Der Weg zum Besucherzentrum Welterbe Regensburg

Der Weg zum Besucherzentrum Welterbe Regensburg

Symbolbild: Stadt Regensburg © Peter Ferstl

Mit der Aufnahme der Altstadt Regensburg mit Stadtamhof in die UNESCO-Welterbeliste im Juli 2006 begann ein neues Kapitel in der Geschichte der Stadt. Die offizielle Ernennung des Welterbe-Komitees wurde von ersten Aktivitäten vor Ort begleitet, darunter eine Onlinepräsenz und ein großes öffentliches Welterbefest. Schnell stellte sich die Frage, wie das Welterbe für Besucherinnen und Besucher, aber auch für die Regensburger Stadtgesellschaft anschaulich vermittelt und erlebbar gemacht werden kann. Die Welterbekonvention versteht die Vermittlung des Erbes vor Ort schließlich als zentrale Pflichtaufgabe der Welterbestätten. Bereits kurz nach der Ernennung entstand die Idee eines eigenen Besucherzentrums. Von Beginn an sollte ein Ort geschaffen werden, der die Geschichte und die Bedeutung des Welterbes niederschwellig vermittelt und zugleich als zentrale Anlaufstelle fungiert.

Der Standort

Salzstadel - Café - 1994Salzstadel - Innenaufnahme Café - 1994 © Stadt Regensburg - Bilddokumentation

Für diese Anforderungen musste zunächst ein geeigneter und zentral gelegener Standort gefunden werden. Schnell fiel die Wahl auf den historischen Salzstadel direkt an der Donau und der Steinernen Brücke. Das Gebäude wurde im 17. Jahrhundert errichtet, erzählt jedoch eine wesentlich ältere Geschichte der Stadt: die Geschichte des Salzhandels. Bereits seit der Römerzeit gelangte Salz aus Reichenhall über Passau nach Regensburg und wurde von hier aus weiter in den Norden transportiert. Im 17. Jahrhundert übernahm die Stadt schließlich die Organisation des Salzhandels und gab den Bau eines reichsstädtischen Salzstadels in Auftrag, da neue Lagermöglichkeiten benötigt wurden. 1620 wurde das dreistöckige Gebäude fertiggestellt. Rund 200 Jahre später erfolgten kleinere Umbauten, da der Salzstadel mit dem Bedeutungsverlust des Salzhandels anderweitig genutzt werden sollte.

Zu Beginn der 1990er-Jahre wurde das Gebäude schließlich grundlegend saniert, wobei die historische Bausubstanz erhalten blieb. Die zentrale Lage und die Geschichte des Gebäudes, die eng mit wichtigen Aspekten der UNESCO-Titelverleihung verbunden ist, machten den Salzstadel zu einem besonders geeigneten Standort für das geplante Besucherzentrum. Nachdem ein zuvor dort betriebenes Café seinen Betrieb eingestellt hatte, standen die Räumlichkeiten zur Verfügung.

Das Konzept

Besucherzentrum Welterbe - Baustelle 2011Besucherzentrum Welterbe - Baustelle 2011 © Stadt Regensburg - Bilddokumentation

Mit der Entscheidung für den Salzstadel begann die eigentliche Entwicklungsarbeit. Der Weg von der Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste 2006 bis zur Eröffnung des Besucherzentrums 2011 war von einem mehrjährigen Planungs-, Konzeptions- und Abstimmungsprozess geprägt. Eine zentrale Rolle in dem Prozess übernahm Dr. Matthias Ripp, Welterbekoordinator der Stadt Regensburg. Zusammen mit einem inhaltlichen Team um Dr. Karl Stocker sowie dem Gestaltungsbüro von Bertron Schwarz Frey sollte die Wissensvermittlung und das Besuchserlebnis miteinander verbunden werden.

