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Verleihung Infineon-Preis

 

-Es gilt das gesprochene Wort-

Grußwort des Schulreferenten der Stadt Regensburg, Bürgermeister Gerhard Weber, anlässlich der Verleihung des Infineon-Preises am 26. November 2008


Anrede,

als Schulreferent der Stadt Regensburg freue ich mich, heute bei Ihnen zu sein und an der diesjährigen Verleihung des Infineon-Preises teilnehmen zu können, zumal dieser Preis - wenn ich richtig gerechnet habe - heuer einen „runden Geburtstag“ feiert.

Ich möchte es darum nicht versäumen, der Infineon Technologies AG bereits an dieser Stelle dafür zu danken, dass sie nun schon seit 10 Jahren mit diesem Preis ihr großes Interesse an einer fundierten Ausbildung unserer Jugend dokumentiert und damit beweist, dass für sie „Private-Public-Partnership“ deutlich mehr ist als ein bloßes Lippenbekenntnis.
Dieser Preis ist zugleich ein weiteres herausragendes Beispiel für Schul-Sponsoring im besten Sinne, da er sich nicht nur auf die Auszeichnung herausragender Schülerleistungen beschränkt, sondern auch die Schulen selbst Unterstützung erfahren.

Im Mittelpunkt der heutigen Feierstunde stehen aber dennoch Schülerinnen und Schüler, und zwar die besten Absolventinnen und Absolventen der Staatlichen Beruflichen Oberschule und unserer Städtischen Berufsoberschule Wirtschaft.

Ihnen allen, meine sehr geehrten Damen und Herren, besonders natürlich den Preisträgerinnen und Preisträgern, darf ich die Grüße des Herrn Oberbürgermeisters und des Stadtrats überbringen und den Preisträgerinnen und Preisträgern auch ganz persönlich zur heutigen Auszeichnung gratulieren.

Dass mit dem Infineon-Preis - indirekt - auch das Engagement der zuständigen Lehrkräfte gewürdigt wird, erhöht seinen Wert, denn auch für sie sind solch positive Rückmeldungen über die geleistete Arbeit - nicht zuletzt im Hinblick auf das eigene Selbstverständnis und die Zufriedenheit im Beruf - von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Lehrkräfte können in aller Regel von einer solchen Anerkennung nur träumen und das ganz gewiss nicht wegen mangelnder Leistungsbereitschaft oder Leistungsfähigkeit, sondern vielmehr wegen des generell gesunkenen Ansehens dieses Berufsstands in unserer „Fun-Gesellschaft“. Unterrichten aber ist - ebenso wie Lernen - eher selten mit „Spaß“ verbunden und alles andere als ein „Kinderspiel“.

Den Schulleitungen und insbesondere ihren Lehrkräften möchte ich deshalb ausdrücklich für ihren Einsatz danken und ich bin ganz sicher, dass sie sich über die Auszeichnung ihrer „Schützlinge“ genauso freuen wie diese selbst.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

„Aufstieg statt Ausstieg“ so haben die Verfasser der 15. Shell Jugendstudie vor zwei Jahren das Ergebnis ihrer Befragung von mehr als 2.500 Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren zu ihrer Lebenssituation, ihren Glaubens- und Wertvorstellungen sowie ihrer Einstellung zur Politik überschrieben. Sie kamen dabei zu dem Ergebnis, dass der noch 2002 festgestellte große persönliche Optimismus inzwischen einer etwas gemischteren Sichtweise Platz gemacht hat.
Allerdings haben Jugendliche - der Studie zufolge - heute ein hohes Maß an Bewusstsein für die großen Themen der Gesellschaft; vom demografischen Wandel über Probleme am Arbeitsmarkt bis hin zu ihren eigenen Zukunftsperspektiven. Sie sind bereit, sich den Herausforderungen zu stellen und was immer auf sie zukommt - sie suchen eine Lösung.

Auch wenn die Studie darauf hinweist, dass Jugendliche ihre Aussichten heute düsterer beurteilen als noch 2002 und die Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt den persönlichen Optimismus dämpfen: sie lassen sich nicht entmutigen und das ist - wie ich meine - ausschlaggebend. Sie wissen, dass Bildung über Zukunft entscheidet und dass ein möglichst guter und hochwertiger Schulabschluss der Schlüssel zum Erfolg ist und bleibt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Unter der Überschrift „Endlich bei der Bildung klotzen“ war in einem Kommentar der Süddeutschen Zeitung vom 19. November 2008 über die Ergebnisse der jüngsten PISA-Studie Folgendes zu lesen:

„Es wird höchste Zeit, dass die Staatsregierung Bewegung in ihre Bildungspolitik bringt. ...
Kleinere Klassen, mehr Ganztagsschulen und Sprachkurse für Migrantenkinder verbessern die Bildungschancen. ...
Man sollte nicht länger über Investitionen nur reden, sondern auch Taten folgen lassen.
Wer Milliarden zur Rettung der Landesbank locker machen kann, muss auch bei der Förderung der Kinder klotzen.“ ...

