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70. Jahrestag der Reichspogromnacht

 -Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von OB Hans Schaidinger anlässlich der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Reichspogromnacht am Sonntag, 9. November 2008, um 19.30 Uhr im Historischen Reichssaal

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren, geschätzte Mitbürgerinnen und Mitbürger der Jüdischen Gemeinde Regensburg.

Vor 70 Jahren wurde die Regensburger Synagoge geschändet, geplündert, verwüstet und schließlich niedergebrannt. Dasselbe geschah am 9. November 1938 mit den meisten der 200 jüdischen Gotteshäuser in Bayern. Insgesamt erlitten etwa 1600 von den rund 2000 Synagogen und jüdischen Gebetsstätten im Deutschen Reich dieses, für eine europäische Kulturnation so beschämende Schicksal.

70 Jahre, das ist in der Zeitrechnung der Historiker die Spanne annähernd dreier Generationen.

  • Soll nicht endlich vergessen werden können, was damals geschehen ist?
  • Sollen wir nicht endgültig die Ereignisse in die Geschichtsbücher verweisen und in die Archive?
  • Was geht uns heute an, dass nationalsozialistischer Rassenwahn gewütet hat, damals am 9. November 1938?
  • Sind wir die Richter über die Sünden der Väter und Großväter?
  • Wurden und werden Menschen wegen ihrer Abstammung, ihrer Rasse, ihrer Religion, ihrer Volkszugehörigkeit nicht in vielen Teilen der Welt verfolgt, entrechtet und getötet?

Hat nicht gar der Schriftsteller Martin Walser mit seinem schlimmen Wort von der „Auschwitzkeule“ Recht, die da immer noch geschwungen werde, um unser Schuldbewusstsein ausnützen zu können?

Und um das Maß der Beschwichtigungsformeln, der Relativierung und der Verdrängung voll zu machen, kann man neuerdings wieder ganz unverhohlen hören: Die Israelis würden sich gegenüber den Palästinensern nicht viel anders verhalten, als die Nazis mit den Juden umgegangen seien.
 
Meine Damen und Herren,
das sind beunruhigende Fragen, die ich mit voller Absicht  an den Anfang stelle. Ich tue es bewusst, damit Walser in seiner Begründung nicht Recht behält,
Gedenkveranstaltungen wie diese seien längst sinnentleerte Rituale, angefüllt mit hohlen Floskeln.
Dem ist nicht so, dem darf nicht so sein. Diesen Beweis müssen wir, diesen Beweis können wir auch antreten.

Die Erinnerung an das Ereignis des 9. November 1938, das die Nationalsozialisten selbst zynisch verharmlosend „Reichskristallnacht“ genannt haben, ist immer noch höchst aktuell. Das Kontinuum der Geschichte reicht in die Gegenwart und beeinflusst im guten wie im verhängnisvoll schlechten Sinn die Zukunft.

Wer der Pflicht der Erinnerung nicht nachkommt, macht sich schnell des Vergessens schuldig. Denn: Wenn wir vergessen, dass auch jüdische Kinder, Frauen und Männer, alte und junge, aus unserer Stadt Opfer der
Mordmaschine der NS-Diktatur geworden sind, vollenden wir erst das Werk der Planer und Vollstrecker der Shoa.

Wir sind es den Opfern schuldig,

  • dass wir sie immer wieder beim Namen nennen,
  • ihre Schicksale in Erinnerung behalten, die eben keine namenlosen Schicksale sind,
  • und ihre Existenz, ihr Leiden und ihren Tod als Teil unserer Stadtgeschichte verstehen.

Das ist die erste Pflicht, der wir nachkommen müssen. Es gibt aber noch einen zweiten Grund, sich der Geschichte zu stellen:
Ich zitiere dazu aus der international beachteten Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, gehalten am 8. Mai 1985. Seine eindringliche Mahnung lautet: „Wir alle, ob schuldig oder nicht, ob alt oder jung, müssen die Vergangenheit annehmen. Wir alle sind von ihren Folgen betroffen und für sie in Haftung genommen. Es geht nicht darum, Vergangenheit zu bewältigen. Das kann man gar nicht. Sie lässt sich ja nachträglich nicht ändern oder gar ungeschehen machen. Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird anfällig für neue Ansteckungsgefahren.“ (Zitat Ende)

Verehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger,
wie sind diese Worte Richard Weizsäckers zu verstehen?
Die Deutung ist klar: Wir unterziehen uns der unbequemen Erinnerungsarbeit auch deshalb, um nicht abermals in eine Sackgasse zu kommen, in der noch einmal ein weiß Gott nicht für alle Zeiten gebannter Zivilisationsbruch geschehen kann.

