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Neujahrsempfang 2008

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger beim Neujahrsempfang am 11. Januar 2008 im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses

Sehr geehrte Damen und Herren,

Frau Bürgermeisterin Betz, Herr Bürgermeister Weber und ich heißen Sie alle, sehr verehrte Damen und Herren, liebe Freunde und Gäste, mit einem Grüß Gott sehr herzlich willkommen.

Wir hatten eben Gelegenheit, Sie einzeln zu begrüßen, Glückwünsche auszutauschen und einige persönliche Worte zu wechseln. Und ich darf fortsetzen, was mittlerweile fast schon Kult-Status hat: auf eine zweite Begrüßung zu verzichten, um die Bedeutung des persönlichen Grußes nicht durch Wiederholung zu schmälern.

Mit einem Handschlag bekräftigt haben Worte eine nachdrücklichere Wirkung - ich meine das nicht nur im strengen Wortsinn. Ein Handschlag macht die Aufrichtigkeit der Worte erfahrbar und besiegelt das Einvernehmen.

Dass wir so schwungvoll aufs neue Jahr eingestimmt wurden - dafür danke ich dem Collegium Bohemicum - Trio d'Anches.

2007 brauchen wir Regensburgerinnen und Regensburger nicht mit dem
12-Uhr-Glockenschlag in der Silvesternacht abzuhaken.

2007 ist ein Jahr, das mit besonders vielen positiven Bildern verbunden bleibt. Natürlich kommt mir als erstes unser Welterbefest in den Sinn, auch wenn die Entscheidung der UNESCO schon im Jahr zuvor gefallen ist. Die Bürgerinnen und Bürger konnten aber erst bei der Urkundenübergabe vor sieben Wochen so richtig mitfeiern.

Es freut uns alle, dass wir Lob und Anerkennung erhalten haben, nicht nur für die Gestaltung des Festes, sondern auch für die bisher geleistete Arbeit.
Die Regensburgerinnen und Regensburger haben sich gefreut und waren stolz auf "ihr Welterbe“ und zeigten die Liebe zu ihrer Stadt, das Interesse und den Willen, dieses Erbe zu erhalten.

Mag sein, dass der eine oder andere unter "Bewahren"

  • etwas anderes versteht als die Mehrheit der Bürger,
  • etwas anderes als die Fachleute der Denkmalschutzbehörden und
  • etwas anderes als die Verantwortlichen bei der UNESCO.

Ich kann nur appellieren, dieses Bewahren-Wollen nicht so zu verstehen, dass die Weiterentwicklung der Stadt zum Stillstand kommt. Das wäre geradezu "ahistorisch“. Die Stadt ist heute gerade deswegen Welterbe, weil sich in ihr der stetige Wille und die Fähigkeit zur bewussten städtischen Entwicklung ausdrücken!

Jeder weiß, dass die Stadt einst aus heutiger Sicht verheerende Planungen erwog. Jeder weiß, dass historische Bauten zerstört wurden. Manche Entscheidungen unserer Vorgänger – gerade in der Nachkriegszeit -empfinden wir heute als Bausünden. Menschen, die diesen Abschnitt der Regensburger Geschichte erlebt haben, sind deshalb besonders sensibel und voller Sorge, wenn es um die Entwicklung der Stadt geht. Vor diesem Hintergrund habe ich Verständnis für manche Befürchtungen.

Aber es ist ungerechtfertigt, deswegen jedwede Diskussion um Veränderungen in die Ecke der "Stadtzerstörung“ zu rücken. Denn der vor Jahrzehnten noch unbedachte Umgang mit unserem historischen Erbe ist im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung zu sehen. Aus der Aufbruchstimmung nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren und dem folgenden wirtschaftlichen Aufschwung entsprang der Gedanke "Das Alte muss dem Neuen weichen“ und der Wunsch nach einer modernen, autogerechten Stadt.
Dann setzte ein Umdenken ein. Man begann das Erbe wieder zu schätzen. Der Erhalt der geschichtlichen Zeugnisse wurde wieder ein Wert an sich und fiel nicht mehr nüchternem wirtschaftlichen Kalkül zum Opfer. Für einige Denkmäler war es da schon zu spät.

