Navigation und Service

25 Jahre Soroptimist International Club Regensburg

Rede von Bürgermeister Gerhard Weber zum Jubiläum 25 Jahre Soroptimist International Club Regensburg am Samstag, 4. Juli 2009, 15 Uhr, im Runtingersaal


Anrede

Drei Jahre sollte es dauern, bis nach der Gründung des ersten Soroptimist Clubs 1921 in Oakland/ Kalifornien ein Club in Europa gegründet wurde, sechs weitere Jahre, bis mit dem Club Berlin im Jahre 1930 die Idee von Soroptimist International auch nach Deutschland kam.

Mehr als ein halbes Jahrhundert musste dann vergehen, bis am 30. Juni 1984 der Club Regensburg als 49. Club der Deutschen Union aus der Taufe gehoben wurde.

Wenn ich es mir aber genauer überlege, dann gibt es in Regensburg schon bedeutend länger als 25 Jahre die „sorores optimae“, „die besten Schwestern“. Denn Ihre Grundsätze, die Verbesserung der Stellung der Frau; die Pflege hoher ethischer Werte; der Kampf für die Menschenrechte; wurden schon vor vielen Jahrzehnten und sogar Jahrhunderten immer wieder von Frauen in Regensburg gelebt:

Da wäre bereits im 14. Jahrhundert die Kaufmannsgattin Margarethe Runtinger zu nennen, deren heute noch erhaltenes Geschäftsbuch interessante Aufschlüsse über deren berufliche Aktivitäten im Handelsunternehmen ihres Mannes Matthäus gibt. Nach ihr wurde 1991 nicht nur ein Preis für den „frauen- und familienfreundlichsten Betrieb“ benannt, wir feiern heute, sozusagen daheim bei Margarethe Runtinger Ihr Jubiläum im Saal des Runtingerhauses.

Da gab es dann zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Fürstin Therese von Thurn und Taxis (1773-1839), Ehefrau des Prinzipalkommisares Fürst Karl Alexander, die durch ihr Verhandlungsgeschick nach dem Ende der Kaiserlichen Reichspost das Postunternehmen der Thurn und Taxis auf Lehnsbasis erhalten konnte.

Ebenfalls im 19. Jahrhundert muss die Ordensgründerin Schwester Theresia Gerhardinger (1797-1879) genannt werden. Sie gründete 1833 die „Kongregation der Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau“, um damit auch Mädchen, besonders aus einfacheren Verhältnissen, eine gediegene Schulbildung zu geben. Sie wusste schon vor über 170 Jahren, dass Bildung für Mädchen und Frauen unverzichtbar ist.

Oder man denke an Apollonia von Diepenbrock (1799-1880), die 1845 mit der St. Josephs-Krankenanstalt ein Pflege- und Altersheim für Frauen gründete – sozusagen das „Erste Haus für Frauen“ in Regensburg.

Es ist die Verlegergattin Therese Pustet (1846-1924) zu nennen, die auf Grund ihrer zahlreichen karitativen Aktivitäten den Beinamen „die Hl. Elisabeth der Oberpfalz“ bekam.

Schriftstellerinnen wie Therese Keiter (1859 -1925) und Gertrud von den Brincken (1892 -1982) zählen zu den großen Dichterinnen des 19. und 20. Jahrhunderts in Regensburg.

Viele Frauen könnten hier noch genannt werden, namhafte, die im Blickpunkt der Öffentlichkeit standen aber auch weniger bekannte Regensburgerinnen, eben „Sorores ad optimum“ - „Schwestern, die das Beste wollen“. Sie alle stehen in der Tradition dieser motivierten und engagierten Frauen in Regensburg.

Frei nach Thomas Morus erklärte die bedeutende deutsche Dichterin Ricarda Huch: "Tradition ist das Weiterreichen der Glut, nicht der kalten Asche." Und so leben Sie alle auch den Traditionsbegriff von Ricarda Huch. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass Ihrer aller Arbeit im Club Regensburg auf ganz vielfältige Weise glüht:

In der kontinuierlichen Unterstützung verschiedener Einrichtungen und Organisationen wie pro-familia, dem Hospiz-Verein und dem Arbeitskreis ausländischer Arbeitnehmer.

Aber auch in der schnellen und unbürokratischen finanziellen Hilfe, wenn es darum geht, Regensburger Frauenprojekte am Leben zu erhalten, wie seinerzeit im Jahre 2004 beim NOTRUF e.V., sind sie ein glühendes Vorbild.

Nicht zu vergessen die jährliche Verleihung des Soroptimist-Förderpreises an eine Absolventin der Hochschule Regensburg „für herausragende Leistungen im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich“.

Sie sind verbunden mit den Clubs von Soroptimist International in unseren Partnerstädten, ob in Brixen bzw. in Bozen oder in Aberdeen und erfüllen damit diese Städtefreundschaften mit Ihrem ganz eigenen Charakter.

Für ihren glühenden Einsatz der vergangenen 25 Jahre möchte ich Ihnen allen ganz herzlich Dank sagen. Als erstes natürlich im Namen der Bürgerinnen, aber auch, und das nicht weniger herzlich, im Namen der Bürger. Auch die Stadt Regensburg zollt Ihnen Respekt, dankt Ihnen für Ihr bürgerschaftliches Engagement und ist Stolz auf ihre „sorores optimae“, auf ihre „besten Schwestern“.