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Empfang für Künstler und Kulturschaffende

 -Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich des Empfangs für Künstler und Kulturschaffende im Salzstadel am Montag, 11. Februar 2008

 

Anrede,

ich freue mich sehr, dass Sie meiner Einladung hierher gefolgt sind und begrüße Sie, die Kulturschaffenden der Stadt Regensburg erst einmal sehr herzlich und heiße Sie alle aufrichtig Willkommen.

Ihnen zur Ehre findet dieser Empfang statt, Ihnen möchte ich danken für Ihre Energie, Ihre Ausdruckskraft in Ton, Wort und Bild, Ihren Einsatz, mit dem Sie dem Charakter unserer Stadt immer wieder aufs Neue Profil verleihen und ihn lebendig halten.

Es ist mir persönlich eine große Freude, Sie hier versammelt zu sehen. Jeder von Ihnen bringt sich auf seine Weise individuell in die Stadtgesellschaft ein, ist ein unverzichtbarer Teil davon, der formt und Perspektiven eröffnet. Sie, die Regensburgerinnen und Regensburger gestalten und prägen das Kulturleben unserer Stadt. So erreichen wir nicht nur ein harmonisches Miteinander, sondern fördern auch viele neue Möglichkeiten und Variationen von Kunst und Kultur. Sie lassen uns teilhaben an Debatten, die Sie durch Ihre Kunst auslösen und die zurückwirken in die Stadtgesellschaft. Sie initiieren einen großen Teil der Kommunikation, die eine Stadt ausmacht. Etwas gemeinsam tun und im gemeinsamen Handeln, im Konsens, wie auch im Dissens miteinander in Kontakt bleiben, das ist mir wichtig und schließlich auch der Grund weshalb wir heute Abend zusammen gekommen sind.

Als wir Sie vor einigen Jahren zum ersten Mal zum Empfang der Künstler und Kulturschaffenden eingeladen haben, geschah das vor dem Hintergrund, dass viele Kulturschaffende unterschiedlichster Metiers – Maler, Musiker, Theaterleute, Konzeptkünstler, Schriftsteller und Filmemacher – den Austausch mit anderen Kreativen suchten. Dahinter stand sicherlich auch der Wunsch, das Profil der eigenen Stadt, dem eigenen Lebensmittelpunkt und der eigenen Arbeit zu schärfen. Ihr Appell damals an Verwaltung und Politik war, ein Klima zu schaffen, in dem Kunst und Kultur gedeihen können. Wenn ich mir die lebendige Szene und den kulturellen Dialog in Regensburg anschaue, so scheint dies gelungen.

Wir haben diesen Appell ernst genommen und uns unserer Verantwortung gegenüber dem reichen kulturellen Erbe unserer Stadt vergewissert. Wir sind von dieser zentralen Aufgabe überzeugt und fördern Ihre Aktivitäten durch finanzielle Zuschüsse, sei es durch institutionelle Zuwendungen, durch Zuschüsse für Ihre Projekte oder durch Vermittlung von Sponsoren.

Der Ort, an den wir Sie heute eingeladen haben - der Salzstadel - ist für uns Regensburger etwas ganz Besonderes, nicht zuletzt wegen seiner Lage an der Donau, dem Strom, der die Stadt mit Europa verbindet. Die Donau steht als Sinnbild für jahrtausende alte Verkehrswege und internationale Verbindungen, für bestehende Partnerschaften und neue Freundschaften.

Der Salzstadel ist aber auch einer der spätmittelalterlichen bzw. barocken Stadel in Regensburg, die nach ihrer Sanierung nun kulturell genutzt werden. Hier im Reichsstädtischen Salzstadel, stehen die ehemaligen Lagerflächen heute für Ausstellungen und Tagungen zur Verfügung. Im letzten erhaltenen Turm der Steinernen Brücke ist zudem gleich nebenan das Brückturmmuseum untergebracht. Und schon bald wird hier das Welterbezentrum Regensburg seinen Platz haben.

Der repräsentative Stadel, ein Kleinod unter den Regensburger Stadeln, wird gerne von den kulturschaffenden Regensburgerinnen und Regensburgern genutzt: sei es passiv als Zuhörer oder Zuschauer, sei es aktiv als Darbietender oder sei es für gesellschaftliche Zusammenkünfte. Hier an dieser Stelle möchte ich mich heute Abend bei Ihnen allen bedanken für ihr Engagement für die Kultur in der eigenen Stadt, das eine wunderbare und unverzichtbare Grundlage für das kulturelle Profil unserer Stadt ist. Die lebendige Gegenwart, das erfreulich vielfältige kulturelle Angebot ist es, das nicht zuletzt auch zum wirtschaftlichen Wohlergehen unserer Stadt beiträgt. Regensburg ist immerhin unter den „top ten“ der Prognos-Studie. Es ist die Synergie zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur, die zum guten Ruf der Stadt Regensburg beiträgt. Und es ist nicht zuletzt die Attraktivität des Kulturlebens, die zu den Entscheidungskriterien für Fachleute und Führungskräfte zählt, um nach Regensburg zu kommen.

Das kulturpolitische Profil der Stadt, das geprägt wird von den Künstlern, Kulturschaffenden und der Politik, verfolgt einen hohen künstlerischen Anspruch, denn Sie agieren zum Teil auf internationaler Ebene. Damit knüpft Regensburg an die historische Brückenfunktion der Stadt am Fluss, am europäischen Strom – der Donau – an.

