenkonferenz, die als Immerwährender Reichstag in die Geschichte eingehen sollte und in gewisser Weise ein Vorläufer unseres heutigen Europaparlaments gewesen ist, hier im Reichssaal. Die Gesandten der verschiedenen Fürsten des Reiches und die Vertreter der Reichsstädte und einzelnen Stände des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation berieten hier über offenen Fragen der Innen- und Verfassungspolitik.

Zwei Aussprüche, die Sie sicher auch schon oft gebraucht haben, sollen hier ihren Ursprung haben:
„Etwas auf die lange Bank schieben“ und „eine Sache ist am grünen Tisch entschieden worden“.

Und da der Kaiser nicht immer selbst in Regensburg beim Reichstag sein konnte, vertrat ihn der sogenannte
Prinzipalkommissar. Mit diesem Amt bekleidet, kam dann auch im Jahre 1748 der Fürst von Thurn und Taxis und seine Familie nach Regensburg, verlegte seinen Stammsitz nach hier und lebt heute noch im ehemaligen Benediktiner-Kloster St. Emmeram, dem jetzigen Schloss, das mit seiner Zimmerzahl die des Buckingham Palace in London noch übertrifft.

142 Jahre lang wurde von Regensburg aus Politik gemacht, die für ganz Europa und damit auch für die Welt von Bedeutung war. Natürlich ist die politische Bedeutung Regensburgs heute nicht mehr mit der der damaligen Zeit zu vergleichen. Dennoch ist die Stadt am nördlichsten Donaubogen auch heute noch Magnet für Menschen, die aus aller Welt zu uns kommen.

„Regensburg ist alt und neu zugleich“ -Der Benediktiner-Mönch Otloh vom Kloster St. Emmeram, dem heutigen Schloss von Thurn und Taxis, formulierte das so im 11. Jahrhundert und er würde es heute wohl nicht anders ausdrücken.

Gott sei Dank ist unsere Altstadt in den vergangenen Jahrhunderten weitgehend von Zerstörungen verschont geblieben. So können wir auch heute noch den Atem von rund zwei Jahrtausenden bewegter Geschichte spüren.

Kaiser Marc Aurel gründete hier an der Donau im Jahre 179 nach Christus das römische Legionslager Castra Regina. Es entwickelte sich rasch zu einem urbanen Zentrum an der oberen Donau und wurde zur Keimzelle der mittelalterlichen Stadt Regensburg. Von etwa 500 bis 788 war Regensburg Bayerns erste Hauptstadt unter dem Herzogsgeschlecht der Agilolfinger, damals war übrigens die heutige bayerische Landeshauptstadt München noch ein weißer Fleck auf der Landkarte.

Aber in unserer Stadt wurde nicht nur europäische Politik gemacht, Regensburg war damals auch ein bedeutendes Handelszentrum. Hier kreuzten sich die bedeutendsten europäischen Fernhandelswege. Der multikulturelle Charakter der Stadt, zu Zeiten, wo dieser Begriff noch gar nicht existierte, dieses weltoffene Flair, prägte die Stadt und ihre Menschen. Es war der beste Nährboden auch für geistige Errungenschaften.

Mathematik, Astronomie und Medizin brachen in jenen Tagen zu neuen Ufern auf. Eine mittelalterliche Metropole wie Regensburg - im 13. Jahrhundert nach Köln die einwohnerreichste Stadt Deutschlands – wurde deshalb zu einem Anziehungspunkt für Wissenschaftler und Gelehrte.

  • Albertus Magnus - Bischof von Regensburg, katholischer Theologe und Naturwissenschaftler
  • Ephraim Ben Isaak – deutscher Schriftgelehrter jüdischen Glaubensim 12. Jahrhundert,
  • Johannes Kepler – Astronom, Astrologe, Mathematiker und evangelischer Theologe,
  • Johann Nepomuk Mälzel – Erfinder des Metronoms
  • Jacob Christian Schäffer – evangelischer Pfarrer, Botaniker, Mykologe und Erfinder des ersten mechanischen Waschautomaten…

Die Reihe ist längst noch nicht am Ende und soll auch über die Gegenwart in die Zukunft hinein fortgeführt werden.
Eine Universität und eine Hochschule für angewandte Wissenschaften mit gemeinsam rund 23 000 Studierenden sorgen für das nötige Potenzial. Grundlage für den wissenschaftlichen Fortschritt wie in allen anderen Bereichen – die Kommunikation.

Auch Sie alle haben sich der Kommunikation verschrieben, sorgen dafür, dass Informationen weitergegeben werden, dass Nachrichten über alle Grenzen hinweg ihr Ziel erreichen.

Wir freuen uns sehr, dass Sie für Ihre Jubiläumsfeierlichkeiten unsere Stadt ausgewählt haben. Vielleicht haben Sie ja aber neben dem eigentlichen Anlass auch ein bisschen Zeit für Regensburg selbst. Denn die Stadt, die 2006 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen worden ist, hat viel zu bieten.

Bummeln Sie durch die kleinen Gässchen und über die Plätze unserer historischen Altstadt und genießen Sie das ganz besondere Flair, das Regensburg den Titel „nördlichste Stadt Italiens“ eingetragen hat. Wandeln Sie auf den Spuren der Römer oder der mittelalterlichen Patrizier, oder genießen Sie die traditionelle Gastfreundschaft der Regensburger.

Diese ist schließlich nicht einmal von König Ludwig I angezweifelt worden. Als ihm 1830 anlässlich der Grundsteinlegung der Walhalla nach alter Sitte Brauch die Stadtschlüssel überreicht werden sollten, sprach er die unvergessenen Worte: „Es bedarf der Schlüssel nicht – ich finde die Herzen aller braven Regensburger offen.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Aufenthalt bei uns in Regensburg!