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Schlesischer Heimatnachmittag

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger zum Schlesischen Heimatnachmittag am 28. April im Antoniussaal um 15 Uhr im Rahmen der Schlesischen Kulturtage vom 27. bis 29. April 2007 in Regensburg

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Namen der Stadt Regensburg begrüße ich Sie herzlich und freue mich, dass ich heute hier den Schlesischen Heimatnachmittag eröffnen darf.

Der Schlesische Heimatnachmittag ist ein Fest, das aus der Geschichte, aus der Vergangenheit, erwachsen ist, aber für die Gegenwart und besonders auch für die Zukunft von Bedeutung ist!

Im Mittelpunkt dieser Feierlichkeiten steht ein Begriff, der für jeden Menschen etwas anderes bedeutet, und doch auch wieder nicht: der Begriff „Heimat“.

Eine allgemeingültige Definition für den Begriff Heimat zu finden, ist nicht einfach, denn Heimat kann für jeden Menschen etwas vollkommen anderes bedeuten, weil Heimat vor allem ein Begriff ist, der sich aus einem Gefühl der eigenen Identität heraus entwickelt.

Für viele Menschen ist Heimat dort, wo sie die längste Zeit ihres Lebens verbracht haben. Und für wieder andere ist Heimat an dem Platz, wo sich Familie oder Freunde befinden.

An diesen Beispielen wird deutlich, dass Heimat viel mehr ist als nur ein rein geografischer Gesichtspunkt.

Heimat muss nicht unbedingt an einen Ort gebunden sein. Vielmehr ist es doch das bewusste Erleben von Traditionen, die Beziehungen, die man an einem Ort aufbaut und die Erlebnisse, die man mit einem Ort verbindet, die ein „Heimatgefühl“ entstehen lassen.

Landschaften, Häuser, Straßenzüge, ganze Städte oder auch einfach Menschen können für uns Heimat sein.

„Meine Heimat ist dort, wo Du bist“, sagen Liebende oft. Ein Ausspruch, der mir persönlich sehr gut gefällt, weil er zeigt, wie individuell der Begriff Heimat von den Menschen empfunden wird.

Allgemein kann man aber wohl sagen, dass die Bedeutung von Heimat für jeden Einzelnen vor allem mit Gefühlen verbunden ist: mit einem Gefühl des Wohlempfindens, der VERTRAUTHEIT, aber auch des VERTRAUENS.

Gefühle, die man oft mit seiner Kindheit, seinen Jugendjahren in Verbindung bringt: Für viele Menschen ist Heimat der Ort, an dem sie aufgewachsen sind, an dem sie ihre Kindheit verbracht und die ersten Erfahrungen gesammelt haben.

Viele schöne, aber auch traurige Erinnerungen verbinden einen mit der Zeit der Jugend.

Wenn Sie an Ihre Kindheit zurückdenken, meine sehr verehrten Damen und Herren, so denken Sie wahrscheinlich an viele Momente, in denen Sie Glück und Zufriedenheit empfunden haben, aber mit Sicherheit sind auch viele negative Erinnerungen darunter, Erinnerungen an Abschied, an Schmerz und an Verlust.

„Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat besitzen“, hatte einst der deutsche Erzähler und Theaterkritiker Theodor Fontane gesagt. Sie alle mussten diese Erfahrung machen, Sie alle mussten Ihrer Heimat den Rücken kehren und sich in der sogenannten Fremde zurechtfinden.

Sie sind Teil der deutschen Geschichte, meine sehr verehrten Damen und Herren, einer Geschichte, die nicht immer rühmlich gewesen ist, und gerade in Ihrem Fall vor allem schmerzlich.

Es ist wichtig, sich der Geschichte immer wieder zu erinnern, sie nicht aus den Augen zu verlieren, auch nicht seine eigene (Lebens-)geschichte.

Wir dürfen diese Erinnerung aber nicht missbrauchen, um uns gegenseitig Schuld zuzusprechen. Wir sollten sie nutzen, um die Zukunft besser gestalten zu können, um aufrichtig und in Frieden miteinander leben zu können.

Deshalb halte ich es für mindestens genauso wichtig, auch die Gegenwart und die Zukunft nicht außer Acht zu lassen, die Gegenwart ganz bewusst zu erleben und nicht zu vergessen, den Blick auch nach vorne zu richten!

Denn Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren, haben hier Ihre Familien gegründet, Ihre Kinder und Ihre Enkelkinder großgezogen, hier haben Sie sich Ihr soziales Netzwerk aufgebaut, Freundschaften geschlossen, schöne wie schmerzliche Stunden verlebt.
Sie haben hier Spuren hinterlassen und leben auch heute noch, nach so vielen Jahren bewusst ihre Traditionen, die Sie aus Ihrer Heimat mitgebracht haben und geben sie an ihre Nachkommen weiter.

Das, was für Sie, meine Damen und Herren, einst ein Ort der Fremde war, ist es heute nun hoffentlich nicht mehr.

Regensburg ist eine Stadt, in der man sich, auch wenn es nicht das gebürtige Zuhause ist, sehr leicht HEIMISCH fühlen kann. Die Möglichkeiten, die die Stadt Ihnen bietet, haben Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren, genutzt: Sie sind hier fest verwurzelt und mittlerweile aus dem Stadtgefüge nicht mehr weg zu denken.

Wie ich bereits sagte, ist Heimat kein Begriff, der sich auf bloßes Landkartendenken reduzieren lässt! Heimat hat viel mit Gefühl, mit Menschen, zu tun und mit der Art und Weise, wie man aufgenommen wird!

Negative Erfahrungen der Vergangenheit müssen für alle ein Ansporn sein, die Ereignisse aufzuarbeiten und alle dazu zu bewegen, es in der Zukunft besser machen zu wollen!

Die deutschen Heimatvertriebenen haben dazu frühzeitig die Hände gereicht. Ich hoffe, dass dieser Prozess im Europäischen Haus Fortschritte macht. Die Heimatvertriebenen haben darüber hinaus viel zum Aufbau der neuen Heimat beigetragen.

Es ist bereits viel geschafft, wenn die einstige Fremde mittlerweile, für Sie meine Damen und Herren, zu einer zweiten Heimat geworden ist, in der Sie leben und wirken und gemeinsam für ein gutes Miteinander einstehen!