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Neujahrsempfang 2007

 -Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich des Neujahrsempfangs am 12. Januar 2007 im Reichssaal des Alten Rathauses

 

Liebe Freunde unserer Stadt,
liebe Regensburgerinnen und Regensburger,
sehr geehrte Damen und Herren,

zum neuen Jahr heiße ich Sie alle herzlich willkommen. Die meisten unter Ihnen sind nicht zum ersten Mal zu Neujahr hier im Reichssaal. Sie wissen, dass es nach 10 Jahren fast schon Kult ist, dass wir - die beiden Bürgermeister und ich - Sie hier ausschließlich deswegen persönlich mit Handschlag begrüßen, weil wir Ihnen die extrem redeverlängernde namentliche Begrüßung ersparen wollen. Wir sind Ihnen für Ihr Verständnis dankbar, genauso wie für die Sorgfalt Ihres Handschlags.

Ich hoffe, Sie hatten einen „guten Rutsch“ in dieses Neue Jahr und haben Ihren Freunden und Bekannten einen solchen gewünscht. Ohne es zu merken, haben Sie dadurch ein Zeichen der Verbundenheit zu den Gebräuchen unserer jüdischen Mitbürger gezeigt. Rosch ha-Schanah ist das jüdische Neujahrsfest und der „gute Rutsch“ ist eine sprachliche Verballhornung des jüdischen Neujahrswunsches.

Den musikalischen Neujahrsgruß überbrachte uns eben unter der Leitung von Gerwin Eisenhauer das Ensemble der Berufsfachschule „Music College“, die jetzt 10 Jahre besteht. Dankeschön und Glückwunsch!

„Zeit ist nur dadurch, dass etwas geschieht, und nur dort, wo etwas geschieht.“ Wenn es nach diesem Satz von Ernst Bloch geht, dann war das vergangene Jahr eine lange Zeit und hat vor allem bei uns in Regensburg stattgefunden – denn hier ist viel geschehen.

Das Jahr 2006 bleibt besonders in unserer Geschichte und in unseren Herzen:

Wir wurden in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen, Papst Benedikt ist unser Ehrenbürger geworden und war zu Besuch, wir haben Vaclav Havel den Brückenpreis überreicht. Wir haben BioPark II eröffnet, in Burgweinting die Südumgehung, den Bahnhof, die Franz-Josef-Strauss-Allee und ein neues Baugebiet Nordwest II.

Regensburg ist mit dem Institut für Immobilienwirtschaft an der Universität zum europäischen Zentrum der Immobilienökonomie geworden.

Wir haben vieles auf den Weg gebracht für die Entwicklung unserer Stadt, manches auch noch nicht. Nehmen wir es mit Tucholsky, der in seinem Gedicht „Das Ideal“ sagt: „Jedes Glück hat einen kleinen Stich.“

2006 war trotzdem ein Jahr, auf das wir noch lange mit Stolz und Freude zurückschauen.

Weltweite und nachhaltige Aufmerksamkeit wird uns die Ernennung zum UNESCO-Welterbe bringen. Wir hatten eine überzeugende Bewerbung abgegeben, wir wussten aber, dass das Welterbe-Komitee der Aufnahme ganzer Stadtensembles skeptisch gegenüber steht.

Mancher Außenstehende betrachtete die Entscheidung als Formsache. Wer in das Geschehen eingebunden war sah die Fallstricke und Fußangeln. Ich erinnere mich an unzählige Telefonate zwischen Regensburg und Vilnius, wo bis zum letzten Augenblick gerungen und gekämpft wurde.

Ich erinnere mich an das spannungsvolle Warten auf die Entscheidung und an die Erleichterung und Freude, als der erlösende Anruf kam.

Ich habe heute als besondere Gruppe Bürgerinnen und Bürger eingeladen, die in der Kernzone des Welterbes wohnen, und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die im Team mit Kulturreferent Klemens Unger nicht nur mit Engagement und Fachkenntnis an der umfassenden Bewerbung gearbeitet haben, sondern auch mit Liebe und Begeisterung für die Sache.

Ihnen allen gilt mein Gruß und mein Dank,

den Bürgern für das Verständnis, das „Wohnen im Welterbe“ nachhaltig von ihnen fordern wird, und allen „Vätern und Müttern“ des Erfolges für ihre tolle, engagierte Arbeit.