Neu, meine sehr geehrten Damen und Herren, sind die Diskussionen um Bildung und Chancengleichheit aber beileibe nicht. Bereits in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts haben hitzige Debatten über Schulformen und Lerninhalte das Thema so aufgeheizt, dass man den Eindruck haben musste, die Schule sei nur noch für politische Auseinandersetzungen da.

In den 80er-Jahren wurde der Meinungsstreit um Schultypen, kleinere Klassen und mehr Lehrer fortgesetzt. Mit den neuen Bundesländern kam dann Anfang der 90er auch die Diskussion über die Dauer der Schulzeit auf. Und vor ziemlich genau 11 Jahren, am 5. November 1997, hat der damalige Bundespräsident Roman Herzog auf dem Berliner Bildungsforum gefordert, das Thema Bildung auf die Titelseiten zu holen.

„Bildung“, so sagte er damals, „muss in unserem Land zum "Megathema" werden, wenn wir uns in der Wissensgesellschaft des nächsten Jahrhunderts behaupten wollen“.

Immer lauter wird seitdem diskutiert, ob die Jugend heute noch das Richtige lernt - nicht nur für den Beruf, sondern auch für eine sich wandelnde Gesellschaft.

Drei Jahre später wiederum hat Bundespräsident Johannes Rau beim Abschlusskongress des Forums Bildung in Berlin verlangt:
„Bildung muss angesichts der erkennbaren großen Herausforderungen wieder auf die Tagesordnung, und zwar ganz oben und nicht nur auf die Tagesordnung derer, die reden und schreiben, sondern auch derer, die entscheiden und handeln“.

Und schließlich hat auch der amtierende Bundespräsident Horst Köhler in seiner „Berliner Rede“ am 21.09.2006 gefordert:
„Klare Bildungsziele, ein Klima der Bildungsfreude und ein modernes Bildungswesen - diesen Dreiklang brauchen wir heute wieder.“

Was ist aus diesen Ankündigungen und Forderungen geworden?
„Deutschland wird Bildungsrepublik“, so steht aktuell auf der Homepage unserer Bundeskanzlerin zu lesen, als Überschrift zum „Bildungsgipfel“, der am 22. Oktober 2008 in Dresden stattgefunden hat.

Als Ergebnis dieses Gipfels wollen Bund und Länder ihre Investitionen in Bildung und Forschung bis 2015 auf zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöhen.

Zwar hat auch Altbundespräsident Roman Herzog ausdrücklich darauf hingewiesen, dass „unsere Defizite nicht allein mit dem Scheckbuch zu lösen“ sind.

Er hat aber auch schon vor 11 Jahren deutlich gemacht, „dass gute Bildung nicht im Billigangebot zu haben ist“ und hinzugefügt: „Wer sich den höchsten Lebensstandard, das beste Sozialsystem und den aufwendigsten Umweltschutz leisten will, der muss auch das beste Bildungssystem haben.“

Last but not least hat schließlich der jetzige bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer in einem aktuellen Interview mit dem Bayerischen Fernsehen gesagt:
„Wenn wir mehr Lehrerstellen schaffen und kleinere Klassen, dann ist dies eine Investition in die Zukunft, die hilft, spätere Reparaturmaßnahmen zu reduzieren.“
Wenn diesen Worten wirklich Taten folgen, dann werden davon - wie schon bisher - auch die Schul- und Sachaufwandsträger betroffen sein.

„Bildung“ war und ist deshalb nicht nur ein „Mega-Thema“ für Bund und Länder, sondern auch für die Kommunen und damit selbstverständlich auch für die Stadt Regensburg. Höhere Ansprüche stellen nämlich auch uns vor größere Probleme, deren Lösung zwangsläufig mit finanziellen Konsequenzen verbunden ist, die von der Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert und mitgetragen werden müssen. So schiebt z. B. die Stadt Regensburg bei den Schulen einen „Investitionsstau“ von ungefähr 100 Mio. Euro, das sind rd. 30% des derzeitigen gesamten Investitionsvolumens, vor sich her, der nur abgebaut werden kann, wenn über mehrere Jahre deutlich höhere Ausgaben z. B. für Schulbau- und -ausstattungsmaßnahmen getätigt werden als bisher vorgesehen.

