Der Regensburger Fischmarkt – Vor 40 Jahren zappelten hier noch echte Fische
Während andere Regensburger Plätze im Laufe ihrer Geschichte mehrmals ihre Funktion – und damit auch ihren Namen – geändert haben, blieb beim Fischmarkt über viele Jahrhunderte im Wesentlichen alles beim Alten: Es wurde frischer Fisch verkauft.
Fischmarkt in den 1960er-Jahren
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Bilddokumentation Stadt Regensburg28. September 2026
Am heutigen Fischmarkt ist der Verkauf von frischen Fischen spätestens seit 1529 historisch belegt – auch wenn Fisch in Regensburg wohl schon seit der ersten Ansiedlung von Menschen gefangen und gehandelt worden ist. Die Lage an der Donau war hierfür schließlich ideal. Urkundlich erwähnt ist ein „Fischmarkt“ in Regensburg bereits 1256, allerdings war dieser wohl ein Stück westlicher gelegen.
Im 16. Jahrhundert war dann nicht nur der Fluss, sondern auch der Hafen nur noch einen Steinwurf entfernt. Die Fischer hatten wunderbar kurze Wege. Freitagvormittags verkauften sie daher hier ihren frischen Fang. Wenn sie besonders erfolgreich waren, zappelten in bis zu 26 Verkaufsbottichen Fische aus Stadt und Land.
1928: Man erkennt gut, dass der Brunnen weiter in die Straße ragt als heute. In den 1970er-Jahren wurde er ein Stück Richtung Süden versetzt, um mehr Platz für die Straße zu gewinnen.
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Bilddokumentation Stadt RegensburgDie Stadt hatte für den Markt eigens Steinbänke errichten lassen, auf denen die Fischer ihre Wasserbottiche in angenehmer Höhe für die Kundschaft platzieren konnten. Befüllt wurden die Bottiche aus dem Brunnen, der seit 1551 dort nachgewiesen ist. Als einer der ersten Bereiche der Stadt war der Fischmarkt unter Stadtbaumeister Alberecht Altdorfer zudem gepflastert worden. Für das Hantieren mit dem Wasser und der glitschigen Ware war das äußerst hilfreich.
Hauptmarkt für Fisch
Wegen deutlich strengerer religiöser Fastengebote als heute war Fisch auch in Regensburg über viele Jahrhunderte ein sehr gefragtes Nahrungsmittel. Er wurde daher auch auf anderen Märkten verkauft: am Krauterermarkt, am Kohlenmarkt und in der Brückstraße. Der Hauptmarkt befand sich jedoch am Fischmarkt. Bis in die 1980er-Jahre hielt sich hier der Verkauf von frischem Fisch.
Brunnen aus dem 16. Jahrhundert
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Bilddokumentation Stadt RegensburgBesonders charakteristisch für den Fischmarkt ist der Brunnen. Seine heutige Erscheinung des Brunnens entspricht der des 17. Jahrhunderts. Er zeigt einen geharnischten Jüngling, der eine der wichtigsten Tugenden der aufstrebenden Bürgerschaft im 16. Jahrhundert darstellt: Wehrhaftigkeit und Stärke. Die Figur stützt sich auf das Stadtwappen und hält einen Fisch in der Hand. Der Brunnen wurde 1551 vermutlich im Zentrum des damaligen Platzes errichtet. Kurz zuvor, 1549/1550 hatte die Stadt die erste zentrale, (reichs)städtische Wasserversorgung etabliert. Über Holzrohre wurde aus der Brunnstube in Dechbetten Wasser in die Stadt geleitet. Auf einigen Plätzen konnte man das Wasser in zum Teil neuerrichteten und aufwendig gestalteten Brunnen entnehmen.
Ein Platz auf den zweiten Blick
Im 16. Jahrhundert baute die Stadt das Fleischhaus (hier links im Bild) am Fischmarkt.
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Bilddokumentation Stadt RegensburgSeinen eigentlichen „Platzcharakter“ hat der Fischmarkt heute verloren. Allein die Tatsache, dass er die Bezeichnung „Platz“ nicht im Namen trägt, zeigt das auch sprachlich. Früher jedoch teilte sich dieser „Platz“ in zwei Bereiche auf: den Fleischhausplatz und den Neuen Fischmarkt. Mindestens bis 1865 waren diese beiden Bezeichnungen im Stadtplan noch so angegeben. Das „Fleischhaus“ auf der Nordseite des Platzes ließ die Stadt vermutlich 1528 als zentrales Schlachthaus und Metzgerhalle errichten, um die hygienischen Verhältnisse in dieser Branche zu verbessern. Über den vorbeifließenden Vitusbach konnten die Schlachtabfälle direkt entsorgt werden. Aus heutiger Sicht dürften die Regensburgerinnen und Regensburger dennoch mehr als froh gewesen sein, als die Stadt 1890 im Stadtosten einen neuen Schlachthof baute und sich der Fischmarkt wieder als reiner „Fischmarkt“ darbot.
Die Bezeichnung Otto-Bad ist heute noch am Gebäude lesbar.
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Bilddokumentation Stadt RegensburgDas Fleischhaus wurde abgerissen, stattdessen entstand mit dem Otto-Bad eine private Badeanstalt. Bis in die 1920er-Jahre war diese geöffnet. Die sonstige Bebauung rund um den Fischmarkt besteht hauptsächlich aus ursprünglich gotischen Häusern.
August 1996: Aufhebung der Durchfahrtssperre
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Bilddokumentation Stadt RegensburgHeute ist der kleine Platz ein belebter Ort mit einer wichtigen Bushaltestelle. Von 1990 bis 1996 war die Durchfahrt für den Individualverkehr gesperrt. Heute bemüht sich die Stadt im Rahmen der Verkehrsberuhigung auf andere Weise darum, den Durchgangsverkehr hier möglichst gering zu halten.
Text: Claudia Biermann
Die Reihe Regensburger Plätze entstand in Kooperation mit Janina Rummel von der Abteilung Welterbekoordination. Weitere spannende Einblicke in das baukulturelle Erbe von Regensburg finden Sie unter www.regensburg.de/welterbe.
Weitere Informationen
Quellen
- Karl Bauer: Regensburg. Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte. MZ-Buchverlag 2014.
- Regensburger Denkmalbriefe. HG.: Stadt Regensburg, Amt für Archiv und Denkmalpflege. 2009.
- Bernhard Lübbers: Regensburg. Biografie einer Stadt. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2025.
- Regensburger Plätze. Geschichte und Funktion städtischer Räume. Regensburger Herbstsymposium für Kunst, Geschichte und Denkmalpflege 2016. Morsbach Verlag, Regensburg 2017.
- Denkmalpflege in Regensburg, Band 15. Verlag Friedrich Pustet 2018.
- www.regensburg.de






