Navigation und Service

60 Jahre Verein der Freunde der Universität Regensburg

 

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich des 60-jährigen Vereinsjubiläums der Freunde der Universität Regensburg e.V. am 17. Juli 2008, um 17 Uhr, im Reichssaal des Alten Rathauses

 

Anrede

Es ist für einen Oberbürgermeister stets eine Freude, illustere Gäste hier im Reichssaal begrüßen zu dürfen. Wenn ich ausdrücklich betone, dass es dieses Mal eine ganz besondere Freude ist, dann hat das natürlich etwas mit Ihrer Anwesenheit, Herr Ministerpräsident, zu tun – und gleichermaßen mit dem Verein der Freunde der Universität.
Ihm geben Sie, verehrter Herr Ministerpräsident Dr. Beckstein, zum 60-jährigen Jubiläum die Ehre. Wir alle zusammen feiern diese verdienstvollen wahren Freunde der Regensburger Universität, und wir sind stolz auf sie.

Die Universität, die Stadt, wir alle sind dankbar für das, was dieser Verein geleistet hat und leistet. Das ist vollendetes und vorbildliches bürgerschaftliches Engagement. Auch von daher passt die Feier zum 60-jährigen Bestehen des Vereins ganz hervorragend in diesen Saal, der als historische Stätte der symbolträchtige Ort für Bürgerengagement in Regensburg ist, mit Strahlkraft weit über die bayerischen Landesgrenzen hinaus. Und gleichzeitig ist er einst Schauplatz für gouvernementales Handeln gewesen.

Und um dieses Zusammenspiel zwischen Bürgern und Staat ging es – und wie ich meine, geht es noch immer – in Sachen Universität Regensburg.

Bürgersinn und Staatsverantwortung mussten zusammen wirken, damit vor 41 Jahren in unserer Stadt die vierte bayerische Landesuniversität ihren Lehr- und Forschungsbetrieb aufnehmen konnte und beides muss weiter zusammenwirken, damit diese Universität immer noch ein bedeutender Faktor in der Stadt, in Ostbayern, ja im Freistaat und durchaus in der gesamten deutschen Hochschullandschaft ist.
Bis heute gilt es in der Wissenschaft zugleich Bewährtes fortzuführen und Neues zu denken, kulturelle Traditionen zu pflegen und aktuellen Wissenschaftsbetrieb zur Erforschung und Weitergabe unserer geistigen Grundlagen auszubauen, bis hin zu Eliteförderung und Förderung wissenschaftlicher Höchstleistungen.

So wie aber der Staat ohne das Mitwirken der Bürgerinnen und Bürger in demokratischer Verantwortung auf Dauer nicht lebensfähig ist, wie uns gerade die jüngere Geschichte mit dem Zusammenbruch des kommunistischen Herrschaftssystems in Mittel- und Osteuropa gelehrt hat, so läuft das noch so ehrliche Bemühen der Bürger ins Leere, wenn ihm nicht ein handlungsfähiger und zum Handeln entschlossener Staat zur Seite steht.

Mit dem Gesetz zur Gründung der Regensburger Universität im Jahr 1962 hat Bayern eine Hochschulentwicklung eingeleitet, ohne die unser Freistaat wohl kaum die wirtschaftlich günstige Entwicklung genommen hätte, der wir uns heute erfreuen. Sie ist kein Geschenk, sie wurde von den Bürgerinnen und Bürgern erarbeitet. Und dieser Aufgabe hat sich jede Generation neu zu stellen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

  • 60 Jahre Verein der Freunde der Universität Regensburg ist ein lebendiger Beweis, dass es Bürgerinnen und Bürger gegeben hat - und Gott sei Dank immer noch gibt - für die Gemeinsinn keine Leerformel ist.
  • Es ist ja nicht wahr, dass jeder nur an sich denkt, dass wir eine Spaßgesellschaft der autistischen Egomanen geworden wären.
  • Die Menschen wollen für gesellschaftliche Ziele wirken, die über ihre privaten Interessen weit hinausgehen.
  • Das gibt dem Leben und der Arbeit Sinn und schließlich auch die Anerkennung, auf die wir alle Anspruch haben.

Dass wir in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Boden bereiten konnten für eine Universität in Regensburg, das hat natürlich viel zu tun mit der Erkenntnis in Deutschland, dass dieses Land unbedingt mehr Akademiker benötigt, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.

Lang bevor uns der PISA-Schock in die Glieder gefahren ist, hat uns 1957 der Sputnik-Schock ereilt. Bildungsreformer wie die Professoren Paul Mikat und Georg Picht haben uns damals drastisch vor Augen geführt, dass der Ausbau des Schul- und Hochschulwesens Voraussetzung dafür ist, in Europa und in der Welt nicht abgehängt zu werden.

