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Verleihung Umweltpreis 2008

 -Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger zur Umweltpreisverleihung 2008 am 28. Juli 2008 im Kurfürstenzimmer des Alten Rathauses

Anrede,

als Oberbürgermeister freue ich mich natürlich immer besonders auf Termine, in denen ich Vertreter der Stadtgesellschaft auszeichnen darf. Unter solchen Terminen ist allerdings die Verleihung des Regensburger Umweltpreises einer, der mir besonders am Herzen liegt.
Durch die Entwicklung der letzten Jahre ist Umweltschutz ein weltweites Thema geworden. Dramatische Klimaveränderungen, zunehmende Belastungen von Luft, Wasser und Boden in den Entwicklungsländern sowie eine ständig wachsende Weltbevölkerung und ein enormer Ressourcenhunger prägen unsere Zeit. Der Umweltschutz ist damit aus der Ökonische früherer Jahre herausgetreten und präsentiert sich weltweit als ein Faktor, der die Modalitäten unserer Zukunftsgestaltung prägen muss.

Stolz bin ich, dass die Stadt Regensburg gerade bei dem Thema Klimaschutz Pionierleistungen vollbracht hat. 1992 ist die Stadt Regensburg als einer der ersten europäischen Städte Mitglied des Klimabündnisses geworden. In einigen Medien wurde damals feinsinnig darüber gespottet, dass die deutschen Umweltschützer jetzt Tropenwälder in Amazonasgebieten schützen.
Themen wie Energiebilanzen, Einsatz energiesparender Techniken, Wärmerückgewinnung oder Wärmeverluste durch mangelnde Dämmung waren bis in das Jahr 2000 hinein kaum in ihrer Relevanz zu vermitteln.

Die Stadt Regensburg hat mit einer Fülle von Aktionen aber gerade in dieser Zeit das Thema Klimaschutz akribisch vorangetrieben. Wir haben 1994 den ersten „Runden Tisch“ aus Vertretern der Industrie, Gewerbe, der Bürgerschaft und der Verwaltung zum Thema „Klima und Energie“ gegründet. Aktionen wie „das Niedrigenergiehaus auf der Dona-Ausstellung, das von den Mitarbeitern des Umweltamtes betrieben wurde, „mit dem Fahrrad zur Arbeit“, Job-Tickets, Dienstwagenmanagement, Car-Sharing, ein erster Energiebericht der Stadt Regensburg oder das seit 11 Jahren bestehende Öko-Schulprojekt und nunmehr das Öko-Kindergartenprojekt zeigen, wie tiefgehend das Thema Klimaschutz in allen Bereichen der Stadtverwaltung gefördert und vorangetrieben wurde.
Wenn heute die Bundesregierung Förderprogramme auflegt, um Kommunen zu animieren, Klimaschutzkonzepte zu erarbeiten, so kann ich nur sagen, für uns ist das tägliche Routine, wir brauchen kein Klimaschutzkonzept, wir praktizieren dieses seit ich Oberbürgermeister der Stadt Regensburg bin!

Ich möchte in diesem Rahmen auch klar Position ziehen zu verklärenden Zahlenspielereien bei der CO² -Reduzierung. Heute ist es Mode, dass die EU, die Bundesregierung, verschiedene Städte, verschiedene Ministerien oder Umweltvereinigungen CO² -Reduzierungspotential veröffentlichen und sich damit brüsten, so und soviel Prozente in so und soviel Jahren einsparen zu wollen.
Ich beteilige mich bewusst an diesen Zahlenspielereien nicht, da alle Ergebnisse mehr oder minder „Kaffeesatzleserei“ sind. Um ein Einsparpotential benennen zu können, benötigt man eine Fülle von Daten.

Hierzu ist beispielsweise das Verkehrsaufkommen aus dem Jahr 1992 – auf dieses Referenzjahr beziehen sich alle Reduzierungsrechnungen -, die Menge aller Heizstoffe für alle Gebäude in Regensburg, die Intensität des Durchgangsverkehrs, des Pendlerverkehrs, Frequenz des öffentlichen Personennahverkehrs, Qualität von Verbrennungsmotoren bei Pkw´s oder sonstigen Anlagen in der Industrie miteinander in Relation zu bringen. Keine Institution wird diesbezüglich seriöses belastbares Zahlenmaterial liefern können. Deswegen sage ich offen und ehrlich, dass wir uns an Schönrechnereien nicht beteiligen werden, um medienwirksam Applaus zu erhalten. Wir wollen uns durch unsere Taten, aber nicht durch Rechenbeispiele beweisen.

Umso mehr freut es mich natürlich, dass wir in diesem Jahr Umweltpreise verleihen können, die besonders preiswürdig waren. Die Vielfalt der eingereichten Bewerbungen belegt, dass die Regensburger Stadtgesellschaft Umweltschutz als Bestandteil einer modernen Lebenskultur verinnerlicht hat. Wir hatten z.B. Bewerbungen über frühkindliche Umwelterziehung, Abfallverwertungsstrategien, kreative Ideen zur Gestaltung neuer Produktpaletten, Maßnahmen zur rationellen Energienutzung, zum Abbau klimaschädlicher Gase oder Wassereinsparungsmodelle im Privathaushalt.

Wenn ich jetzt die einzelnen Preisträger zur Verleihung der Urkunden zu mir bitte, so lassen sie mich mit den Schulen beginnen, denn hier in den Grund- und Hauptschulen von Regensburg beginnt die Erziehung und die Sensibilisierung für ein gemeinverträgliches umweltgerechtes Leben.

