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Einweihung Ganztageshauptschule in Burgweinting

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich der Einweihung der neuen Ganztageshauptschule im Stadtteil Burgweinting am Mittwoch, 20. Februar 2008

 

Anrede,

die Einweihung einer neuen Schule, zu der ich Sie ebenfalls herzlich willkommen heiße, ist auch für mich kein alltägliches Ereignis, obwohl Schulbaumaßnahmen in Regensburg eher die Regel sind als die Ausnahme.

Insbesondere in den letzten 10 Jahren wurde eine ganze Reihe von Schulen mit erheblichem finanziellen Aufwand saniert, umgebaut oder erweitert.

Aus diesem Grund sind auch die Investitionen in diesem Bereich sukzessiv von rund sechs Mio. Euro (1996) auf über 18 Mio. Euro (2007) gestiegen.

Und auf diesem Niveau werden sie wohl noch eine Weile bleiben müssen, will man „Altlasten“ abbauen und den künftigen Herausforderungen im Bildungsbereich gerecht werden.

Da Bildungspolitik in Regensburg schon immer ein wesentlicher Teil der Stadtpolitik war, haben wir die jeweiligen Herausforderungen auch stets angenommen und versucht, sie im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten zeitnah umzusetzen. Dieser Neubau liefert dafür den besten Beweis.

Wir lösen damit einerseits das an der Pestalozzi-Hauptschule bestehende Raumproblem, dürfen andererseits und vor allem aber stolz sein auf die erste öffentliche Hauptschule, an der alle Klassen im „Ganztagesbetrieb“ geführt werden und die u.a. über eine eigene Lernwerkstatt mit einem eigens dafür angestellten Handwerksmeister verfügt.

Mit dieser neuen Hauptschule hier im Stadtteil Burgweinting haben wir nicht nur in gewisser Weise die Hauptschulinitiative des Kultusministeriums bereits vorweggenommen, sondern eine Ganztagesschule geschaffen, die dieser Bezeichnung auch tatsächlich gerecht wird und die es in dieser Form nach meinem Wissen in ganz Bayern (noch) nicht gibt.

Wenn es außerdem zutrifft, dass sich die Vorstellung, die eine Gesellschaft von „Schule“ hat, in ihrer Schularchitektur verdichtet, dann könnte dieses Gebäude wegweisend dafür sein, was Schule - und insbesondere eine Hauptschule - heute sein kann, ja sein muss.

Gerade weil die Hauptschule Optimismus und Zuversicht braucht,
hat die Stadt Regensburg mit diesem Bauwerk ein deutliches Zeichen dafür gesetzt, dass sie zu der Schulart, für die dieses Haus errichtet wurde, auch steht.

Und dass Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren, heute so zahlreich erschienen sind, lässt wohl den Schluss zu, dass auch Sie die Hauptschule noch längst nicht „abgeschrieben“ haben.

Wer dies - so sage ich in aller Deutlichkeit - immer wieder lauthals tut, der handelt nicht nur verantwortungslos, sondern er schreibt mehr oder weniger auch rund 40% einer Generation von Jugendlichen ab, die dies ganz gewiss nicht verdient haben.

Es ist schon wieder 10 Jahre her, dass unser damaliger Bundespräsident, Roman Herzog, in seiner berühmten Rede auf dem Berliner Bildungsforum am 5. November 1997 gesagt hat:
„Wer sich den höchsten Lebensstandard, das beste Sozialsystem und den aufwendigsten Umweltschutz leisten will, der muss auch das beste Bildungssystem haben“.

Diesem Ziel - behaupte ich - kommen wir allerdings nur näher, wenn wir auf Grund der permanent steigenden Anforderungen noch mehr in die materielle und personelle Ausstattung der Schulen investieren, denn
„Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung.“
(John F. Kennedy)

Bildung aber, und das hat Roman Herzog damals auch gesagt,
„beginnt nicht erst mit dem Abitur! Praktische und theoretische Begabungen sind gleichwertig! Das muss sich auch in den Bildungsangeboten, den Abschlüssen und Berufschancen und der gesellschaftlichen Achtung niederschlagen.“

Ich habe darum bei der Grundsteinlegung für diese neue Schule darauf hingewiesen, dass eine qualitativ hochwertige Bildung nicht nur an Realschulen und Gymnasien von Bedeutung ist, sondern dass wir neben starken Realschulen und Gymnasien ebenso starke Hauptschulen brauchen.
Dabei gilt für alle Schularten gleichermaßen: Bildung will erarbeitet werden.

