20 Jahre UNESCO-Welterbe in Regensburg – ein Resümee

20 Jahre Welterbe - Ein Resümee © Stefan Effenhauser, Stadt Regensburg

Als die Altstadt Regensburg mit Stadtamhof am 13. Juli 2006 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde, war das ein bedeutender Meilenstein für den Schutz und die Weiterentwicklung des historischen Erbes der Stadt. Die Aufnahme verlieh der Stadt internationale Sichtbarkeit und setzte wichtige Impulse für zahlreiche Projekte der folgenden Jahre. Das Jubiläumsjahr bietet die Gelegenheit, auf zwei Jahrzehnte voller Entwicklungen, Projekte, Erfolge aber auch Herausforderungen zurückzublicken.

Zwei Jahrzehnte voller Wandel und Verantwortung

Mit der Überreichung der Welterbe-Urkunde am 24. November 2007 begann für Regensburg eine Phase intensiver Aufbauarbeiten. Im selben Jahr wurde die Welterbekoordination als eigene Verwaltungseinheit eingerichtet. Bis heute übernimmt sie eine zentrale Rolle beim Schutz, bei der Vermittlung und bei der Weiterentwicklung des Welterbes. Ebenfalls 2007 trat im Dezember die neue Altstadtschutzsatzung in Kraft – ein wichtiges Fundament für den Erhalt des historischen Stadtbildes.

Parallel dazu beteiligte sich Regensburg an mehreren europäischen Projekten, die neue Maßstäbe für integrierte Stadtentwicklung setzten. Programme wie HerO oder Hist.Urban brachten die Stadt in ein internationales Netzwerk von Welterbestätten und führten zu Leitfäden, die heute europaweit genutzt werden. 2008 nahm Regensburg erstmals am bundesweiten UNESCO-Welterbetag teil – ein Ereignis, das inzwischen fest im Kalender verankert ist.

Die Jahre nach der Aufnahme waren geprägt von umfangreichen Sanierungsmaßnahmen. Die Steinerne Brücke, die Porta Praetoria, das document Niedermünster oder die Neupfarrkirche – viele zentrale Baudenkmäler wurden in dieser Zeit restauriert oder neu erschlossen. 2011 eröffnete das Besucherzentrum Welterbe, das bis heute jährlich über 200.000 Menschen aus aller Welt anzieht. Im selben Jahr übernahm Regensburg die Leitung des OWHC-Regionalsekretariats Nordwesteuropa, 2015 wurde die Zuständigkeit des OWHC-Regionalsekretariats offiziell auf Nordamerika ausgeweitet. 2014 wurde das document Legionslagermauer eröffnet, 2015 dann das Haus der Musik. 2018 wurde die zehnjährige Sanierung der Steinernen Brücke abgeschlossen. 2019 folgten die Eröffnung des Hauses der Bayerischen Geschichte und der Neuen Synagoge. Mit dem Donaulimes erhielt Regensburg 2021 einen zweiten Welterbetitel.

Heute, zwanzig Jahre nach der Aufnahme in die Welterbeliste, steht Regensburg vor neuen Herausforderungen. Der Klimawandel, die Digitalisierung und die Frage, wie Welterbe für alle zugänglich bleiben kann, prägen die Arbeit der Welterbekoordination.

„Welterbe ist ein Prozess“ - Ein Interview mit Dr. Matthias Ripp

20 Jahre Welterbe Matthias Ripp © Stadt Regensburg

Wie erlebt jemand dieses Jubiläum, der von Anfang an mit dabei war? Der Welterbekoordinator der Stadt Regensburg, Dr. Matthias Ripp, blickt mit Stolz auf die vergangenen zwei Jahrzehnte zurück: „Ich bin natürlich aufgeregt und auch sehr stolz auf das, was mein Team in den letzten 20 Jahren geleistet hat“, sagt er. „Und ich bin in Feierlaune“. Auch an die Stimmung im Jahr der Aufnahme in die Welterbeliste erinnert er sich gut: „Das war damals das Riesenthema. Die Bevölkerung und die Medien haben einen richtigen Hype ausgelöst. Viele waren sehr stolz darauf, dass ihr Regensburg jetzt in einer Reihe mit dem Taj Mahal steht.“