Wir haben vielen Denkmalstädten etwas voraus: Wir betrachten unsere Stadt weder als großes Freilichtmuseum, noch als eine Art Disneyland, sondern als lebendigen Organismus, in dem Menschen wohnen, arbeiten und vor allem leben. Wir wollen unsere Strategie fortsetzen, eine ausgewogene Mischung aus Bewahren und Verändern, Konservieren und Nutzen zu erreichen, die unser bauliches Erbe als Brücke in die Zukunft für kommende Generationen erhält.

Denkmalpflege muss immer bedeuten, eine Flamme am Brennen zu halten. Das bedeutet, Altes und Neues behutsam miteinander zu verbinden. Nicht das Nebeneinander an sich kann ein Problem sein, nur das schlecht gemachte Nebeneinander. Merkt eigentlich ein Münchner Journalist, der wohl nicht mehr ganz up-to-date ist, nicht, was er sagt, wenn er Stadtentwicklung und Denkmalpflege der letzten Jahrzehnte in Regensburg als weitgehend verfehlt geißelt, wo uns doch die UNESCO kurz vorher zum kulturellen Menschheitserbe erhoben hat?

Der Mönch Otloh hat über Regensburg im Mittelalter gesagt, es sei „alt und neu zugleich“. Und Prof. Carsten Lorenzen, vier Jahre Mitglied unseres Gestaltungsbeirats, urteilt etwa im Vergleich zu Dresden, Regensburg sei eine „lebendige Stadt“. Ich darf ihn zitieren: „Der Bestand ist (in Regensburg) nicht konservierte Vergangenheit, sondern Beitrag zum Heute. In Dresden soll alles werden wie es einmal war; möglichst museal perfekt, mit nicht einmal originalen Ausstellungsstücken. Regensburg als besonders lebenswerte Stadt entsteht als Prozess in einer dynamischen Verbindung von privaten und öffentlichen Initiativen und Interessen.“

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
vor einem Jahr habe ich an dieser Stelle davon gesprochen, dass ich eine neue Zuversicht in der Bevölkerung heraufziehen sehe, davon, wie der Blick der Menschen sich wieder nach vorne richtet. Ich glaube, mit meiner Einschätzung lag ich richtig.

Es sind nicht nur die wirtschaftlichen Daten allein, es sind auch psychologische Faktoren, die einen Umschwung signalisieren: Man spürt allenthalben wieder mehr Optimismus und weniger Neigung zur ängstlichen Nabelschau. Vielleicht verhält es sich bei kollektiven Stimmungslagen wie bei den Jahreszeiten: Auf den Winter der Depressionen folgt das Frühjahr der keimenden Hoffnungen und der Sommer der Ernten, ehe sich mit dem Beginn des Herbstes dieses Schauspiel womöglich wiederholt.

Ein gutes Beispiel für den Stimmungsaufschwung in Deutschland war die Fußballweltmeisterschaft. Obwohl nur Dritte geworden – was in früheren Zeiten höchstens säuerliche Kommentare herausgefordert hätte – hat die deutsche Nationalmannschaft Begeisterung und Patriotismus ausgelöst. Man sprach und spricht noch immer mit Zärtlichkeit und Ehrfurcht vom Sommermärchen, das unser Land verzaubert habe.

Bleibt zu hoffen, dass die Begeisterung, Toleranz und Weltoffenheit, die die Deutschen durch die WM getragen hat, sich hinterher nicht als Fünf-Wochen-Party-Laune erweist, sondern als nachhaltig. Und hoffentlich sind wir künftig nicht nur Fußball-, sondern auch Alltags-Patrioten.

Tatsächlich schienen die Menschen in diesen Tagen fröhlicher und freundlicher. Und wenn die Fußballweltmeisterschaft wirklich dazu beigetragen hat, dem deutschen Volk sein angeknackstes Selbstvertrauen wiederzugeben, wie es geheißen hat, dann war dies allein schon den ganzen Aufwand wert. Aber: Warum haben wir ein angeknackstes Selbstvertrauen?

Deutschland ist eines der am höchsten entwickelten Länder der Welt. Sein Niveau an Lebensqualität dürfte schwerlich übertroffen werden, wenn wirklich alles eingerechnet würde. Wir haben daher allen Grund zu einem gesunden Selbstvertrauen. Das Zusammentreffen der Wiedervereinigung mit den Herausforderungen der Globalisierung, aber auch mit inneren strukturellen Verwerfungen, hat zu einer Phase der Stagnation und der Schwäche geführt, die – ein wenig Geschichtsverständnis vorausgesetzt – eigentlich vorhersehbar gewesen wäre. Diese Zeit scheint zu Ende zu gehen.