Gemeinsam ist es uns in den letzten Jahren gelungen, in Regensburg ein kulturelles Klima zu schaffen, in dem unterschiedlichste Personen, Gruppen und Institutionen aus verschiedenen Sparten, auf ein Thema eingehen.

Das letztjährige Jahresthema „Böhmischer Akzent“ hat nicht nur dazu beigetragen, die Aktualität der Nachbarschaft an der Donau aus einer neuen Perspektive zu betrachten – gesellschaftlich, wissenschaftlich, politisch, wirtschaftlich und kulturell. Das Prinzip Jahresthema zeigt immer deutlicher seine Wirkung. Dies wird offensichtlich einerseits an der zunehmenden Akzeptanz der Jahresthemen, in die Sie sich alle integrieren, und andererseits an der Wirkung, die sie nach außen haben. Erstmals hat ein ranghoher Politiker, der tschechische Außenminister Karl Schwarzenberg das Grußwort für die Veranstaltungsbroschüre zum „Böhmischen Akzent“ verfasst. Und nächste Woche wird Prof. Schambeck, Österreichischer Bundesratspräsident a.D., einigen Regensburgern das Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich anlässlich des Jahresthemas 2006 Regensburg und Österreich verleihen.

Erfreulicher Weise klingt das Jahresthema 2007 mit einem nachhaltigen Abschluss aus: noch vor wenigen Wochen konnte im ehemaligen Finanzamt in der Landshuterstraße die Eröffnung der Bibliothek der nun in Regensburg ansässigen Osteuropa-Institute gefeiert werden, eine Anlaufstelle für Wirtschaft und Wissenschaft gleichermaßen. In kultureller Hinsicht aber ist der krönende Abschluss jedoch der dieser Tage unterzeichnete Kooperationsvertrag zwischen der Akademie Regensburg und dem UUD/Institut für Kunst und Design der Westböhmischen Universität unserer Partnerstadt Pilsen.

Ich möchte es an dieser Stelle nicht versäumen, auf die Bedeutung des kulturellen Austausches im Bereich der kommunalen Städtepartnerschaften hinzuweisen: Regensburg ist mit Pilsen seit 1993 verbunden. Ziel dieser Kooperation ist die Errichtung einer binationalen privaten Hochschule mit dem Studiengang Illustration und Buchgestaltung am Standort Regensburg mit Fördermitteln der EU. Das Projekt geht zurück auf eine Initiative der Leiter der Akademie Regensburg, Georg Fiederer und Stefan Göler sowie der UUD Pilsen und wurde vom Kulturreferat maßgeblich unterstützt. Im Jahr 2014 soll der erste Studiengang in Regensburg beginnen. Damit ist Regensburg ein hervorragender Hochschulstandort: vier Hochschulen sind dann hier etabliert, darauf können wir stolz sein!

Regensburg, seit dem Mittelalter eine Brücke, verbindet weiter und ist das Fundament, auf dem sich unser aller gemeinsamer Zukunft aufbaut und entwickelt.

Möge das diesjährige Jahresthema „Wasser und Wein“, in dem sich erstmals auch der Landkreis mit einer Vielzahl an Veranstaltungen einbringt ebenso erfolgreich sein. Wasser transportiert Kultur!

Alles fließt, Panta Rhei: diese Flusslehre Heraklits besagt, dass alles fließt und nichts bleibt, dass es nur ein ewiges Werden und Wandeln gibt. Das Sein ist demnach nicht statisch, sondern als ewiger Wandel dynamisch zu erfassen. Doch hinter und zugleich in dem unaufhörlichen Fluss steht die Einheit: Einheit in der Vielheit und Vielheit in der Einheit.

Darf ich Ihnen in diesem Sinne meinen Dank dafür aussprechen, dass Sie sich auch bisher schon an Ihrem Platz und individuell für jeweils Ihren Bereich den Interessen des Kunst- und Kulturlebens unserer Stadt gewidmet haben. Regensburg braucht Sie auch weiterhin als Partner.

Kultur hat den Anspruch, Visionen zu entwickeln und dabei auch Grenzen zu überschreiten. Ich bin glücklich darüber, dass unsere kulturelle Zukunft auf dem Ideenreichtum und der künstlerischen Vielfalt und Kreativität der Kulturschaffenden eine spannende Zukunft vor sich hat. So viele Kulturschaffende eingebunden und über die Grenzen hinweg verbunden zu wissen, stimmt mich als Oberbürgermeister dieser Stadt optimistisch und macht mich stolz.

Eine große Freude ist es mir, dass einer aus Ihrem Kreis, Heinz Grobmeier den heutigen Abend mit einer Performance der „Klangakrobaten“ bereichert, die uns sicher – so kennen wir Heinz Grobmeier, den Multiinstrumentalisten – aufhorchen lässt. Er ist seit 25 Jahren freischaffend tätig. In seiner Musik verweben sich Elemente aus Alter Musik, ethnischer Musik, Klassik, Jazz und Avantgarde. Er baut Instrumente, wie das WUWU, die Schlorgel, das Bayerwaldklavier oder das Schlappophon und vertont praktisch alles, was vertont werden kann. 1989 erhielt er das Neumüller-Stipendium der Stadt Regensburg und 2004 den E.ON-Kulturförderpreis.

Ihnen allen, die Sie mit Ihren Ideen und Ihrem Engagement dazu beitragen, dass die Kulturarbeit so viele interessante Aspekte erhält, danke ich für Ihr Engagement.
Ich darf Sie nun herzlich einladen zu einem Glas Regensburger Stadtwein und zu anregenden Gesprächen. Ich wünsche Ihnen allen einen schönen Abend!