Das sind wir nicht nur uns und unseren Kindern schuldig. Damit ehren wir am besten die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die in der NS-Zeit von dieser Stadtgesellschaft, von unserer Kultur, von unserer christlich-abendländischen Tradition nicht in ihren elementarsten Menschenrechten geschützt worden sind.
Indem wir uns ihrer erinnern, geben wir ihnen in unserem kollektiven Stadtgedächtnis ihre Würde zurück. Das ist das mindeste, was wir posthum für sie tun können.

Erinnern setzt aufgeschriebenes, erforschtes Wissen voraus. Dieses gibt es für Regensburg in der Zeit zwischen 1933 und 1945 – Gott sei Dank – in ausreichendem Umfang. Auch die Historiker der in den 60er und 70er Jahren noch jungen Universität haben ihren Beitrag dazu geleistet, dass keiner mehr sagen kann, er wüsste nicht, was damals mit den Juden unserer Stadt geschehen ist.

Aufgrund dieser sehr detaillierten Forschungsergebnisse müssen wir auch der Tatsache ins Auge sehen, dass die alte Schutzbehauptung nicht stimmen kann, dass die Bürgerschaft nicht gewusst habe, was mit den jüdischen Nachbarn geschehen ist. Sicher in den allermeisten Fällen nicht in der letzten Konsequenz – Tod in den Gaskammern.

Der systematische Raub menschlicher Rechte, die Verelendung und Tyrannisierung jüdischer Mitbürger ist in aller Öffentlichkeit geschehen. Wer wollte, konnte es sehen.

Und auch vor dieser Erkenntnis dürfen wir uns nicht drücken: Wie überall in Deutschland gab es einen antisemitischen Wurzelgrund. Er reicht tief in unsere Geschichte zurück und hat die Basis dafür abgegeben, dass Hitler sein vom Rassenwahn befeuertes Konzept der Vernichtung der Juden Europas ins Werk setzen konnte.

Ja, es ist wahr, wir Heutigen können uns nicht vorstellen, was es hieß, in der NS-Diktatur Widerstand zu leisten. Den hat es gegeben, auch in unserer Stadt. Dafür haben auch Regensburger Bürger mit Haft, Konzentrationslager und sogar mit dem Leben bezahlt. Wir haben uns in Respekt vor ihnen zu verneigen. Eine Stadtgesellschaft darf sich trotzdem nicht hinter diesen wenigen Aufrechten wegducken.

Es gibt ein Ereignis in der NS-Zeit in Regensburg, das nachdenklich stimmen muss. Als die Nationalsozialisten die Kreuze aus den Klassenzimmern der Schulen verbannten, gab es so etwas wie eine spontane Demonstration empörter Frauen vor dem Alten Rathaus. Auch ihnen haben wir Mut zu attestieren.
 

  • Doch wo blieb der Protest, als die Synagoge, immerhin ein Gotteshaus, brannte, etwa 70 jüdische Männer am Tag danach in einem entwürdigenden Schandmarsch durch die Straßen der Innenstadt zum Bahnhof getrieben worden sind und ein Teil von ihnen anschließend ins Konzentrationslager Dachau gebracht wurde?
  • Wo blieb der Protest, als Geschäfte und Wohnungen demoliert wurden, Juden geschlagen, gedemütigt wurden, als sie schließlich völlig entrechtet, zur Auswanderung gezwungen und die, die dazu nicht mehr in der Lage waren, in die Vernichtungslager des Ostens abtransportiert wurden?

„Kain, wo ist dein Bruder Abel?“ Diese göttliche Frage der Bibel wiegt auch für Regensburg schwer und ist nicht weg zu argumentieren.

Als die Regensburger Synagoge brannte, war das ein nicht zu übersehendes Feuerzeichen des Antisemitismus in unserer Stadt. Dieses Ereignis, zu dem der NS-Oberbürgermeister, Dr. Otto Schottenheim, ausdrücklich seine Zustimmung gegeben hat, war allerdings weder der Anfang der Ausgrenzung und Entrechtung der Regensburger Juden und keineswegs der furchtbare Höhepunkt jüdischer Schicksale in unserer Stadt.

Der 9. November, bei dem in Regensburg fast eine Hundertschaft von Motorsport-Schülern des NSKK das Zerstörungswerk verrichtete, war in seiner reichsweiten Bedeutung so etwas wie ein Testfall für die Nationalsozialisten. Man wusste am Tag danach, dass es in Deutschland keinen nennenswerten Widerstand gegen die Judenpolitik Hitlers und seiner Helfershelfer geben würde.