Dass wir dabei in Regensburg wieder einmal auch in wirtschaftlicher Hinsicht anderen eine Länge voraus sind, beweist der RETAX, der Regensburger Technologie-Aktienindex. Während der Deutsche Aktienindex zum Ende 2006 kaum über der Marke des Jahres 2000 lag, stieg der RETAX in den letzten sechs Jahren um 60 Prozent, davon allein im vergangenen Jahr um 33 Prozent.
Anders gesagt: Wer in die in Regensburg ansässigen stark prosperierenden DAX-Aktien-Gesellschaften investiert hat, der hat richtig Geld verdient. Was beweist: Regensburg verdient Vertrauen.

Und: Die Entwicklung kommt am Arbeitsmarkt an.

Im Vergleich mit anderen bayerischen Städten liegt Regensburg mit einer Arbeitslosenquote von 7,9 Prozent, deutlich günstiger als Nürnberg mit 10,5 Prozent, Augsburg mit 10,4 Prozent oder Fürth mit 10,2 Prozent.
Auch im Vergleich zu Städten mit einem ähnlich hohen Arbeitsplatzbesatz wie Regensburg, schneidet unser Standort hervorragend ab. Die Arbeitslosenquote in Frankfurt liegt bei 9,8 Prozent, in Wolfsburg bei 9,7 Prozent.

Bei aller Freude über den Aufschwung dürfen wir aber nicht übersehen, dass er die Menschen unterschiedlich erfasst: Während die einen kräftig davon profitieren, gehen andere leer aus.

Es muss also im wohlverstandenen Interesse aller Mitglieder einer Gesellschaft liegen, das soziale Spektrum nicht allzu sehr auseinanderdriften zu lassen! Kosten und Risiken einer sozial stark divergenten Gesellschaftsstruktur überwiegen bei weitem die kurzfristigen Einsparungseffekte. Das Streben nach weniger Ungleichheit braucht durchaus nicht Ausdruck einer verquasten Sozialromantik zu sein, sondern kann das Ergebnis eines nüchternen Kalküls bilden.

Gerade eine Stadt ist ein sozialer Organismus, der wie der Körper des Menschen empfindlich auf Stimmungen und Ungleichgewichte reagiert. In den urbanen Ballungsräumen werden gesellschaftliche Entwicklungen vorgezeichnet, lange ehe sie das öffentliche Bewusstsein erreichen. Wir sehen auch heute bereits Verwerfungen in der städtischen Gesellschaft, die eine Folge der zunehmenden Unterschiede in der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit sind. Dabei gerät insbesondere die bürgerliche Mittelschicht, von jeher Garantin stabiler wirtschaftlicher und staatlicher Verhältnisse, unter Druck und in Gefahr, als Gruppe der Leistungsträger zwischen Oben und Unten zerrieben zu werden.
Städte sind mehr als nur Ansammlungen von Gebäuden, Straßen und technischer Infrastruktur. Sie sind Orte der Behaustheit, Mittel zur Identifikation, Kulisse für erlebbare Gemeinschaft. Die städtische Gesellschaft ist trotz zunehmender Fluktuation, Mehrkulturalität und Individualisierung ein Solidarverband, der Verantwortung tragen kann.

In den Städten regten sich früh erste Bestrebungen zur Selbstverwaltung dieser Freiheiten und Entwicklungen, lange bevor Staaten solches für alle garantierten.

Ich weiß nicht, ob sich diejenigen, die heute Bürgerinitiativen gründen, wann immer ihnen ein Projekt nicht passt, über dieses stolze Erbe im Klaren sind.

Das Streben nach Mehrheiten ist gerade in einer Demokratie kein Selbstzweck, sondern Verfahrensprinzip; oberste Richtschnur kommunalpolitisch relevanten Handelns muss stets ein Maximum an Gemeinwohl sein. Anders ausgedrückt: Legal ist alles, was in einer Abstimmung eine Mehrheit bekommt, legitim ist nur, was allen, oder zumindest dem Großteil der Betroffenen nützt. Zielsetzungen im Interesse kleiner Gruppen verletzen das Gemeinwohlprinzip.

