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Ausstellungseröffnung Bayer. Landesamt für Denkmalpflege

 

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger bei der Ausstellungseröffnung anlässlich 100 Jahre Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege am Freitag, 27.06.2008, 19.00 Uhr


Begrüßung

Der Titel der Ausstellung, der den Beginn der modernen Denkmalpflege in Bayern um 1900 ansetzt, klingt auf den ersten Blick bescheiden. Man denkt unwillkürlich an die schon in den 1820er- und 1830er-Jahren von König Ludwig I. ergriffenen Initiativen zur Erfassung und zum Schutz der „Altertümer“, wie man damals sagte.

Nachdem ich dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege aber keine falsche Bescheidenheit unterstelle, muss es bei der Formulierung des Titels der Ausstellung und bei deren Konzeption also vor allem um das Attribut des Modernen gegangen sein.

Modern war in den Jahren kurz nach 1900 sicherlich, dass sich die im Werden befindliche Disziplin der institutionalisierten Denkmalpflege um die Formulierung verbindlicher theoretischer Grundlagen bemühte. Im Kern ging es damals um die Schaffung objektiver Kriterien für die Festlegung der Denkmaleigenschaft.

Im administrativen Sinne „modern“ war sicherlich auch die Schaffung einer selbständigen, vom Bayerischen Nationalmuseum losgelösten Denkmalschutzbehörde im Jahre 1908. Zu diesem Jubiläum sei dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege auch an dieser Stelle herzlich gratuliert.

Gerade mit Blick auf den Denkmälerbestand der Stadt Regensburg ergibt sich aber noch ein weiterer – und wie die Ausstellung beweist, der eigentliche – Grund für die Festsetzung des Beginns der modernen Denkmalpflege auf die Zeit um 1900: Es geht um einen Paradigmenwechsel, der sich damals in der Denkmalpflege vollzogen hat – überspitzt gesagt, weg vom Rekonstruieren und hin zum Konservieren.

An keinem anderen Ort in Regensburg lässt sich dies drastischer veranschaulichen als hier in der Kirche des ehem. Klosters Prüfening. Der ästhetische Bruch zwischen dem Presbyterium mit seiner geschlossenen rekonstruierten Ausmalung und den fragmentarisch stehengelassenen Originalen in den übrigen Ostteilen der Kirche könnte größer nicht sein. Die Entscheidung, die zu diesem radikalen methodischen Wechsel geführt hat, ist am Ende des 19. Jahrhunderts in der fachlichen Diskussion innerhalb des Kgl. Generalkonservatoriums gereift.

An einem anderen Ort in Regensburg, dem historischen Reichssaal, lässt sich die Frucht dieses Umdenkens noch heute ablesen – und zwar, das ist der Unterschied zu Prüfening, ohne ästhetische Brüche. Obwohl man zu Beginn des 20. Jahrhunderts knapp unter der Decke des Saales Reste eines gemalten, wohl noch bauzeitlichen gotischen Frieses aufgedeckt hat, einigte man sich darauf, von einer Rekonstruktion abzusehen. Die Fraktion derer, die den Schutz des authentischen Originals als höchstes Ziel denkmalpflegerischen Handelns erkannten, hatte sich durchgesetzt. Man entschied sich dazu, die gotischen Malereifragmente zu übertünchen und, gleichsam als Hinweis auf das nun wieder Verborgene, den Fries durch eine neue, zarte Liniierung anzudeuten.

Ich erwähne die Restaurierung des Reichssaales in den Jahren 1904 bis 1910 aber auch deswegen, weil sich damals erstmals staatliche und städtische Fachleute als gleichberechtigte Partner im Ringen um die richtigen Entscheidungen zu gemeinsamen Ortsterminen und Diskussionen getroffen haben. Die Protokolle der zahlreichen Besprechungen sind erhalten und geben Einblick in das Reifen eines im Wesentlichen bis heute gültigen Restaurierungskonzeptes.

Wenn wir heuer dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege zu seinem 100. Geburtstag als selbständiger Behörde gratulieren, wenn wir zugleich auf 100 Jahre moderner Denkmalpflege zurückblicken, dann möchte ich aus Sicht der Stadt Regensburg anregen, auch auf eine nun seit 100 Jahren bestehende Kultur des Dialoges zwischen staatlicher Fachstelle und Kommune zurückzublicken.

Wir wissen es zu schätzen, dass wir hier in Regensburg eine Dienststelle des Landesamtes vor Ort haben, dass die Wege kurz sind und dass die Abstimmung zwischen Fachstelle und Genehmigungsbehörde im Grunde genommen laufend stattfindet. Für den einzelnen Bauherrn bedeutet dies eine schnelle Abwicklung von Erlaubnisverfahren und nicht zuletzt die Möglichkeit, auch einmal ganz kurzfristig auf der Baustelle eine gutachterliche Stellungnahme des Fachamtes aus erster Hand zu bekommen. Auch diese Form praktizierter Bürgernähe ist ein Ausdruck von Modernität.

Es ist ein vielfach variiertes Bonmot, dass Denkmalschutz und Denkmalpflege mehr Last als Lust seien. In der Tat ist der Spagat zwischen verantwortungsvollem Umgang mit dem uns anvertrauten gebauten Erbe auf der einen und zukunftsorientierter Stadtentwicklung auf der anderen Seite nicht immer einfach. Um ihn dennoch vollziehen zu können, hat die moderne Denkmalpflege selbst die wichtigste Voraussetzung geschaffen: Im Vordergrund ihres Handelns steht heute nicht mehr die Frage, wie man Vergangenes wiedergewinnen könne. Die Frage lautet vielmehr, wie jene Zeugnisse der Vergangenheit, die nach der fachlichen Prüfung durch das Landesamt Denkmaleigenschaft besitzen, in möglichst authentischer Form den uns nachfolgenden Generationen übergeben werden können. Dies trifft für das einzelne Fresko und das einzelne Baudenkmal ebenso zu wie für ein ganzes historisches Stadtensemble.

Gerade Sie, Herr Professor Greipl, haben schon mehrfach auf die Janusköpfigkeit der Denkmalpflege hingewiesen. Sie muss in die Vergangenheit zurückschauen und die auf uns gekommenen historischen Zeugnisse bewerten und gegebenenfalls schützen; sie muss aber genauso auch nach vorne blicken, um das Überleben des Schützens- und Erhaltenswerten zu gewährleisten. Dies wiederum gelingt nur, wenn unsere Baudenkmäler und historischen Altstädte in die sozialen und wirtschaftlichen Dynamiken ihres urbanen Kontextes eingebunden bleiben.

Diese zukunftsorientierte Blickrichtung verbindet uns. Vor dem Hintergrund der bereits erwähnten Dialogkultur freue ich mich aus Sicht der Stadt Regensburg auf das nächste Jahrhundert moderner Denkmalpflege und die gemeinsame Bewältigung der anstehenden Aufgaben.

Dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege danke ich für diese durchaus programmatische Ausstellung und hoffe, dass möglichst viele Regensburgerinnen und Regensburger sie nutzen, um sich ein Bild von moderner Denkmalpflege zu machen.