Doch in Regensburg begann das Umdenken gerade noch zum rechten Zeitpunkt. Wer heute behauptet, es sei allein das verdienstvolle Wirken von Bürgerinitiativen gewesen, dass all die Ideen, die sich aus heutiger Sicht als Fehlplanungen darstellen, nicht mehr umgesetzt wurden, und der in schlichter Schwarzweißmalerei Politik und Verwaltung als die vermeintlichen Missetäter und die engagierte Bürgerschaft als Retter sieht, der verkennt völlig die damalige Wirklichkeit. Die damaligen Planungen waren ja die Reaktion auf den Bürgerwunsch nach schnellem Vorwärtskommen, nach Nutzung individueller Verkehrsmittel, nach einer Stadt der kurzen Wege und der ausreichenden Parkmöglichkeiten.

Die Impulse für ein Umdenken kamen auch und vor allem aus der Verwaltung. Ich erinnere nur an den damaligen Museumsdirektor und späteren Kulturdezernenten Dr. Walter Boll, der sich weitsichtig die Sanierung der Altstadt zur Lebensaufgabe gemacht hat.

Vor diesem Hintergrund verbinde ich mit meiner Freude über unsere nun ganz offiziell zum Welterbe der Menschheit erhobene Altstadt eine herzliche Bitte: Setzen Sie ein bisschen mehr Vertrauen in diejenigen, die sich um den Erhalt dieses Erbes bemühen!

Warum manches Misstrauen gegenüber den heute Verantwortlichen? Beweist nicht die Arbeit der Planer und Denkmalpfleger schon seit vielen Jahren, dass uns allen der Erhalt des Welterbes am Herzen liegt?

Manche Diskussionen hören sich so an, als hätte Regensburg den Welterbestatus NICHT bekommen.
Und manche Diskutanten erwecken den Eindruck, sie täten sich in ihrer Argumentation leichter, wenn Regensburg die Anerkennung als Weltkulturerbe NICHT bekommen hätte.

Der Titel fordert die Verantwortung und das Engagement aller Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt. Wer vor allem misstrauisch ist, wird sich an diesem Prozess schlecht beteiligen können.

Wir haben jetzt die Verpflichtung urkundlich, die ganze Welt an diesem kulturellen Erbe teilhaben zu lassen, das bedeutet auch eine Verpflichtung zur Tourismusförderung. Seien wir froh, dass die Zeiten vorbei sind, in denen der Oberbürgermeister jede Touristengruppe persönlich begrüßen konnte.

Die Angst vor Überfremdung, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts der Hofbibliothekar Kayser äußerte, bringt uns heute allenfalls noch zum Schmunzeln.

Kayser hatte festgestellt, dass sich die "Lebensweise der Eingeborenen“ seit ein paar Jahrzehnten sehr verändere und klagte: "Der größere Zufluss von Fremden aller Art hat Luxus, Sittenverderbnis und freiere Denkungsart durch alle Classen verbreitet.“

Ich halte die Regensburgerinnen und Regensburger für ausreichend sittlich gefestigt, um durch den Zustrom der Touristen keinen Schaden zu nehmen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

nicht nur für den Tourismus, sondern für viele Bereiche habe ich vor einigen Jahren an dieser Stelle mit Optimismus festgestellt, dass in Regensburg das Glas nicht halb leer, sondern halb voll ist. Heute kann ich feststellen: Das Glas unserer Chancen hat sich weiter gefüllt.

Natürlich spielt auch der konjunkturelle Aufschwung eine Rolle, doch er kommt nur dort an, wo die Voraussetzungen dafür rechtzeitig geschaffen wurden. Wer meint, es gebe den Aufschwung noch nicht, weil er ihn noch nicht genügend auf seinem Konto wahrnimmt, der erwartet zu viel.

Es verspüren ihn aber alle

  • deren Arbeitskraft jetzt wieder gefragt ist,
  • denen die Sorge vor Entlassungen genommen ist,
  • die nach Monaten oder Jahren der Arbeitslosigkeit wieder Hoffnung schöpfen können.

Für sie alle ist der Aufschwung zuerst wichtig.

