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150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Regensburg

-Es gilt das gesprochene Wort-

Ansprache von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich des 150-jährigen Gründungsfestes der Freiwilligen Feuerwehr Regensburg am Samstag, 7. Juni 2008

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

als Oberbürgermeister der Stadt Regensburg darf ich Sie recht herzlich zum Festakt des 150-jährigen Gründungsfestes der Freiwilligen Feuerwehr Regensburg hier im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses begrüßen.

Indem sich der Mensch das Feuer dienstbar gemacht hat, hat er einen ganz entscheidenden Schritt auf der Leiter der Zivilisation gemacht. Allerdings ist das Feuer auch heute noch janusköpfig:

Es liefert uns die Möglichkeit, uns zu wärmen, Energie zu gewinnen und Metall zu verarbeiten – es ist auch heute noch eine wichtige Grundlage unseres Lebens.

Aber es konfrontiert uns auch immer wieder mit seiner zerstörenden und alles verheerenden Kraft. Das haben wir erst kürzlich wieder zu spüren bekommen, als sich die Gasleitung an der Protzenweiherbrücke nach einem Unfall entzündete und das Feuer solche Gewalt entwickelte, dass es das Tragwerk aus Stahl zum Schmelzen brachte.

Weil das Feuer eine Naturgewalt ist, gibt es seit Menschengedenken das Bestreben, seine Macht zu kontrollieren und einzudämmen.

Deshalb gibt es Feuerwehren, seit es Städte gibt. Und trotz allen technischen und wissenschaftlichen Fortschrittes ist ihre Notwendigkeit bis heute unbestritten.

Der Begriff „Feuerwehr“ ist aber auch ein Synonym für die Solidarität innerhalb einer Gesellschaft. Die Frauen und Männer, die sich bei den Freiwilligen Feuerwehren engagieren, sind lebender Beweis dafür, dass selbstloses Handeln und Einsatz um einer Sache willen, keine leeren Worthülsen sind, sondern Tag für Tag gelebt und mit Leben erfüllt werden.

Solch gemeinschaftlich getragenes Engagement ist eine Stärkung des Bürgersinns. Es dient als Fundament einer stabilen lebens- und überlebensfähigen Gemeinschaft. Es ist aber auch Ausdruck einer aktiven Bürgergesellschaft und Beleg für die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Stadt.

Denn: Eine Gesellschaft, die sich nur auf die fürsorgliche Hand des Staates verlässt, kann nicht gedeihen, denn sie lässt die Mitverantwortung, die wir alle tragen, verkümmern.

Dieser Geist des Einstehens füreinander hat auch in Regensburg mit der Freiwilligen Feuerwehr Regensburg seit mittlerweile 150 Jahren eine unumstößliche Basis gefunden.

Der 12. Januar 1858 wird als Gründungstag der Freiwilligen Feuerwehr Regensburg angesehen. An diesem Tage präsentierte der Tuchfabrikant Nikodemus Hofmeier dem Magistrat der Stadt Regensburg eine aus 14 Mitgliedern bestehende Feuerwehr.

Erst im Jahre 1927 wurde das Feuerwehrwesen in Regensburg mit der Gründung einer Berufsfeuerwehr komplettiert.

Somit ist die Freiwillige Feuerwehr Regensburg die älteste Wehr in Altbayern.

Seit 150 Jahren leisten die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Regensburg also einen wichtigen Beitrag für die Sicherheit in der Stadt Regensburg. Für diesen Dienst an der Allgemeinheit möchte ich Ihnen, auch stellvertretend für alle Bürgerinnen und Bürger, meinen ganz herzlichen Dank aussprechen.

Auch wenn die Stadt Regensburg über eine gut organisierte Berufsfeuerwehr verfügt – ohne die Freiwillige Feuerwehr könnte nicht gewährleistet werden, dass bei Katastrophen, Großbränden und anderen Großschadensereignissen kompetente Hilfe stets schnell und effektiv vor Ort ist.

Auch im Namen der Berufsfeuerwehr der Stadt Regensburg bedanke ich mich ganz herzlich für die stets gute, kollegiale und vor allem effiziente Zusammenarbeit!

Der Begriff „Feuerwehr“ vermittelt in erster Linie den Eindruck, dass die Brandbekämpfung im Vordergrund steht. Dies war in früheren Zeiten auch so. Allerdings hat sich im Lauf des letzten Jahrhunderts hier viel verändert.

Tatsache ist, dass in der heute hoch technologisierten Zeit neben der Brandbekämpfung ein weites Spektrum an Einsätzen, wie zum Beispiel technische Hilfeleistung und Mitwirkung bei Großschadenslagen im Katastrophenschutz, eine immer größere Rolle spielen.

