Navigation und Service

Wissenschaftl. Vereinigung für Internat. Verfahrensrecht

 -Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich der Begrüßung der Teilnehmer an der Jahrestagung der Wissenschaftlichen Vereinigung für Internationales Verfahrensrecht e.V. am 12. April 2007 um 19 Uhr im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

es erfüllt mich mit Stolz, die Teilnehmer an der diesjährigen Jahrestagung der der Wissenschaftlichen Vereinigung für Internationales Verfahrensrecht hier bei uns in Regensburg zu begrüßen.

Ihre Vereinigung steht für Internationale Zusammenarbeit, für weltweite Netzwerke, Forschungskooperationen und den individuellen Gedankenaustausch, und zwar in allen Angelegenheiten, die das Verfahrensrecht betrifft. Aus meiner Sicht ist das Thema Recht so facettenreich in seiner Bedeutung, wie kaum ein anderes Wort.

Da ist einmal die Tatsache, dass wir in einem Rechtsstaat leben, mit einer Rechtsordnung, der wir alle verantwortlich sind. Dennoch gibt es Normenmassen, Unmengen an Verordnungen, Vorschriften, Richtlinien, DIN-Normen usw., bundesweit, europaweit, weltweit. Und nicht selten bleibt in diesem Paragraphenwald die Gerechtigkeit, vor allem die des Einzelnen, auf der Strecke. Deshalb hat das Recht nicht nur viele Auflagen, es hat auch viele Gesichter.

„Wo keine Gerechtigkeit ist, ist kein Frieden. Wo kein Frieden ist, lebt keine Gerechtigkeit“, sagt eine Volksweisheit, die aus meiner Sicht eine weltweite Bedeutung hat, ebenso wie das Internationale Verfahrensrecht.
 
Nun ist Regensburg zwar weder eine Weltstadt noch eine deutsche Metropole, sondern lediglich Hauptstadt der Oberpfalz und Oberzentrum der Region.

Doch Vorsicht!
Unterschätzen Sie uns nicht!

Sie befinden sich in der Stadt Deutschlands, welche im Besitz der wohl unvergänglichsten Gründungsurkunde ist, die es weltweit gibt, nämlich eine, die niemals vergilben wird – denn sie ist nicht auf Papier geschrieben, sondern in Stein gemeißelt und lagert sicher als 9 m langes Ausstellungsstück in unserem Historischen Museum.

Nur einen Katzensprung von hier entfernt können Sie auch einen Teil des immerhin zweitgrößten römischen Tores auf deutschem Boden begutachten – es ist die Porta Praetoria des ehemals römischen Militärlagers Castra Regina. Und die Steinerne Brücke, gebaut von 1135 bis 1146, war im frühen Mittelalter der einzige feste Übergang über die Donau und galt zu ihrer Zeit sogar als das achte Weltwunder.

Wer immer noch völlig unbeeindruckt von Regensburg ist, dem sei gesagt, dass er sich hier inmitten der ersten Hauptstadt Bayerns befindet. Man stelle sich vor: 600 Jahre bevor München überhaupt gegründet wurde war unsere Stadt bereits eine bedeutende Handelsmetropole!

Die Historiker gehen sogar noch einen Schritt weiter: Von Regensburg aus soll das bayerische Herzogtum begründet worden sein. Bayern ist also ohne Regensburg nicht denkbar.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, wie wir Regensburger mit so viel Stolz und Selbstbewusstsein zurecht kommen können.

Wir halten es da mit dem österreichischen Dichter Ernst Ferstl, der sagt:
„Ohne den Glauben an unsere Einzigartigkeit fehlt uns der Schlüssel zur Tür unseres Selbstbewusstseins.“
Diese Stadt ist wirklich einzigartig!

Und ich kann Ihnen gleich noch einen Beweis dafür liefern, dass wir einzigartig sind: Seit Mitte des vergangenen Jahres tragen wir den Titel UNESCO-Welterbe.

Regensburg – Das sind ganze zwei Jahrtausende lebendige Geschichte.
Geschichte, die einem auf Schritt und Tritt allein schon beim Gang durch die Altstadt begegnet.

Schon im 13. und 14. Jahrhundert war unsere Stadt der Dreh- und Angelpunkt des europäischen Fernhandels. Die Geschäfts- und Handelsbeziehungen reichten von Oberitalien bis Skandinavien, von Kiew bis Byzanz und England.

Genau zu dieser Zeit erreichte Regensburg seinen wirtschaftlichen Höhepunkt.
Die Geschichtsschreiber priesen die Stadt als die „volkreichste“ und „mächtigste“ Stadt Deutschlands. Und auch im wirtschaftlichen Sektor waren wir damals ganz vorne mit dabei.

