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Tag der Selbsthilfegruppen

 

-Es gilt das gesprochene Wort-

Grußwort von Bürgermeister Joachim Wolbergs zum Tag der Selbsthilfegruppen bei der AOK am 3. Juli 2008 in der AOK-Direktion Regensburg

 

Anrede

„Hilfe zur Selbsthilfe“ so sagt der Volksmund, sei der beste Weg, um mit schwierigen Situationen umzugehen. Jeder weiß jedoch, dass das kein einfacher Weg ist. Selbsthilfe erfordert viel Kraft und Mut und gerade deswegen ist Unterstützung in diesem Bereich so wichtig!

Der Einladung der AOK Regensburg zum Tag der Selbsthilfe bin ich gerne gefolgt. Ich möchte Sie, Herr Direktor Deml, Frau Murr, die Vertreter der geförderten Selbsthilfegruppen und alle Gäste recht herzlich begrüßen.

Die Selbsthilfe hat in Deutschland eine lange Entwicklung hinter sich. Denn den Stellenwert, den Selbsthilfegruppen in unserer Gesellschaft erreicht haben, hatten sie nicht immer. Dass Selbsthilfegruppen heute ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft und ein unverzichtbarer Partner der Gesundheitspolitik sind, ist nur ein Verdienst, auf den Sie stolz sein können.

Selbsthilfegruppen helfen sehr erfolgreich dabei, die Schere zwischen den Bedürfnissen der betroffenen Menschen und den vorhandenen Zuwendungen – sowohl auf finanzieller als auch auf emotional-menschlicher Ebene zu überbrücken

Oft leisten Selbsthilfegruppen aber noch viel mehr, als „nur“ die professionelle Hilfe zu unterstützen. Ganz wichtig scheint hierfür der Gemeinschaftsgedanke zu sein, der bei Selbsthilfegruppen so ausgeprägt ist. So unterschiedlich die Schicksalsschläge der Menschen auch sind, sie alle suchen Hilfe in einer Situation, die sie nur schwer alleine bewältigen können.

Selbsthilfegruppen leisten etwas Unersetzbares, etwas, das für jeden Menschen von großer Bedeutung ist: Sie vermitteln das Gefühl, nicht allein zu sein.

Menschen mit Krebserkrankung, Behinderte, betroffene Angehörige oder anonyme Alkoholiker, jede Gruppe bildet eine kleine Gemeinschaft, in der sich die Menschen austauschen können. Hier finden sie jemanden, der nicht nur zuhört, sondern der genau weiß, wie sich die Situation anfühlt.
Selbsthilfegruppen bedeuten auch verstanden zu werden, ohne sich erklären zu müssen.

Im gemeinsamen Austausch können Sorgen geteilt werden, die sonst schwer auf den Schultern der einzelnen lasten würden. Selbsthilfegruppen können dabei helfen, wieder Vertrauen und Sicherheit zurückzugewinnen, Kraft und Mut zu schöpfen.

Es gibt jedoch einen Aspekt ihres Engagements, der besonders beeindruckt.
Selbsthilfegruppen befassen sich oft mit gesellschaftlichen Tabuthemen. Beispielhaft ist die Entwicklung des Umgangs mit sexuell missbrauchten Frauen und Mädchen. Selbsthilfegruppen haben zu einem großen Teil dazu beigetragen, dass hier ein öffentliches Bewusstsein entstanden ist.

Auch, wenn heute noch viele Betroffene aus Angst oder Scham schweigen, immer mehr Opfer haben den Mut zu reden und nutzen dieses Potenzial, um das Problembewusstsein in der Öffentlichkeit zu schärfen.
Die Gruppen können sehr stolz auf die Leistung sein, die sie dadurch für die Gesellschaft erbringen.

Stolz können sie auch deshalb sein, weil der Erfolg solcher Gruppen in einem hohen Maße von ihrer Eigenverantwortung und von einem großen Engagement für die Sache abhängt. Der Gedanke, dass man in schwierigen Situationen gemeinsam mehr bewirken kann als alleine, hat sich in all den Jahren stets als richtig erwiesen.

Deshalb ist es auch wichtig, dass die Arbeit der Selbsthilfegruppen entsprechend gewürdigt wird. Der Tag der Selbsthilfe, der nun bereits zum vierten Mal stattfindet, zeigt, dass das Engagement der Selbsthilfegruppen sehr geschätzt und geachtet wird.

In den vergangenen 20 Jahren ist die AOK Stütze und Förderer der Arbeit der Selbsthilfegruppen gewesen, Ihnen gilt mein Dank. Auch die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen hier in Regensburg ist für viele Menschen wichtige Anlaufstelle.

Den einzelnen Gruppen wünsche ich viel Kraft und Freude für ihr Engagement und weiterhin eine so hervorragende Zusammenarbeit mit der AOK.