15 Jahre Besucherzentrum Welterbe Regensburg
15 Jahre Besucherzentrum Welterbe Regensburg
Das Besucherzentrum Welterbe im historischen Salzstadel hat sich in 15 Jahren von einer klassischen Informationsstelle zu einem zentralen Ort der Vermittlung, Bildung und öffentlichen Verständigung über das UNESCO-Welterbe in Regensburg entwickelt. Als interaktiver Lern- und Ausstellungsort verbindet es die Geschichte der Altstadt und Stadtamhofs mit aktuellen Fragen der Stadtentwicklung, des Tourismus und der kulturellen Teilhabe.
Seit 15 Jahren bietet das Besucherzentrum Welterbe einen niedrigschwelligen Zugang zur Geschichte Regensburgs und zur Bedeutung des UNESCO-Welterbetitels „Altstadt Regensburg mit Stadtamhof“. Es ist die Visitenkarte der Stadt, zentral gelegen im historischen Salzstadel und Auftaktpunkt für Stadtbesuche, Bildungsort für Schulen und Bühne für neue Vermittlungsformate.
Was hier erfolgreich geworden ist, lässt sich nicht allein in den sehr guten Besucherzahlen messen. Das Zentrum hat sich als Ort etabliert, an dem sich Denkmalpflege, Tourismus, Kunst, Bildung, Stadtidentität und internationale Welterbe-Kommunikation begegnen. Gerade diese Mehrfachfunktion macht es zu einem strategisch wichtigen Baustein des Welterbe-Managements in Regensburg.
Infografik zu 15 Jahren Besucherzentrum Welterbe
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Stadt Regensburg - WelterbekoordinationDer Weg zum Besucherzentrum Welterbe
Die Ernennung der Regensburger Altstadt mit Stadtamhof zum UNESCO‑Welterbe im Jahr 2006 weckte rasch die Idee, ein Besucherzentrum zu schaffen, das dieses Erbe anschaulich und erlebbar macht. Dabei erwies sich der historische Salzstadel mit seiner idealen Lage und seiner Geschichte als Umschlagplatz des Regensburger Salzhandels als perfekter Standort. Ab 2009 entwickelte ein Team unter der Leitung von Dr. Matthias Ripp, dem Welterbekoordinator der Stadt Regensburg, einem inhaltlichen Team um Dr. Karl Stocker sowie dem Gestaltungsbüro von Bertron Schwarz Frey, ein Ausstellungskonzept, das die Geschichte Regensburgs in fünf Themenbereichen lebendig und interaktiv vermittelt. Am 28. Mai 2011 wurde das Besucherzentrum eröffnet und dient seither als zentraler Ort für Vermittlung, Austausch und Veranstaltungen rund um das Regensburger Welterbe.
Sechs Fragen an Dr. Matthias Ripp, den Leiter der Abteilung Welterbekoordination
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Stadt Regensburg1. Wieso und wann entstand in Regensburg der Wunsch nach einem Besucherzentrum und welche Grundidee bestimmte die Konzeption?
Die Idee für ein Besucherzentrum für das Welterbe entstand kurz nach der Eintragung Regensburgs in die Welterbeliste. Es war schnell klar, dass eine komplexe und großflächige Welterbestadt erklärungsbedürftig ist. Wir haben uns dann in ganz Deutschland Inspiration bei aktuellen Ausstellungen und Museen geholt, die das Thema Stadt interaktiv und leicht aufbereitet haben. Da es keine bestehenden Vorbilder gab, haben wir das Konzept von Grund auf entwickelt und dann mit Gestaltern, Architekten, Planern und einem interdisziplinären Team entwickelt und umgesetzt. Ich habe dabei die Rolle als Impulsgeber und Moderator des Prozesses eingenommen und viel Steuerung- und Vermittlungsarbeit zwischen allen Beteiligten übernommen.
2. Wenn Sie heute auf 15 Jahre Besucherzentrum zurückblicken, inwiefern hat sich diese Grundidee bewährt und welche neue Erkenntnis und Anforderungen ziehen Sie aus der Praxisverfahrung?