Gott sei Dank kommt der Aufschwung auch in unserer Stadtkasse an. Nachdem ich mir gestern die vorläufigen Zahlen angesehen habe, darf ich Ihnen ankündigen, dass die Stadt Regensburg mit dem Jahresabschluss 2007 erneut eine ausgeglichene Jahresbilanz vorlegen wird. Das heißt: Vier Jahre hintereinander haben wir jetzt praktisch keine neuen Schulden gemacht. Wohl gemerkt, nicht durch „Brachialsparen“ oder „Kaputt-sparen“, sondern bei unvermindert hohen Investitionen in die Zukunft unserer Stadt. Wir planen vorsichtig, wir arbeiten wirtschaftlich und schließen besser ab als geplant; und von unsachlichen Bemerkungen zu diesen Ergebnissen lassen wir uns nicht beeindrucken.

2007 war auch verbunden mit der Erkenntnis, dass auch ein prosperierender Standort wie Regensburg nicht von schmerzlichen Ergebnissen des Strukturwandels verschont bleibt. Toshiba, Zuckerfabrik, Siemens VDO - das waren Namen, die uns Sorgen bereitet haben.
Wir haben keine Mahnfeuer und Protestkundgebungen veranstaltet.
Wir haben stattdessen die Bemühungen von Toshiba und Südzucker unterstützt, möglicht vielen Mitarbeitern neue Arbeitsplätze zu verschaffen. Denn es ist uns gelungen, durch die kontinuierliche Stärkung des Standortes in anderen Bereichen neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Wir sehen mit Optimismus, dass Continental mit der Standortleitung für 18 Werke und der Steuerung von zwei seiner drei Automotive-Divisionen von Regensburg aus unserer Stadt weiter gute Chancen einräumt. Die großen Unternehmen bekennen sich zum Standort Regensburg, weil sie hier beste Voraussetzungen vorfinden. Ich denke dabei auch an die Entscheidung von BMW, das Regensburger Presswerk zu erweitern.

Der Freistaat Bayern ist 2008 Gastgeber der Wirtschaftsministerkonferenz. Ich freue mich, dass diese Konferenz der Wirtschaftsminister und
-senatoren aller Bundesländer, in Regensburg stattfinden wird, weil - ich zitiere Staatsministerin Emilia Müller – „die Stadt mit ihrer Mischung aus historischem Flair und wirtschaftlichem Erfolg die ideale Kulisse dafür bietet.“

Wir haben Erfolg, weil wir es geschafft haben, rechtzeitig auf zukunftssichere Technologien zu setzen. Seit dem Jahr 2000 ist Regensburg ohne Unterbrechung unter den bundesdeutschen Top Ten der Technologie-Standorte gelistet.
Wir sind Nummer 1 im Wachstum von Arbeitsplätzen in Forschung und Entwicklung.

Wir sind bei allen Schlüssel-Technologien in der Spitze dabei.
Mit einer Ausnahme: Luft- und Raumfahrt. Aber vielleicht wird sich ja auch das noch ändern.

Der Medienstandort Regensburg beherbergt bereits die weltweit modernsten Druckmaschinen. Durch die nun gegen starke regionale Konkurrenz errungene Neuansiedlung des Druckzentrums eines bedeutenden regionalen Verlagskonzerns wird seine Bedeutung weiter wachsen.
Teil unserer innovativen Wirtschaftspolitik bleibt die kontinuierliche Erweiterung der Kooperationsmöglichkeiten zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.

Die bayerischen Hochschulen werden ausgebaut, Regensburg wird zu seinen 25.000 Studenten bis in fünf Jahren etwa weitere 5.000 dazubekommen. Eine Herausforderung für die Stadtentwicklung, eine Chance für Forschung und Innovation.

Warum ist das alles so wichtig?
Sören Kierkegaard warnte: „Jeder hat Angst vor dem finanziellen Bankrott, aber niemand sieht die Gefahr der intellektuellen Zahlungsunfähigkeit.“ Unsere Hochschulen sind der Garant dafür, dass es dazu nicht kommt.

Aber erst eine größere Szenerie außeruniversitärer Forschungsinstitute wird diese Entwicklung absichern.
Die Verlagerung der Osteuropa-Forschungseinrichtungen, deren Eröffnung auch zu den Highlights 2007 in unserer Stadt gehört, und die Fraunhofer-Arbeitsgruppe sind Meilensteine auf einem Weg, für den alte Universitätsstädte Jahrhunderte Zeit hatten; wir müssen ihn in wenigen Jahren schaffen, sonst werden wir abgehängt.