Unser derzeitiger Bundespräsident, Horst Köhler, hat dies so ausgedrückt:
„Um etwas zu lernen - ob nun eine Mathematikformel oder ein Musikinstrument, ob Judo oder Vokabeln - braucht man Zielstrebigkeit, Übung und Ausdauer. Es muss wieder deutlicher werden: Ja, Bildung braucht Anstrengung und Beharrlichkeit ...“

Ein wesentlicher Faktor für den schulischen Erfolg - wie für jeden anderen Erfolg auch - ist dabei die Fähigkeit, sich etwas abzuverlangen.

Dass auf Grund ungleicher Entwicklung und unterschiedlicher Begabungen aber nicht jedem Kind dasselbe abverlangt werden kann, versteht sich - so meine ich - von selbst.

Durch das auf die Hauptschule aufbauende berufliche Bildungswesen gibt es inzwischen eine Vielzahl von Möglichkeiten, auch für eher handwerklich Begabte oder „Spätzünder“ einen Platz in Beruf und Gesellschaft zu finden, der den Vergleich mit einer rein „schulischen Laufbahn“ keineswegs zu scheuen braucht. Und deswegen ist die elterliche Entscheidung für die Hauptschule auch kein Weg in eine Sackgasse.

Regensburg - als Trägerin des Schulaufwands für rund 40 öffentliche Schulen - ist sich jedenfalls seiner Verantwortung wohl bewusst und hat u.a. mit dem Neubau dieser Schule und einem erheblichen zusätzlichen finanziellen Engagement einmal mehr deutlich gemacht, dass ihr die Bildung und Erziehung und damit eine gute Zukunft der Kinder dieser Stadt ein echtes Anliegen ist. Allerdings wird es höchste Zeit, dass angesichts des immer rascher fortschreitenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels auch der Freistaat Bayern mehr zu seiner Verantwortung im Bildungswesen steht.

Mit „Verheißungen“ (wie z.B. einer Mittagsbetreuung an Grundschulen bis 16 Uhr oder auch der „Hauptschulinitiative“) allein ist es nicht getan. Es muss schon auch für Klarheit über die notwendige Finanzierung gesorgt werden nach dem bekannten Motto: „Wer anschafft ...“

Bitte nehmen Sie, sehr geehrter Herr Staatssekretär, deshalb die folgende Anekdote mit ins Finanzministerium nach München:

Als Dänemark im Jahre 1813 den Staatsbankrott erlebte, wurden ausgerechnet die Gelder für Bildung und Kultur erhöht. Auf den Protest des Finanzministers soll König Christian VIII. geantwortet haben:
"Arm und elend sind wir, wenn wir jetzt auch noch dumm werden, können wir aufhören ein Staat zu sein."

Gott sei Dank stehen weder der Freistaat Bayern noch die Stadt Regensburg vor dem Bankrott.

Dennoch sind die Gesamtkosten für diese neue Schulanlage, die sich auf rd. 13,3 Mio. Euro belaufen, ganz gewiss kein „Pappenstiel“ und trotz der staatlichen Zuschüsse nicht ohne „Kraftakt“ zu schultern, zumal derzeit bei uns ja auch noch zwei weitere schulische Großbaustellen bestehen.

Nachdem diese Baumaßnahme aber nun erfolgreich und - soweit ich weiß - auch ohne größere oder gar schwerwiegende Unfälle vollendet ist, darf ich die neue „Ganztageshauptschule Burgweinting“ heute offiziell ihrer Bestimmung übergeben.

Trotz der ungewollten zeitlichen Verzögerung ist sie insgesamt nicht nur ein weiteres gelungenes Beispiel für die gute Zusammenarbeit zwischen der Stadt Regensburg als Bauträger, den Planern und Projektanten und den ausführenden Firmen und Unternehmen, sondern vor allen Dingen eine optimale Lösung für die Kinder, die hier nun seit einer Woche unterrichtet und betreut werden.

An dieser Stelle möchte ich deshalb dem Stadtrat für den Beschluss dieser Maßnahme und die Bereitstellung der Mittel, dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus und der Regierung der Oberpfalz für die Genehmigungen und die finanzielle Unterstützung, allen Planern und Projektanten, allen Bau ausführenden Firmen und Einrichtern für eine gelungene Arbeit sowie den beteiligten städtischen Ämtern für die Erfüllung ihrer Aufgaben herzlich danken. Ich danke auch den Geistlichen beider Konfessionen, die nachher den Segen Gottes für dieses neue Schulgebäude und seine Benutzer erbitten werden.