Vor dem staatlich gelenkten Pogrom hetzte der SS-Charge Dr. Schottenheim in Regensburg bei der Eröffnung der Ausstellung „Blut und Rasse“ unter Verwendung eines Hitler-Zitats aus „Mein Kampf“:
„Der Jude ist ein Parasit und wird es bleiben. Und ein Parasit kann sich nur am wohlsten fühlen, wo er sich im faulen Gewebe ansetzen kann.“

Der Historiker und frühere Leiter des Archivs der evangelischen Landeskirche in Bayern, Dr. Helmut Baier, konstatiert:
„Der November 1938 war wohl die letzte Gelegenheit eines öffentlichen Protestes gegen die Judenverfolgungen, denn unter den Bedingungen des Krieges konnte kaum mehr nachgeholt werden, wozu den Verantwortlichen nicht das Wort gegeben war.“

Mit den Verantwortlichen meint er die Männer der evangelischen Kirchenleitung, kann aber dieses Versagen nicht allein auf seine Kirche beschränkt sehen. Er spricht von einem christlichen Dilemma zwischen Schweigen und partiell amtlichem, aber kaum öffentlichem Protest.

Auch Dr. Siegfried Wittmer dokumentiert in seinem Buch „Juden in Regensburg“ viele Beispiele des kleinen und großen Verrats an der bürgerlichen Solidarität mit den Juden in der Stadt. Auch hoch angesehene Ärzte, Anwälte und Kaufleute konnten nicht auf Schutz rechnen.

Die Saat rassisch begründeten Judenhasses – meine Damen und Herren - war lange vor 1933 gelegt worden. Während sich die Nationalsozialisten gleichzeitig als Bewahrer christlich-deutschen Kulturguts in Regensburg aufspielten, betrieben sie Judenhetze. Julius Streicher, der Herausgeber des berüchtigten antisemitischen Hetzblattes „Der Stürmer“, hielt im Karmeliten-Saal seine Hasstiraden gegen „Alljuda – dem Todfeind des deutschen Volkes“. Heinrich Himmler kam mit seinem Motorrad von Landshut nach Regensburg, um dem NS-Gift auch hier den Boden zu bereiten.

Rechtsanwalt Dr. Justin Lehmann, der Regensburger Vorsitzende des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, bemühte gegen Streicher wegen übler Nachrede die Regensburger Justiz. Geschehen ist nichts. Es gäbe zu einem rechtlichen Schritt keine Veranlassung, wurde ihm beschieden. Wohlgemerkt, das war fünf Jahre bevor die Nazis in Deutschland an die Macht gekommen sind.

Ab 1933, als die Nazis ihre Diktatur in Deutschland und auch in unserer Stadt errichten konnten, ging es Schlag auf Schlag mit der Ausgrenzung und den Schikanen gegenüber den damals 453 jüdischen Mitbürgern.

  • Es begann mit einem von der Kreisleitung inszenierten Boykott gegen jüdische Geschäfte und der Entlassung jüdischer Mitbürger aus dem Beamtenverhältnis.
  • Die zweite Phase der der Entrechtung und Vertreibung setzte mit dem berüchtigten Nürnberger „Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ im Jahr 1935 ein.

Wer jung und kräftig war und die notwendigen finanziellen Mittel aufbringen konnte, brachte sich aus Regensburg, aus Deutschland in Sicherheit.

Im Mai 1938 höhnte die „Bayerische Ostmark“, die NS-Tageszeitung für Regensburg und die Region - ich zitiere, damit uns der zynisch-kalte Ton bewusst bleibt: Noch immer würden „400 Mosessöhne auf dem Regensburger Pflaster frisch, froh und munter einherspazieren“. Zwar hätten sich „275 Hebräer“ beim Einwohner-meldeamt abgemeldet, aus anderen Städten seien aber 210 zugezogen. 59 jüdische Geschäftsleute wurden namentlich an den Pranger gestellt. Sie hätten schleunigst zu verschwinden.

Wer sich in Sicherheit bringen konnte, wurde zuerst ausgeplündert.

  • Hausbesitz und Geschäfte mussten zum Schleuderpreis veräußert werden.
  • Am Erlös hielt sich das Finanzamt aufgrund der sogenannten Reichsfluchtsteuer schadlos.
  • Autos, Rundfunkgeräte und sogar Fahrräder mussten abgegeben werden.
  • Die Lebensmittelzuteilungen wurden auf ein Minimum gekürzt.