Auf die Frage, worauf er besonders stolz ist, muss Matthias Ripp nicht lange überlegen. „An erster Stelle auf mein Team, das jeden Tag herausragende Arbeit leistet. An zweiter Stelle auf unser Besucherzentrum, das über 200.000 Besucher pro Jahr anzieht und für das wir sehr viel Lob auch aus anderen Welterbestätten im In- und Ausland bekommen. Und ich bin großer Fan unseres OWHC Young Travelling Programms, mit dem wir junge Menschen in Welterbestädte schicken, damit sie dort eigenen Erfahrungen sammeln.“

Die Aufgaben der Welterbekoordination haben sich seit 2007 stark verändert. Während es anfangs vor allem darum ging, Strukturen aufzubauen und Strategien zu entwickeln, stehen heute neue Herausforderungen im Mittelpunkt. „Der Klimawandel ist die Meta-Herausforderung unserer Zeit“, sagt Ripp. „Naturrisiken wie Hitze oder Hochwasser rücken stark in den Vordergrund. Gleichzeitig bleibt die Vermittlung des Welterbes eine Daueraufgabe, bei der wir mit dem Besucherzentrum und einem starken Netzwerk gut aufgestellt sind.“ Auch finanzielle Fragen beschäftigen Matthias Ripp: „In letzter Zeit sind die Ressourcen knapper geworden. Das ist eine der größten Herausforderungen.“ Trotz dieser Entwicklungen sieht er Regensburg gut aufgestellt, um den Spagat zwischen Schutz und moderner Stadtentwicklung zu meistern. „Wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Ämtern. Und mit dem Welterbe-Steuerungskomitee haben wir ein innovatives Verfahren geschaffen, um bei schwierigen Entscheidungen im Vorfeld ICOMOS International und die zuständigen staatlichen Stellen gut miteinzubeziehen.“

Besonders wichtig bleibt für ihn die Rolle der Bürgerinnen und Bürger: „Kulturerbe hat nur dann einen Wert, wenn es für die Menschen wertvoll ist. Deshalb arbeiten wir mit Schulen, Studierenden, Senioren, über Social Media und in vielen Projekten daran, diesen Wert zu vermitteln.“ Für die Zukunft sieht er große Chancen in der Digitalisierung, betont aber zugleich die Bedeutung das Welterbe hautnah zu erleben: „Der digitale Raum wird wichtiger, aber der Zauber des Welterbes ist analog immer noch am stärksten spürbar. Dieses Gefühl, wenn man durch die Regensburger Straßen geht oder den Dom betritt, kann kein digitales Medium ersetzen.“

Sein Fazit lautet: „Welterbe ist weniger eine Auszeichnung als vielmehr ein Prozess. Es geht darum, sich immer wieder neu zu erfinden.“

Ein Jubiläum, das verbindet

20 Jahre Welterbe Unesco World Heritage Regensburg © Stadt Regensburg, Matthias Ripp

Zwanzig Jahre nach Erhalt des Welterbetitels zeigt sich Regensburg als lebendige Welterbestadt, die ihr historisches Erbe bewahrt und zugleich mutig in die Zukunft blickt. Die Entwicklungen der vergangenen zwei Jahrzehnte wären ohne das Engagement vieler Menschen, Institutionen und Partner nicht möglich gewesen. Das Jubiläum, das am 7. Juni im Rahmen der bundesweiten Eröffnung des Welterbetags hier in Regensburg gefeiert wird, ist deshalb nicht nur ein Rückblick, sondern auch ein Ausblick auf viele weitere Jahre Welterbe in Regensburg.


Weitere Infos zum Welterbetag unter:

www.unesco-welterbetag.de/veranstaltungen

www.regensburg.de/welterbe