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Einweihung Vogelschutzzentrum

 

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich der Einweihung des Vogelschutzzentrums am Brandlberg am 14. Juli 2007

Anrede

Die Schirmherrschaft für das neue Vogelschutzzentrum des Waldvogel- und Exotenvereins habe ich gerne übernommen, weil ich glaube, dass hier ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz geleistet wird. Denn Artenschutz bezieht sich nicht nur darauf, sicherzustellen, dass exotische Tierarten erhalten werden, die vom Aussterben bedroht sind. Artenschutz fängt hier bei uns, direkt vor unserer Haustüre, in unserer heimischen Natur, an.

Diesem Anliegen widmet sich der Waldvogel- und Exotenverein seit nunmehr 50 Jahren. Mit großem Engagement setzen sich die Mitglieder ehrenamtlich für den Erhalt der Arten ein, kümmern sich liebevoll um verletzte Vögel oder um Jungtiere, die ohne Hilfe nicht überleben würden. Dafür bedanke ich mich bei Ihnen allen ganz herzlich!

Wie kaum ein anderes Tier haben unsere Dichter die Vögel als Symbolfiguren in ihre Werke einbezogen. „Alle Vöglein sind schon da“, heißt es, wenn der Frühling begrüßt wird. Mit „Kommt ein Vogerl geflogen“, wird ein gefiederter Liebesbote begrüßt. Und die „Vogelhochzeit“ bringt uns das gesamte Spektrum der Waldvögel nahe.

Als Boten des Frühlings oder der Liebe und als Symbole für Frieden und Freiheit sind Vögel schon seit jeher willkommen. Schon unsere Vorfahren hatten einen engen Bezug zu unseren gefiederten Freunden.

Bis heute verbinden wir mit ihnen die Freude an ihrem Lied oder den Wunschtraum, fliegen zu können wie sie.

Aber nicht nur das.

Dass Vögel bedeutsam für unser Ökosystem sind, ist keine Erkenntnis  der modernen Wissenschaften.

Bereits in der Antike und im Mittelalter gab es Vogelschutzverordnungen. Und im ausgehenden 19. Jahrhundert organisierten sich erstmals Vereine, die sich systematisch um den Schutz unserer Vogelwelt kümmerten. Damit wurde der Vogelschutz zu einer gesellschaftlichen Bewegung.

Im Lauf der letzten Jahrzehnte wurden Vögel zum Sinnbild der bedrohten Natur im Allgemeinen.

Die unüberschaubare Fülle an Lebensformen in den vielfältigen Ökosystemen, Klimazonen und Landschaften ist der größte Reichtum unserer Erde. Sie gilt es zu erhalten.

Zehn bis 30 Millionen verschiedene Arten – so schätzt man – leben heute auf unserem Planeten. Nur ein kleiner Teil davon ist bereits wissenschaftlich beschrieben. Diese biologische Vielfalt, die sich in Jahrtausenden entwickelt hat, ist heute durch den Menschen so stark bedroht wie niemals zuvor.

„Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten. Aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen.“

Diese Worte stammen von Arthur Schopenhauer, dem 1788 geborenen deutschen Philosophen. Auch wenn inzwischen mehr als 200 Jahre vergangen sind, an dieser Tatsache hat sich – allem wissenschaftlichen Fortschritt zum Trotz – nichts geändert.

Und weil das so ist, sind die Langzeitfolgen eines Verlustes dieser biologischen Vielfalt nicht absehbar. Daher gilt es, das Bewusstsein dafür zu schärfen und zu handeln.

Allerdings muss wirksamer Artenschutz global betrieben werden. Doch auch wenn unser regionales Handeln allein nicht ausreicht, so ist ohne die Unterstützung aus der Bevölkerung vor Ort, ohne das ehrenamtliche Engagement von Organisationen wie dem Waldvogel- und Exotenvereins, der Erhalt unserer Artenvielfalt nicht möglich.

„Während die Philosophen noch darüber streiten, ob die Welt überhaupt existiert, geht um uns herum die Natur zugrunde.“

Diese Worte des in Österreich geborenen und später nach England emigrierten Philosophen Karl Popper, der 1994 gestorben ist, sollten uns zu denken geben. Theoretische Diskussionen allein helfen nicht weiter. Der Naturschutz sollte uns allen ein ganz persönliches Anliegen sein.

Wir in Regensburg tun von Seiten Politik und Verwaltung das unsere, um das Bewusstsein dafür zu schärfen, um aufzuklären, zu initiieren und zu fördern.
Das städtische Umweltamt leistet gute Sacharbeit und Öffentlichkeitsarbeit.

Aber es ist nicht Aufgabe der kommunalen Verwaltung, Verantwortung abzunehmen, die nur auf viele Schultern verteilt getragen werden kann. Wir sind auf Partner angewiesen, die sich engagieren.

Zu diesen Partnern gehören Sie: Die Mitglieder des Waldvogel- und Exotenvereins haben nicht nur diskutiert, sie haben gehandelt.

In den vergangenen 50 Jahren haben Sie sich große Verdienste um die heimische Vogelwelt erworben. Mit dem Bau des Vogelschutzzentrums hier auf dem Brandlberg, das rechtzeitig zum Vereinsjubiläum seinen Betrieb aufnehmen konnte, ist ein weiterer Markstein für eine erfolgreiche Fortsetzung ihrer verdienstvollen Arbeit gesetzt.

Ich wünschemir persönlich und für alle Regensburgerinnen und Regensburger, dass Sie in ihrem unermüdlichen Engagement nicht nachlassen und ich wünsche Ihnen, dass sich auch künftig viele rührige und tatkräftige Vereinsmitglieder finden, die den Waldvogel- und Exotenverein so lebendig erhalten wie er heute ist.