Die Feuerwehren haben sich in den zurückliegenden Jahren mit diesen fachlichen Anforderungen auseinandergesetzt und den veränderten Aufgaben gestellt.

Trotz ihrer hauptberuflichen und familiären Verpflichtungen erweisen sich auch die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Regensburg in allen Bereichen als engagierte und kompetente Helfer, ganz egal, ob es sich dabei um die Bekämpfung von Bränden handelt, um Hochwasserereignisse oder um die Bergung von Toten und Verletzten bei Verkehrsunfällen.

Was mich dabei ganz besonders freut, denn nicht in allen Bereichen des ehrenamtlichen Engagements sieht es so aus: Auch heute noch engagieren sich viele Jugendliche in ihrer Freizeit bei den Freiwilligen Feuerwehren. Sie absolvieren Einsätze, Übungen und Schulungen, anstatt in die Disko oder in Kneipen zu gehen und stellen damit unter Beweis, dass es nicht altmodisch oder „uncool“ ist, sich für das Wohl der Allgemeinheit zu engagieren.

Und ich bin mir sicher – ihr Einsatz zahlt sich aus, denn im Rahmen der Feuerwehrarbeit werden den Jugendlichen gesellschaftliche Werte, wie Solidarität, Ehrlichkeit, Pflichtbewusstsein und Kameradschaft vermittelt. Auch lernen die Jugendlichen Verantwortung zu übernehmen und Verantwortung mit zu tragen. All dies ist heute mehr denn je notwendig, um eine Gesellschaft überlebensfähig und lebenswert zu machen.

In Erfüllung dieser gesellschaftspolitischen Aufgabe gebührt der Freiwilligen Feuerwehr Regensburg, wie auch allen anderen Feuerwehren, unser aller Dank und Anerkennung.

Um eine moderne Ausrüstung und einen hohen Ausbildungsstandard zu gewährleisten, unterstützen sowohl der Freistaat Bayern als auch die Stadt Regensburg im Rahmen ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit das Feuerwehrwesen.

Staatliche und politische Unterstützungen sind wichtig. Entscheidend für den Erfolg der Feuerwehren sind jedoch die Menschen, die sich mit großem Engagement für das Gemeinwohl einsetzen.

Gerade der Ausbildungsstand ist es, der die Freiwillige Feuerwehr Regensburg zu einem wichtigen Baustein zum Schutze der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Regensburg heranwachsen ließ. Verfügt doch die Freiwillige Feuerwehr Regensburg über 271 aktive Mitglieder mit einem Frauenanteil von 11,0 Prozent.

Neben den aktiven Mitgliedern haben sich der Freiwilligen Feuerwehr Regensburg sowohl 103 passive Mitglieder als auch 359 Fördermitglieder angeschlossen. Auch diesen Mitgliedern gilt mein Dank, vor allem für die finanzielle Unterstützung des Feuerlöschwesens in unserer Stadt.

Der Grundsatz der Feuerwehr „Einer für alle und alle für einen“ ist in den jeweiligen Einheiten der Feuerwehr im wahrsten Sinne des Wortes lebendig!

Sie alle geben ein eindrucksvolles Beispiel dafür ab, dass es auch in unserer modernen Gesellschaft die Bereitschaft gibt, sich selbstlos und unentgeltlich zu engagieren. Sie stellen unter Beweis, dass Sie immer wieder das Leben und die Sicherheit anderer Menschen über ihre eigene Sicherheit stellen. Sie demonstrieren, dass Kameradschaft und Gemeinsinn auch heute noch Werte sind, die es wert sind, dass man sich dafür einsetzt.

Zum Wohle unserer Stadt wünsche ich mir, dass sich möglichst viele und vor allem junge Menschen auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten dieser Werte bewusst bleiben und sich weiterhin ehrenamtlich und zum Wohl Ihrer Mitmenschen engagieren.

Bewahren Sie die Grundgedanken aus der Gründerzeit der Feuerwehren, fördern Sie Ihre Traditionen und betreiben Sie weiterhin eine aktive Jugendarbeit, zum Nutzen der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Regensburg.

In diesem Sinne wünsche ich der Freiwilligen Feuerwehr Regensburg, ihren Mitgliedern und deren Familien für die weitere Zukunft viel Glück und Erfolg.

Möge der Leitspruch, der die Feuerwehren von ihren Anfängen bis zur heutigen Zeit begleitet hat, auch künftig Gültigkeit haben:
„Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr.“