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Verleihung Aumüller Schulpreis

Grußwort des Schulreferenten der Stadt Regensburg, Herrn Bürgermeister Gerhard Weber, anlässlich der Verleihung des Aumüller-Schulpreises am 14. Juli 2009

Anrede!

„In allen Schultypen gibt es viele engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die auf hervorragende Weise Wissen und Können vermitteln und umfangreiche pädagogische Aufgaben wahrnehmen.

Dieses Engagement wird in der Öffentlichkeit bisher kaum gewürdigt.“ Mit diesen Worten hat die Fa. Aumüller Druck KG Regensburg im Jahr 2003 die Stiftung des Aumüller-Schulpreises und des Aumüller-Berufsschulpreises begründet. Weil ich diese Ansicht uneingeschränkt teile, freue ich mich sehr, auch heuer wieder bei Ihnen zu sein und den diesjährigen Preisträgern im Namen der Stadt Regensburg, aber auch ganz persönlich zu ihrem Erfolg und der besonderen Anerkennung ihres Engagements gratulieren zu dürfen.

Gleichzeitig gilt mein ausdrücklicher Dank der Firma Aumüller, die mit ihrer Initiative ein deutliches und auch finanziell großzügiges Zeichen dafür gesetzt hat, dass besondere Leistungen im wahrsten Sinne des Wortes „ihr Geld“ wert sind.

Nachdem auch heuer die Preisträger erst im Laufe der Veranstaltung bekanntgegeben werden, hoffe ich, dass eine ähnlich erwartungsvolle Stimmung herrscht wie in den letzten Jahren. Dabei sollte jedoch das am Aumüller-Schulpreis - aus meiner Sicht - eigentlich Entscheidende nicht vergessen werden, nämlich die besondere Gelegenheit, das engagierte Wirken von Lehrkräften auch in der Öffentlichkeit deutlich herauszustellen.

Mit hohem persönlichen Einsatz haben alle - auch die heute nicht prämierten Lehrkräfte - ihren Schülerinnen und Schülern einen Dienst erwiesen, der weit über das übliche Maß hinausgeht. Die Jurymitglieder hatten es deshalb auch diesmal bestimmt nicht leicht, aus den Vorschlägen die preiswürdigsten Projekte auszuwählen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

in ganz Deutschland – und natürlich auch in Regensburg – gibt es hervorragende Schulen, die pädagogisch richtungsweisend sind. Sie schaffen es, bei aller Unterschiedlichkeit ihrer Rahmenbedingungen, für Leistung und Kreativität zu begeistern, Lernfreude und Lebensmut zu stärken und zu Fairness und Verantwortung zu erziehen. Den Lehrkräften solcher Schulen gelingt es vorbildlich, sich immer wieder neue Ziele zu setzen und diese zu erreichen. Damit solche Schulen und vor allem deren Lehrkräfte auch für andere wirksam werden können, brauchen sie öffentliche Aufmerksamkeit und Anerkennung.

Dies ist auch die Hauptintension des Aumüller-Schulpreises. Preiswürdig sind im Sinne des Aumüller-Schulpreises deshalb Lehrkräfte, die ein umfassendes Verständnis von Lernen und Leistung haben. Über die bloße Wissensvermittlung hinaus gelingt es ihnen, die individuellen, sozialen und schöpferischen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler auszubilden. Ziel ist dabei die Förderung von Selbstständigkeit und verständnisintensivem Lernen, ist Verantwortung und Leistungsbereitschaft. Der Schlüssel dafür liegt in der permanenten Verbesserung des eigenen Unterrichts.

Das aber verlangt die Auflösung einer starren Unterrichtsroutine und die Konzentration auf die individuelle Bildung und Entwicklung jedes Einzelnen.
Preiswürdig sind deshalb Lehrkräfte, die Mittel und Wege gefunden haben, um produktiv mit den unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen, Interessen und Leistungsmöglichkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler umzugehen.

Preiswürdig sind Lehrkräfte, die zum Ausgleich von Benachteiligungen beitragen, die das individuelle Lernen planvoll und kontinuierlich fördern. Dabei kommt es besonders darauf an, dass sie ihren Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit geben, ihr Lernen selbst in die Hand zu nehmen und ein verständnisintensives und praxisorientiertes Lernen auch an
außerschulischen Lernorten ermöglichen.