Mein besonderer Dank gilt den beiden „Vätern“ dieser Schule, dem Schulreferenten, Herrn Bürgermeister Gerhard Weber, auf dessen Initiative hin der gesamte und durchaus schwierige Umsetzungsprozess überhaupt erst in Gang gekommen ist, zum anderen aber auch dem ehemaligen Leiter des Staatlichen Schulamts, Herrn SchAD a.D. Hermann Schmid, der diese Überlegungen nicht nur begeistert aufgenommen, sondern mit Rat und Tat unterstützt hat. Ich freue mich deshalb besonders, Sie, sehr geehrter Herr Schmid, unter den Ehrengästen begrüßen zu dürfen.

Mein Dank gilt auch dem jetzigen Leiter des Staatl. Schulamts, Herrn SchAD Leonhard Renner, der das Anliegen seines Amtsvorgängers fortgeführt und - was seine Zuständigkeit anbelangt - vollendet hat.

Dank Herrn Rektor Klaus Dierl, der uns bereits bei den Planungen vom Staatlichen Schulamt als erfahrene Lehrkraft zur Seite gestellt wurde. Er hat das pädagogische Konzept für diese Schule entwickelt und darf es nun als neuer Schulleiter in einem Schulgebäude umsetzen, das sich an diesem Konzept auch architektonisch orientiert.

Dank schließlich ganz besonders auch den Lehrkräften, den Schülerinnen und Schülern, ihren Eltern sowie dem bereits gegründeten Förderverein, die alle zusammen den Start dieser neuen Schule unter zunächst „erschwerten Bedingungen in der Diaspora“ so hervorragend gemeistert haben.

Anrede,

nach einem Wort von Albert Schweitzer, demzufolge erst die Menschen Häuser bauen und dann die Häuser „Menschen“, soll dieses Gebäude insbesondere die pädagogischen Ansprüche einer Ganztagesschule als Ort der Identifikation und Integration nicht nur ablesbar, sondern auch erfahrbar machen. Diesem Ziel dienen zunächst die sog. Lernhäuser, in denen jeweils zwei bis drei Klassenzimmer mit Gruppenraum, als kleinster Einheit für das individuelle Lernen, untergebracht sind. Die Lernhäuser selbst wiederum ermöglichen klassen- und jahrgangsübergreifende Projekte und erweitern gleichzeitig den sozialen „Horizont“. Sie sind durch helle Flure miteinander verbunden und umgeben ein fünftes, zentrales Haus für gemeinsame und musische Aktivitäten, das auch eine Schülerbibliothek umfasst.

Dieses zentrale erdgeschossige Gebäude mit dem angrenzenden Pausenhof, bildet gewissermaßen den Gegenpol zur Pausenhalle im Hauptgebäude, das als zweigeschossiger „Kopfbau“ die Schulanlage zur Kirchfeldallee hin abschließt.

Anrede,

alle Einzelheiten dieser Baumaßnahme aufzuzählen, würde den Rahmen dieser Feier wahrlich sprengen. Lassen Sie mich Ihnen aber wenigstens die wichtigsten Daten nennen:

Das gesamte Gebäude steht auf einer Stahlbetonbodenplatte mit Frostschürze. Die Pavillons wurden als Pfosten-Riegelkonstruktionen mit geschosshohen Leichtbauelementen aus Glas und Holzwerkstoffplatten errichtet. Kopfbau und Turnhalle sind Stahlbetonbauten mit Sichtbetonfertigteilen. Die Flachdächer sind begrünt bzw. bekiest.

Vor direkter Sonneneinstrahlung schützen bewegliche horizontale Lamellen und in den Fachunterrichtsräumen zusätzlich innen liegende Verdunkelungseinrichtungen.

Die Wärmeerzeugung erfolgt über eine Heizzentrale bestehend aus Gaskessel (Brennwerttechnik), der Heizkreisverteilung, der Warmwasserbereitung und der erforderlichen Mess-, Steuerungs- und Regeltechnik.

Für die Turnhalle ist eine eigene Warmwasserversorgung installiert, die auch eine vom Schulbetrieb unabhängige Nutzung durch Sportvereine ermöglicht.

