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Gesellschaft der Deutschen Chemiker

 -Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich der Begrüßung der Teilnehmer an der 30. Jahrestagung der Gesellschaft der Deutschen Chemiker am 23. September 2008, 19.30 Uhr, im Historischen Reichssaal

 

Anrede,

es erfüllt mich mit Stolz, die Teilnehmer der 30. Jahrestagung der Gesellschaft der Deutschen Chemiker hier im Historischen Reichssaal, der guten Stube unserer Stadt, begrüßen zu dürfen. Ein besonders herzliches Willkommen an die Damen und Herren aus Österreich und der Schweiz!

„Wer sich Steine zurechtlegen kann, über die er stolpert, hat Erfolg in den Naturwissenschaften“, hat ein Kollege von Ihnen, der österreichisch-amerikanische Biochemiker und Schriftsteller Erwin Chargaff einmal gesagt.
Sollte Herr Chargaff Recht haben, sind Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren, sehr versiert im Stolpern über Steine, die Sie sich selbst zurechtgelegt haben. So versiert, dass Sie zwei Schweizer Nobelpreisträger in Ihren Reihen haben: Professor Dr. Richard Ernst und Prof. Dr. Kurt Wüthrich.

Keine Angst, ich werde jetzt nicht in – zwangsläufig – laienhafte Ausführungen zu Ihrem Fachgebiet - der Magnetischen Resonanzspektroskopie verfallen, sondern Ihnen lieber meine persönliche „Nobelpreisträgerin“ unter den Städten vorstellen: Regensburg – eine Welterbestadt mit großer Vergangenheit und Zukunft.

Sie befinden sich in der Stadt Deutschlands, welche im Besitz der wohl unvergänglichsten Gründungsurkunde ist, die es weltweit gibt, nämlich eine, die niemals vergilben wird – denn sie ist nicht auf Papier geschrieben, sondern in Stein gemeißelt und lagert sicher als neun Meter langes Ausstellungsstück in unserem Historischen Museum.

Nur einen Katzensprung von hier entfernt können Sie auch das immerhin zweitgrößte römische Tor auf deutschem Boden begutachten – es ist die Porta Praetoria des ehemals römischen Militärlagers Castra Regina. Und die Steinerne Brücke, gebaut von 1135 bis 1146, war im frühen Mittelalter der einzige feste Übergang über die Donau und galt zu ihrer Zeit sogar als das achte Weltwunder.

Wer davon noch nicht beeindruckt ist, dem sei gesagt, dass er sich hier inmitten der ersten Hauptstadt Bayerns befindet. Man stelle sich vor: 600 Jahre bevor München überhaupt gegründet wurde, war unsere Stadt bereits eine bedeutende Handelsmetropole!

Die Historiker gehen sogar noch einen Schritt weiter: Von Regensburg aus soll das bayerische Herzogtum begründet worden sein. Bayern ist also ohne Regensburg nicht denkbar.

Und damit nicht genug: Seit Mitte des vergangenen Jahres tragen wir darüber hinaus den Titel UNESCO-Welterbe.

Regensburg – Das sind ganze zwei Jahrtausende lebendige Geschichte.
Geschichte, die einem auf Schritt und Tritt allein schon beim Gang durch die Altstadt begegnet.

Schon im 13. und 14. Jahrhundert war unsere Stadt der Dreh- und Angelpunkt des europäischen Fernhandels. Die Geschäfts- und Handelsbeziehungen reichten von Oberitalien bis Skandinavien, von Kiew bis Byzanz und England.

Genau zu dieser Zeit erreichte Regensburg seinen wirtschaftlichen Höhepunkt.
Die Geschichtsschreiber priesen die Stadt als die „volkreichste“ und „mächtigste“ Stadt Deutschlands. Und auch im wirtschaftlichen Sektor waren wir damals ganz vorne mit dabei.

Zeugnis vom damaligen Reichtum geben die großen Hausburgen und Türme, zu deren Bau die weltoffenen Regensburger Kaufleute auf ihren Reisen nach Italien inspiriert wurden.

So ist es nicht verwunderlich, dass Regensburg, im Jahre 1245 nach Köln die einwohnerreichste Stadt Deutschlands, bald zu einem Anziehungspunkt für Gelehrte und Forscher wurde. Darunter waren große Namen wie der Bischof von Regensburg, Albertus Magnus, der zugleich Theologe und Naturwissenschaftler war oder der Astronom Johannes Kepler.

Den größten Nährboden für die Wissenschaft, Forschung und Lehre lieferten seinerzeit, und das bis in das späte 18. Jahrhundert, die mächtigen und einflussreichen Klöster und Stifte.

