Navigation und Service

Ehrung beste Schulabsolventinnen und Schulabsolventen

Ehrung der besten Schulabgänger der Hauptschulen und Förderzentren sowie der „HASA“-Kurse durch Herrn Bürgermeister Gerhard Weber am 22. Juli 2009 im Kurfürstenzimmer

Anrede,

ich freue mich, dass Sie alle unserer Einladung zur Ehrung der besten Absolventinnen und Absolventen der Regensburger Hauptschulen, der Förderzentren und der „HASA“-Kurse gefolgt sind und begrüße Sie herzlich hier im Kurfürstenzimmer unseres Alten Rathauses.

Gleichzeitig bedanke ich mich bei Herrn Rektor Forster, der mit seiner „St.-Wolfgang-Band“ auch heuer diese Feierstunde musikalisch umrahmt. Und weil diese Formation zum letzten Male auftritt -wie mir Herr Forster gesagt hat - möchte ich mich nachher bei den jungen Musikerinnen und Musikern auch mit einem kleinen Geschenk bedanken.

Euch, liebe (ehemalige) Schülerinnen und Schüler, heiße ich natürlich ganz besonders willkommen und ich möchte euch auch schon an dieser Stelle zu euren ausgezeichneten Leistungen beglückwünschen und euch im Namen der Stadt Regensburg, aber auch ganz persönlich, meine Anerkennung aussprechen. Ich gratuliere ebenfalls sehr herzlich der besten Absolventin des HASA-Kurses, die sich dieser ganz gewiss nicht einfachen Herausforderung gestellt und ihren Lehrgang so erfolgreich abgeschlossen hat. Gerade ihr Beispiel sollte auch andere ermutigen, Versäumtes oder bisher nicht Machbares nachzuholen, denn „es ist nie zu früh, und nur ganz selten zu spät“....

Euch allen möchte ich außerdem sagen, dass ihr stolz sein könnt auf das, was Ihr erreicht habt.

Weil ihr aber in den letzten neun oder zehn Jahren auch von euren Eltern und einer ganzen Reihe von Lehrkräften begleitet und tatkräftig unterstützt wurdet, möchte ich auch sie in meine Glückwünsche einschließen. Ich bin ganz sicher, dass sie sich über euren guten Abschluss genauso freuen wie ihr selbst.

Anrede,

ein berühmter Wissenschaftler hat einmal in einem Interview auf die Frage, wie aus ihm das geworden sei, was
er ist, geantwortet:
Ich habe in meinem Leben viel gelesen und gelernt
und das meiste davon wieder vergessen. Aber alles das,
oder vielleicht sogar insbesondere das, was ich wieder
vergessen habe, hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin.

Ich würde euch, liebe Absolventinnen und Absolventen, natürlich nicht von diesem Interview berichten, wenn ich nicht überzeugt wäre, dass diese Aussage auch etwas mit euch und mit eurer Zukunft zu tun hat.

Betrachten wir deshalb diese Aussage etwas genauer: Der berühmte Wissenschaftler hat viel gelesen und viel gelernt - und er hat das meiste davon wieder vergessen. Hoffentlich seid ihr jetzt nicht gleich der Meinung: Aha, alles, was wir bisher gelernt haben, können wir getrost wieder vergessen und außerdem können wir das Lesen und Lernen sowieso gleich einstellen, weil man ja das meiste ohnehin wieder vergisst.

Wer so denkt, der hat den Sinn dieser Aussage nicht verstanden. Die tatsächliche Aufforderung lautet nämlich: Lest viel, lernt viel, denn - selbst wenn man das meiste wieder vergisst -jedes gelesene Wort erweitert unseren Horizont, formt unsere Persönlichkeit und macht uns insofern reicher, als wir dadurch mehr Möglichkeiten kennenlernen, uns auf neue Situationen einzustellen. Und ich füge hinzu: Nur wer etwas gelernt hat, kann entscheiden, was wesentlich und was unwesentlich ist, was man „vergessen kann“ und was nicht.