Regensburg wird zunehmend international wahrgenommen,

  • von den Menschen, die ihr Augenmerk auf das kulturelle Erbe richten
  • von den Medien
  • von Wirtschaft und Wissenschaft.

Die Stadt, in der international agierende Unternehmen zu Hause sind und renommierte Wissenschaftler aus dem Ausland forschen und lehren, muss auch in der Bildung neue Wege gehen. Die Gründung einer internationalen Schule ist eines unserer Ziele für 2008. Ich danke den Regensburger Unternehmen, die sich dafür engagieren, weil in einer globalisierten Lebenswelt flexible Arbeitskräfte für ihre Familien eine solche Schule benötigen. Doch soll und wird diese Einrichtung auch für Familien aus Stadt und Region eine Chance darstellen, ihre Kinder speziell auf einen international gewordenen Arbeitsmarkt vorzubereiten.

Auch die Internationale Schule ist ein Standortfaktor, der unsere Stadt als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort attraktiv hält, nicht nur die Infrastruktur. Es ist auch das Angebot an qualifizierten Arbeitskräften und das gesellschaftliche Miteinander in dieser Stadt, das von Offenheit und Toleranz geprägt ist.

Politik und Verwaltung können gute Rahmenbedingungen schaffen. Es liegt an den Menschen in der Stadt, sie zu nutzen, mit Leben zu erfüllen und ein Klima zu schaffen,

  • in dem sich Wissenschaft und Forschung entwickeln können,
  • innovative Denkansätze einen fruchtbaren Nährboden finden,
  • Leistung anerkannt und gefördert wird,
  • die Passivität des Abwartens der Initiative weicht.

Mein Dank geht an alle Bürgerinnen und Bürger, die sich in diesem Sinne um die großartige Entwicklung dieser Stadt verdient gemacht haben.

Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Stadtgesellschaft eine so rasante Entwicklung aufgeschlossen mitträgt und fördert. Regensburg hat immerhin aus einer beschaulichen Zurückgezogenheit den Sprung in die Top Five der prosperierenden deutschen Standorte geschafft.

Die von Tradition geprägte Stadtgesellschaft hat sich geöffnet, und dennoch hat sie ihre Identität nicht verloren. Heute leben hier dauerhaft Menschen aus rund 50 Nationen. Sie alle geben unserer Stadtkultur neue Impulse.

Diese Vielfalt als Chance zu nutzen, ist Aufgabe aller. Integration verlangt von niemand, seine Identität in einem Schmelztiegel untergehen zu lassen. Integration in einer Stadt bedeutet, eine gemeinsame Identität hervorzubringen. Integrieren bedeutet Öffnung, Toleranz und respektvolles Miteinander.

Meine Damen und Herren,
die jetzt geführte Debatte um Integration und Jugendkriminalität wird die Bürgerinnen und Bürger in unserem Land frustriert zurück lassen. Sie haben nämlich ein gutes Gespür für den Unterschied zwischen einem „Dumme-Jungen-Streich“ und einem brutalen Angriff auf einen wehrlosen älteren Herrn in der U-Bahn, der von den Tätern anschließend auch noch ohne Reue und mit höhnischem Achselzucken kommentiert wird.

Politik darf niemals so unklug sein und vergessen, dass Ordnung und Sicherheit nicht ein notwendiges Übel, sondern eine ganz wesentliche Voraussetzung für ein Miteinander sind. Wer an die Bürgerinnen und Bürger appelliert, Toleranz und Verständnis zu zeigen, statt Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten, hat die Situation noch nicht verstanden.

Wenn wir von unseren Bürgerinnen und Bürgern die Bereitschaft zur Toleranz und zum Miteinander erwarten, dann müssen wir ihnen das Vertrauen ermöglichen, dass ihr Verhalten nicht enttäuscht oder missbraucht wird. Dieses Vertrauen werden sie nur haben, wenn sie sich sicher fühlen. Sicherheit ist die Voraussetzung für Toleranz und Offenheit.

Die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt erwarten von uns, dass uns Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit wichtig sind. Wenn sie sicher sind und sich sicher fühlen, werden sie bereit sein, Toleranz gegenüber anderen zu üben. Damit ist Sicherheit auch eine wichtige Voraussetzung für Integration.