Das war die Gunst der Stunde. Doch ohne Bürger-Engagement und die sich daraus speisende staatliche Entschlossenheit hätte der Zug der Zeit auch in eine ganz andere Richtung fahren können. Die altehrwürdigen Universitäten des Freistaats hatten als Lösungsmöglichkeit ihren eigenen Ausbau vehement ins Spiel gebracht. Wer will es ihnen auch verdenken: Sie waren qua normativer Kraft des Faktischen die größten Konkurrenten der Neugründung.

Mit welcher Häme und welch despektierlichen Bezeichnungen wurde nicht das Vorhaben bedacht. Die Älteren unter uns kennen ja noch die Sprüche, die man in den überregionalen Zeitungen seinerzeit lesen konnte: „Bier-Universität“ oder „Faschingsscherz“ waren solche nicht gerade schmeichelhaften Spottnamen, die der Regensburger Universität in die Wiege gerufen wurden.

  • Dass sich die engagierten Bürger davon nicht entmutigen ließen, dass sie trotz aller Rückschläge beim Auf und Ab der landesweiten Diskussion um eine weitere bayerische Universität nicht aufgegeben haben, das gereicht ihnen zur Ehre.
  • Als Katalysator für den Bürgerwillen, als Ermutiger und nie ermüdender Visionär wirkte der Verein der Freunde der Universität Regensburg immer an vorderster Front.
  • Es gab da ja durchaus auch Momente, in denen nur noch ein Traum wach gehalten werden konnte.

60 Jahre Bestehen dieses Vereins, da muss man sich die Situation 1948 in unserer Stadt vor Augen führen. Regensburg, eine von Flüchtlingen und Displaced Persons überfüllte Stadt. Wohnungsnot, Hunger und Elend der vom Krieg traumatisierten Menschen prägten den schwer zu bewältigenden Alltag. Es ging ja ums nackte Überleben.

Teile der Münchner Universität waren hierher ausgelagert worden, weil es in der Landeshauptstadt noch viel trostloser ausgesehen hat.

Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen - trafen sich am
20. Januar 1948 im Hörsaal der Philosophisch-Theologischen Hochschule 18 Persönlichkeiten der Stadt, an der Spitze der damalige Oberbürgermeister Alfons Heiß und Landrat Dr. Georg Mallinckrodt, um den Verein der Freunde der Universität zu gründen. Übrigens damals auch ein Novum, dass Stadt und Landkreis als Partner und nicht als Konkurrenten aufgetreten sind.

Auch wenn die Militärregierung ihre Genehmigung dazu erteilen musste, so war die Vereinsgründung doch sichtbarer Ausdruck des Glaubens an eine bessere Zukunft. Was konnte man Besseres tun, als nach den Jahren der Barbarei eine Bildungsstätte im Humboldtschen Sinn zu schaffen? Was benötigte man dringlicher nach diesem Krieg, der ja ein Krieg gegen die Kultur Europas und auch Deutschlands gewesen ist?

Man kann den Stellenwert dieser Bestrebungen erst ermessen, wenn man nicht vergisst, dass es den Menschen damals materiell an allem mangelte. Trotzdem rangierte akademische Bildung ganz vorn.

Nur so konnte man ja anknüpfen an Deutschlands Tradition der Aufklärung, der großen naturwissenschaftlichen Leistungen und letztendlich an christlich-abendländische Geisteshaltung mit ihrem tief gründenden Wurzelwerk in Europas Geistesgeschichte.

Die im wahrsten Sinn des Wortes personifizierte Garantie dafür war ja ein Bürger unserer Stadt, der Rektor der Philosophisch-Theologischen Hoch-schule, Professor Dr. Joseph Engert. Erstaunlich modern mutet seine Vision von einer Universität an, die von der Bürgerschaft getragen und weitgehend autark von der Wirtschaft, der Stadt und dem damals noch als Einheit bestehenden Regierungsbezirk Niederbayern/Oberpfalz finanziert werden sollte.

Die Universitätsidee wurde schnell zu so etwas wie einem Fundament für das Gebäude einer besseren Zukunft. Es ging ja auch darum, die Bildungsreserven der Region zu erschließen und ihr Führungskräfte in Wirtschaft und Verwaltung, aber vor allem auch Lehrer in den Schulen zu sichern.

Es steht uns gut an, den Menschen damals, die sich im Universitätsverein zusammengefunden hatten, großen Respekt zu zollen. Sie können uns mit Fug und Recht bei der Bewältigung der Probleme unserer Zeit Vorbild sein.