In der etwas überraschenden Antwort des Wissenschaftlers versteckt sich also in Wahrheit die Aufforderung, lebenslang zu lernen, und zwar obwohl man weiß, dass man vieles davon nicht behält.

Liebe Absolventinnen und Absolventen,

der französische Staatsmann und Publizist Honoré Mirabeau hat einst gemeint: „Es gibt nur drei Methoden, um zu leben: betteln, stehlen oder etwas leisten.“ Ihr habt gezeigt, dass ihr im Stande sind, etwas zu leisten. Und auch wenn Schulnoten und -zeugnisse bei weitem nicht alles über einen Menschen aussagen, sie lassen doch Rückschlüsse zu auf seine Lernfähigkeit und seine Lernwilligkeit, seine Leistungsfähigkeit und seine Leistungsbereitschaft. Und dass wir nicht nur von anderen Leistungen verlangen können, sondern auch selbst etwas leisten müssen, bedarf wohl keiner weiteren Erklärung.

Zwar eröffnet ein guter, ja sogar ein sehr guter Schulabschluss viele Möglichkeiten, er bietet aber noch keineswegs die Garantie für den beruflichen Erfolg in der Zukunft. Wie in den vergangenen Jahren, werdet ihr nämlich auch künftig erfahren, dass nur derjenige Erfolg hat, der weiterhin eisern (dazu)lernt, sich gründlich auf neue Aufgaben vorbereitet und zu hoher Anstrengung und Leistung bereit ist. Ich weiß zwar nicht, welches berufliche und persönliche Ziel ihr ansteuert, ich weiß aber, dass man ein fernes Ziel am besten erreicht, wenn man das nächste mit Freude und ganzer Kraft anstrebt!

Betrachtet deshalb euren Schulabschluss nicht als End-, sondern als ein erstes Zwischenziel. Das Abschlusszeugnis wird euch nämlich noch lange begleiten und - weil ihr euch mit hervorragenden Noten auch von euren Mitbewerbern abhebt - wird es euch ganz bestimmt noch oft gute Dienste leisten.

Angesichts eurer Leistungen bin ich jedenfalls sehr zuversichtlich, dass ihr in einer Berufsausbildung oder an einer weiterführenden Schule Erfolg habt und den an euch gestellten Anforderungen auch gerecht werdet.

Als beste eures Jahrgangs steht ihr heute auch zu Recht im Mittelpunkt, denn ihr habt die Anforderungen, die während des Schuljahres und bei den Abschlussprüfungen an euch gestellt wurden, mit Glanz und manche sogar mit „Gloria“ gemeistert. Dafür auch nochmals meine ganz persönliche Anerkennung.

Von dem großen Theologen und Philosophen Sören Kierkegaard stammt der Satz: „Leben kann man nur vorwärts, das Leben verstehen nur rückwärts.“ Ihr, liebe Absolventinnen und Absolventen, habt eure Schulzeit nun erfolgreich beendet und könnt sie rückblickend betrachten.

Ich hoffe sehr, dass sie spätestens mit dem heutigen Tag zu den positiven und unvergesslichen Erinnerungen eures Lebens zählt. Ich hoffe aber genauso, dass ihr nicht nur zurückblickt sondern euch mutig und optimistisch auf den Weg in die Zukunft macht. Dafür haben eure Schulen den notwendigen Grundstein gelegt. Es liegt jetzt an jedem Einzelnen von euch, darauf aufzubauen und das Beste daraus zu machen. Lasst euch dabei auch nicht durch den einen oder anderen Misserfolg entmutigen.

Denkt in einem solchen Falle immer daran: „Hinfallen ist keine Schande, Liegen bleiben schon!“

Alles Gute also und viel Erfolg auf eurem weiteren Ausbildungs-, Berufs-und Lebensweg und nach den wohlverdienten Ferien euren Schulen, allen Lehrkräften und der nächsten „Absolventengeneration“ einen guten Start ins neue Schuljahr.