Ich denke, die durchaus ambitionierte Grundidee, möglichst viele Menschen auch ohne spezielle Vorbildung zu erreichen und die Dauerausstellung leicht und zugänglich zu gestalten, hat sich bewährt. Unsere Beliebtheit und die Zahlen sprechen hier ja für sich. Auch die Kombination mit wechselnden Sonderausstellungen im Untergeschoss, welche vor allem auch die Regensburger Bürgerinnen und Bürger ansprechen soll, hat sich sehr gut entwickelt - auch aufgrund der tollen Betreuung durch meine Kollegin Janina Rummel.
3. Welche Erfahrungen aus internationalen Welterbe- und EU-Kontexten lassen sich produktiv auf das Besucherzentrum übertragen und was kann das Besucherzentrum wiederrum rückspiegeln?
Die Beteiligung unserer Besucher an der Weiterentwicklung von Inhalten - im Englischen oft CO-Creation genannt - ist etwas, das viele Bildungs- und Vermittlungseinrichtungen in Europa derzeit verstärkt umsetzen und das ist auch für uns sehr relevant. Im Rahmen meiner Tätigkeit im Auswahlgremium für die Europäischen Kulturhauptstädte habe ich viele Beispiele und Ideen gesammelt, wie Kultur und Kulturerbe gemeinsam noch mehr Menschen erreichen und begeistern können. Gemeinsamt mit donumenta e.V. oder der Ausstellungsreihe Stadel X Stadel haben wir das begonnen und diesen Weg möchte ich weiterführen.
4. Wie kann ein Besucherzentrum künftig stärker auf Themen wie Klimaanpassung, Resilienz und urbane Transformation reagieren?
Eine reine Konzentration auf historische Themen wird dem Anspruch der Welterbekonvention nicht gerecht. Es geht immer auch darum, am aktuellen Diskurs teilzunehmen und auch konfliktreiche Themen aufzunehmen. Wir hatten einige Ausstellungen, die sich mit Klimawandel, Hitze und anderen hochaktuellen Themen auseinandergesetzt haben. Vor allem mit unseren Sonderausstellungen, aber auch bei unseren Veranstaltungen wie dem Welterbetag, wollen wir diesen Themen nicht ausweichen, sondern ihnen eine Plattform geben, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.
5. Wo sehen Sie die Herausforderungen, die mit einer Weiterentwicklung des Besucherzentrums einher gehen?
In erster Linie steht eine umfassende Ertüchtigung des Gebäudes, aber auch der Ausstellung an. Da wir extrem hohe Besucherzahlen haben, sind viele Ausstellungsmedien abgenutzt, veraltet und teilweise nicht mehr reparierbar. Ich hoffe sehr, dass sich hier in absehbarer Zeit eine nachhaltige Lösung findet. Sonst wird der Beitrieb irgendwann nicht mehr möglich sein.
6. Was ist ihr persönlicher Blick auf das Besucherzentrum Welterbe?
Ich bin immer noch sehr stolz auf mein allererstes großes Projekt in Regensburg und vor allem auf mein tolles Team, welches das Ganze trägt und mit Leben füllt. Ohne die Kolleginnen und Kollegen, die jeden Tag vor Ort auf die Besucher zugehen, ihnen immer spontan gerne eine Führung geben aber auch viele Betriebsthemen auffangen, wäre das Besucherzentrum nicht so erfolgreich. Jetzt kann jeder in unserem Besucherbuch nachlesen, dass es genau dieser persönliche Kontakt ist, von dem unser Besucherzentrum lebt.
Vier Fragen an Janina Rummel, die Leiterin des Besucherzentrums
Janina Rummel (2.v.r.) und das Team des Besucherzentrums: Susanne Niederleitner, Gabriele Stiglmeier und Bernhard Segerer
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Tilman Grimm1. Sie sind seit drei Jahren für das Besucherzentrum zuständig. Was hat Sie an dieser Aufgabe besonders gereizt, und wie hat sich Ihr Blick auf die Vermittlung des Welterbes seitdem verändert?