Ich nenne aus der damaligen Zeit drei Namen, die für die vielen anderen stehen, die sich dem Universitätsgedanken verschrieben haben:
den damaligen Oberbürgermeister Rudolf Schlichtinger, den Universitätsbeauftragten der Stadt, den ungemein kommunikativen
Dr. Franz Schmidl und den früheren Landtagsabgeordneten Wilhelm Gastinger.

Denkschriften wurden verfasst, Mitstreiter um den Verein geschart. Ostbayerns Kommunal- und Landespolitiker wurden zu einer gemeinsamen Stimme für die Regensburger Universität zusammengebracht. Wahrlich kein leichtes Unterfangen.

Und als dann in den 80er Jahren heiß gerungen wurde zwischen Bund und Freistaat um das versprochene Universitätsklinikum, da hat sich der Verein immer wieder eingemischt. Er hat den Menschen, die eine medizinische Versorgung auf höchster Stufe in Ostbayern für dringlich angesehen haben, eine nicht zu überhörende Stimme gegeben. Man kann von einer weit ausgreifenden über nunmehr sechs Jahrzehnte aktiven Bürgerinitiative sprechen.

Doch von Anfang an – und auch hierin ist der Verein der Freunde der Universität uns heute ein Vorbild – hat man nicht nur Forderungen an den Staat gestellt. Man ist auch durch die Tat dieser, ich darf als Bürger und Absolvent ruhig sagen, unserer Universität in all ihren Phasen bis heute ein verlässlicher Partner.

  • Kulturelle und wissenschaftliche Projekte wurden und werden unterstützt.
  • Der Entwicklung der Universitätsbibliothek gilt ein besonderes Augenmerk des Vereins.
  • Der botanische Garten erhielt Zuwendungen.
  • Die Universitätstage in der Region wurden und werden mit veranstaltet.
  • Eine Aktion zur Unterstützung des Ankaufs wissenschaftlicher Zeitschriften wurde ins Leben gerufen.
  • Ein Habilitationspreis wurde gestiftet.
  • Überhaupt hat der Verein den Stiftungsgedanken zugunsten der Universität unermüdlich gefördert.

Und heute, beim 60. Geburtstag? Ist da schon alles in Ordnung? Ist der Auftrag erfüllt?

Trotz aller Leistungen beim Aufbau und bei der Entwicklung der Universität stellen sich neue Aufgaben, neue Herausforderungen. Mit 41 Jahren ist eine Universität zwar längst erwachsen. Doch die Zukunft muss immer neu gemeistert werden.

  • Welchen Platz behauptet und erringt sich diese Universität im nationalen, ja internationalem Wettstreit der Hochschulen?
  • Auf welche Forschungsfelder legt sie besonders Gewicht?
  • Wie gelingt es ihr, exzellente Wissenschaftler zu halten und neu an sich zu binden?
  • Welche Ausstrahlung hat sie international und speziell zur Erfüllung eines ihrer Gründungsvermächtnisse in den mittel- und osteuropäischen Raum hinein zu wirken?
  • Und nicht zuletzt, in welchem Maß schafft sie es, für Studierende weiter so attraktiv zu bleiben wie bisher?
  • Auf welche Weise kann der Anteil ausländischer Studierender erhöht werden?

Von der Beantwortung all dieser Fragen hängt die Zukunft dieser Universität entscheidend ab.

Neue Herausforderungen stellen das Heute und die Zukunft dieser Universität. So notwendig wie einst ist es für sie, den Verein der Freunde der Universität und all die anderen Unterstützer auf ihrem Weg als Begleiter zu haben.
Die Universität ist ein lebendiger Teil dieser Stadt und die Stadt ist ein Teil dieser Universität.

Meine Damen und Herren,

der Verein der Freunde der Universität ist mit 60 Jahren ein Zukunftsmodell. Gewinnen, ja begeistern Sie viele Bürgerinnen und Bürger für Ihre Idee der Partnerschaft für die Entwicklung unserer Universität.

Die Stadt Regensburg hat Ihnen Dank zu sagen, für das, was Sie geleistet haben und auch für das, was Sie als Aufgaben noch schultern werden.

Sie, Herr Ministerpräsident, können die Gewissheit von diesem Jubiläum mit in die Landeshauptstadt nehmen:

  • Alles, was die Staatsregierung in diese Universität und darüber hinaus natürlich in die Stadt Regensburg investiert, trägt mannigfach Früchte für unser Land.
  • Die Bürger und Bürgerinnen Regensburgs und ihre Universität mehren das geistige und wirtschaftliche Kapital Bayerns.
  • Der Verein der Freunde der Universität ist ein vitaler Beweis für aktuellen Bürgersinn in einer alten Stadt.

Mit einem Engagement wie dem der Freunde der Universität muss uns um unsere Zukunft dieser Hochschule und unserer Stadt nicht bange sein.