Zeugnis vom damaligen Reichtum geben die großen Hausburgen und Türme, zu deren Bau die weltoffenen Regensburger Kaufleute auf ihren Reisen nach Italien inspiriert wurden.

So ist es nicht verwunderlich, dass Regensburg, im Jahre 1245 nach Köln die einwohnerreichste Stadt Deutschlands, bald ganz natürlich zu einem Anziehungspunkt für Gelehrte und Forscher wurde.

Den größten Nährboden für die Wissenschaft, Forschung und Lehre lieferten seinerzeit, und das bis in das späte 18. Jahrhundert, die mächtigen und einflussreichen Klöster und Stifte.

Es ist auch kaum bekannt, dass schon im Jahre 1487 Herzog Albrecht IV. von Bayern gemeinsam mit dem Rat der Stadt Regensburg eine Petition beim Papst einbrachte, mit der die Gründung einer Universität zu Regensburg erwirkt werden sollte.

Der Papst stimmte diesen  Gründungsplänen zwar zu, gab allerdings das Schottenkloster nicht frei, welches nach den Vorstellungen der Planer die Universität aufnehmen sollte. Letztendlich scheiterte das Vorhaben dann.

Im Laufe des dreißigjährigen Krieges wurde dieser Gedanke wieder aufgegriffen, in Regensburg eine Universität zu gründen. Diesmal sollte es allerdings eine evangelische sein. Auch dieser Gedanke scheiterte.

Und Anfang des 19. Jahrhunderts gab es einen erneuten Anlauf. Diesmal machte uns schließlich der Bayerische König erneut einen Strich durch die Rechnung.

Erst 1962 sollte es glücken.
Gott sei Dank!

Heute ist Regensburg wieder eine Stadt der Wissenschaft, Forschung und Lehre, eine Universitätsstadt mit eigenem Profil und internationaler Reputation.

Unsere geschichtsträchtige Vergangenheit und unser Ruf, schon im Mittelalter politische und wirtschaftliche Drehscheibe Europas zu sein, zugleich aber auch Heimstatt für Wissenschaft und Forschung, also den geistigen Austausch, ist auf diese Weise bis in die Gegenwart hinein erhalten geblieben, mit der Option, diese Tradition zukunftsfähig zu gestalten.

Gerade die vielen wissenschaftlichen Kongresse und Tagungen, wie die Ihre, haben unsere Tradition und unseren Ruf als Stadt der Wissenschaft, Forschung und Lehre nicht nur erhalten und über die Grenzen der Stadt hinaus in die Welt getragen, sie haben auch mit dazu beigetragen, unseren Weg in die Zukunft stabil zu machen.

Deshalb freut es mich von ganzem Herzen, dass gerade Sie sich unsere Stadt zum Ort Ihrer Jahrestagung ausgewählt haben, um hier bei uns das hohe Niveau Ihres Veranstaltungsprogramms für die fachliche Information zu nutzen und damit verbunden, den gedanklichen Austausch für das Schöpfen neuer Ideen und Kräfte.

Henry Ford formulierte einmal treffend:
„Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbleiben ist ein Fortschritt, Zusammenarbeiten führt zum Erfolg.“
Und ein deutscher Fabrikant namens Otto Happel unterstreicht dies durch seine Definition von Erfolg:
„Erfolg ist eine Teamsache.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für
Ihr Zusammenkommen und
Ihr Zusammenarbeiten
gutes Gelingen.

Vielleicht darf ich Ihnen, meine sehr verehrten Damen und Herren, abschließend noch ein ganz persönliches Anliegen ans Herz legen:

Ich wünsche mir, dass Sie trotz der arbeitsreichen Stunden auch ausreichend Zeit finden, unsere Stadt ein wenig kennen und lieben zu lernen. Lassen Sie sich ein wenig von dem Regensburger Flair einfangen und genießen Sie unsere traditionelle Gastfreundschaft.

Diese ist schließlich nicht einmal von König Ludwig I. angezweifelt worden.
Als ihm 1830 anlässlich der Grundsteinlegung der Walhalla nach alter Sitte Brauch die Stadtschlüssel überreicht werden sollten, sprach er die unvergessenen Worte: "Es bedarf der Schlüssel nicht - ich finde die Herzen der braven Regensburger alle offen." 

So sind wir eben, wir Regensburger. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass auch Sie das spüren.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen

  • einen schönen Aufenthalt bei uns!
  • Einen guten und effektiven Gedankenaustausch im Rahmen Ihrer Jahrestagung – und ein:
  • Auf Wiedersehen in Regensburg!