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Sonderausstellung "Die Prähistorische Oberpfalz"

 -Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Herrn Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung „Die prähistorische Oberpfalz“ am Montag, 26.05.2008, 19.00 Uhr, im Historischen Museum

 

- Begrüßung -

Ich freue mich sehr, heute hier im Historischen Museum die Sonderausstellung „Die prähistorische Oberpfalz“ eröffnen zu dürfen.

Die Ausstellung „Die prähistorische Oberpfalz“ trägt dem Rechnung, was für Regensburg schon für über 150 Jahre gilt, nämlich Zentrum der archäologischen Forschung der Oberpfalz zu sein. Schon der Historische Verein von Oberpfalz und Regensburg mit Sitz in Regensburg hat seinerzeit den zielgerichteten Erwerb von vorgeschichtlichen Kulturgütern aus dem weiteren Umland auf seine Fahnen geschrieben.

In Regensburg selbst hat das zu Ausgrabungen vorrangig der römerzeitlichen Altertümer geführt und für die Oberpfalz zum weitgehend geglückten Versuch, vorgeschichtliche Funde „im Lande“ zu behalten. Dies war im 19. Jahrhundert mit der Konkurrenz der königlichen Sammlung in München, aber auch der großen vor- und frühgeschichtlichen Museen in Nürnberg und Berlin nicht einfach, denn es hatte sich herumgesprochen, dass die Oberpfalz gerade für bronze- und früheisenzeitliche Grabfunde eine wahre Fundgrube darstellte. Trotzdem konnte durch das Engagement des Historischen Vereins und später der Museen der Stadt Regensburg das Meiste für uns bewahrt werden.

Es ist somit bezeichnend, dass seit den 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts der seitens des Freistaats für die Oberpfalz zuständige Archäologe seinen festen Sitz am Regensburger Museum hatte und selbstverständlich den Fundstoff hier einlagerte. An dieser Konstellation hat sich bis 1979 nichts geändert, als die Stadt Regensburg mit der Einstellung einer eigenen Museumsarchäologin den herausragenden Funden und ihrer Präsentation Rechnung getragen hat. Vertraglich ist es mit dem Freistaat nach wie vor so geregelt, dass die archäologischen Funde aus der ganzen Oberpfalz in Regensburg verwahrt werden und damit einer Darstellung für die hiesige Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

Diese besondere Stellung Regensburgs in der bayerischen Fundlandschaft führt dazu, dass das Historische Museum der Stadt Regensburg auf vorgeschichtlichem Sektor keinen Vergleich mit anderen Museen in Bayern, abgesehen von der Archäologischen Staatssammlung in München, zu scheuen braucht. Mengen- und qualitätsmäßig heißt das: Zuerst kommt München, dann Regensburg und dann lange gar nichts. Selbst das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg kann nicht mit den Regensburger Beständen konkurrieren.

Für das Historische Museum bedeutet dies Verantwortung und Herausforderung gleichermaßen. Verantwortung für die sachgerechte Behandlung und Verwahrung der alten wie der neuen Bodenfunde – Herausforderung für eine fachgemäße Präsentation der für die Öffentlichkeit besonders aussagekräftigen Partien des archäologischen Bestands.

Durch die Tätigkeit des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege und der städtischen Bodendenkmalpflege ist für weiteren Zuwachs und damit auch immer wieder für spektakuläre Neufunde gesorgt. Gerade die Ausgrabungen in Burgweinting, die aufgrund ihrer flächenmäßigen Durchführung seitens der Stadt Regensburg (in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege) bayernweit ihresgleichen suchen, haben wichtige neue Erkenntnisse zur vor- und frühgeschichtlichen Besiedlung unseres Gebiets erbracht, die überregional von großer Bedeutung sind. Es ist daher nicht reiner Lokalpatriotismus, wenn auch in dieser Ausstellung zur Vorgeschichte der Oberpfalz das Regensburger Umland im Zentrum steht. Schließlich stellt der Donauraum zu fast allen Zeiten das bevorzugte Siedlungsgebiet dar. Die Ausstellung versucht aber auch, den anderen Regionen der Oberpfalz gerecht zu werden, zumal sie ganz wesentliche Funde erbracht haben.

Es ist mir in diesem Zusammenhang eine besondere Freude, die Erwerbung des ältesten menschlichen Artefakts der Oberpfalz, nämlich des Faustkeils von Pösing, verkünden zu dürfen. Nachdem die Präsentation dieses archäologischen Fundes über mehrere Jahrzehnte ein unerfülltes Desiderat geblieben war, gelang es in der letzten Woche, jenes Objekt – man könnte sagen das Herzstück der vorgeschichtlichen Archäologie der Oberpfalz – für das Museum zu erwerben. Daher danke ich der bisherigen Eigentümerin, Frau Berta Kagermeier, herzlich für ihre Bereitschaft, den Faustkeil an die Stadt Regensburg zu veräußern und so dessen Präsentation in einem Museum, noch dazu in dem für die Oberpfalz zuständigen, zu ermöglichen. Damit kann nun sage und schreibe eine Viertel Million Jahre prähistorischer Entwicklung abgedeckt werden.

Die jetzt zu eröffnende Sonderausstellung „Die prähistorische Oberpfalz“ ist ein wichtiger Schritt hin zu einer Dauerausstellung der vorgeschichtlichen Abteilung des Historischen Museums. Ein künftiger Umbau wird in gewissem Rahmen Erweiterungsmöglichkeiten bieten und vieles des jetzt Gezeigten soll den Grundstock jener Abteilung darstellen, die durchaus der bedeutenden Römerabteilung des Historischen Museums zur Seite gestellt werden kann.

Ich möchte es nicht versäumen, allen an der Ausstellung beteiligten Mitarbeitern des Hauses für ihr großes Engagement zu danken, allen voran Herrn Dr. Boos für das Konzept und die Realisierung sowie Frau Adolf, der archäologischen Restauratorin und allen anderen helfenden Händen bei der Ausstellungstechnik. Sie alle haben dazu beigetragen, dass die Ausstellungsobjekte so anschaulich präsentiert werden können.

Damit eröffne ich „Die prähistorische Oberpfalz“ als eine neue Sonderausstellung schon im Hinblick auf eine folgende Dauerausstellung und wünsche der Ausstellung viele Besucher!