Während Aula und Sporthalle über eine Fußbodenheizung verfügen, sind in allen anderen Räumen und Fluren Flächenheizkörpern bzw. Heizkörperbänder angebracht.

Aufgrund der vielfältigen Nutzungsanforderungen ist die gesamte Schulanlage zudem mit einem Bussystem (EIB = Europäischer Installationsbus) ausgestattet, das eine besonders wirtschaftliche Nutzung verschiedener Anlagenteile ermöglicht (z.B. Beleuchtung, Heizung, Kühlung, Fenster- und Türüberwachung, Sonnenschutz).

Alle Klassenzimmer und Fachräume sowie das Lehrerzimmer, die Pausenhalle und der Speisesaal sind für die Ausrüstung mit fest installierten Beamern vorbereitet.

Einrichtung und Ausstattung der Küche ermöglichen es, ca. 300 Essensteilnehmer in 3 Schichten mit einem warmen Mittagessen zu versorgen.

Zur behindertengerechten Erschließung aller Ebenen, für Veranstaltungen und sonstige Transportzwecke im Kopfbau wurde ein Personenaufzug eingebaut.

Dem pädagogischen Konzept entsprechend, entstehen derzeit auch die „grünen Klassenzimmer“. Als „Unterrichtsräume im Freien“ können sie nach und nach individuell gestaltet und unterschiedlichen Themen gewidmet werden, sollen aber ebenso zum Sitzen und Verweilen einladen.

„Springer und Handstand“, als „einleuchtende Kunstwerke“ hier an den Wänden der Aula, belohnen zielgerichtetes und gemeinsames Handeln auf spielerische Art und Weise mit einem „Überraschungseffekt“ und stellen so zugleich ein nach innen wirkendes, stark integrierendes Symbol dar.

Der Vollständigkeit halber sei schließlich noch auf die einer Hauptschule zustehenden Freisportanlagen hingewiesen, die zwar ebenso wie die Außenanlagen noch nicht ganz fertig sind, die das äußere Erscheinungsbild dieser neuen Schule aber letztlich erst abrunden.

Alles in allem belaufen sich die Gesamtkosten für diese neue Schulanlage - wie schon erwähnt - auf rd. 13,3 Mio. Euro. Davon entfallen auf das Schulgebäude selbst 9,6 Mio. Euro und auf die Sporthalle 1,7 Mio. Euro.
Die Außen- und Freisportanlagen schlagen ebenso wie Einrichtung und Ausstattung mit jeweils rd. 1 Mio. Euro zu Buche.

Angesichts dieser Summen möchte ich einen Spruch zitieren, der im Berliner Rathaus steht, der aber auch sehr gut in jedes andere Rathaus und besonders ins Bayerische Finanzministerium passen würde.

Er lautet:
"Das Geld, in Schulen angelegt
die allerhöchsten Zinsen trägt.
Der Groschen für der Schule Macht
wird auch als Taler heimgebracht."

Wie man den Währungsangaben leicht entnehmen kann, ein Spruch unserer „Vorväter“, der aber bis heute nichts von seiner Sinnhaftigkeit verloren hat.

Anrede,

selbstverständlich nimmt auch ein noch so ansprechendes und gut ausgestattetes Schulgebäude niemandem die Aufgabe des Lehrens und die Mühe des Lernens ab.

Unstrittig aber ist, dass die Räume, in denen Menschen lernen und arbeiten, die Qualität und die Leistung, die dort erbracht wird, beeinflussen und dass eine angenehme und freundliche Lernumgebung positiven Einfluss auf die Lernprozesse und den Lernerfolg hat.

Und so wünsche ich nun zum Schluss ganz besonders den Schülerinnen und Schülern, aber natürlich auch der Schulleitung und ihren Lehrkräften, dem Verwaltungs- und Hauspersonal, dass sie sich in ihrer „neuen“ Schule nicht nur wohl fühlen; ich wünsche ihnen, dass Freude und Geborgenheit das Leben in diesem neuen Schulgebäude bestimmen.

Ich wünsche ihnen engagierte Eltern und ein wohlwollendes und verständnisvolles Umfeld, denn „Schule“ - und dies gilt selbstverständlich auch für die neue Ganztageshauptschule hier in Burgweinting - ist letztlich immer das, was alle Beteiligten daraus machen.

Uns allen aber wünsche ich, dass diese neue Schule auch als nachhaltiges Zeichen für soziale Verantwortung und solidarischen Gemeinsinn in der Stadt Regensburg anerkannt wird.