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Freisprechungsfeier Schreiner-Innung Regensburg

 

-Es gilt das gesprochene Wort-

Grußwort von Bürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich der Freisprechungsfeier der Schreiner-Innung Regensburg am 11. September 2008 um 18 Uhr im Kaisersaal

 

Anrede

„Handwerk hat goldenen Boden“, sagt ein deutsches Sprichwort und ich denke, es hat sich über die Zeiten hinweg bewahrheitet. Auch wenn es nicht unbedingt so interpretiert werden sollte, dass jeder Handwerker ganz automatisch Geld scheffelt – wer ein Handwerk gelernt hat und es gut und fachgerecht auszuüben weiß, der hat sein Leben gesichert. Das war so, das ist heute so und das wird auch in Zukunft so bleiben.

Wir können da ganz weit in die Vergangenheit zurückblicken, bis zum Bau der Arche Noah nämlich, von der das Alte Testament berichtet. Wenn dieser Noah nämlich kein so guter Zimmermann gewesen wäre und keine so stabile Arche herstellen hätte können, die der großen Sintflut standhielt, dann wäre die Menschheit und mit ihr alles Leben auf der Erde wohl ausgestorben.

Auch später waren es Handwerker, die die Geschichte entscheidend beeinflusst haben. So wäre Troja vermutlich nicht erobert worden ohne das hölzerne Trojanische Pferd, in dem sich die Griechen verbergen konnten - erschaffen von Meistern ihres Fachs!

Mittelalterliche Fachwerkhäuser, Kommoden aus der Barockzeit, filigran gearbeitete Intarsienarbeiten aus dem Biedermeier – der Beispiele für das meisterliche Können von Schreinern und Zimmerern gibt es unzählige. Nicht alle, aber doch beeindruckend viele, haben die Zeiten überdauert und legen Zeugnis davon ab, was auch ohne die Möglichkeiten, die unser heutiges hochtechnologisiertes Zeitalter bietet, möglich war - allein durch Geschick, Übung, Phantasie und Kreativität.

Sie alle stehen heute am Ende einer Jahrtausende alten Tradition, die so jung und lebendig ist wie eh und je.

Das Schreinerhandwerk hat also Vergangenheit. Aber es hat auch Zukunft! Gute handwerkliche Arbeit wurde immer wertgeschätzt und wird auch künftig immer gefragt sein.

Dass Sie alle Ihre Gesellenprüfung erfolgreich bestanden haben und nun nach jahrhundertealter Tradition freigesprochen werden, beweist, dass Sie in der Lage sind, solch gute handwerkliche Arbeit zu leisten.

Mit dem heutigen Tag beginnt nun für Sie ein neuer Lebensabschnitt. Ich gratuliere Ihnen von Herzen dazu, dass Sie Ihre Lehr- und Ausbildungszeit erfolgreich abgeschlossen haben. Eine hoffentlich erfolgreiche und vielversprechende Zukunft liegt vor Ihnen allen!

Mit den Worten „Handwerk hat goldenen Boden“, habe ich eingangs ein bekanntes deutsches Sprichwort zitiert. Ich will mit einem anderen Sprichwort fortfahren:

„Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“, heißt es ebenfalls im Volksmund. Dass dies auch heute noch zutrifft, können Sie sicherlich bestätigen. Sie haben Ihre Lehr- und Lernjahre erfolgreich hinter sich gebracht, bestimmt Durststrecken überwinden müssen und vermutlich mehr als einmal gegen Unlust und Frustration angekämpft. Aber Sie haben durchgehalten. Dass Sie heute hier stehen, beweist Ihre Ausdauer und Ihren Leistungswillen.

Ausdauer und Leistungswille, gepaart mit handwerklichem Können – das aber sind die Garanten für eine gesicherte Zukunft! Eine qualifizierte Ausbildung und die Bereitschaft, sich auch zu engagieren, bilden die Quelle, aus der Sie künftig schöpfen können und das Kapital, das es jetzt zu vermehren gilt!

Und genau darum geht es für Sie jetzt: Sie dürfen sich auf den Lorbeeren, die Sie errungen haben, nicht ausruhen.

„Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Sobald man aufhört, treibt man zurück.“ – Das hat der Komponist Benjamin Britten einmal gesagt und seine Worte sind sicherlich auch auf das Handwerk zu übertragen, das mit der Kunst ja viel gemein hat.

Noch nie hat sich so vieles so rasant gewandelt wie in unserer Zeit. Auch das Handwerk ist dem unterworfen und muss sich dem technischen Fortschritt anpassen.

Da heißt es Schritt halten, um im regionalen und überregionalen Wettbewerb nicht unterzugehen. Ständige Weiterbildung, immer neue Ideen und Qualitätssicherung sind auch im Handwerk heute unabdingbar.

Regensburg ist eine florierende Stadt, die so gute Arbeitsbedingungen bietet wie kaum eine andere deutsche Kommune. Das Handwerk stellt dabei eine tragende Säule dar. Ich verspreche Ihnen, dass die Stadt Regensburg alles tun wird, was in ihrer Macht steht, um die Bedingungen für den Handwerksstand weiter zu verbessern.

Doch Sie haben es vor allem selbst in der Hand, ob Sie Erfolg haben werden. Ich kann Ihnen nur raten: Vertrauen Sie auf Ihre Fähigkeiten, auf Ihr Potenzial an fachlicher Qualifikation. Das ist ein solides Fundament, auf das Sie jederzeit weiter aufbauen können.

Bleiben Sie neugierig. Begegnen Sie Neuem aufgeschlossen und mit Offenheit. Aber seien Sie auch kritisch. Nicht alles, was unter dem Deckmantel des Fortschrittes daherkommt, ist automatisch besser als das Traditionelle. Hinterfragen Sie und vertrauen Sie auf Ihre eigene Urteilsfähigkeit.

Und: Lassen Sie sich nicht entmutigen! Rückschläge gehören zum Leben wie das Salz zur Suppe. Nicht selten ist es ein Rückschlag, der den Fortschritt erst einleitet!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen von Herzen alles Gute für Ihren beruflichen Werdegang und natürlich Gottes Segen!