Den Regensburger Umweltpreis in der Kategorie Schulen hat in diesem Jahr die Konradschule für zwei Projekte, einmal der Grundschule und einmal der Hauptschule erhalten. Die Grundschule hat mit zwei Schülergruppen und einer Lehrkraft ein „grünes Klassenzimmer“ angelegt, hierzu eine wunderschöne Dokumentation eingereicht die aufzeigt, mit wie viel Freude Schüler und Lehrkräfte zur Umsetzung des Themas Umweltschutz zusammengewirkt haben.
Weiterhin haben die Schüler der Hauptschule gemeinsam mit den Lehrern ab dem Jahr 2006 einen neuen Schulgarten errichtet. Die Schüler konnten damit überdurchschnittlich viele Erfahrungen zu den Bereichen Natur, Ökologie und gesunde Ernährung gewinnen. Der Schulgarten ist eine Errungenschaft, die von besonderem ehrenamtlichem Engagement aller getragen wird. Er stellt eine sog. „grüne Visitenkarte“ der Schule dar, die sich sehen lassen kann. Wir können deshalb in Regensburg stolz sein, dass wir eine Schule haben, die dermaßen engagiert auf dem Umweltsektor tätig wurde.

Zur Übergabe des Preises darf ich den Schulleiter der Grundschule, Herrn Friedrich Brandl, sowie die Schulleiterin der Hauptschule, Frau Katharina Hafner, nach vorne bitten.

In der Kategorie Private Initiativen setzte sich in diesem Jahr das Ehepaar Susanne und Dr. Jakob Lehner durch. Das Ehepaar Lehner hat ein zukunftsweisendes Umwelthaus errichtet, das unter allen denkbaren Gesichtspunkten hervorragende ökologische Ideen aufzeigt. So ist das Haus weit überdurchschnittlich gedämmt, die Beheizung erfolgt beispielsweise durch 100 Prozent Sonnenenergie, Stromerzeugung erfolgt über eine Photovoltaikanlage. Gleichzeitig speist die Photovoltaikanlage zusätzlich
2000 Kwh pro Jahr in das öffentliche Netz ein. Das Gebäude versorgt sich selbst autark mit Wärme. Darüber hinaus gibt es eine hauseigene Zisterne, so dass die Familie im Gegensatz zu einem herkömmlichen 4-Personen Haushalt etwa 50.000 l Wasser pro Jahr einspart. Das gesamte Engagement der Familie ist weit überdurchschnittlich und verdient als vorbildhafte Bauweise besondere Anerkennung.
Ich bitte Frau Susanne Lehner und Herrn Dr. Jakob Lehner zur Übergabe des Preises nach vorne.

In der Kategorie Firmen hat der Stadtrat das Bauteam Tretzel unter dem Gesichtspunkt vorbildhafte Energieerzeugung und energieeffiziente Wohnungsgestaltung für das Projekt Wohnquartier Hochweg ausgezeichnet. Der gesamte Energiebedarf der Wohnanlage wird vor Ort erzeugt, d.h. Strom, Heiz- und Brauchwasser. Alle Wohnungen verfügen über eine kontrollierte Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung. Der benötigte Heizenergiebedarf überschreitet die Vorgaben der Energieeinsparverordnung deutlich und entspricht damit dem Niedrigenergiehausstandard. Jährlich werden insgesamt ca. 1500 t CO² eingespart.
Den Preis nimmt Herr Volker Tretzel entgegen.

Gemeinsam mit der REWAG hat die Firma Walhalla Kalk zum Thema „rationelle und regenerative Energienutzung“ die Auszeichnung mit dem Umweltpreis erhalten. Auf dem Kalkwerkgelände wurde 2008 eine Biogasanlage zur Erzeugung von Biogas aus nachwachsenden Rohstoffen in Betrieb genommen. Das Biogas wird vor Ort in einem Blockheizkraftwerk verwertet. Der erzeugte Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist, die Abwärme dient zur Trocknung des gebrochenen Rohkalksteins. Beide Firmen schaffen durch die Erzeugung regenerativer Energie und Nutzung dieser Energie am Entstehungsort eine jährliche Einsparung von 3600 t CO². Damit wird ein substantieller Beitrag zur dezentralen Energieversorgung und Vermeidung von Treibhausgasimmissionen geleistet.
Stellvertretend für die REWAG nimmt der Vorstandsvorsitzende, Herr Norbert Breidenbach, sowie für die Firma Walhalla Kalk der Geschäftsführer, Herr Johann Spangler, den Preis entgegen.

Mit Freude stelle ich auch einen Handwerksbetrieb in Regensburg als Preisträger vor. Die Feinkostmetzgerei Michael Schmid GmbH liefert seit über 10 Jahren regelmäßig überzeugende Beiträge zum Umweltschutz. Die Firma hat als erste in Regensburg das EG-Öko-Management eingeführt, sie schafft durch innovative Produktionsweise eine Wassereinsparung von 50 Prozent; für die Firma ist es selbstverständlich, ihren Kleintransporter auf Erdgasbasis zu betreiben. Viele weitere kleine Verbesserungen im Umweltbereich sind Standard. Für diese insgesamt gezeigte umweltfreundliche Betriebsführung hat der Stadtrat die Firma mit einer Anerkennungsurkunde ausgezeichnet.
Ich bitte Herrn Michael Schmid zur Übergabe der Urkunde nach vorne.

Allen Preisträgerinnen und Preisträgern darf ich im Namen der Stadt Regensburg ein herzliches Dankeschön ausrichten. Sie gestalten unsere Stadtgesellschaft mit, haben Verantwortung für die Zukunft übernommen und zeigen vorbildhaft, dass wir alle gemeinsam unsere Lebensbedingungen positiv gestalten können.