Hitzehelferin und Klimaforscherin - Carina Lemke macht Regensburg klimafit

Carina Lemke ist seit einem Jahr die Klimaresilienzmanagerin der Stadt Regensburg. Ihre Aufgabe ist es, den Klimawandel in Regensburg zu untersuchen und auf dieser Wissensbasis konkrete Maßnahmen anzustoßen, damit Stadt und Bewohnerinnen und Bewohner vor Ort besser mit den Folgen umgehen können.

Porträt: Carina Lemke © Bilddokumentation Stadt Regensburg

18. Juni 2026

Hinter ihrem Job steckt zunächst einmal viel wissenschaftliches Arbeiten wie die Erhebung und Analyse von Wetter- und Klimadaten. Sichtbar nach Außen wird ihre Arbeit zum Beispiel auf der gerade neu überarbeiteten städtischen Webseite für Klimaresilienz. Hier findet man gebündelt alle Daten und Fakten zum Regensburger Klima. Auch an der neuen Nebeldusche am Neupfarrplatz war sie beteiligt: „Natürlich habe ich die nicht selbst aufgebaut“, erklärt sie schmunzelnd. „Das machen Kolleginnen und Kollegen anderer Ämter. Ich habe hier entsprechend beraten und werde die Maßnahme auf ihre Wirksamkeit und Akzeptanz evaluieren.“ Ähnlich verhält es sich bei der klimaresilienten Umgestaltung von Plätzen. Die 33-Jährige hat also eine wichtige beratende Funktion nach Innen: Mit ihrem speziellen Fachwissen unterstützt sie andere Ämter bei allen Fragen rund um das Klima in Regensburg.

Klimarisikoanalyse entsteht

Grafik: Temperaturskala des Deutschen WetterdienstesDie Grafik zeigt, wie sich die Jahresmitteltemperatur in Regensburg verändert hat. Mit Ausnahme des Jahres 2010 lagen die vergangenen 29 Jahre allesamt über dem Durchschnitt von 8,3° C. Werte wie diese sind für Lemkes Analysen wichtig. © Webseite Deutscher Wetterdienst

Carina Lemke erhebt essenzielle Grundlagendaten, die eine wissenschaftlich korrekte und belastbare Datenbasis für Regensburg schaffen, um fundierte Entscheidungen für die Gegenwart und die Zukunft treffen zu können. Dazu gehört die aktuell erstellte Klimarisikoanalyse für Regensburg. Ein wichtiges Instrument, mit dem die Kommune feststellen kann, was oder wer am stärksten von Klimaveränderungen betroffen ist oder künftig sein wird. Daraus kann dann u. a. abgeleitet werden, was vorrangig zu tun ist. „Diese Grundlagenanalyse wird der zentrale Baustein für eine Weiterentwicklung unserer Klimaresilienzstrategie in den nächsten Jahren sein“, fasst Lemke zusammen.

 

Jede Menge Tipps für Bürgerinnen und Bürger

Fotografie: Carina Lemke im Gespräch im Bürgern
Die Information von Bürgerinnen und Bürger rund um das Thema Klima oder Hitzeschutz ist ein wichtiger Bestandteil von Lemkes Arbeit – wie hier auf der Welterbemeile im Juni. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Das ganze Jahr über organisiert und veranstaltet die Klimaresilienzmanagerin Vorträge, Workshops und weitere Angebote für Bürgerinnen und Bürger sowie Initiativen, um diese auch bei eigenen Vorhaben zu beraten und sie für das Thema Klimaanpassung grundsätzlich zu sensibilisieren. Diese Information von Bürgerinnen und Bürgern ist ihr besonders wichtig, damit sie mit Hitzewellen, Starkregen oder anderen klimatischen Ereignissen besser zurechtkommen können. „Klimaresilienz geht nämlich weiter als Klimaanpassung“, beschreibt Carina Lemke ihr für Außenstehende zunächst vielleicht etwas unklares Aufgabengebiet. „Sie beschäftigt sich damit, wie man die negativen Auswirkungen des Klimawandels gut überstehen kann. Wie man Schäden begrenzen kann, mit den Folgen bestmöglich umgeht und sich von besonderen Ereignissen – wie zum Beispiel einer Hitzewelle – wieder erholt.“ Bevor die 33-Jährige ihren Job bei der Stadt angenommen hat, war die Geographin beim Deutschen Wetterdienst angestellt. Dort hat sie unter anderem zahlreiche Sachverständigengutachten zu meteorologischen Ereignissen verfasst. Mit Starkregen, Hitze und Trockenheit war sie also bereits vorher bestens vertraut.   