Das Wesen der Demokratie besteht nicht im Akt der Abstimmung an sich, sondern darin, dass verantwortliche Bürger im Wege des sachlichen Diskurses aus verschiedenen Alternativen die beste auswählen.

Wer nun meint, das sei nachtarocken zum Thema Stadthalle, dem halte ich ein Zitat von Novalis entgegen:

„Der Mensch besteht in der Wahrheit.
Gibt er die Wahrheit preis, so gibt er sich selbst preis,
Wer die Wahrheit verrät, der verrät sich selbst.
Es ist hier nicht die Rede vom Lügen,
sondern vom Handeln gegen Überzeugung.“ Ende des Zitats.

Hier ist „Wahrheit“ natürlich nicht so zu verstehen, dass jemand von sich aus behaupten darf, im Besitz einer endgültigen, unumstößlichen Wahrheit zu sein, wohl aber so, dass jeder von uns den Anspruch haben darf, dass er nicht gegen seine Überzeugung handeln muss und niemand das Recht hat, ihn dafür zu schelten.

Ist eigentlich die Freiheit, selbst über besonders zukunftsweisende Vorhaben zu entscheiden, nicht eine kleine Mühe wert? Warum genießen Bürgerrechte, die uns eigentlich doch stolz machen sollten, nicht mehr Wertschätzung? Bezeichnend ist ein Leserbrief in der Mittelbayerischen Zeitung vom 19. Dezember, in dem der Verfasser lapidar feststellt:
„15 000 Regensburger wünschen sich Wohnungen. 13 000 Regensburger wünschten sich eine Stadthalle. 70 000 Regensburger wünschten sich einfach nur ihre Ruhe.“

Doch „seine Ruhe haben wollen“ ist mit praktizierter Demokratie nicht so recht kompatibel. Seit der Ruhe als „erster Bürgerpflicht“ haben die Bürger in der Demokratie viele Freiheiten hinzugewonnen.

Jeder Zugewinn an Freiheitsräumen schafft Verpflichtungen, denn er ist verknüpft mit mehr Verantwortung. Verantwortung zu übernehmen bedeutet Engagement, Engagement bedeutet Zeit, Geld, Mühe.

Das ehrenamtliche Element, ohne das weite Bereiche unserer Gesellschaft längst nicht mehr funktionstüchtig wären, wird in seiner Bedeutung noch weiter wachsen.

Ich bin unendlich dankbar, dass viele dazu bereit sind. Wir brauchen noch mehr Menschen, die ihre persönliche Ruhe und Bequemlichkeit hintan stellen und sich für das Gemeinwohl engagieren, indem sie anderen Menschen helfen und sie unterstützen - Menschen, die unserer Zuwendung bedürfen und denen der Staat, realistisch betrachtet, auf Dauer nicht mehr geben kann als allenfalls eine soziale Grundsicherung.

Ich bin aber auch besonders dankbar für die Unterstützung, die wir in Regensburg von privaten Gönnern und Förderern für kulturelle, wissen-schaftliche und technische Projekte erfahren durften. Ohne Sponsoren, Mäzene oder Partner, die wertvolle Impulsgeber sind, hätten wir vieles, was wir in den letzten Jahren in Angriff genommen haben, nicht realisieren können. KUNO oder IRE/BS – die International Real Estate Business School - sind leuchtende Beispiele dafür.

Ein solches Beispiel für Bürgersinn und Freiwilligkeit war das „Jahrtausendereignis für drei Tage“ im September in unserer Stadt. Papst Benedikt in Regensburg! Es war beglückend, zu erleben, wie hervorragend alle Regensburgerinnen und Regensburger zusammengewirkt haben, Papst Benedikt einen so herzlichen Empfang zu bereiten. Sie haben dabei bewiesen, was zu erreichen ist, wenn alle am gleichen Strang ziehen.

Wir dürfen Freude empfinden, für den Heiligen Vater Heimat in einem Sinne zu sein, die ihn sagen lässt: „Hier bin ich wirklich daheim“.

