Der Regensburger Arnulfsplatz – Vergnügungsort und Verkehrsknoten seit Jahrhunderten
Am Rand der westlichen Altstadt liegt der Arnulfsplatz: Für Busnutzende ein zentraler Zusteigepunkt zum ÖPNV, für Freunde lokal gebrauter Biere mit der Traditionsgaststätte Kneitinger seit fast 400 Jahren unverzichtbarer Treffpunkt.
1900: Repro einer Postkarte, Fotograf unbekannt
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Bilddokumentation Stadt Regensburg21. Mai 2026
Sich im Theater oder Kino amüsieren, gut essen und ein Bierchen trinken, das wird in dieser Ecke Regensburgs seit vielen Generationen sehr gern getan – nicht nur beim „Knei“, seinen Vorgängern und gastronomischen Nachbarn. 1590 wurde in dem Haus erstmals eine Brauerei urkundlich erwähnt. Nebenan, in der Hausnummer 4, wohnte zur Zeit des Reichstages der englische Gesandte Sir Georg Etherigde. Er zeigte den braven Regensburgerinnen und Regensburgern schon im 17. Jahrhundert, wie man so richtig feiert: Er gab rauschende, bisweilen mehrere Tage anhaltende Feste mit gebratenen Ochsen vor seiner Residenz: Leichte Mädchen gingen bei ihm ein und aus. Der skandalumwitterte Etheridge war zudem ein Scherzkeks: Neben Silberlingen warf er auch Knallfrösche unters Volk, um sich zu amüsieren. Zu seiner Zeit gab es auf dem Platz einen öffentlichen Trinkwasserbrunnen, außerdem floss oberirdisch ein Bach. Dieser speiste eine übelriechende Viehschwemme, die 1656 auf Betreiben des englischen Dandys verschlossen wurde.
Bayernherzog Arnulf als Namensgeber
Damals wie heute ist der Arnulfsplatz ein Verkehrsknotenpunkt am Rande der Altstadt.
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Bilddokumentation Stadt RegensburgBereits zur Zeit der Römer war hier ein großer Verkehrsknotenpunkt: In alle vier Himmelsrichtungen gingen wichtige Handelswege ab. Seinen heutigen Namen verdankt der Platz jedoch vermutlich einem Bayern: Herzog Arnulf I. Dieser hatte die Mauern des römischen Castra Regina abreißen lassen, um 920 die sogenannte Arnulfinische Stadtmauer zu errichtet und das Stadtgebiet zu erweitern. Weil er das bayerische Heer nach schweren Kämpfen gegen Ungarn wieder aufbauen musste, zog er dafür kurzerhand Kirchengüter ein – diese Vorgehensweise brachte ihm das Attribut „der Böse“ ein.
Aus einem Platz wurden zwei
1907: Das Brunnenrondell in der Mitte des Platzes mutete mit seiner Bepflanzung fast mediterran an. Im Hintergrund sichtbar: Der Durchgang zum Velodrom.
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Bilddokumentation Stadt RegensburgUnmittelbar außerhalb der Stadtmauer befand sich dann mehrere Jahrhunderte lang ein großer Platz, aus dem der heutige Arnulfsplatz erst hervorging. Aus dem 13. Jahrhundert ist im östlichen Bereich das sogenannte Zeughaus überliefert. Hier wurden Handfeuerwaffen und Kanonen aufbewahrt. Kam hoher Besuch in die Stadt, wurde er hier mit Kanonensalven begrüßt. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts bildete der Arnulfsplatz mit dem heutigen Bismarckplatz noch eine Einheit: den Jakobsplatz – benannt nach dem gleichnamigen, benachbarten Schottenkloster. Erst der Theaterbau in der Mitte machte zwei Plätze daraus: den Oberen und den Unteren Jakobsplatz. Seit 1872 trägt die mehr als 3.000 Quadratmeter große Fläche ihren heutigen Namen: Arnulfsplatz. Bis 1928 gab es mitten auf dem Platz ein Blumenrondell mit einer Hirtenstatue, bis 1964 fuhr hier auch die Straßenbahn. Heute ist auf dem Platz die zentrale Umsteigestelle für den ÖPNV in der westlichen Altstadt.
Velodrom als weitere Vergnügungsstätte
Rückversetzt zum Platz befindet sich das Velodrom. 1897 vom Fahrrad- und Autohändler Simon Oberndorfer ursprünglich als Radrennbahn errichtet, wandelte es sich schnell in einen beliebten Bühnen- und Versammlungsort für kulturelle und politische Veranstaltungen. Auch ein Kino war dort zuhause. Heute ist das Gebäude eine Spielstätte des Theaters Regensburg, der eine Sanierung bevorsteht. Gemeinsam mit dem Stadttheater und den ringsum vorhandenen Gaststätten lockte es damals die Menschen für vielerlei Vergnügungen an.
Text: Claudia Biermann
Die Reihe Regensburger Plätze entstand in Kooperation mit Janina Rummel von der Abteilung Welterbekoordination. Weitere spannende Einblicke in das baukulturelle Erbe von Regensburg finden Sie unter www.regensburg.de/welterbe.
Weitere Informationen
Quellen
- Karl Bauer: Regensburg. Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte. MZ-Buchverlag 2014.
- Regensburger Denkmalbriefe. HG.: Stadt Regensburg, Amt für Archiv und Denkmalpflege. 2009.
- Peter Schmid: Geschichte der Stadt Regensburg: 2 Bd. Pustet Verlag 2000.
- Regensburger Plätze. Geschichte und Funktion städtischer Räume. Regensburger Herbstsymposium für Kunst, Geschichte und Denkmalpflege 2016. Morsbach Verlag, Regensburg 2017
- Festschrift zum 150-jährigen Jubiläum der Brauerei Kneitinger. HG: Brauerei Kneitinger 2011.(yumpu.com/de/document/read/5335298/ein-blick-zuruck-historisches-brauerei-kneitinger, abgerufen am 18.03.2026)
- Das Velodrom Regensburg – ein Haus mit bewegter Geschichte