Das Besucherzentrum sollte einen niederschwelligen Zugang zur Geschichte der Stadt und zur Idee des Welterbes ermöglichen. 2009 begann die konkrete Arbeit am Ausstellungskonzept. Der Auftrag zur Erarbeitung der Ausstellungsinhalte wurde nach einer europaweiten Ausschreibung an die FH Joanneum Graz vergeben. Parallel dazu begleitete ein unabhängiger wissenschaftlicher Beirat den Entwicklungsprozess und stellte die fachliche Qualität der Inhalte sicher. Die Dauerausstellung entstand in enger Zusammenarbeit von inhaltlicher Konzeption, Gestaltung und wissenschaftlicher Beratung und wurde in zahlreichen Abstimmungsschritten kontinuierlich weiterentwickelt.

Die Dauerausstellung

Besucherzentrum - InnenansichtBlick ins Besucherzentrum © Peter Ferstl, Stadt Regensburg

Ziel war es, einen spannenden Rundgang durch die Geschichte Regensburgs zu entwickeln. Bewusst wurde dabei auf eine rein chronologische Erzählweise verzichtet. Stattdessen sollten die Besucherinnen und Besucher das Welterbe aus unterschiedlichen Perspektiven kennenlernen und nachvollziehen können, welche Bedeutung Regensburg als Handelsmetropole, Reichsstadt und politisches Zentrum hatte. Die Ausstellung gliedert sich dementsprechend in fünf thematische Bereiche: UNESCO-Welterbe, die Entwicklung vom Römerlager zur modernen Stadt, die Stadt am Fluss, die Reichstage sowie das alltägliche städtische Leben.

Besonders ist dabei die Verbindung unterschiedlicher Vermittlungsformate. Klassische Ausstellungsgestaltung, Originalobjekte und interaktive Elemente werden miteinander kombiniert. Zahlreiche Medienstationen sowie Hör- und Mitmachangebote ermöglichen einen individuellen Zugang zu den Inhalten. Historische Exponate werden gezielt mit multimedialen Vermittlungsformen verbunden, um Wissen anschaulich zu vermitteln und unterschiedliche Altersgruppen anzusprechen. Damit entstand kein klassisches Museum, sondern ein Ort, an dem Besucherinnen und Besucher die Stadtgeschichte aktiv entdecken und sich auf unterschiedliche Weise mit dem Welterbe auseinandersetzen können. Finanziell beteiligten sich neben der Stadt Regensburg der Freistaat Bayern, die Bundesrepublik Deutschland und die Europäische Union an der Umsetzung. Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Nationale UNESCO-Welterbestätten“ und aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) trugen maßgeblich zur Realisierung des Projekts bei.

Die Eröffnung

Besucherzentrum Welterbe - Eröffnung 2011Besucherzentrum Welterbe - Eröffnung 2011 © Stadt Regensburg - Bilddokumentation

Der rund fünfjährige Planungs-, Konzeptions- und Umsetzungsprozess fand am 28. Mai 2011 mit der Eröffnung des Besucherzentrums Welterbe Regensburg ein Ende. Seit der Eröffnung hat sich das Besucherzentrum zu einem zentralen Ort der Vermittlung rund um das Regensburger Welterbe entwickelt. Neben der Dauerausstellung bietet das Untergeschoss Raum für Vorträge, Diskussionsrunden und Sonderausstellungen mit welterbebezogenem Themenschwerpunkt. Seit 2022 ist das Besucherzentrum in Eigenregie der Welterbekoordination. Ein dreiköpfiges Team steht täglich für Informationen rund um das Welterbe und das Besucherzentrum zur Verfügung und bietet zudem kostenlose Führungen durch die Dauerausstellung an.

Was 2006 mit der Idee begann, das Welterbe für die Öffentlichkeit verständlich zu vermitteln und erlebbar zu machen, ist längst zu einem festen Bestandteil der Kulturlandschaft in Regensburg geworden.

Salzstadel 1859 Salzstadel historisch 1950 Salzstadel und Brücke, 1984