Es ist auch kaum bekannt, dass schon im Jahre 1487 Herzog Albrecht IV. von Bayern gemeinsam mit dem Rat der Stadt Regensburg eine Petition beim Papst einbrachte, mit der die Gründung einer Universität zu Regensburg erwirkt werden sollte.

Der Papst stimmte diesen Gründungsplänen zwar zu, gab allerdings das Schottenkloster nicht frei, welches nach den Vorstellungen der Planer die Universität aufnehmen sollte. Letztendlich scheiterte das Vorhaben dann, wie auch verschiedene Vorstöße in den darauffolgenden 500 Jahren.

Erst 1962 sollte es glücken. Gott sei Dank!

Auch dank der Universität ist Regensburg bis heute eine Stadt der Wissenschaft, Forschung und Lehre, mit eigenem Profil und internationaler Reputation.

Unsere geschichtsträchtige Vergangenheit und unser Ruf, schon im Mittelalter politische und wirtschaftliche Drehscheibe Europas zu sein, zugleich aber auch Heimstatt für Wissenschaft und Forschung, also den geistigen Austausch, ist auf diese Weise bis in die Gegenwart hinein erhalten geblieben, mit der Option, diese Tradition zukunftsfähig zu gestalten.

Spürbar werden Tradition und Innovation auch in der engen Verknüpfung und erfolgreichen Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft. Der Erfolg des Biotechnologieclusters BioPark Regensburg, ein Tochterunternehmen der Stadt Regensburg, ist ein gutes Beispiel dafür, wie Regensburg sein Potenzial zu nutzen versteht.

Auch wissenschaftliche Kongresse und Tagungen, wie die Ihre, haben unsere Tradition und unseren Ruf als Stadt der Wissenschaft, Forschung und Lehre nicht nur erhalten und über die Grenzen der Stadt hinaus in die Welt getragen, sie bestärken Regensburg auch darin, seinen Weg der Innovation und Tradition beizubehalten.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, es freut mich von ganzem Herzen, dass gerade Sie sich unsere Stadt zum Ort Ihrer Jahrestagung wählen, um hier bei uns das hohe Niveau Ihres Veranstaltungsprogramms für die fachliche Information zu nutzen und damit verbunden, den gedanklichen Austausch für das Schöpfen neuer Ideen und Kräfte.

Henry Ford formulierte einmal treffend:
„Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbleiben ist ein Fortschritt, Zusammenarbeiten führt zum Erfolg.“
Und ein deutscher Fabrikant namens Otto Happel unterstreicht dies durch seine Definition von Erfolg:
„Erfolg ist eine Teamsache.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für
Ihr Zusammenkommen und
Ihr Zusammenarbeiten
gutes Gelingen.

Vielleicht darf ich, meine sehr verehrten Damen und Herren, abschließend noch einen ganz persönlichen Wunsch äußern.

Ich wünsche mir, dass Sie trotz der arbeitsreichen Stunden auch ausreichend Zeit finden, unsere Stadt ein wenig kennen und lieben zu lernen. Lassen Sie sich ein wenig von dem Regensburger Flair einfangen und genießen Sie unsere traditionelle Gastfreundschaft. Ich bin mir sicher, dass nichts so sehr entspannt, wie ein Kaffee auf einem unserer italienisch anmutenden Plätze oder ein Spaziergang durch unsere Altstadt.

Unsere Gastfreundschaft ist schließlich nicht einmal von König Ludwig I. angezweifelt worden. Als ihm 1830 anlässlich der Grundsteinlegung der Walhalla nach alter Sitte Brauch die Stadtschlüssel überreicht werden sollten, sprach er die unvergessenen Worte: "Es bedarf der Schlüssel nicht - ich finde die Herzen der braven Regensburger alle offen."

So sind wir eben, wir Regensburger. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass auch Sie das spüren.

Darüber hinaus hoffe ich, dass Ihre Erwartungen im Hinblick auf Information und Kommunikation erfüllt werden, so dass Sie nach diesem Wochenende mit neuem Elan an Ihre so wichtige Arbeit gehen können, mit dem befriedigenden Gefühl, Neues und Interessantes erfahren, tragfähige Kontakte geknüpft zu haben und die Grenzen der Wissenschaft ein kleines bisschen weiter gesteckt zu haben.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Aufenthalt bei uns, einen guten und effektiven Gedankenaustausch im Rahmen Ihrer Jahrestagung – und ein

Auf Wiedersehen in Regensburg!