Ich bin davon überzeugt, dass in jeder Gesellschaft eine gute Integration von Migranten möglich ist, sofern man die Integrationsbereitschaft der bereits Ansässigen zwar fordert, aber eben nicht überfordert und ihnen die Chance gibt, sich mit ihrer eigenen Identität in diesen Integrationsprozess einzubringen und ihnen die Sicherheit gibt, mit dieser Identität nicht an den Rand gedrängt zu werden.

Deswegen wollen wir in Regensburg dafür sorgen, dass Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung weiterhin als wichtige Felder der Stadtpolitik wahrgenommen werden, und dafür auch einen Ordnungsdienst aufbauen.

Die Ziele und Bedürfnisse der einzelnen Gruppen innerhalb der Stadtgesellschaft liegen ohnehin nicht sehr weit auseinander. Letztlich geht es um Lebensqualität. Diskussionsbedarf besteht, wenn es um Schwerpunkte und Prioritäten geht und um den Weg, der zum Ziel führt.

Für lange Diskussionen haben wir allerdings wenig Zeit, wenn wir verhindern wollen, dass wir von anderen überholt werden, während wir uns im Streit um Details verlieren. Im Wettbewerb der Kommunen heißt es, die Nase vorn zu halten. Und das braucht Entschlossenheit.

Wir wissen aber:
Diskussion und Handeln werden bisweilen nicht von Tatsachen, sondern von Meinungen über Tatsachen bestimmt. Meinungsbildung darf aber immer erst das Ergebnis von Information und Diskussion sein.

Das Wort vom „mündigen Bürger“ kommt zwar von „Mund aufmachen“, aber vorher muss der informierte Bürger da sein, weil verantwortungsvolles Mit-Entscheiden der Bürgerschaft intensive Auseinandersetzung mit teilweise sehr komplexen Sachverhalten und Zusammenhängen voraussetzt. Die repräsentative Demokratie überträgt diese verantwortungsvolle Aufgabe gewählten Volksvertretern.

Dass repräsentative Demokratie nicht die direkte Einflussnahme der Bürgerschaft ausschließen darf, ist im Ansatz richtig.

Direkte Demokratie darf aber nicht zu politischem Handeln in John-Wayne-Manier führen, bei der die Hauptsache ist, dass geschossen wird und zwar am besten auf die gewählten Volksvertreter, selbst dann, wenn kaum einer wirklich weiß, warum.

Aber auch dann ist Gelassenheit angebracht, denn schon Erich Kästner hat formuliert: „Auch aus den Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen“.

Anrede!

Am 2. März dieses Jahres sind Kommunalwahlen. Ich wünsche mir, dass möglichst viele Bürgerinnen und Bürger sich ihrer Mitverantwortung stellen und zur Wahl gehen. Viele engagierte Bürger sehen nicht nur den Gang zur Wahl als ihre Pflicht an, sondern engagieren sich auch als Wahlhelfer.

Wie vor den vielen anderen, die in dieser Stadtgesellschaft im Ehrenamt aktiv für gemeinschaftliche Ziele arbeiten, habe ich hohe Achtung und Respekt vor denjenigen, die durch ihre Mithilfe demokratische Wahlen überhaupt erst ermöglichen. Ich freue mich, heute unter uns, stellvertretend für die insgesamt 1800 Wahlhelfer eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern begrüßen zu dürfen, die sich freiwillig – und das bereits zum achten Mal - für dieses Ehrenamt zur Verfügung stellen. Wir sollten uns mit einem kräftigen Applaus für ihr Engagement bedanken.

Das konstruktive Miteinander in einer Stadtgesellschaft setzt Mitwirkungsbereitschaft voraus, aber auch Vertrauen in Entscheidungen, Verständnis für die Argumentation der anderen und Toleranz. Auch wer das Ziel hat zu überzeugen, muss bereit sein, sich von guten Argumenten anderer überzeugen zu lassen.

Im Mittelpunkt stehen dabei die Werte, die uns verbinden, das, was uns allen etwas Wert ist und das, was wir uns zum Ziel setzen.

Ein Wert an sich ist die Familie.
Zu lange haben wir Familienfreundlichkeit nur in den Zusammenhang mit Zukunftsfähigkeit gestellt, haben Kinder vorrangig als künftige Einzahler in die Rentenkasse gesehen. Wenn wir Kinder wieder als das sehen, was sie sind: ein Geschenk Gottes, eine Bereicherung des Lebens, dann bekommt jetzt die Familie als Lebensentwurf, der schon totgesagt war, wieder Konjunktur.