HitzeHelfer und Karte der kühlen Orte

Fotografie: Laptop mit der Homepage der HitzeHelfer © Screenshot Hitzehelfer / Stadt Regensburg

Seit Juni ist der „HitzeHelfer“ online. Auf dieser neuen Website der Stadt, die Lemke gemeinsam mit ihrer Kollegin Alexandra Altmann erstellt hat, finden Bürgerinnen und Bürger kompakt und übersichtlich wertvolle Tipps für heiße Tage. „Hier ist neben den amtlichen Hitzewarnungen mit entsprechenden Gesundheitstipps, interaktiven Bildungsangeboten und Beratungsmöglichkeiten zum Wärmeschutz an Gebäuden auch unsere neue Karte der kühlen Orte zu finden“ beschreibt Lemke die zentrale Plattform. „Neben unseren sieben Trinkwasserbrunnen, findet man darauf schattige Plätze in unseren Parks und Bädern oder Badestellen an Donau und Regen. Es sind darin auch kühle Orte wie ausgewählte Kirchen, klimatisierte Einkaufszentren oder Bürgerzentren markiert.“ Jetzt sind noch die Geheimtipps der Regensburgerinnen und Regensburger gefragt: In einem digitalen Beteiligungsprozess über mein.regensburg.de sind sie bis August aufgerufen, ihre Favoriten zu verraten, sodass die Karte der kühlen Orte dynamisch bleibt und wachsen kann. Der HitzeHelfer ist Teil des sogenannten Hitzeaktionsplans der Stadt.

Nebeldusche auf dem Neupfarrplatz

Fotografie: Eine Person erfrischt sich an der Nebeldusche auf dem Neupfarrplatz.Ab 30 Grad läuft die Nebeldusche am Neupfarrplatz. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

In diesem Sommer wurden auf dem hitzebelasteten Neupfarrplatz erstmals zwei Nebelduschen aufgestellt, die an heißen Tagen Abkühlung und Spaß zugleich bringen sollen. Hierfür analysierte Carina Lemke, ab welcher Temperatur es Sinn macht, die feinen Wasserdüsen anzuschalten, sodass auch der Ressourcenverbrauch in guter Relation zur beabsichtigten Wirkung steht. Ab 30 Grad heißt es dort in Zukunft: Duschen erlaubt! „Wir sammeln hier erste Erfahrungen und schauen dann, ob wir die Betriebszeiten evtl. noch einmal nachjustieren und wie die Maßnahme von der Bevölkerung allgemein angenommen wird.“

Mobile Begrünung am Alten Kornmarkt

Fotografie: Sommerwerkstatt am Alten KornmarktIm Rahmen des Beteiligungsprozesses KlaR waren die Regensburgerinnen und Regensburger im Sommer 2024 aufgerufen, eigene Ideen für einen kühleren Alten Kornmarkt zu entwickeln. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Spätestens im Spätsommer wird auf dem Alten Kornmarkt prototypisch sicht- und erlebbar, wie sich ein Platz mit mobilen Elementen abkühlen lässt. Auch hier gab es im Vorfeld eine großangelegte Bürgerbeteiligung im Rahmen des KlaR-Projekts „Klimaanpassung in Regensburg – Resilienz erfahrbar machen“. Umgesetzt daraus wird das: Drei, im Viereck angeordnete, begrünte Schattenspender mit integrierten Sitzmöglichkeiten und Infotafeln werden auf der Nordosteite des Platzes vor der benachbarten Schule aufgestellt. Lemke betont: „Die Objekte sollen zum Verweilen einladen, können zum Beispiel als Freiluftklassenzimmer genutzt werden oder Gästeführern als schattige Anlaufstelle dienen, wenn sie zur Geschichte des Kornmarktes referieren.“ Dieses Projekt wird im Rahmen eines Klimalabors der R_NEXT-Förderung umgesetzt. Zugleich wird erforscht, wie sich diese Maßnahmen tatsächlich auf das Mikroklima vor Ort auswirken.

RegenRetter als nächste Aufgabe

Porträt: Carina Lemke © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Lemkes nächstes größeres Projekt soll der „RegenRetter“ werden. Ähnlich zum HitzeHelfer wird eine Website entstehen, auf der Infos rund um das Thema Starkregen gebündelt werden. „Hitze, Starkregen und Durchlüftung, das sind die drei großen Themen, die uns in Regensburg auch weiterhin beschäftigen werden“, schätzt die Expertin aus der Stabsstelle Klimaschutz und Klimaresilienz. „Daten erheben sowie Menschen und Institutionen miteinander vernetzen sind ebenfalls Daueraufgaben.“

Erholung in den Bergen

Fotografie: Carina Lemke in den BergenCarina Lemke beim Erklimmen der Alpspitze © Thomas Wilde

Und wenn sie genug von Wettertheorie und -analysen hat, schnürt die gebürtige Niederbayerin ihre Kletterschuhe und macht sich auf Richtung Schönhofen oder Kallmünz. Hier kann sie ihre Sehnsucht nach den Bergen mildern. „Meine Liebe zu den Bergen und zur Natur, macht mir immer wieder bewusst: Es ist unerlässlich, sich mit dem Klima zu beschäftigen und unsere schöne Natur bestmöglich zu schützen, damit sie uns noch lange Freude machen kann.“ Aus dem Vollen schöpfen wird sie hier vor allem im Juli können: Dann steht eine Alpenüberquerung an.       

Text: Claudia Biermann

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