Ich danke an dieser Stelle nochmals allen, die an dem „Großunternehmen Papstbesuch“ beteiligt waren und durch ihren Einsatz zum Gelingen entscheidend beigetragen haben. Sie haben ein leuchtendes Beispiel für Gemeinsinn und „Bürgergesellschaft“ gegeben.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Sie wissen, dass ich in meinen Neujahrsreden nicht zurückschaue, sondern meinen Blick nach vorne richte, Ausblicke und Ziele formuliere, Einschätzungen wage, die aktuelle Lage bewerte.

Nach einem Jahr wie 2006 konnte ich nicht anders, als die Highlights des Jahres noch einmal Revue passieren zu lassen, mit Freude, Stolz und Dankbarkeit.

Lassen Sie mich jetzt genauso positiv gestimmt auf das vor uns stehende Jahr blicken:

Wir haben Grund dazu. Unsere Finanzen halten uns nach wie vor handlungsfähig. Die Regierung der Oberpfalz hat uns Folgendes bescheinigt: Regensburg ist in der Steuerkraft hinter dem schier unerreichbaren München auf den 2. Platz aller 25 kreisfreien Städte in Bayern vorgerückt.

Auch bei der Finanzkraft konnte sich die Stadt, im Trend des allgemeinen Anstiegs, vom dritten auf den zweiten Platz verbessern. Wir sind also gut für die Zukunft aufgestellt. Das ist die Ausgangsposition für die Aufgaben
von 2007.

Eine davon ist – noch immer – der Donaumarkt: als Stadthallenstandort ausgeschieden, als städtebauliche Wunde präsent. Ein Planentwurf für Mischbebauung mit Markt und öffentlicher Nutzung für eine Teilfläche liegt vor. Daran wird weiter gearbeitet.

Den Gedanken an ein Kultur- und Kongresszentrum dürfen wir aber nicht aufgeben, weil wir eines brauchen und weil wir den klaren Auftrag der Bürgerschaft dafür haben. Einen neuen Standort zu finden, dürfte schwierig sein. Wer glaubt, es gelte jetzt einfach, freie Grundstücke aufzulisten, der sieht die Dinge zu einfach. Nicht umsonst wurden jahrelang Standorte gedreht und gewendet und dann doch wieder verworfen.

Ich weiß, dass wir uns nur dann eine Stadthalle leisten können, wenn wir ein für uns finanziell tragbares Angebot eines Investors bekommen; das wiederum bekommen wir nur für einen attraktiven, für einen sehr gut geeigneten Standort. Die Qualitäten des bisher favorisierten Standorts sind die Messlatte für die nächst besten.

Am Ende dieses Jahres werden wir ein Sanierungskonzept für die Steinerne Brücke haben. Hoffentlich auch ein Finanzkonzept und Lösungen für die Verkehrsfragen.

Ende 2007 sollten wir einen Spatenstich für den Bau der Ostumgehung und der Sallerner Regenbrücke getan haben, als Signal, die Wohngebiete im Stadtnorden erheblich vom Durchgangsverkehr zu entlasten.

Es hat sich gelohnt, dabei dem Bürger offen unter die Augen zu treten und ihn mit den Tatsachen zu konfrontieren, auch wenn dies manchmal mühsam und unbequem ist.

Noch einmal verweise ich mit Stolz darauf, dass wir 2007 nicht das meiste Geld in Straßen, sondern in Schulen und Kinderbetreuung investieren werden.

Bei der Planung von Schulbaumaßnahmen, genauso wie bei der Bewältigung von Verkehrsproblemen oder Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung können Stadt und Umland nicht unabhängig voneinander arbeiten.
Es gab sehr ermutigende Ergebnisse einer guten Zusammenarbeit mit dem Landkreis. Dafür danke ich dem Landrat und den Kollegen im Landkreis.

In einem Jahr, in dem das vereinte Europa 50 wird, ist es sicher berechtigt, zu mahnen, dass die Zusammenarbeit, zumal in wirtschaftlicher Hinsicht, noch weit über das unmittelbare Umland hinaus gehen muss. Wir leben im Herzen des vereinten Europa – aber nicht allein. Der Raum zwischen den Metropolregionen München, Nürnberg, Prag und Wien muss seine Chancen selbst suchen und entwickeln – das wird uns auf die Dauer mehr bringen als das fünfte Rad an einem anderen Wagen zu sein.

Das könnte auch ein wirklich erfolgversprechender Weg zur Stärkung des ländlichen Raumes in Ostbayern sein, einschließlich eines offensiven Bekenntnisses des Freistaates Bayern zu Infrastruktur-Leuchtturmprojekten wie der Marzlinger Spange zur Flughafenanbindung und der Donau-Moldau-Bahn. Nördlich von Freising gibt es nämlich auch noch berechtigte bayerische Interessen.