Kinder und Familie – das ist nicht Gedöns, das ist der Fokus unseres Planens und Handelns, denn sie bedeuten Zukunft und für sie arbeiten wir.

Familie – das heißt aber nicht nur ein Strickmuster.

Familienfreundlichkeit bedeutet, Männern und Frauen die Entscheidung für das ihren Lebensvorstellungen entsprechende Lebens- und Erziehungsmodell zu ermöglichen. Kinder sind nicht allein Frauensache, sondern Elternsache.

Familienfreundlichkeit bedeutet, Spielräume zu schaffen und dabei das Wohl der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen. Erziehung, Bildung und Betreuung werden auch in den nächsten Jahren im Zentrum unserer Anstrengungen stehen.

Den Begriff der Familienfreundlichkeit müssen wir inzwischen weiter fassen. In vielen Familien folgt auf die Sorge um die Kinder die Sorge um die pflegebedürftigen Eltern. Auch hier darf es nicht nur ein Modell geben.

Dass Alt und Jung voneinander lernen und profitieren können, wurde zu lange vernachlässigt. Mit Konzepten zu generationen-übergreifendem Wohnen und Mehrgenerationenhäusern werden solche Defizite abgebaut. In der Ostengasse werden wir im Februar ein solches generationen-übergreifendes Miteinander starten.

Meine Damen und Herren,
2008 beteiligt sich Regensburg am Bundeswettbewerb „Entente florale“. „Regensburg blüht auf“ ist das Motto für unsere Stadt in einem Wettbewerb, der alle Regensburgerinnen und Regensburger auffordert, mitzumachen.

Eine blühende Stadt, an der alle mitwirken, eine Stadtgesellschaft entstehen lassen, die das Ganze, das allgemeine Wohl, in den Mittelpunkt stellt und individuelle Wünsche und Erwartungen zurückstellt: Ein schönes Bild für Regensburg.

Mit Optimismus, Veränderungsbereitschaft und Augenmaß haben wir gemeinsam unsere Stadt zum Blühen gebracht. Was wir ändern können, gehen wir mutig an, was wir nicht ändern können, akzeptieren wir, wenn wir fair behandelt werden und sachlich entschieden wird.

Deshalb bleibt es unakzeptabel, unsere Soldaten der DSO aus einer blühenden Stadt in ein abgelegenes Dorf zu schicken, in PCB-verseuchte, marode Unterkünfte, deren Sanierungsaufwand alle kalkulierten Grenzen sprengt.

Anrede!

Auch heuer möchte ich an den Schluss meiner Ansprache zum Neuen Jahr einen Neujahrswunsch in Gedichtform stellen, er passt zu unserem Kampf um den Erhalt der DSO in Regensburg – ich denke, er passt auch für vieles andere, was uns im Neuen Jahr begegnen mag.

Es stammt vom Dalai Lama und ist überschrieben mit: Gib niemals auf

Gib niemals auf, was auch geschieht.
Gib niemals auf
und öffne dein Herz.

In deinem Land wird zuviel Kraft
für die Entwicklung
des Verstandes aufgewendet
statt für das Herz.

Öffne dein Herz,
sei mitfühlend.
Nicht nur mit deinen Freunden,
sondern mit allen.

Sei mitfühlend.
Arbeite für den Frieden
in deinem Herzen
und in der Welt.

Was auch um dich herum geschieht,
gib niemals auf.

Regensburg ist auf einem guten Weg. Wir dürfen das aber nicht für eine Selbstverständlichkeit halten. Niemals aufzugeben, für unsere Bürgerinnen und Bürger das Bestmögliche zu erreichen, dabei sensibel zu bleiben für ihre wirklichen Bedürfnisse, und niemandem vorschnell nach dem Mund reden, das bleibt unsere gemeinsame Aufgabe.

  • Dass wir darin auch 2008 erfolgreich sind,
  • dass wir von Katastrophen verschont bleiben,
  • dass wir viel mehr miteinander als gegeneinander schaffen,
  • dass es Ihnen allen gut geht,
  • dass Sie ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2008 haben,

das wünsche ich ihnen von ganzem Herzen persönlich und dazu Gottes Segen.