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Gesellschaft für Geschichte des Weins

 -Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Herrn Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich der Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Herbsttagung der Gesellschaft für Geschichte des Weins e. V. am 14. September 2007 im Historischen Reichssaal im Alten Rathaus


Sehr geehrte Damen,
sehr geehrte Herren,

für die Stadt Regensburg ist es eine Ehre, wenn die Gesellschaft für Geschichte des Weins e. V. als Tagungsort eine Stadt wie Regensburg mit einer großen geschichtlichen Vergangenheit für die Herbsttagung 2007 auswählt.
Erlauben Sie, dass ich Sie in den historischen Räumen des Alten Rathauses recht herzlich begrüße.

Mein ganz besonderer Gruß gilt Dr. Werner Fader, dem Geschäftsführer der Gesellschaft für Geschichte des Weins e. V.
Weiter möchte ich stellvertretend für die vielen weinkundigen, weingeschichtskundigen und weininteressierten Mitglieder Ihres Vereins, Herrn Theodor Häußler, den 1. Vorsitzenden des Fördervereins Baierwein-Museum, recht herzlich willkommen heißen.

Herr Häußler ist für das Baierwein-Gebiet ein nicht mehr wegzudenkender Förderer, da es ihm zu verdanken ist, dass das Baierwein-Museum in Bach, welches Sie im Rahmen Ihres Programms besichtigen werden, überhaupt entstehen konnte. Darüber hinaus ist er Verfasser zweier Bücher, die sich mit dem Thema des Baierweins auseinander setzen. Ihm ist es auch zu verdanken, dass das Thema Bayer-Wein in Franken Gehör gefunden hat und die dortigen Winzer gelegentlich mit Argwohn nach Regensburg blicken, wenn die erzielten Weinpreise verglichen werden.

Regensburg hat eine sehr lange Weingeschichte. Auch wenn der Beginn des Weinanbaus in Regensburg nicht nachgewiesen werden kann, so glauben wir doch, dass mit der Ansiedlung der Römer und der Aufhebung des Verbots, nördlich der Alpen Wein anzubauen, durch den Kaiser Probus, ebenso wie in anderen römischen Garnisonsstätten, mit dem Weinanbau in Regensburg begonnen wurde.

Neben der römischen Garnison Castra Regina, deren Reste Sie anlässlich der Stadtführung am heutigen Nachmittag bewundern konnten, befanden sich römische Ansiedlungen im städtischen Gebiet von Regensburg bereits 100 Jahre früher in Kumpfmühl oder aber auch in Burgweinting und auf anderen Flächen des Stadtgebietes. Sicher wissen wir aus Handelsbüchern, aus Aufzeichnungen der Klöster und der Zollämter vieles über den Wein des Mittelalters, jedoch wenig über den möglichen Weinanbau in Regensburg aus dem 3. bis 8. Jahrhundert.

Sicher steht fest, dass die römischen Soldaten gerne den Wein tranken, Nachschub über die Alpen sehr problematisch war und deshalb es im Interesse aller war, alkoholische Getränke selbst zu erzeugen. Eine klimatische Bevorzugung z. B. Tries im Vergleich zu Regensburg im 3. Jahrhundert, lässt sich ebenso wenig nachweisen, wie die Frage nach einem für den Weinbau geeigneten Klima in Deutschland. Wissenschaftler, die Nachweise benötigen für ihre Feststellungen, kommen hierbei vielleicht zu anderen Ergebnissen.

Regensburger Flurbezeichnungen wie Dechbettener Weinberg, Winzerer Höhen - Straßenbenennungen wie Weinweg, Winzerweg, Weingartenstraße oder An der Weinlände sind Garanten dafür, dass Regensburg auf eine lange Weinbautradition zurück blicken kann.

Auch die Klöster in Regensburg haben hierzu vieles geleistet. Aus den Klöstern ist auch vieles überliefert, einfach weil dort Buch geführt wurde und in der Regel eine jährliche Chronik erarbeitet wurde. So ist nachgewiesen, dass die Klöster Prüfening und Emmeram jährlich ca. 40.000 Liter Baierwein an die Münchner Residenz liefern durften. Es ist auch festgehalten, dass allein das Personal und die Mönche des Kloster Emmeram für den Eigenbedarf in einem Jahr 23.000 Liter Wein verbrauchten.

Theodor Häußler wird in seinem morgigen Vortrag „Der Baierwein einst und heute“ weiter auf die geschichtliche Entwicklung des Weinanbaus in Regensburg weiter eingehen.

Um die alte Tradition zu fördern, legte unser Gartenamt im Jahre 1992 einen kleinen Weinberg auf einem städtischen Grundstück auf der Winzerer Höhe in Regensburg an. Obgleich die weinrechtlichen Bestimmungen es uns nicht leicht machten, diese Tradition fortzuführen, ist die kleine Rebfläche zwischenzeitlich zu einem halben Hektar angewachsen. Den Wein, den wir Ihnen heute zu diesem Empfang kredenzen, wurde aus Trauben dieser kleinen Rebfläche gewonnen. Diese Rebfläche, die von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Gartenamtes überwiegend in der Freizeit und ehrenamtlich bewirtschaftet wird, verfügt über die Hauptsorten Dornfelder, Regent, Müller-Thurgau, Kerner, Weißburgunder, Silvaner und etwas Domina.

Darüber hinaus werden für die gartenbauliche Fachberatung ca. 30 Rebsorten mit je geringer Stückzahl angebaut, um den Gartenfreundinnen und Gartenfreunden aus Regensburg Empfehlungen für den Weinanbau am Haus und im Garten geben zu können.

Anlässlich eines kleinen Rundgangs werden Sie Gelegenheit haben, den alten Weinkeller unter dem Historischen Reichssaal besichtigen zu können.

Für den weiteren Verlauf Ihrer Herbsttagung möchte ich den Mitgliedern der Gesellschaft für Geschichte des Weins e. V. viel Erfolg und einen wunderbaren Aufenthalt in Regensburg wünschen.