Preiswürdig sind schließlich Lehrkräfte, die den achtungsvollen Umgang miteinander, gewaltfreie Konfliktlösung und den sorgsamen Umgang mit Sachen nicht nur fordern, sondern auch selbst im Alltag verwirklichen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

„der wirklich gut veranlagten Schüler sind nicht viele. Fleiß und Streben könnten größer sein. Trotz aller Mühe will es nicht gelingen, das wünschenswerte Leben, die rege Beteiligung der Schüler am Unterricht zu erzielen. ... Bei den Eltern macht sich nicht selten schwächliche Nachgiebigkeit, die Unfähigkeit den Kindern einen Wunsch zu versagen!... breit; die elterliche Autorität ist nicht mehr, was sie war;...“

Wäre da nicht die etwas antiquierte Sprache, man könnte meinen, diese Sätze stammen von einer „frustrierten“ Lehrkraft unserer Tage, vielleicht sogar von einer der hier anwesenden. In Wirklichkeit ist dieses „Klagelied“ aber schon 100 Jahre alt und wurde vom damaligen Leiter (Rektor Schremmel) der Oberrealschule Regensburg, dem heutigen Goethe-Gymnasium angestimmt.
Da sich bekanntermaßen schon Sokrates über „die Jugend“ beschwert hat:
„... Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität ... Die jungen Leute ... widersprechen ihren Eltern... und tyrannisieren ihre Lehrer....“, sollte man sich deshalb auch heute mit der notwendigen Gelassenheit einem Problem stellen, das längst nicht so neu ist, wie manche glauben machen wollen.

Trotzdem, schon wieder oder immer noch sieht sich vor allem „die Schule“ einer - wie ich meine - immer weniger konstruktiven Kritik und einem immer intensiveren „Reformismus“ ausgesetzt, um als „Reparaturbetrieb der Nation“ all die Probleme zu lösen, an denen andere gescheitert sind oder zu scheitern drohen. Liebe, Fürsorge und Zuwendung in einer Familie sind aber - so meine ich - auch in Zukunft nur schwer durch zusätzliche „schulische Betreuung“ - in welcher Form auch immer - zu ersetzen.

Kinder und Jugendliche brauchen nach wie vor zu-nächst Annahme, Anerkennung und Bestätigung im Elternhaus, Freunde, eine verständnisvolle Umgebung und Bedingungen, die ihnen auch „Schule als Lebensraum“ erfahrbar macht.

In diesem Bewusstsein ist auch die Stadt Regensburg bemüht, die Rahmenbedingungen für „ihre Schulen“ - wo notwendig und möglich - immer weiter zu verbessern, nicht nur hinsichtlich der Räume und der Ausstattung - für die sie eigentlich (nur) zuständig ist - sondern ebenso durch gezielte Unterstützung außerhalb des reinen Sachaufwands (Bsp. „Schulsozialarbeit, Gewaltprävention“).
Der Pädagoge Rüdiger Klupsch-Sahlmann hat das „Ur“-Problem - wie ich meine - auf den Punkt gebracht, indem er feststellt: „Alle wollen immer nur den Kopf in die Schule schicken. Aber immer kommt das ganze Kind.“

Neben der notwendigen Selektionsfunktion - durch Notengebung - und der Entwicklungsfunktion - durch individuelle Förderung - gehören deshalb das ständige Ausbalancieren zwischen Nähe (Eingehen auf Schülerprobleme) und angemessener Distanz (Vorbild, disziplinarische Maßnahmen) zu den besonders belastenden Faktoren des Lehrerberufs.

Egal welcher Gruppe es ein Lehrer glaubt recht zu machen, von irgendeiner anderen wird er dann gerade deswegen als Versager angesehen.

Lehrkräfte brauchen darum - mehr denn je - eine breite Unterstützung der Öffentlichkeit, der Eltern, der Wirtschaft, der Hochschulen und der Medien, um bei der Erfüllung ihrer verantwortungsvollen und schwierigen Aufgaben den Rückhalt zu erfahren, der Ihnen nach meiner Ansicht zusteht.

Natürlich können und müssen sie auch selbst etwas dazu beitragen; etwas, das auch im außerschulischen Raum bewusst wahrgenommen wird und Anerkennung findet. Der Aumüller-Schulpreis bietet dazu eine hervorragende Gelegenheit und ist deshalb auch nicht hoch genug einzuschätzen.

Ich beglückwünsche darum die Preisträgerinnen und Preisträger nochmals zu der verdienten Auszeichnung, danke aber ebenso allen anderen Teilnehmern für ihr vorbildliches Engagement.

Zum Schluss möchte ich auch alle heute nicht vertretenen Schulen ermuntern, ihr Licht nicht „unter den Scheffel“ zu stellen, denn ich bin davon überzeugt, dass es noch genügend Ideen und an jeder Regensburger Schule motivierte Lehrkräfte gibt, die diesen Preis verdienen.