Das nicht immer ganz störungsfreie Verhältnis zum Freistaat Bayern möchte ich anhand eines baulichen Details des Alten Rathauses erläutern: Als man 1910 in Regensburg die hundertjährige Zugehörigkeit zum Königreich Bayern groß feierte, bekam das Alte Rathaus eine neue Holztüre am Treppenaufgang. Geht man hinein, liest man: Grüß Gott Regensburg. Verlässt man das Haus, steht da unter dem bayerischen Wappen „Pfüat di Gott Bayern“.

Na ja – möchte man manchmal sagen – dann Pfüat di Gott, du Freistaat, in deiner weißblauen Selbstgewissheit, die dich die Probleme der Kommunen manchmal nur sehr unscharf erkennen lässt. Trotz aller gelegentlichen atmosphärischen Störungen verlassen sich die Städte – ich sage das auch als Vorsitzender des Bayerischen Städtetags – auf den Sieg der Einsicht, dass der Freistaat sie ebenso braucht wie sie ihn. Oder kurz gesagt: Geht es den Städten gut, geht es auch dem Land gut!

Regensburg ist es als Stadt in seiner Entwicklung immer dann gut gegangen, wenn man nicht dem Zeitgeist nachgelaufen ist; aber auch nur dann, wenn man die jeweiligen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Herausforderungen aktiv angenommen hat. Zwischen Zeitgeist und aktuellen Herausforderungen kann ein großer Unterschied sein.

„Der Zeitgeist ist das jeweilige Gespenst der Gegenwart“, hat der Kabarettist Werner Schneyder einmal gesagt, und aus der Politik stammt das Bonmot dass, wer sich dem Zeitgeist verheiratet, recht bald Witwer sei.

Wir sollten uns also nicht zu sehr mit dem Zeitgeist einlassen, wohl aber bewusst mit dem Faktor Zeit umgehen.

Das Zeitalter des permanenten Umbruchs neigt sich vielleicht schon dem Ende zu – herauf zieht möglicherweise eine Ära der Konsolidierung, die dem Menschen wieder mehr Zeit zur Selbstbesinnung, zur Entschleunigung, lässt.

1358 wurde in Regensburg die erste deutsche Schlaguhr am Rathaus angebracht. Fortan hatte Zeit eine neue Bedeutung: Sie teilte das Tagwerk in mechanisch gemessene Abschnitte ein, der Begriff Pünktlichkeit entstand – für das Diktat der Uhr über den Menschen war der Grund gelegt.

Ich wünsche Ihnen allen, diesem Diktat mit Gelassenheit zu widerstehen. Helfen kann uns übers Jahr dabei Erich Kästner mit seinem Gedicht „Zum Jahresanfang“:

„Man soll das neue Jahr
nicht mit Programmen beladen
wie ein krankes Pferd.
Wenn man es all zu sehr beschwert,
bricht es zu guter Letzt zusammen.

Je üppiger die Pläne blühen,
um so verzwickter wird die Tat.
Man nimmt sich vor,
sich schrecklich zu bemühen,
und schließlich hat man den Salat.

Es nützt nicht viel, sich rotzuschämen,
Es nützt nicht, und es schadet bloß,
sich tausend Dinge vorzunehmen.
Lasst das Programm
und bessert euch drauflos!“

Ich wünsche Ihnen für 2007, dass Sie

trotz terminlicher Zwänge und des Diktats der Uhr stets genug Zeit für sich selbst haben mögen – denn „Zeit haben“ ist zweifellos eine Form von Wohlstand – und sicherlich nicht die geringste,ich wünsche uns allen die Kreativität, die nicht darauf wartet, dass etwas von Außen geschieht, sondern uns selber aktiv werden lässt, die wirkliche Freiheit, die durch die Kunst entsteht, etwas aufs Einfache zu reduzieren und Beschränkungen zu akzeptieren.

Die Welt ist wunderbar, im Großen wie im Kleinen; nie zuvor waren unsere Chancen so groß wie heute.

Sie im Jahr 2007 zu ergreifen, dazu wünsche ich Ihnen Tatkraft, Geschick, Gesundheit und Gottes Segen.