Ich nenne beispielhaft den Neubau der Grundschule Prüfening und des Von-Müller-Gymnasiums sowie die Generalsanierung des Goethe-Gymnasiums und des Albertus-Magnus-Gymnasiums, die im gegenwärtig gültigen Investitionsprogramm enthalten sind, aber auch den Neubau der BOS und der Kaufmännischen Berufsschule sowie Generalsanierungen der Grundschulen Königswiesen, Napoleonstein, Kreuzschule und des Werner-von-Siemens-Gymnasiums (Osttrakt), die noch nicht im Investitonsprogramm aufgenommen worden sind.

Ich bin deshalb der Ansicht, dass nur eine spürbare Anhebung der städtischen Ausgaben für Bildung hilft, diesen „Berg“ abzubauen, der angesichts sich immer rascher vollziehender Veränderungen in Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie und den daraus resultierenden ständig steigenden Anforderungen an unser Bildungswesen sonst unaufhörlich weiter wächst.
Natürlich ist es bedauerlich, dass die immer wieder vorgebrachte Forderung der Kommunen, das bayerische Schulfinanzierungsgesetz den gestiegenen Anforderungen anzupassen, bisher stets abgelehnt wurde.
Den „Schwarzen Peter“ aber nur dem Land zuzuschieben wäre zu einfach, enthebt uns nicht von unserer Verantwortung für nachfolgende Generationen und führt vor allem in absehbarer Zeit nicht zum Ziel.

Die Stadt Regensburg ist ihrer Verpflichtung, der nachwachsenden Generation angemessene Bildungsstätten zur Verfügung zu stellen, in den letzten Jahren in vorbildlicher Weise nachgekommen. So haben wir die Investitionen in Schulen von 6,4 Mio. € in 1998 auf 17,5 Mio. € in 2007 fast verdreifacht. Aber wir laufen jetzt Gefahr, trotz dringender Notwendigkeit dieses hohe Niveau in den nächsten Jahren deutlich zu unterschreiten.

Bildungspolitik, auch die städtische, muss deshalb Priorität haben. Schließlich können auch Weltfirmen wie Infineon nur dann im weltweiten Wettbewerb bestehen und in Regensburg produzieren und forschen, wenn ihnen das Bildungssystem bestens ausgebildete Mitarbeiter vom Wissenschaftler bis zum Facharbeiter zur Verfügung stellt.

Wenn es deshalb einen Bereich gibt, für den es aus meiner Sicht vertretbar ist, einen „Wechsel auf die Zukunft“ auszustellen, sprich Schulden zu machen, dann ist es die Bildung, denn in Bildung investieren heißt, um nochmals unseren Ministerpräsidenten zu zitieren, in die Zukunft investieren.

Sehr geehrte Preisträgerinnen und Preisträger,

Sie werden heute als die diesjährigen besten Absolventinnen und Absolventen der Regensburger Fachoberschule und der Berufsoberschulen mit dem Infineon-Preis ausgezeichnet.
Sie haben das Bildungsziel der Fach- oder der Berufsoberschule mit hervorragenden Noten und Prüfungsergebnissen erreicht und Ihre Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit, Ihr Können und Wissen unter Beweis gestellt.

Ob es uns nämlich gefällt oder nicht, Leistung, Fleiß und Tüchtigkeit sind in einer demokratischen und sozialen Gesellschaft letztlich die entscheidenden Kriterien für das Wohlergehen aller.

Sie sind Voraussetzung für die internationale Konkurrenzfähigkeit nicht nur unseres Wirtschafts-, sondern ebenso unseres Bildungs- und unseres Sozialsystems und Leistung, Fleiß und Tüchtigkeit wurden lange Zeit gleichgesetzt mit „Made in Germany“.

„Erfolg, so hat einmal jemand gesagt, „ist der Sieg der Einfälle über die Zufälle“. Und bei diesem Satz habe ich mich wieder an die grundlegende Unternehmensphilosophie von Infineon erinnert: „Never stop thinking“.

Nur wer (nach)denkt, dem wird auch etwas einfallen und nur gute Einfälle werden uns im globalen Wettbewerb bestehen lassen, denn in unserem rohstoffarmen Land sind gute Ideen Gold wert.

Zur heutigen Auszeichnung gratuliere ich Ihnen darum nochmals recht herzlich, wünsche Ihnen alles Gute, weiterhin viel Erfolg und ich bin ganz sicher, dass angesichts Ihrer bisher gezeigten Leistungen der Infineon-Preis nicht Ihre letzte Auszeichnung bleiben wird.