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Das Haus und seine Geschichte

Das W1 gibt es 2019 bereits seit zehn Jahren. Das Haus in der Weingasse 1 und seine Rolle in der Geschichte der Regensburger Jugendarbeit reicht noch viel weiter zurück. Im folgenden findet sich ein erster Blick in die Vergangenheit, der im Rahmen der Jubiläumsaktionen noch ergänzt wird.

W1 - Juz Weingasse - Alte Heimat

Architktur und Bauweise

Die Geschichte des Hauses in der Weingasse 1 reicht weit in die Vergangenheit des mittelalterlichen Regensburg zurück. Betrachtet man die Südwestecke der Fassade, so erkennt man deutlich Reste eines steinernen Stützsystems, das die Entstehungszeit des Gebäudes in der Epoche der Gotik verortet. Im Inneren des oft umgebauten Hauses finden sich zudem viele barocke Ausstattungsdetails wie z.B. die historische Treppe oder den Felderstuck im Tanzsaal.1)

Andererseits wird v.a. in der heute östlichen Hälfte des Bauwerks anhand von Betonwänden und -decken sichtbar, dass bei der Sanierung 1975/76 ein Großteil des Gebäudes entkernt wurde - ein Verfahren, das v.a. in der Anfangszeit der Altstadtsanierung Verwendung fand und bei dem von historischen Gebäuden vorwiegend die Fassaden erhalten und das Gebäudeinnere mit modernen Baumaterialien neu aufgebaut wurde. Bei diesen tiefgreifenden Umbauten wurden offenkundig auch Teile des Hauses an der Nordostecke abgerissen sowie der südöstliche Gebäudeteil, der frühen Planungen zufolge Teil der künftigen Anlage hätte bleiben sollen, baulich abgetrennt (heute Teil der Volkshochschule und des Theaters am Haidplatz).

2007/08 schließlich entstand vorwiegend durch Trockenbaumaßnahmen die Raumaufteilung in ihrer heutigen Form.

1) Vgl: Bogmeyer, Anke u.a.: Denkmäler in Bayern, Band III.37 - Stadt Regensburg, Mittelbayerische Druck- und Verlags-Gesellschaft mbH Regensburg, 1997

Nutzungen in früheren Zeiten

In der Vergangenheit war das Gebäude in der Weingasse 1 lange als Herberge "Alte Heimat" (nach anderen Quellen auch "Zur Heimat") bekannt, die wohl auch als Absteigequartier für Handwerksburschen diente. Später befand sich ausserdem in dem nördlich an das Thon-Dittmer-Palais angrenzenden Gebäudeteil die sogenannte "Podium Bühne". 

Auch von einem Rock'n'Roll-Club im ersten Stock und ähnlichen Nutzungen wurde von Passanten und frühreren Nachbarn berichtet. Es ist also davon auszugegangen, dass das Bauwerk in seiner Vergangenheit eine Vielzahl unterschiedlicher Besucherinnen, Besucher und Nutzungen erfahren durfte.

Regensburgs erstes Jugendzentrum

1965 kaufte die Stadt Regensburg das Gebäude von der Fürstlichen Brauerei Thurn & Taxis an. Bis zur Umwandlung in eine Jugendeinrichtung sollte es allerdings noch etwas dauern. Die Forderung nach einem Zentrum für die Jugend Regensburgs wurden lauter, verschiedene mögliche Standorte wurden ins Spiel gebracht, Konzepte diskutiert und erstellt aber erst mit der Auflösung der Gaststätte in der Weingasse 1 konnte aus den Visonen Realität werden. In den Jahren 1975 und 1976 wurde das Gebäude auwändig saniert, bereits 1975 kam es in den Kellerräumen zu einem provisorischen Betrieb und am 28. Juli 1977 eröffnete schließlich das erste städtische Jugendzentrum - zeitweise auch als Jugendkommunikationszentrum und schließlich als Jugendzentrum Weingasse bezeichnet. 

In den folgenden gut 30 Jahren erlebte das Jugendzentrum eine Vielzahl an Trends und erfüllte ganz unterschiedliche Bedürfnisse der jungen Regensburgerinnen und Regensburger. Von Straßen- und Motorradgangs über die Kinder von Arbeitsmigranten bis hin zu Punks und Hippies fanden verschiedenste Szenen hier ein Zuhause. Kulturelle Angebote haben dabei von Anfang an eine Rolle gespielt.

Auch der Stadtjugendring Regensburgs war über viele Jahre Nutzer und Mitgestalter des Hauses, ebenso wie der Arbeitskreis für ausländische Arbeitnehmer, der noch heute Räume in der Weingasse 1 nutzt.

Umbau und Neueröffnung

Spätestens zu Beginn des neuen Jahrtausends wurde eine Bedürfnislage immer offensichtlicher, für die sich in Regensburg bislang wenig Raum und Ressourcen fanden: die kulturellen Belange jugendlicher und junger Erwachsener. Es fehlte nicht nur an Veranstaltungsorten für die junge Kultur sondern v.a. auch an Gestaltungsräumen, technischer Ausstattung, Materialien und pädagogischer Begleitung junger Menschen bei der Erfüllung ihrer kulturellen Bedürfnisse. Zudem hatte sich über die Jahrzehnte die Struktur der Altstadt verändert, sodass junge Menschen den Stadtteil weniger in ihrer Funktion als Bewohner prägten sondern vielmehr gezielt zur Freizeitgestaltung, zum Einkaufen, Weggehen u.s.w. aufsuchten.

Diese veränderte Bedarfslage in Kombination mit ohnehin notwendig gewordenen Baumaßnahmen nahm das Amt für kommunale Jugendarbeit der Stadt Regensburg zum Anlass, die Einrichtung baulich wie konzeptionell zu modernisieren und als Zentrum für junge Kultur im Jahr 2009 neu zu eröffnen.