Erhebliche Vermögenswerte wurden „umgeschichtet.“ Es gibt eine wissenschaftliche Arbeit an der Universität, die Beschämendes dokumentiert. Immobilien im Wert von mehreren Millionen Reichsmark und Betriebe wurden – wie es hieß – arisiert.

Als Regensburgs Juden ihren Schmuck aus Gold und Silber in der Pfandleihanstalt abgeben mussten, kam es zu einer lebhaft besuchten Versteigerung. 55 000 Reichsmark wurde damals von Bürgern unserer Stadt für diesen Teil des Raubguts der jüdischen Mitbürger ausgegeben.
 
Ab September 1941 mussten Regensburgs Juden den Judenstern tragen. Sie durften keine öffentlichen Parks und auch nicht mehr die Schwimmbäder besuchen.

Am 2. April 1942, es war der Gründonnerstag, begann auch in Regensburg die letzte Phase, die der Vernichtung der Jüdinnen und Juden. Alle Fluchtwege waren versperrt.
Im Morgengrauen mussten sich 109 Männer, Frauen und Kinder auf dem Platz der dem Erdboden gleichgemachten Synagoge an der Schäffnerstraße einfinden. Die Älteste auf den Transport in den Tod war die 73-jährige Maria Kahn, die Jüngste die siebenjährige Inge Jordan. Es ging nach Piaski, einem Durchgangslager in Polen und von dort aus in die Vernichtungslager.

Der zweite große Transport aus Regensburg ging nach Theresienstadt. 117 Juden, meist ältere Menschen wurden dorthin transportiert. Sie starben dort oder wurden in anderen Konzentrationslagern umgebracht.

Wie pervers das System war, lässt sich an einer Kleinigkeit des monströsen Vorgehens deutlich machen. Regensburgs Juden mussten den Transport in den Tod auch noch selbst bezahlen. Um diesem Umstand völlig in den Bereich des Irrsinns verweisen zu können, muss man wissen, dass Ordensträger aus dem Ersten Weltkrieg Ermäßigung bekamen.

Lassen Sie mich drei Schicksale namentlich nennen. An ihnen wird das ganze Ausmaß der menschlichen Tragödien deutlich, die sich damals abgespielt haben.

  • Da war Max Kahn. Er hatte 1939 bereits alle Papiere zur Emigration in die USA. Er blieb aber in Regensburg, weil er seine alte Mutter, Maria Kahn, nicht allein lassen wollte. Max Kahn wurde am 2. April 1942 nach Piaski transportiert. Seine Mutter hätte eigentlich noch in Regensburg bleiben können. Sie ging aber freiwillig mit ihrem Sohn.
  • Da war die gebürtige Schweizerin Hedwig Bernheim, Gattin des Regensburger Fabrikanten Ludwig Bernheim. 1939 hatten sie die Erlaubnis, in die Schweiz einzureisen. Bei der Grenzkontrolle wurde im Gepäck Ludwig Bernheims ein Radiogerät gefunden. Er wurde festgehalten. Seine Frau hätte ausreisen können. Sie blieb bei ihrem Mann und wurde 1942 mit ihm im KZ umgebracht.
  • Und da war Alice Heiß, die zum Christentum konvertiert war. 1943 wurde sie mit ihrem nichtjüdischen Ehemann, dem Rechtsanwalt Alfons Heiß, verhaftet. Ihnen wurde vorgeworfen, Feindsender gehört zu haben. Alice Heiß wurde zu eineinhalb Jahren Zuchthaus und zwei Jahren Ehrverlust verurteilt. Anschließend wurde  sie nach Auschwitz gebracht.

Verehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger, so sehen die menschlichen Tragödien aus, die in der NS-Zeit unsere jüdischen Mitbürger erlitten haben. Können wir nach dieser Gedenkstunde wirklich wieder zum Alltag zurückkehren, als ginge das Schreckliche, uns nichts mehr an?

Sehr verehrte Angehörige der Jüdischen Gemeinde, ich entschuldige mich im Namen der Stadt bei Ihnen für das, was am 9. November 1938 bei uns geschehen ist und bitte Sie um Vergebung.

Und ich darf mich weiter besonders an Sie wenden. Wer aufmerksam in unsere Gesellschaft hineinhört, wer die Entwicklung in der Welt beobachtet, kann nicht leugnen:

  • Der Antisemitismus ist nicht nur eine schreckliche Verirrung der Geschichte. Er ist auch ein Phänomen der Gegenwart..

Jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, seien Sie versichert, dass wir Ihre Sorgen wegen des wieder zunehmenden Antisemitismus in Deutschland, aber auch in der ganzen Welt ernst nehmen und teilen.

Recht gesehen, ist es ein Skandal, dass 70 Jahre nach der Pogromnacht, in der die Synagogen brannten, immer noch bei allen Gottesdiensten und Veranstaltungen in der Jüdischen Gemeinde unserer Stadt Polizeischutz notwendig ist.

Beschmierungen jüdischer Grabsteine und Kultstätten, Drohbriefe an Repräsentanten der jüdischen Gemeinden: Leider gehört das noch immer oder schon wieder zum Alltag jüdischer Mitbürger.

  • Nach den von der Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlichten Zahlen einer Untersuchung aus dem Jahr 2005 sind immer noch 21 Prozent der Deutschen überzeugt, die Juden hätten zu viel Einfluss.
  • 13 Prozent sagen, die Juden seien selbst an ihrer Verfolgung mitschuldig.
  • Und 62 Prozent geben zu Protokoll, dass sie es leid seien, immer noch von den deutschen Verbrechen an den Juden hören zu müssen.

 
Dazu kommt ein neueres Phänomen das fast immer mit der Floskel eingeleitet wird: „Man wird doch noch sagen dürfen . . .“
Dieser Antisemitismus kommt häufig als Israelkritik oder als Relativierung des Holocaust daher.

Die Bundeszentrale für politische Bildung urteilt: „Es ist ein Antisemitismus ohne Antisemiten, der längst die Mitte der Gesellschaft erreicht hat.“

Die deutsch-französische Jüdin Anna- Patrica Kahn geht in ihrem neuen Buch „Israel, die Juden und die Deutschen“ diesem Phänomen nach.
Sie schreibt:
„Antisemitische Äußerungen haben wieder Eingang gefunden in den Alltag. Es ist wieder erlaubt, geringschätzig über Juden und Israel zu sprechen. Vor allem dann, wenn die Argumente mit einer antizionistischen Grundhaltung garniert werden, die derzeit als politisch korrekt gilt.“ Der asymmetrische Krieg im Nahen Osten wird gern als Beleg genannt.

Anna-Patricia Kahn schreibt weiter:
„Einige Deutsche glauben, nun sei die Zeit reif, um endlich aus der Rolle des mehr oder weniger reuigen Täters in die Rolle des Anklägers schlüpfen zu können.“

Liebe jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger,
seien sie versichert, dass wir im Kampf gegen den Antisemitismus an Ihrer Seite stehen - auch gegen den Antisemitismus, der das Existenzrecht Israels gefährdet oder gar leugnet.
Was unsere Bundeskanzlerin, Angela Merkel, bei ihrer Rede in der Knesset bei ihrem Besuch zum 60-jährigen Bestehen des Staates Israel im März dieses Jahres bekräftigt hat, ist auch unsere aktuelle Verpflichtung aus der Geschichte.

Angela Merkel sagte dem jüdischen Volk und der Weltöffentlichkeit:
„Jede Bundesregierung und jeder Bundeskanzler vor mir waren der besonderen historischen Verantwortung Deutschlands für die Sicherheit Israels verpflichtet. Diese historische Verantwortung Deutschlands ist Teil der Staatsräson meines Landes. Das heißt, die Sicherheit Israels ist  für mich als deutsche Bundeskanzlerin niemals verhandelbar. Und wenn dem so ist, dann dürfen das in der Stunde der Bewährung keine leeren Worte bleiben.“ (Zitat Ende)

Das gilt auch für uns in Regensburg. Keine leeren Worte, verehrte Mitglieder der Jüdischen Gemeinde, dürfen auch unsere Versicherungen der Solidarität mit Ihnen sein.

  • Die Jüdische Gemeinde ist und bleibt ein lebendiger und wichtiger Teil unserer Stadtgesellschaft.
  • Wer sie ausgrenzt und schmäht,
  • wer ihre Geschichte mit der brennenden Synagoge als Fanal eines antisemitischen Exzesses auch in Regensburg vergessen machen will,
  • der schmäht auch uns, der leugnet unsere Geschichte.
  • Dagegen wehren wir uns gemeinsam, damit uns bewusst ist, was die Grundlage dafür bleibt, Zukunft für alle in Frieden und Freiheit gestalten zu können. 

Gott segne unser Miteinander. Shalom.