Als ich vor drei Jahren Teil des Teams der Welterbekoordination wurde, hat mich im Bezug auf das Besucherzentrum vor allem die Verbindung von Geschichte, Stadt und den Menschen, die hier leben und zu Besuch kommen, gereizt. Ich finde es wichtig, Welterbe nicht nur als etwas Statisches zu begreifen, das bewahrt werden muss, sondern als System, das sich wandelt und immer wieder neu anpassen muss. So sehe ich auch den Anspruch an die Vermittlung des Welterbes. In den vergangenen Jahren hat sich mein Blick besonders hinsichtlich der unterschiedlichen Zugänge der Personen, die das Besucherzentrum aus verschiedenen Gründen aufsuchen, geändert. Statt einem singulären Format stehen mehr die unterschiedlichen Möglichkeiten im Fokus, über die unsere Zielgruppen einen individuellen Zugang zum Welterbe finden können.
2. Inwiefern ist das Besucherzentrum auch ein Instrument, um Tourismus, Denkmalpflege und Stadtgesellschaft miteinander in Beziehung zu setzen?
In meinen Augen ist der Besucherzentrum ein Schmelztiegel dieser drei Bereiche. Es ist ein Ort, an dem sich unterschiedliche Perspektiven auf das Welterbe treffen und in den Dialog treten. Für den Tourismus bietet es Orientierung und vermittelt, was Regensburg als Welterbestadt besonders macht. Gleichzeitig wird ein Bewusstsein für den Wert und die Verantwortung geschaffen, die mit diesem Status verbunden sind. Die Denkmalpflege bringt dabei die Perspektive des Erhalts und des Schutzes ein, während die Stadtgesellschaft das Welterbe tagtäglich lebt und mitgestaltet. Unsere Aufgabe sehe ich darin, diese Perspektiven miteinander ins Gespräch zu bringen und zu zeigen, dass Welterbe nicht nur Sehenswürdigkeit, sondern ein wichtiger Teil des Lebens in der Stadt ist.
3. Wie muss sich das Besucherzentrum in den kommenden Jahren verändern, damit es zugleich Lernort, Aufenthaltsort und Diskussionsraum für ein vielfältiges Publikum bleibt?
Das Besucherzentrum muss sich aus meiner Sicht kontinuierlich weiterentwickeln und dabei neue Formen der Welterbevermittlung mit bewährten Angeboten verbinden. Entscheidend wird sein, unterschiedliche Zielgruppen noch stärker zu berücksichtigen und sowohl niedrigschwellige Zugänge als auch fachlich-wissenschaftliche Angebote zu entwickeln. Besonders wichtig sind dabei die Kooperationen mit Universitäten, Bildungseinrichten sowie der Kunst- und Kulturszene, die wir noch stärker ausbauen möchten. Gerade im Hinblick auf die Zukunft sehe ich daher großes Potenzial darin, digitale und analoge Vermittlungsformen miteinander zu verknüpfen und das Besucherzentrum stärker als Ort des Austauschs und der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Welterbe zu profilieren.
4. Was ist ihr persönlicher Blick auf das Besucherzentrum Welterbe?
Für mich ist das Besucherzentrum ein ganz besonderer Ort, der von einem großartigen Team getragen wird. Die Kolleginnen und Kollegen bringen ganz unterschiedliche Perspektiven, Kompetenzen und vor allem Spaß an der Arbeit mit, und genau diese Mischung macht für mich einen großen Teil der besonderen Atmosphäre und Qualität des Hauses aus. Persönlich empfinde ich es als großes Privileg, in meiner Heimatstadt an einem Ort arbeiten zu dürfen, an dem Geschichte, Gegenwart und die Menschen dieser Stadt so unmittelbar zusammenkommen. Ich sehe das Besucherzentrum als echtes Erfolgsmodell, das bereits viel erreicht hat und gleichzeitig noch enormes Potenzial besitzt. Die entscheidende Aufgabe für die Zukunft wird sein, dieses Potenzial weiterzuentwickeln und das Besucherzentrum so aufzustellen, dass es seine Erfolgsgeschichte auch in der Zukunft weiterschreiben kann.



